Hallo Christian,
ich frage mich wieviel Aufwand/Kosten in der Industrie für die
Bearbeitung einer Ausschreibung bis zum Vertragsabschluß
üblich sind und wie sich diese Verteilen (Nachforschungen,
Reisekosten, Personal …)
wie soll man eine derartige Frage beantworten? Es ist
offensichtlich, daß die Kostenstruktur und die Höhe erheblich
nach Art des Projektes unterscheiden. Geht es um die
Kalkulation der Fertigung von 273 Wellen aus einem bestimmten
Edelstahl oder soll eine Ausschreibung für ein Atomkraftwerk
erstellt werden? Zwischen einer Kalkulation pi * Daumen und
einem mehrtausendseitigen Meisterwerk der Ingenieurskunst
liegen schon einmal ein paar Mannjahre und Millionen Euro.
Es geht vorallem um den Bereich Informatik + Automatisierungstechnik.
Also um eine „Neuentwicklung“ von einer Spagettispaltmaschine…
Ich hatte gehofft, es gibt so eine Art Faustregel wie z.B. maximal 5% vom Auftragsvolumen oder so. (Es gibt ja auch die Aussage von IMHO 5% Wachstum bei einem gesunden Unternehmen.)
Diese Kosten müssen doch dann in das Angebot mit einkalkuliert
werden?
Natürlich, es sei denn sie sind minimal oder man befürchtet,
sich damit aus dem Markt zu kalkulieren oder es handelt sich
bei den Kosten um Kosten, die so oder so angefallen wären und
durch andere Projekte bereits gedeckt worden sind (sunk cost).
Diese werden dann auch als Angebotskosten deklariert???
Oder einfach in die Gewinnmarge hineinrechnen???
Wie wird mit den Kosten umgegangen, wenn die Firma den Auftrag
nicht bekommt?
Öh, ja, dann sind sie halt angefallen. (?)
Auch hier hatte ich auf so eine allg. Formel gehofft. (z.B. bei der Jahresplanung werden 2% des letzten Jahresumsatz als Richtwert für den Verlust durch verlorenen Aufträge gerechnet oder so …)
Ich glaube mal gehört zu haben, daß ein Teil vom möglich AG erstattet werden. Die Frage zielt u.a. auch auf solche Gepflogenheiten.
Wie hoch sollten die „Verluste“ hierraus maximal sein? Es ist
schwer jeden Auftrag zu bekommen …
Die Rechnung ist einfach: Ohne Kosten kein Angebot und ohne
Angebot kein Auftrag und ohne Auftrag keine Kostendeckung.
Wenn das Ingenieurbüro Adriaan van Oosten gegen Siemens um den
Bau eines Atomkraftwerks im Iran konkurriert, sollte sich
erstgenannter gut überlegen, ob sich der Aufwand wirklich
rechnet.
Da muss sich Siemens aber ganz warm anziehen 
Aber genau darum geht es mir; Zahlen mit denen ich erkennen kann, ob ich mit meiner Kostenstruktur diesbezüglich wettbewerbsfähig bin, ob ich nicht zu wenig arbeit in den Auftrag investiert habe usw.
Das ganze nennt sich betriebswirtschaftliches Denken und
Handeln und läßt sich nur schwer in einem Forum bei mäßiger
Datenlage beantworten. Der Erwartungswert (Chance den Auftrag
zu bekommen * Deckungsbeitrag aus Auftrag) sollte jedenfalls
in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten stehen.
Die Kosten nach Vertragsabschluß kann ich glaube ich ganz gut einschätzen. Aber wie das vorher aussieht …
Wahrscheinlich werden solche Fragen in jeder kaufmänischen
Ausbildung im ersten Jahr geklärt, aber als Techniker bin ich
diesbezüglich ein unbeschriebenes Blatt.
Wir auch, zumindest was Deinen konkreten Fall angeht 
So konrekt ist der Fall ja gar nicht. Ich wünsche mir halt einige Anhaltspunkte wo ich überschlagsmässig sehen kann, ob ich über das Etappenziel hinausschiesse oder ob eindeutig zu wenig gemacht wurde.
Überspitzt gesagt, Angebotskosten von 1000€ für ein Atomkraftwerk ist wohl zu wenig und für das Bohren eines Loches wohl zu viel …
Grüßend
Adriaan