Aufrichtige Bestattung - deren Bedeutung

Das man den die Toten liegend (Rückenlage) in die Gruft oder ins Grab legt ist jedem bekannt. Die Bedeutung jemanden in Bauchlage (Gesicht in Boden) zu bestatten ist mir auch bekannt.
Doch welche Bedeutung hat es in Europa jemand in aufrechter Haltung (stehend) zu bestatten? Ein bekanntes Beispiel ist Til Eulenspiegel.

A.

Kopf nach unten
Über Dudelsackspieler wurde erzählt, dass man sie senkrecht mit dem Kopf nach unten beerdigte, damit sie auch auf gar keinen Fall wieder auferstehen können.

Was die aufrechte Grablage kennt, so kenne ich bei Eulenspiegel die Interpretation, dass er eben so quer gegen alle Tradition im Grab zu liegen kam wie er auch gelebt hatte. Gibts noch andere Beispiele?

Bernhard

Hallo Bernhard,

nicht aus dem Mittelalter, sondern aus jüngster Zeit:

dass er eben so quer gegen
alle Tradition im Grab zu liegen kam wie er auch gelebt hatte.
Gibts noch andere Beispiele?

das ist bei HAP Grieshabers Beerdigung - es war regnerisch und alles glitschte ein bisschen - auch passiert. Wurde dann aber vor dem Zuschütten korrigiert…

Schöne Grüße

MM

off topic: schräg im grab
hi martin,

ich habe mal vertretungsweise für einen freund in einem schwäbischen dorf als totengräber gearbeitet. da wir eine falsche sarggröße genannt bekommen hatten, war das grab zu kurz und der sarg konnte bei der beerdigung nur schräg abgelassen werden. nachdem die trauergäste gegangen waren ist dann einer auf dem sarg rumgesprungen, um ihn in die grube zu wuchten…

seit der zeit weiss ich übrigens auch, dass man filmen nicht trauen kann, in denen leichen „mal eben“ verbuddelt werden. wir haben geschuftet wie die bekloppten, da der boden lehmig und steinig war.

grüße
burkhard

Kann ich mir lebhaft vorstellen, wie ihr auf dem Sarg umher gesprungen seid. Bei uns in Niedersachsen würde man dies als Ritual verkaufen; in er Hoffnung, daß die Toten wieder aufwachen.

A.

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Hey Joe,

Bei uns in Niedersachsen würde man dies als
Ritual verkaufen; in er Hoffnung, daß die Toten wieder
aufwachen.

neej - da müsste noch ne Pulle Schluck anbei verbuddelt und noch Johr un Taach wieder ans Licht gebracht werden. Sodann auf das Wohl des nächsten der Anwesenden, der abmarschiert, geleert. Solange noch die Rüben wachsen, giebt et Schnaps in…

Aber das ist richtig: Betreffend Spökenkiekerei und die Beschwörung von Ahnen und Erdgeistern sind Niedersachsen einfach die bessren Germanen.

Na lass uns den ollen Klinterklöter Till U. mal ruhen lassen, dat het he man verdient!

Schöne Grüße von

MM
der, wiewohl Schwabe, noch nich lang her ein Paar Brautschuhe am Torstock hat annageln und die Bräutigamshosenasche hat begraben helfen

Stimmt es eigentlich, daß in Ostfriesland die Toten mit dem Rücken nach oben begraben werden? Ich bin aus Oberfranken bis jetzt nur selten weggekommen und habe das gerüchteweise gehört.

Grüße

Winfried

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Aufrichtiges Beileid
hi winfried,

Stimmt es eigentlich, daß in Ostfriesland die Toten mit dem
Rücken nach oben begraben werden?

ich kenne das nur als witz in meiner schulzeit: warum bestatten die ostfriesen ihre toten auf dem bauch liegend und mit dem hintern aus der erde guckend?
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damit sie noch als fahrradständer nützlich sein können.

liebe pietätlose grüße
von
burkhard

total off topic: fest am grab
hallo martin,

neej - da müsste noch ne Pulle Schluck anbei verbuddelt und
noch Johr un Taach wieder ans Licht gebracht werden. Sodann
auf das Wohl des nächsten der Anwesenden, der abmarschiert,
geleert. Solange noch die Rüben wachsen, giebt et Schnaps
in…

erinnert mich an madagaskar, wo die toten bzw. deren gebeine nach einer gewissen zeit wieder ausgegraben werden und die verwandten eine große party mit den toten zusammen feiern. ist doch eine schöne sitte, oder?

das mit dem wieder ausgraben, knochen säubern und umbetten, gibt es übrigens auch in indonesien an verschiedenen ecken. ganz elaboriert sind die toraja in sulawesi (dem früheren celebes). dort gibt es einen sehr ausgeprägten totenkult. die toten gelten nach dem letzten schnaufer als „totkrank“ und kriegen 6 liter formalin gespritzt, damit sie sich halten (früher hat man die toten in kräuter gepackt…). so liegen sie dann im sarg in der wohnung, genauer gesagt in den traditionellen häusern, die aus drei räumen bestehen, bis zur beisetzung in der küche.

das problem ist, das möglichst alle verwandten anreisen sollten und das viele viele tiere geopfert werden sollen. (ich habe eine beerdigung mitbekommen, die ging über eine woche und es waren 10.000 gäste dort. geschlachtet wurden über 100 wasserbüffel und entsprechend mehr schweine. und die wasserbüffel waren zu großen teilen die gescheckten, die 2-3000 dm kosteten. nicht umsonst sagen die guides dort immer mercedes-büffel…)

da das ganze prozedere so aufwendig und teuer ist, werden viele beerdigungen immer wieder von jahr zu jahr verschoben. derweil sind die „totkranken“ immer brav in der küche. ich war in einer wohnung, da lag der opa seit 12 jahren rum. (allerdings wurde die witwe auch als etwas merkwürdig beschrieben.)

es würde zu weit führen, die ganze beerdigung hier zu beschreiben, aber ich kann dir sagen, man fühlt sich in eine ganz andere welt versetzt. seeehr speziell! und, da viele toraja christen sind, aber ihre traditionellen vorstellungen trotzdem noch haben, hält auch noch der pastor eine kleine rede. und die steuerbeamten stehen am eingang und checken, was an mitbringsel vorbeigebracht wird, denn darauf muss steuer gezahlt werden. wirklich seeehr speziell!

liebe grüße
burkhard

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Hallo Burkhard,

es geht noch schöner: es gíbt Stämme in Südamerika, die ihre Toten begraben, indem sie sie aufessen (kein Scherz). Auf diese Weise soll der Tote in ihnen (und somit auf ewig) weiterleben.
Ein Forscher, der lange Jahre bei einem dieser Stämme gelebt hat, bekam die Ehrung, dass man ihm zusagte, ihn nach seinem Tod essen zu wollen. Als Zeichen großer Anerkennung und Freundschaft.

Morbide Grüße,

Mirjam

noch totalitererer off topic: festessen am Grab…
hallo mirjam,

a propos aufessen: im hochland von neuguinea leben die kukakuka (ich hoffe, ich habe den namen jetzt richtig wiedergegeben), die die asche und das gehirn ihrer toten in bananenbrei reinkleppern und dann alle zusammen zu tische sitzen. bei den kukakuka wurde festgestellt, dass eine geheimnisvolle krankheit grassierte. die leute fingen an, teilnahmslos dahinzuvegetieren und zu sterben.

untersuchungen ergaben dann, dass die krankheit durch das essen des gehirns übertragen wurde --> eine verwandte von creutzfeld-jacob und bse.

maaaahlzeit
burkhard

Ja, sowas habe ich auch vor 15 - 20 Jahren gehört. Neben der Videoreihe „Gesichter des Todes“ (oder so ähnlich), gab es auch eine Forschungsreihe über Kanibalismus, bei Insekten und bei Nagetieren und größeren Säugetieren. Im Schnitt, hatten diese Tierchen nur 85% ihrer eigentliche Lebenserwartung. Aber das ist eigentlich schon fast das Normale - weil man sich an solch Perversion gewöhnt hat. Ich denke da an Nerzfarmen, die Kadaver werden auch noch an ihren Artgenossen verfüttert - nur so am Rande.
Schon damals hatte man berichtet, das die Eingeboren im Hochlande in Neuginea an Hirnerkrankungen sterben durch diesen Kanibalismus.

A.

Das man den die Toten liegend (Rückenlage) in die Gruft oder
ins Grab legt ist jedem bekannt. Die Bedeutung jemanden in
Bauchlage (Gesicht in Boden) zu bestatten ist mir auch
bekannt.
Doch welche Bedeutung hat es in Europa jemand in aufrechter
Haltung (stehend) zu bestatten? Ein bekanntes Beispiel ist Til
Eulenspiegel.

A.

Hallo Joe,
dass jemand stehend begraben wurde, is mir unbekannt. Würde auch gar keinen Sinn machen, eine SO tiefe Grube auszuheben. Um in eine Tiefe von, sagen wir, 1,50m vorzudringen, müsste die Grube so breit sind, dass man die Leiche genauso gut reinlegen könnte.
Der einzige Fall von „stehender Bestattung“, der mir bekannt ist, ist in Sizilien, und da handelt es sich auch nur um eine „Sekundärbestattung“: Dort wurden die Leichen nicht in der Erde bestattet, sondern in Grabnischen in Höhlen - liegend. Dort mumifizierten sie. Weil die Nischen weiterbenutzt wurden, holte man die Mumien wieder aus raus und stellte sie - stehend - wieder auf. Das wurde dann sogar zu einer richtigen Attraktion.

VG
Christian