Aufwand für Akquisition von Projekten

Hallo,

ich frage mich wieviel Aufwand/Kosten in der Industrie für die Bearbeitung einer Ausschreibung bis zum Vertragsabschluß üblich sind und wie sich diese Verteilen (Nachforschungen, Reisekosten, Personal …)

Diese Kosten müssen doch dann in das Angebot mit einkalkuliert werden?

Wie wird mit den Kosten umgegangen, wenn die Firma den Auftrag nicht bekommt?

Wie hoch sollten die „Verluste“ hierraus maximal sein? Es ist schwer jeden Auftrag zu bekommen …

Wahrscheinlich werden solche Fragen in jeder kaufmänischen Ausbildung im ersten Jahr geklärt, aber als Techniker bin ich diesbezüglich ein unbeschriebenes Blatt.

Danke schon mal im Vorraus…

Hi,

ich frage mich wieviel Aufwand/Kosten in der Industrie für die
Bearbeitung einer Ausschreibung bis zum Vertragsabschluß
üblich sind und wie sich diese Verteilen (Nachforschungen,
Reisekosten, Personal …)

wie soll man eine derartige Frage beantworten? Es ist offensichtlich, daß die Kostenstruktur und die Höhe erheblich nach Art des Projektes unterscheiden. Geht es um die Kalkulation der Fertigung von 273 Wellen aus einem bestimmten Edelstahl oder soll eine Ausschreibung für ein Atomkraftwerk erstellt werden? Zwischen einer Kalkulation pi * Daumen und einem mehrtausendseitigen Meisterwerk der Ingenieurskunst liegen schon einmal ein paar Mannjahre und Millionen Euro.

Diese Kosten müssen doch dann in das Angebot mit einkalkuliert
werden?

Natürlich, es sei denn sie sind minimal oder man befürchtet, sich damit aus dem Markt zu kalkulieren oder es handelt sich bei den Kosten um Kosten, die so oder so angefallen wären und durch andere Projekte bereits gedeckt worden sind (sunk cost).

Wie wird mit den Kosten umgegangen, wenn die Firma den Auftrag
nicht bekommt?

Öh, ja, dann sind sie halt angefallen. (?)

Wie hoch sollten die „Verluste“ hierraus maximal sein? Es ist
schwer jeden Auftrag zu bekommen …

Die Rechnung ist einfach: Ohne Kosten kein Angebot und ohne Angebot kein Auftrag und ohne Auftrag keine Kostendeckung. Wenn das Ingenieurbüro Adriaan van Oosten gegen Siemens um den Bau eines Atomkraftwerks im Iran konkurriert, sollte sich erstgenannter gut überlegen, ob sich der Aufwand wirklich rechnet.

Das ganze nennt sich betriebswirtschaftliches Denken und Handeln und läßt sich nur schwer in einem Forum bei mäßiger Datenlage beantworten. Der Erwartungswert (Chance den Auftrag zu bekommen * Deckungsbeitrag aus Auftrag) sollte jedenfalls in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten stehen.

Wahrscheinlich werden solche Fragen in jeder kaufmänischen
Ausbildung im ersten Jahr geklärt, aber als Techniker bin ich
diesbezüglich ein unbeschriebenes Blatt.

Wir auch, zumindest was Deinen konkreten Fall angeht :wink:

Gruß,
Christian

Hallo Christian,

ich frage mich wieviel Aufwand/Kosten in der Industrie für die
Bearbeitung einer Ausschreibung bis zum Vertragsabschluß
üblich sind und wie sich diese Verteilen (Nachforschungen,
Reisekosten, Personal …)

wie soll man eine derartige Frage beantworten? Es ist
offensichtlich, daß die Kostenstruktur und die Höhe erheblich
nach Art des Projektes unterscheiden. Geht es um die
Kalkulation der Fertigung von 273 Wellen aus einem bestimmten
Edelstahl oder soll eine Ausschreibung für ein Atomkraftwerk
erstellt werden? Zwischen einer Kalkulation pi * Daumen und
einem mehrtausendseitigen Meisterwerk der Ingenieurskunst
liegen schon einmal ein paar Mannjahre und Millionen Euro.

Es geht vorallem um den Bereich Informatik + Automatisierungstechnik.
Also um eine „Neuentwicklung“ von einer Spagettispaltmaschine…

Ich hatte gehofft, es gibt so eine Art Faustregel wie z.B. maximal 5% vom Auftragsvolumen oder so. (Es gibt ja auch die Aussage von IMHO 5% Wachstum bei einem gesunden Unternehmen.)

Diese Kosten müssen doch dann in das Angebot mit einkalkuliert
werden?

Natürlich, es sei denn sie sind minimal oder man befürchtet,
sich damit aus dem Markt zu kalkulieren oder es handelt sich
bei den Kosten um Kosten, die so oder so angefallen wären und
durch andere Projekte bereits gedeckt worden sind (sunk cost).

Diese werden dann auch als Angebotskosten deklariert???
Oder einfach in die Gewinnmarge hineinrechnen???

Wie wird mit den Kosten umgegangen, wenn die Firma den Auftrag
nicht bekommt?

Öh, ja, dann sind sie halt angefallen. (?)

Auch hier hatte ich auf so eine allg. Formel gehofft. (z.B. bei der Jahresplanung werden 2% des letzten Jahresumsatz als Richtwert für den Verlust durch verlorenen Aufträge gerechnet oder so …)
Ich glaube mal gehört zu haben, daß ein Teil vom möglich AG erstattet werden. Die Frage zielt u.a. auch auf solche Gepflogenheiten.

Wie hoch sollten die „Verluste“ hierraus maximal sein? Es ist
schwer jeden Auftrag zu bekommen …

Die Rechnung ist einfach: Ohne Kosten kein Angebot und ohne
Angebot kein Auftrag und ohne Auftrag keine Kostendeckung.
Wenn das Ingenieurbüro Adriaan van Oosten gegen Siemens um den
Bau eines Atomkraftwerks im Iran konkurriert, sollte sich
erstgenannter gut überlegen, ob sich der Aufwand wirklich
rechnet.

Da muss sich Siemens aber ganz warm anziehen :wink:

Aber genau darum geht es mir; Zahlen mit denen ich erkennen kann, ob ich mit meiner Kostenstruktur diesbezüglich wettbewerbsfähig bin, ob ich nicht zu wenig arbeit in den Auftrag investiert habe usw.

Das ganze nennt sich betriebswirtschaftliches Denken und
Handeln und läßt sich nur schwer in einem Forum bei mäßiger
Datenlage beantworten. Der Erwartungswert (Chance den Auftrag
zu bekommen * Deckungsbeitrag aus Auftrag) sollte jedenfalls
in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten stehen.

Die Kosten nach Vertragsabschluß kann ich glaube ich ganz gut einschätzen. Aber wie das vorher aussieht …

Wahrscheinlich werden solche Fragen in jeder kaufmänischen
Ausbildung im ersten Jahr geklärt, aber als Techniker bin ich
diesbezüglich ein unbeschriebenes Blatt.

Wir auch, zumindest was Deinen konkreten Fall angeht :wink:

So konrekt ist der Fall ja gar nicht. Ich wünsche mir halt einige Anhaltspunkte wo ich überschlagsmässig sehen kann, ob ich über das Etappenziel hinausschiesse oder ob eindeutig zu wenig gemacht wurde.

Überspitzt gesagt, Angebotskosten von 1000€ für ein Atomkraftwerk ist wohl zu wenig und für das Bohren eines Loches wohl zu viel …

Grüßend
Adriaan

Hallo Adriaan,

gewöhnlich geht man von den 5-15 fachen Kosten für die Akquirierung gegenüber der Verwaltung eines Kunden aus. Zumindest ist dies bei uns so. Und ich denke, dass kommt auch ziemlich gut hin… jeder zehnte Schuss sollte allerdings auch gelingen. :smile:

Gruß
MArco

Keine Formel
Hi,

Du wirst keine allgemeingültigen Formeln finden.

Als Beispiel mögen eigene Erfahrungen dienen.

Szenario 1: Akquisition einer komplexen Internet Banking Plattform. Kein Standardprodukt, überwiegend unbekannte Konfiguration der Hintergrundsysteme des Kunden:
3-4 Manntage eines Projektleiters, Reisekosten für 2-4 Reisen zum pot. Kunden + die Arbeitszeit für einen Pre-Sales Consultant und einen Vertriebler

Szenario 2: Akquisition einer komplexen Internet Banking Plattform. Standardprodukt, überwiegend Konfiguration der Hintergrundsysteme des Kunden:

1/2 Manntag eines Vertriebsinnendienstlers, Reisekosten für 2-4 Reisen zum pot. Kunden + die Arbeitszeit für einen Pre-Sales Consultant und einen Vertriebler

Szenario 3: Akquisition eines Corporate Finance Projektes, z.B. Verkauf eines mittelständischen SW-Anbieters:

ca. 2x Reisekosten zum Kunden für einen Projektmanager und meist einem Partner zum Kunden + Mehrfache Lunchmeetings mit wechselseitigem Einladen so lange bis ausreichend Vertrauen auf beiden Seiten vorhanden ist, dass man in Vertragsverhandlungen einsteigt. Arbeitszeit zur Vertragsgestaltung inkl. Änderungen ca. 2 Tage. Dann Projekt auf Eis gelegt. Entgangene Einnahmen für selbständigen PM ca. 250.000€, für das Unternehmen ca. 400.000€, Opportunitätskosten für Unternehmen und PM insgesamt ca. 1.000.000€.

Du siehst, es kann gar nichts quantifiziert und erst recht nichts standardisiert werden.

Diese Kosten müssen doch dann in das Angebot mit einkalkuliert
werden?

Ja

Wie wird mit den Kosten umgegangen, wenn die Firma den Auftrag
nicht bekommt?

Kostenstelle Akquisition

Wie hoch sollten die „Verluste“ hierraus maximal sein? Es ist
schwer jeden Auftrag zu bekommen …

Je nachdem wie gut Du bist. Anfangs sicherlich höher, nur wenn sie nicht geringer werden, solltest Du Dir über Deine Strategie Gedanken machen.

Wahrscheinlich werden solche Fragen in jeder kaufmänischen
Ausbildung im ersten Jahr geklärt, aber als Techniker bin ich
diesbezüglich ein unbeschriebenes Blatt.

Nein und ich bin sogar diplomierter Kfm.

Gruß und viel Erfolg
C.

Hallo,

ich frage mich wieviel Aufwand/Kosten in der Industrie für die
Bearbeitung einer Ausschreibung bis zum Vertragsabschluß
üblich sind und wie sich diese Verteilen (Nachforschungen,
Reisekosten, Personal …)

wie schon erwähnt: branchenspezifisch: vgl. Lottoladen mit Anlagenbau

Wie wird mit den Kosten umgegangen, wenn die Firma den Auftrag
nicht bekommt?

Dies sind Teil dr Gemeinkosten genau wie der ANruf wenn der Kunde von der Hochzeit der Tochter in Florida schwafelt …

Diese Kosten müssen doch dann in das Angebot mit einkalkuliert
werden?

Die Kosten gehen als Overhead-Kosten (Gemeinkosten) in die Kalkulation ein, sie werden also im Geschäftsplan genauso gehandhabt wie Telefon- oder Mietkosten.
Bezüglich der Arbeitszeit redet man von nicht abrechenbaren Kosten im Gegensatz zu abrechenbarebn Kosten, die direkt zu einem Auftrag gehören (ob nun als einzeln abrechenbare Ing.stunde oder als Teil der Produktkosten)

Wie hoch sollten die „Verluste“ hierraus maximal sein? Es ist
schwer jeden Auftrag zu bekommen …

Da kann man nur versuchen über Branchenzahlen zu Umsatz/Beschäftigter, die man intelligent mit anderen Kennzahlen wie effektive Arbeitsstunden pro Jahr(Ulaub, Krankenstand, …), betriebsinterne Organisationsaufwand (Meetings etc.) und Bruttowertschöpfung pro (effektiver) Arbeitsstunde (wieviel Wert schafft ein Dreher in 1 h an den Maschinen)ermitteln.

Da dies ziemlich aufwändig ist, kommt es am besten, wenn man während eines Praktikums etc. die Augen ganz weit aufmacht und anhand der vorliegenden Zahlen und denm ggf. vorhandenen Rationalisierungsbedarf Sollzahlen kalkuliert und diese dann kalenderjährlich nachkalkuliert. Bei DC, BaSF etc macht so etwas der Controller.

Ciao maxet.

Hi,

Ich zäum das Pferd mal andersrum auf:

Wenn du als Person in deiner Firma sitzt und auf Aufträge wartest, kostest du eine bestimmte Menge Geld: „Gemeinkosten“

Jetzt kommt der Chef und sagt: Lauf los und suche aktiv Kunden.

Die Gemeinkosten verändern sich nicht bzw. minimal durch die entstehnden Reise-/Werbekosten.

Jeder Auftrag den du nun bringst und der (Das vorausgesetzt) der Firma Gewinn bringt, senkt die Gemeinkostenanteile an den Gesamtkosten.

Damit verbessert jeder Auftrag die Kalkulation, die auf den „alten Gemeinkosten“ beruht.

Kurz: Aktive Acquisition senkt die Kosten und bruacht somit nicht mitkalkuliert werden.

Etwas anderes ist natürlich ein verkäufer, der nix verkauft. der kostet natürlich.

gruss