Aufprall zweier Autos

Vor kurzem soll ein Physiker behauptet haben, daß man im Falle eines
bevorstehenden Frontalaufpralls zweier Autos kurz vorher beschleunigen sollte,
weil man dadurch die eigenen Chancen gegenüber dem „Unfallgegner“ verbessern
könne.

Die kinetische Gesamtenergie, die umgewandelt werden muss, wird durch die
Beschleunigung doch sogar noch mehr.

Aber verändert sich durch die Beschleunigung die Verteilung? Ich könnte mir
vorstellen, daß das Gegnerfahrzeug durch die hohe eigene Geschwindigkeit
„mitgenommen“ wird und dadurch die eigene kinetische Energie in die „rückwärtige
Beschleunigung“ des anderen Fahrzeugs umgewandelt wird.

Auch wenn das natürlich völlig theoretische Überlegungen sind, wüsste ich gerne,
was richtig ist.

Gruß
Thomas

Hallo,

was ist denn das für ein Physiker?

Zunächstmal verbessert man sein Chancen idR erheblich, wenn man AUSWEICHT.

Wo Zeit bleibt nenneswert zu beschleunigen, da bleibt auch mehr als genug Zeit auszuweichen.

Für den Unfallschaden ist es physikalisch zudem unerheblich, welches Auto sich wie schnell bewegt hat. Was die Autos voneinander „sehen“ ist die Relativgeschwindigkeit, und die ist für beide GLEICH.

Eine Beschleunigung ist nur IM MOMENT DES AUFPRALLS Vorteilhaft für das beschleunigende Auto. Der Moment ist ultrakurz. In diesem kurzen Moment wirst du im Inneren massiv nach vorne beschleunigt. Diese Beschleunigung (und NICHT die kin. Energie, wie geschrieben!) kann etwas verringert werden, wenn _während_ des Aufpralls das Auto weiter beschleunigt wird (womit sich die eigene Verzögerung verringert). Das mag theoretisch zwar hinkommen, aber praktisch ist das natürlich Schwachsinn: 1. bringt es wegen der Kürze der Wirk-Zeit nicht viel und 2. bekommst du den gegenteiligen Effekt, wenn du etwas zu früh auf gas gehst und 3. solltest du besser bremsen und ausweichen, statt auf den richtigenb Moment zum Gasgeben zu warten…

LG
Jochen

Hallo!

Machen wir mal folgende Annahmen: Die Masse der beiden Autos ist gleich. Der Zusammenprall erfolgt vollkommen inelastisch, d.h. die Autos sind nach dem Zusammenprall zu einem Blechklumpen verschmolzen.

Erster Fall: Beide Autos haben die betragsmäßig gleiche, aber entgegengesetzte Geschwindigkeit v1=-v2=v.

Ergebnis: Nach dem Aufprall stehen beide Wracks. Die umgesetzte Energie beträgt mv². Die Geschwindigkeitsänderung beträgt bei beiden Fahrzeugen v.

Zweiter Fall: Eines der Autos bewegt sich mit einer Geschwindigkeit, die betragsmäßig doppelt so groß ist wie die des anderen Autos: v1=-2v2.

Ergebnis: Der Gesamtimpuls 2mv-mv = mv muss erhalten bleiben, also bewegt sich der Schrotthaufen nach dem Zusammeprall mit der Geschwindigkeit u=1/2 v. Die hierbei umgesetzte Gesamt Energie beträgt:
E1 + E2 - E(nach dem Stoß) = 1/2 m (2v)² + 1/2 m v² - 1/2 (2m) (1/2v)² = 2,25 m v². Die umgesetzte Energie beträgt also mehr als das Doppelte. Die Geschwindigkeit ändern sich um Δv1 = 2v - u = 3/2 v. Δv2 = v2 - u = -v - 1/2v = -3/2v. Beide Fahrzeuge ändern also ihre Geschwindigkeiten um denselben Betrag, erfahren also dieselben Kräfte (betragsmäßig). Das verwundert auch nicht, denn genau das wird ja durch actio=reactio ausgedrückt.

Langer Rede kurzer Sinn: Weder die Gesamtbilanz der Energie, noch die Verteilung der Kräfte wird durch eine Erhöhung der Geschwindigkeit günstiger.

Michael

Vor kurzem soll ein Physiker behauptet haben, daß man im Falle
eines
bevorstehenden Frontalaufpralls zweier Autos kurz vorher
beschleunigen sollte,
weil man dadurch die eigenen Chancen gegenüber dem
„Unfallgegner“ verbessern
könne.

Wenn das überhaupt einen Sinn ergibt, dann höchstens bei sehr geringen Geschwindigkeiten. Bei hohen Geschwindigkeiten sind die zwischen den Autos und der Straße wirkenden Kräfte so viel kleiner als die zwischen den Autos wirkenden Kräften, dass man den Einfluss der Straße vernachlässigen kann und dann ist eine Erhöhung der Relativgeschwindigkeit immer für beide Unfallgegner von Nachteil.

Hi Thomas,

Vor kurzem soll ein Physiker behauptet haben, daß man im Falle
eines
bevorstehenden Frontalaufpralls zweier Autos kurz vorher
beschleunigen sollte,
weil man dadurch die eigenen Chancen gegenüber dem
„Unfallgegner“ verbessern
könne.

ergänzend mal ganz praktisch-pragmatisch als Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr und unabhängig von den hier bereits geschriebenen Beiträgen:

Der „Physiker“ hat wohl kaum eine Vorstellung über den Zeitablauf eines solchen Geschehens. Wir reden da über eine Zeit, die IMHO unterhalb einer Sekunde liegt.
Sei froh, wenn du dann überhaupt noch zu einer Entscheidung kommst, von einer Ausführung einer solchen kaum zu reden.

Solltest du jedoch ausreichend Zeit haben, eine vernünftige Reaktion einzuleiten, dann ist eine Beschleunigung in Richtung Gegner wohl nicht das Mittel der Wahl, dann ist Bremsen/Ausweichen angesagt.

Wie sagt schon der „Volksmund“:
Was ist besser als Geistesgegenwart bei einem Unfall? Die körperliche Abwesenheit.

Ulrich