Hallo:
vorab)Dass Sie Ihrer Tochter nicht anmerken, dass sie schlecht sieht, liegt an dem einseitigen Charakter. Das gesunde linke Auge übernimmt die Sehfunktion und „bekommt alles mit“, so dass Sie das nicht als Kriterium nehmen können.
zu 1) Weiterentwickeln hängt von der Form der Katarakt ab und kann auch unter Kenntnis des genauen befundes nicht immer prognostiziert werden.
zu 2) Rückentwicklung gibt es nicht
zu 3) Wenn eine Therapie mötig ist, gibt es keine Alterantive zu Entnahme der eigenen Linse. Eventuell wird direkt eine Kunstlinse implantiert, sollte Ihnen das angeboten werden, wäre ich allerdings sehr kritisch: aufgrund des Augenwachstums kann es zu Trübungen an der dann implantierten Linse kommen, die einen späteren komplizierteren Eingriff nötig machen. Im Zweifel lieber erstmal keine Kunstlinse einsetzen lasssen, den entstehenden Fehler mit Kontaktlinse und Brille ausgleichen und ca. ab dem 3.-4. Lebensjahr eine sogenannte Sekundärimplantataion durchführen, d.h. erst dann eine Kunstlinse einsetzen - ist zwar ein weiterer Eingriff, dieser ist aber komplikationsfrei möglich.
zu 4)Allerdings sollten Sie sich sehr gut beraten lassen, ob überhaupt eine Therapie nötig ist: Ausschlaggebendes Kriterium dafür ist, wie dicht die Katarakt ist und was Ihr Augenarzt meint, welche Sehschärfe Ihre Tochter damit erreichen kann. Sollte er sagen, dass die katarakt so wenig dicht ist, dass eine Sehschärfe von über 40% mit dem Auge trotz der Trübung möglich ist, würde ich nicht operieren lassen, denn: wenn die eigene trübe Linse entnommen wird, wird zwar die Optik klarer (ist wie Fenster putzen), allerdings verliert das Auge dadurch die Fähigkeit, sich auf die Entfernung, in der fixiert wird, einzustellen, was ihm gegenüber dem gesunden Auge einen dann deutlicheren Nachteil verschafft als eine kleine Trübung.
Auf jeden Fall, egal ob OP oder nicht, ist eine konsequente Abklebebehandlung des gesunden Auges nötig um eine bleibende zusätzliche Sehschwäche des kranken Auges zu verhindern. Ohne Abkleben ist das kranke Auge verloren, egal ob ihr Euch zu oder gegen die OP entscheidet. Wie viel abgeklebt werden muss, sagt Ihnen Ihre Orthoptistin (wenn kein Schielen da ist je nach Dichte der Katarakt 1 Stunde am tag bis ca. 1/2tags, nach OP sicher erstmal 1/2tags).
Über den ruf der Uniklinik gießen zu diesem Thema weiß ich nichts, sehr kompetent gerade in der Frage ob OP ja oder nein ist die UniAugenklinik Heidelberg (am besten über die Ambulanz anmelden, gleich am tel. sagen, um was es geht und nach Prof. Auffarth verlangen, sollten Sie nicht zugesagt bekommen, dass er zumindest Ihre Tochter anschaut, versuchen Sie es über die Sektion für Schielbehandlung.
Alterantiv kann ich Prof. Steffen in Würzburg empfehlen. Wobei die Liste nur die beinhaltet die ich persönlich kenne, da ich die anderen nicht beurteilen kann. Wichtig ist, dass Sie keine Zeit verlieren mit Warten auf irgendwelche Termine, 3-4 Wochen früher oder später OP sind entscheidend für die Entwicklung des Auges (immer in Relation zur Dichte der Katarakt zu sehen, je weniger dicht sie ist, desto länger können Sie warten (uU auch 8-12 Wochen, aber wenn die Indikation für Op steht, auch hier keine Jahre).
5)Das okkklusionsthema und die Wichtigkeit und Dauerhaftigkeit des Klebens wird oft etwas unter den Tisch gekehrt.
6)In Abhängigkeit von der mutmaßlichen Visuserwartung (über/unter 40%) „nur“ Kleben und ggf. die richtige Brille oder OP und anschließend versorgung mit Kontaktlinse (auf die Nähe eingestellt) und Brille darüber für die Ferne und Kleben.
Wenn Sie weiteres wissen wollen, versuchen Sie mal www.orthoptistinnen.de oder zum Thema Abkleben www.piratoplast.de
Liebe Grüße und alles Gute für Sie und Ihre Tochter und gerne nochmal Rückfragen wenn was unklar war oder weitere Fragen auftauchen.
Liebe/-r Experte/-in,
meine Tochter (15 Monate alt) bekam kürzlich die vage Diagnose
grauer Star (Katarakt) im rechten Auge. Da sie sehr lebhaft
ist konnten die Untersuchungen nicht in aller Tiefe
durchgeführt werden. In der Sehschule wurde gesagt ihre Augen
sind gerade, sie schielt nicht.
Demnächst haben wir einen Termin in der UniKlinik Giessen, an
dem sie kurzzeitig sediert werden soll, um sie genau
untersuchen zu können.
Den Eltern und anderen Bezugspersonen ist in ihrem Verhalten
nichts aufgefallen, was auf eine Beeinträchtigung des
Sehvermögens hinweist.
Da meine Tochter eine Frühgeburt war, geht man von einem
angeborenen Katarakt aus.
Auch um mich auf den o.g. Termin vorzubereiten, beantworten
Sie mir bitte folgende Fragen:
(1) Entwickeln sich diese angeborenen Katarakte weiter ? Wird
die Trübung stärker ?
(2) Besteht die Möglichkeit, dass sich die Trübung
zurückentwickelt ? Kann man darauf hinwirken ?
(3) Gibt es neben der OP, die wohl lebenslange Korrekturen
notwendig macht, andere Therapien, evtl. auch unter Erhalt der
Linse ?
(4) Wann ist eine OP angezeigt ? Gibt es in Deutschland
Experten für entsprechende OPs ?
(5) Gibt es in diesem Zusammenhang Sachverhalte die
behandelnde Ärzte ungern oder ungern offen und direkt
mitteilen ?
(6) Auch wenn Ihnen sicher viele Fakten fehlen, welche
Therapie würden Sie Ihrem Kind angedeihen lassen ?