'Aufwachspritze'

Hallo,
mich würde interessieren, warum Menschen nach einer Narkose keine sog. Aufwachspritze bekommen.
In vielen Zoosendungen und Tieraztserien bekommen die narkotisierten Tiere fast immer eine Aufwachspritze und sind dann innerhalb von Sekunden wieder fit.
LG Vera

Hallo,
mich würde interessieren, warum Menschen nach einer Narkose
keine sog. Aufwachspritze bekommen.

„Aufwachspritze“ bedeutet pharmakologisch „Antagonist“ (= Gegenmittel).Das setzt voraus, daß man für das Narkosemittel (= Agonist) auch über ein Gegenmittel verfügt.

Bei einigen ist das der Fall: so z. B. für Opiate. Wenn ich dem Patienten also das Gegenmittel verabreiche,wird er nicht nur schneller wach, sondern hat auch sofort Schmerzen. Keine schöne Alternative zu einer „sanften“ Ausleitung ( mit etwas schmerzfreiem Nachschlaf).

Für andere Narkotika haben wir gar keine Gegenmittel - wie z. B. alle als Dämpfe verabreichten Narkosemittel (z. B. Isoflurane). Sie wirken „holoencephal“ (= auf das ganze Gehirn) und können nicht „per Spritze“ in ihrer Wirkung beendet werden.

Deswegen bin ich Anästhesist geworden - und nicht Tierarzt…

Sie wirken „holoencephal“ (= auf das ganze
Gehirn) und können nicht „per Spritze“ in ihrer Wirkung
beendet werden.

Ist das der Grund wieso es bei Tiernarkosen häufiger zu Atemdepressionen kommt? Oder ist das einfach, weil man Menschen generell bei sowas intubiert?

Grüße

Laralinda

Ist das der Grund wieso es bei Tiernarkosen häufiger zu
Atemdepressionen kommt? Oder ist das einfach, weil man
Menschen generell bei sowas intubiert?

Das kann man so nicht sagen: auch Menschen werden nicht „generell bei sowas intubiert“(man kann auch Maskennarkosen ohne Intubation machen).

Atemdepression kann bei jeder Art der Narkose vorkommen. Gut, wenn dann der Anästhesist nicht gerade Kaffee trinken geht:wink:)

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Hallo Laralinda,

Ist das der Grund wieso es bei Tiernarkosen häufiger zu
Atemdepressionen kommt?

es gibt keine „Tiernarkosen“.

Narkosemittel, -verfahren und -überwachung sind in der Veterinärmedizin nicht grundlegend anders als in der Humanmedizin.
Je nach Eingriff, Tierart, Ausrüstung und Erfahrung wählt man die entsprechende Anästhesie aus.
Es gibt auch nicht immer eine „Aufwachspritze“ wie im Fernsehen :wink:

Gruß

Johnny

Hallo,

Deswegen bin ich Anästhesist geworden - und nicht Tierarzt…

hoffentlich nicht nur deshalb - wäre dann nämlich nicht nötig gewesen :wink:

Gruß

Johnny

mich würde interessieren, warum Menschen nach einer Narkose
keine sog. Aufwachspritze bekommen.

Mar ce hat recht. Um es beimn Namen zu nennen: Die Auswachspritze heißt mit Handelsnamen Anexate (bei Benzodiazepinen)

Dieser Sedierungsabbruch hat beim Menschen den Vorteil, daß sich der Doktor (etwa der Anästhesist) nicht mehr um ihn kümmern muß.

In vielen Zoosendungen und Tieraztserien bekommen die
narkotisierten Tiere fast immer eine Aufwachspritze und sind
dann innerhalb von Sekunden wieder fit.

Bei Tieren ist es etwa anders: Die können in ihrem „besoffenen“ Kopf während der Aufwachphase sich selbst und andere verletzen.

Man kann es auch bösartig formulieren:

Beim Menschen dient es der Bequemlichkeit des Doktors, bei Tieren dem Schutz des Tieres.

Und hätte jemand Michael Jackson rechtzeitig Anexate gespritzt, wäre er nicht an Propofol gestorben.

Hallo Priamos,
deine Erklärung ist für Laien die pausiebelste.
Danke + Sternchen
LG Vera

Guten Tag,
das kann ich so aber nicht stehen lassen, sorry…

Dieser Sedierungsabbruch hat beim Menschen den Vorteil, daß
sich der Doktor (etwa der Anästhesist) nicht mehr um ihn
kümmern muß.

Das wäre ja einfach!!! Die Halbwertszeit z. B. der Benzodiazepine ist wesentlich länger als die des Anexates. Der Patient kann nach dessen abklingender Wirkung jederzeit wieder „wegtreten“ - muß also weiterhin unter Aufsicht des Docs bleiben.

Bei Tieren ist es etwa anders: Die können in ihrem
„besoffenen“ Kopf während der Aufwachphase sich selbst und
andere verletzen.

Beim Menschen auch möglich.

Beim Menschen dient es der Bequemlichkeit des Doktors

… der sich dann aber vor dem Richter wiederfindet…

Und hätte jemand Michael Jackson rechtzeitig Anexate
gespritzt, wäre er nicht an Propofol gestorben.

Gewagte Hypothese: Anexate hätte die Benzos antagonisiert - sonst nichts.

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