Weiß jemand, ab wann ungefähr in den bäuerlichen Häusern der Wohnraum von den Ställen getrennt wurde?
Weiß jemand, ab wann ungefähr in den bäuerlichen Häusern der
Wohnraum von den Ställen getrennt wurde?
Hallo !
In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Ich war noch sehr oft in diesen Häusern.
mfgConrad
Servus Angela,
von welcher Region sprichst Du?
Für die Bauformen Nordwestdeutschlands (Gulfhaus, Deelenhof) hast Du bereits eine Angabe von Conrad. In anderen Gegenden war die Trennung bereits im Hochmittelalter üblich.
Der fränkische Hof mit getrennten, um einen Hof angeordneten Gebäuden dürfte wie so vieles Fränkische im 8. - 9. Jahrhundert in seiner Grundform festgelegt sein und hat sich seither nicht mehr dramatisch verändert.
Das schwäbisch-alemannische Einhaus (die beiden Formen unterscheiden sich fast bloß in der Reihenfolge Wohnung-Stall-Tenne oder Wohnung-Tenne-Stall) hat seine heutige Form wohl zu einer ähnlichen Zeit angenommen. Die ältesten erhaltenen Exemplare stammen aus dem 14. Jahrhundert, aber die Bauform ist wohl auch aus dem Hochmittelalter.
Schöne Grüße
MM
Servus Martin,
danke für die Infos. In der Tat interessiert mich v.a. der süddeutsche, insbesondere fränkische Raum.
Du schreibst:
Der fränkische Hof mit getrennten, um einen Hof angeordneten
Gebäuden dürfte wie so vieles Fränkische im 8. - 9.
Jahrhundert in seiner Grundform festgelegt sein und hat sich
seither nicht mehr dramatisch verändert.
Was für Gebäude gab es denn um so einen Hof herum und wie viele?
Grüße,
Angela
Hallo Angela,
ein typischer fränkischer Hof ist in Hufeisenform um einen Hof (zweite Bedeutung des Begriffes) angelegt. Üblicherweise, aber nicht zwingend, links von der Einfahrt das Wohngebäude, rechts von der Einfahrt Stall, Hühnerstall und Remise, hinten quer die Scheune. Heuboden über dem Stall.
Taubenhaus (wo erlaubt), Backhaus, Schmiede etc. gehen extra.
Je nach Bedeutung der einzelnen Kulturen (im fränkischen Siedlungsraum hat es einiges an Weinbau z.B.) kann die Aufteilung auch anders sein, aber das Wohnhaus ist immer separat von den Wirtschaftsgebäuden, allenfalls Schweinestall ist in den Wohntrakt integriert.
Schöne Grüße
MM
off topic: Das Rauchhaus
Das Rauchhaus „Unterer Bischofer“ (der Hof ist schon 1416 urkundlich genannt) ist das letzte Beispiel dieser heute im Mondseeland ausgestorbenen Hausform.
Hauptmerkmale: Diese Häuser hatten nämlich keinen Rauchfang und der Rauch der beiden offenen Herdfeuer zog frei durch das Legschindeldach ab. Dabei wurden die Getreidegarben getrocknet, die im Rauchboden über dem Herdraum aufgestellt waren. Die kleinen „Hochfenster“ oberhalb der Stubenfenster dienten dem Rauchabzug aus den Wohnräumen. Da das Haus an den kühleren Öffnungstagen im Frühjahr und im Herbst noch geheizt wird, durchzieht feiner Brandgeruch die rußgeschwärzten Räume.
http://www.ooemuseumsverbund.at/de_museum_208.html
http://www.dasmondseeland.at/kultur/freilichtmuseum_…
Gruß
J.
Servus,
weils so schön ist, hier noch ein Exempel für ein Rauchhaus in Bohlenständer-Bauweise aus meiner Heimat - es ist etwas jünger, von 1664:
http://www.bad-schussenried.de/sehenswertes/kuernbac…
Ich habe es als Bub noch mit dem letzten Dach aus handgedroschenem Roggenstroh gesehen, bevor es Museum wurde. Seither ist das Strohdach durch ein Reetdach ersetzt worden, weil das wenige geeignete Roggenstroh, das vielleicht noch zu kriegen wäre, nicht sehr lange Zeit überdauert. Die Denkmalpfleger sind uneins, ob das mit dem besser ernährten, folglich stickstoffreicheren Roggenstroh zu tun hat oder eher damit, dass der durch das Dach abziehende Rauch eine konservierende Wirkung hatte.
Man kann an dem Haus - es war ein kleinerer Hof, wohl von einem Halb- oder Viertelshüfner und zuletzt Taglöhner - übrigens die oberschwäbische Ackerbauern-Aufteilung Wohnung - Tenne - Stall schön erkennen, die wenig weiter südlich von der Allgäuer Viehbauern-Aufteilung Wohnung - Stall - Tenne abgelöst wird.
Schöne Grüße
MM