Aus Interesse: Rechte Befürchtungen vor 'links'?

Hallo MitleserInnen,

einfach nur mal aus Interesse, weil ich hier viele rechte oder konservative Ansichten vernehmen muss: Was lässt so viele solche Befürchtungen/Angst vor links oder linken Ansichten?

Diese Frage ist ganz allgemein gehalten und bezieht sich nicht auf Parteien; auch ist mit ‚links‘ nicht gleich Kommunismus gemeint, sonst könnte man bei ‚rechts‘ ebenso Nazismus in einem Atemzug nennen.

Marco

Diese Frage ist ganz allgemein gehalten und bezieht sich nicht
auf Parteien; auch ist mit ‚links‘ nicht gleich Kommunismus
gemeint, sonst könnte man bei ‚rechts‘ ebenso Nazismus in
einem Atemzug nennen.

Das macht Deine Frage so interessant und eigentlich unbeantwortbar (jedenfalls in Kürze). Denn wenn Du so allgemein fragst, muß man natürlich erst einmal überlegen: was ist links, was ist rechts?

Ich versuch es mal kurz und knapp, dadurch wird die Antwort aber allenfalls bedingt richtig.

Die Linken sehen eher nach unten, wollen dass es den Oberen besser geht. Dadurch muß aber (in einer statischen Welt und so denken die meisten) den Oberen und „Mittleren“ etwas weggenommen werden. Verständlich, dass diese dann links nicht ganz so klasse finden. Dies gilt auch für die von unten, wenn sie erwarten, sich erhoffen, dass es ihnen in ein paar Jahren besser geht. Denn dann hätten sie sich abgestrampelt, damit es ihnen besser geht und ist es so weit, wird ihnen etwas weggenommen, damit es anderen besser geht.

Da hier bei uns die Ausländer meistens zu den unteren gehören (in der sozialen Hierarchie sogar unter den deutschen „Unteren“), ist klar, dass viele Deutsche (gerade wenn sie unten stehen) nicht von ihrem Einkommen an andere verteilt wird.

Linke wollen wirtschaftlich einen starken Staat. Klar, dass Leute, die selbst Verantwortung tragen wollen (vor allem aber natürlich nicht nur Selbstständige), dies nicht gerade toll finden.

Linke wollen gesellschaftlich einen schwachen Staat (viel Freiheiten). Konservative, die an alte Werte glauben und sie auch verteidigen wollen, haben meistens Angst vor diesen Veränderungen. Auch bevorzugen sie lieber eine starke Hand.

Hallo Marco,
das ist mir hier auch schon aufgefallen. Warum weiss ich auch nicht. Vieleicht gibt es hier nur gutsituierte deutsche Bürger, die Angst haben, dass man ihnen was wegnimmt?

Gruß Mic
http://www.mibor.de

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

so sieht es die ‚Linke‘
hallo, Ralf,
leider reine Theorie der linken.
Die Praxis sieht anders aus.Das darzulegen wäre eine Antwort von 50 Seiten.
doch machen wir es kurz: die Sowjetunion und die DDR sind beste Beispiele, wovor sich „Rechte“ fürchten. Und das mit Recht.
Beides war unter dem Scheinbild des Sozialismus´ ein Staatsmonopolkapitalismus (Stamoka). D. h. heißt, die Umverteilung von unten nach oben war noch stärker, als im Kapitalismus (der auch nicht das Gelbe vom Ei ist).
Grüße
Raimund

die Sowjetunion und die DDR sind
beste Beispiele, wovor sich „Rechte“ fürchten.

Nur dumme „Rechte“ (nicht auf Dich bezogen).
In die Welt will praktisch kein Linker mehr zurück. Abgesehen von einigen Idioten.
Das wäre etwa so als hätte Linke vor der Wiedereinführung des Nationalsozialismusses Angst. In die Welt will praktisch kein Rechter mehr zurück. Abgesehen von einigen Idioten.

Wobei ich schon glaube, dass die Zahl der Idioten unter den Rechten höher ist als unter den Linken. Aber eine wirklich gesellschaftliche Gefahr sind sie nicht.

Relevanter ist die Angst der Linken vor der Einführung eines globalen Neo-Kapitalismusses a la FDP. Aber das ist natürlich eine andere Angst als die vor der Einführung des Nationalsozialismusses.

die Sowjetunion und die DDR sind
beste Beispiele, wovor sich „Rechte“ fürchten.

Nur dumme „Rechte“ (nicht auf Dich bezogen).
In die Welt will praktisch kein Linker mehr zurück. Abgesehen
von einigen Idioten.
Das wäre etwa so als hätte Linke vor der Wiedereinführung des
Nationalsozialismusses Angst. In die Welt will praktisch kein
Rechter mehr zurück. Abgesehen von einigen Idioten.

Zustimmung

Wobei ich schon glaube, dass die Zahl der Idioten unter den
Rechten höher ist als unter den Linken. Aber eine wirklich
gesellschaftliche Gefahr sind sie nicht.

Da bin ich mir nicht so sicher: denk an die vielen Anhänger der PDS und einige link-links der Grünen. Oder die KPDSU.

Relevanter ist die Angst der Linken vor der Einführung eines
globalen Neo-Kapitalismusses a la FDP. Aber das ist natürlich
eine andere Angst als die vor der Einführung des
Nationalsozialismusses.

Der Nationalsozialismus alter Prägung hat ausgedient.-
Grüße
Raimund

Hallo Marco,
wenn „Linke“ nicht so links sind, dass sie den Kommunismus wollen, und „Rechte“ wiederum nicht so rechts, dass sie mit Nazismus nichts am Hut haben, dann nenne ich das gemäßigt, beinahe liberal… Das wäre doch okay.
Alles Nicht-Extremistische kann nur gut sein für eine Demokratie. Davor habe jedenfalls ICH keine Angst. Im Gegenteil, dann diskutiere ich gerne subjektive Lebensansichten ordentlich aus!
Grüße
Jana

Der Nationalsozialismus alter Prägung hat ausgedient.-
Grüße

Ach was? Dann wohl der Nationalsozialismus „Neuer Prägung“ nicht, oder was?
Du sprichst in Rätseln!

Gruß
Tom

Hallo Ralf,

erst einmal: Es war Absicht, dass ich eine Woche mit meiner Antwort warten liess, denn nach dem vielen Lesen, Schreiben, Nachdenken über Inhalte, kurzum Diskutieren in diesem Brett, wollte ich einmal sehen, welche begründete Meinungen die MitschreiberInnen tatsächlich haben. Denn es kam mir hier vor, als würde bei links tendierende Ansichten stärker dagegen argumentiert - oder schlicht „angegangen“ - werden, als bei konservativen bzw. rechten. Da möchte man doch einmal erfahren, woher diese gewisse Ablehnung rührt. Auch fügte ich den Hinweis auf Kommunismus und Nazismus hinzu, weil die Antworten ansonsten sicherlich gleich in diese beiden Extreme abgeglitten wären, aber das sollte ja nicht Diskussionsmittelpunkt sein. Damit wurde nicht ausgeschlossen, dass es für rechts und links subjektive Auslegungen gibt.
   Allerdings muss ich zugeben, dass meine Frage auch ein bisschen „linkisch“ war, hatte ich doch bereits im Vorfeld die Vermutung, dass es nicht allzu viele Antworten darauf geben wird, denn ‚rechts‘ und ‚links‘ wird zwar oft verwendet, aber ebenso oft gleich in Verbindung mit einem Extrem. Und last but not least haben just Personen geantwortet, die (bisher) nicht eifrigsten - im Sinne von häufig - MitschreiberInnen waren.

Nun könnte ich meinen Beitrag an dieser Stelle enden lassen, möchte aber doch auf Deine weiteren Zeilen eingehen:

Die Linken sehen eher nach unten, wollen dass es den Oberen
besser geht. Dadurch muß aber (in einer statischen Welt und so
denken die meisten) den Oberen und „Mittleren“ etwas
weggenommen werden. Verständlich, dass diese dann links nicht
ganz so klasse finden. Dies gilt auch für die von unten, wenn
sie erwarten, sich erhoffen, dass es ihnen in ein paar Jahren
besser geht. Denn dann hätten sie sich abgestrampelt, damit es
ihnen besser geht und ist es so weit, wird ihnen etwas
weggenommen, damit es anderen besser geht.

Ja, das höre ich oft, die Linken wollten den Oberen etwas wegnehmen - was grob besehen natürlich stimmt. Aber ‚wegnehmen‘ klingt so negativ, als wolle man die Oberen bis aufs letzte Hemd berauben. Erst einmal gilt es denn hemmungslosen Geldzuwachs dieser Menschen Einhalt zu gebieten, wobei aussen vor bleiben soll, wie sie zu ihren Reichtum kamen, auch wenn das ein interessanter Punkt ist.
   In Deutschland lebten 1996 lt. Forbes 47 Familien mit einem Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar. Nehmen wir nur einmal die „ärmste“ mit 1,7 Mrd Mark: Fam. Werwahn. (Laut dem Buch „Wasserprediger und Weintrinker“ Beteiligungen an STRABAG, RWE, Krupp-Hoesch und mehr.) Würde man dieses Vermögen nur zu 5% jährlich anlegen, ergäbe das über 7 Mio. monatlich bzw. 85 Mio. p.a. Wem würden Kürzung mehr schmerzen: solchen Reichen oder Arbeitslosen? Und könnte die Mehrheit der „Normalsterblichen“ eine monatliche Zinszahlung erhalten, für die ihr ganzes Menschenleben nicht ausreicht, selbst wenn sie von früh bis spät malochen?
   Oder ein anderes, kleiner gewähltes Beispiel: Vor einigen Jahren meinte die bayerische Renate Schmidt, SPD, als sie auf die Diätenerhöhungen angesprochen wurde, man hätte sich nur 5% mehr bewilligt. Das wäre durchschnittlich so viel, wie andere Arbeitnehmer auch bekommen hätten. Nahm man einmal Aufwands- und weitere Pauschalen aus, kamen etwa 10.000 DM herum. Eine 5%ige Erhöhung entspräche 500 DM. Wie hoch wird wohl die Erhöhung in DM bei einem normalen Arbeitnehmer gewesen sein?
   Ich verstehe nicht, weshalb es so Vorbehalte gegenüber die Vermögenden gibt. Bei den Geringverdienern bricht man sich ja auch keinen Ast ab, mal flapsig ausgedrückt. Es geht weniger um das Wegnehmen, als mehr soziale Gerechtigkeit. Im Grunde also das, was sich alle Parteien auf die Fahnen schreiben, trotzdem weiterhin eine Umverteilung von unten nach oben passiert.

Da hier bei uns die Ausländer meistens zu den unteren gehören
(in der sozialen Hierarchie sogar unter den deutschen
„Unteren“), ist klar, dass viele Deutsche (gerade wenn sie
unten stehen) nicht von ihrem Einkommen an andere verteilt
wird.

Siehst Du, da haben wir die Crux. Viele Deutsche haben eben nicht dieses Einkommen, um es noch sonderlich teilen zu können. Aber wenige verfügen über sehr viel Geld. Deshalb bin ich der Meinung, man sollte ihnen das Geld nicht wegnehmen, aber den Zinszuwachs drastisch mindern.

Linke wollen wirtschaftlich einen starken Staat. Klar, dass
Leute, die selbst Verantwortung tragen wollen (vor allem aber
natürlich nicht nur Selbstständige), dies nicht gerade toll
finden.

Natürlich möchten die Unternehmer möglichst frei entscheiden können und wünschen deshalb keinen Staat, der sich in ihre Geschäfte einmischt. Verständlich. Allerdings kommt der Staat nicht ungelegen, wenn es gilt, Subventionen mit dem Zauberwort „Arbeitsplätze“ einzufordern. Oder ein Unternehmen vor dem Konkurs zu retten, wobei mir spontan Holzmann mit 125 Mio. einfällt, die der Steuerzahler tragen durfte.

Linke wollen gesellschaftlich einen schwachen Staat (viel
Freiheiten). Konservative, die an alte Werte glauben und sie
auch verteidigen wollen, haben meistens Angst vor diesen
Veränderungen. Auch bevorzugen sie lieber eine starke Hand.

Dazu müsste man erst einmal feststellen, was alte Werte sind, damit diese nicht mit Vorurteilen verwechselt werden. Auch ist es schwer machbar, in der Wirtschaft ständigen Fortschritt zu wollen, ohne dass sich die Gesellschaft ebenfalls ändert.
   Auch kommt es mir bisweilen vor, als würden Konservative zwar die alten Werte hervorheben, aber selbst nicht unbedingt handeln. Da fällt mir etwa Helmut Kohl ein, der die Familie in allen Tönen hervorhob, selbst jedoch während seiner Zeit in Bonn mit seiner Sekretärin zusammenlebte, während Ehefrau Hannelore und Kinder im Oggersheimer Bungalow verweilten.

Marco

Quellen:

  • Forbes 2/97
  • „Wasserprediger und Weintrinker“, Beck/Meine, Steidl-Verlag
  • „Schwarzbuch Helmut Kohl“, Bernt Engelmann, Steidl-Verlag

PS: Bitte mögliche Fehler zu übersehen - bin übernächtigt.

Hallo Jana,

ich melde mich absichtlich erst heute zu den Entgegnungen meines Betreffs. Siehe hierzu den ersten Absatz meiner Antwort an Ralf zwei Postings tiefer.

Alles Nicht-Extremistische kann nur gut sein für eine
Demokratie. Davor habe jedenfalls ICH keine Angst. Im
Gegenteil, dann diskutiere ich gerne subjektive
Lebensansichten ordentlich aus!

Meiner Meinung nach müsste man dann erst einmal darüber diskutieren, wie eine wirkliche Demokratie auszusehen hat. Denn in der jetzigen besitzt die Mehrheit eher das Recht auf Zu- statt Mitbestimmung.

Marco

Hallo Mic!

das ist mir hier auch schon aufgefallen. Warum weiss ich auch
nicht. Vieleicht gibt es hier nur gutsituierte deutsche
Bürger, die Angst haben, dass man ihnen was wegnimmt?

Wenn das so wäre, müsste es uns allen ja gut gehen und es bestünde kein Grund zum Klagen. Aber wie ich schon Ralf schrieb (s. im Thread etwas weiter unten), geht es weniger um direktes Wegnehmen des Reichtums, als um ein Einschränken.

Marco

echte demokratie?
hi M.M.
Warum hast Du dann nicht auf meine Frage weiter Unten geantwortet, wo ich genau das mal wissen wollte?

Also, wie sieht deiner Meinung nach eine „echte Demokratie“ aus, in der dumme oder Verbrecherische einzelne nicht zuviel Schaden anrichten können und trotzdem die Effizienz nicht zum Teufel geht?

Gruß
Mike

Hallo Michael!

Warum hast Du dann nicht auf meine Frage weiter Unten
geantwortet, wo ich genau das mal wissen wollte?

Weil ich sie als rein rhetorische Frage auffasste.

Also, wie sieht deiner Meinung nach eine „echte Demokratie“
aus, in der dumme oder Verbrecherische einzelne nicht zuviel
Schaden anrichten können und trotzdem die Effizienz nicht zum
Teufel geht?

Die Fragestellung ist etwas verfänglich, denn wer sind für Dich einerseits die „Dummen“ oder „Verbrecherischen“, was bedeutet für Dich andererseits die „Effizienz“? (Und ist damit eine Effizienz, die den momentanen Zustand recht, aber schlecht weiterbestehen lässt, nicht ebenso verkehrt?)

Marco

war keine Rhethorische Frage…

Hallo Michael!

Warum hast Du dann nicht auf meine Frage weiter Unten
geantwortet, wo ich genau das mal wissen wollte?

Weil ich sie als rein rhetorische Frage auffasste.

Sie war vollkommen Ernst gemeint, ehrlich…
ich werds das nächste mal deutlich dazuschreiben.

Also, wie sieht deiner Meinung nach eine „echte Demokratie“
aus, in der dumme oder Verbrecherische einzelne nicht zuviel
Schaden anrichten können und trotzdem die Effizienz nicht zum
Teufel geht?

Die Fragestellung ist etwas verfänglich, denn wer sind für
Dich einerseits die „Dummen“ oder „Verbrecherischen“, was
bedeutet für Dich andererseits die „Effizienz“? (Und ist damit
eine Effizienz, die den momentanen Zustand recht, aber
schlecht weiterbestehen lässt, nicht ebenso verkehrt?)

Dumm erkärt sich eigentlich selbst… Schau dich mal um in der politik. Politiker, die nur kurzfritig auf ihren Vorteil bedacht sind.
verbrecherisch= Bestechlich, Vorteilsnehmend, Geldunterschlagend, verräterisch
fällt dir noch was ein?

Effizienz: Möglichst viel Mittel, die der Staat kassiert, fliesen in Form von Leistungen wieder an den Bürger zurück. dabei soll jedem Bürger ein möglichst ausreichender lebesstandard geboten werden.

mir fällt einfach keine signifikant andere Organisation ein.
Ehrlich!
Also: welche Reformen and der generellen Struktur wären deiner meinung nach notwendig
Oder muß das gesamte System verworfen werden zugunsten eines
anderen, wenn ja, was für eines.
Ansonsten gelten meine Thesen vom vorigen Posting:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

meine Vorschläge:

  1. Wahlrechtsänderung: Der Bürger kann seine Stimme direkt einem Listenkandidaten geben… damit gibt es keine sicheren Listenplätze mehr.

  2. Volksbegehren/Volksentscheid auf Bundesebene nach Bay. Vorbild

  3. Massive Begrenzung der Aufsichtsratsposten von Politikern, totale Offenlegung der Finanzen gegenüber dem Bundesrechnungshof bzw dem jeweiligen Landesrechnungshof.

  4. Exekutive Gewalten für den Bundesrechnungshof und die Landesrechnungshöfe

was meinst Du

Gruß
Mike

Ja, das höre ich oft, die Linken wollten den Oberen etwas
wegnehmen - was grob besehen natürlich stimmt. Aber
‚wegnehmen‘ klingt so negativ, als wolle man die Oberen bis
aufs letzte Hemd berauben.

Ich sagte ja nicht, dass die Angst (vor allem in dem Ausmaß) berechtigt ist. Ich sagte nur, dass sie existiert.

Erst einmal gilt es denn

hemmungslosen Geldzuwachs dieser Menschen Einhalt zu gebieten,
wobei aussen vor bleiben soll,

Warum?

Würde man dieses
Vermögen nur zu 5% jährlich anlegen, ergäbe das über 7 Mio.
monatlich bzw. 85 Mio. p.a. Wem würden Kürzung mehr schmerzen:
solchen Reichen oder Arbeitslosen?

Dass aufgrund Flexibilität des Kapitals eine solche Besteuerung - vorsichtig formuliert - schwierig ist, ist Dir sicher klar. Im übrigen: Leute mit einem „Vermögen“ von 1 Mrd. DM und mehr habe das sicherlich nicht als Bargeld. Das werden Firmenbesitze etc. zu bewerten. Und da ist eine Besteuerung schwer. Und Leute, die viel Geld in Aktien haben, können sehr schnell reich, aber auch sehr schnell wieder ärmer werden. Ist kein festes Einkommen wie bei einem Arbeiter. Daher fällt auch hier die Besteuerung schwer.

Zu den anderen Argumenten kann ich - im Großen und Ganzen - zustimmen.

Hallo Mike!

Dumm erkärt sich eigentlich selbst… Schau dich mal um in
der politik. Politiker, die nur kurzfritig auf ihren Vorteil
bedacht sind.
verbrecherisch= Bestechlich, Vorteilsnehmend,
Geldunterschlagend, verräterisch
fällt dir noch was ein?

Ganz klar ist mir das mit „dumm“ trotzdem nicht. Ich könnte mir darunter eine Dummheit vorstellen, sich als Bürger schweigend ausnehmen zu lassen oder sich nicht nicht informieren zu wollen.
   Ohne dass es ironisch klingen soll - auch im weiteren Text -, so finde es schön, dass sich hier unsere Meinung deckt. Denn die Vorteilsnahme der Politiker ist kein Kavaliersdelikt, sondern tatsächlich ein Verbrechen. Diese Menschen haben schliesslich über die Geschicke der Bevölkerung und des Landes zu entscheiden, und wenn diesen Entscheidungen mit Geldmitteln in die eine oder andere Richtung gelenkt werden, kann man darüber nicht hinwegsehen, wie es leider zu häufig getan wird.

Das Problem bei dem gesamten System ist, dass die Öffentlichkeit ausgeblendet wird, worüber das Bundesverfassungsgericht sagte, dass sie die einzige Kontrolle der Politiker darstellt, wenn diese wieder einmal Gesetze beschliessen, die nur ihnen nutzen.
   Wie in dem Buch „Der Staat als Beute“, H.H. von Arnim, das ich hier schon einige Male erwähnte und in dem u.a. der hessische, hamburgische und saarländische Diätenskandal aufgeschlüsselt wurde, berichtet wird, hatte man die Öffentlichkeit bewusst hinter das Licht geführt, wollte Landesverfassungen und Gesetze allein mit dem Ziel brechen oder ändern, um sich noch besser zu stellen. Hier fand in praktischer Anwendung das statt, was dem kleinen Bürger unterschwellig unterstellt wird - sich es nämlich auf Staatskosten gutgehen lassen zu wollen.

Dieses System gehört meiner Meinung nach abgeschafft, und Du fragst mich, welches dafür eingesetzt gehört. Wenn ich darüber zu entscheiden hätte, würde ich mir solche Menschen wie oben genannten Hans Herbert von Arnim, seines Zeichens Professor in Speyer und mit vielen Publikationen (s. http://192.124.238.252/VONARNIM/sctve.htm), sowie den Bund der Steuerzahler zurate ziehen. (Beide haben auch schon zusammen gearbeitet.) Diese beiden gehören zu den mir bekanntesten Kritikern der Selbstbedienungsmentalität der Politiker und das Hinwegsetzen über demokratische Strukturen.

Hier sei auch kurz auf Deine Frage eingegangen, wie „wahre Demokratie“ auszusehen hat. Das Fatale ist, dass diese Frage im Grunde so leicht zu beantworten ist - und doch wieder so schwer. Eigentlich hätte man sich nur an den neuen Gesetzen der BRD orientieren müssen, doch sie boten immer wieder Interpretationsmöglichkeiten, die dann auch ausgenutzt wurden. (Weisst Du, dies lässt mich zu dem Gedanken kommen, dass das Problem eines jeglichen Systems der Mensch selbst ist.)
   Für mich persönlich würde es zu den entscheidenden Dingen zählen, dass etwa die Medien völlig unabhängig arbeiten können, aber im Laufe der Zeit entschied das Parteibuch darüber, wer in den oberen Redaktionsetagen das Sagen hatte. Schau’ Dir nur einmal die Beiräte der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten an. Ebenso wie bei den Diätenskandalen darf man nicht davon ausgehen, dass unterschiedliche Interessen sich gegenseitig kontrollieren, denn in bestimmten Punkten finden diese doch einen „Konsens“, der für alle dieser Interessen vorteilhaft ist, nur die Öffentlichkeit bleibt aussen vor.

meine Vorschläge:

  1. Wahlrechtsänderung: Der Bürger kann seine Stimme direkt
    einem Listenkandidaten geben… damit gibt es keine sicheren
    Listenplätze mehr.
  2. Volksbegehren/Volksentscheid auf Bundesebene nach Bay.
    Vorbild

Zu den Wahlen sei überhaupt gefragt: Warum muss es hier eine Wahlkampfkostenerstattung geben, und weshalb müssen Parteien überhaupt finanziert werden? Meiner Ansicht sollten sie wie Vereine gehandelt werden, die sich nur durch Mitgliedsbeiträge und kleine Spenden über Wasser halten können. Vielleicht würde das die Parteien dies auch wieder zu ihrer jeweiligen Basis führen. - Aber wie ich oben schrieb: Ich würde mich von den Kritikern bezüglich des Wahlsystems beraten lassen, damit die Öffentlichkeit auch wirklich wieder eine Kontrolle darstellt.

  1. Massive Begrenzung der Aufsichtsratsposten von Politikern,
    totale Offenlegung der Finanzen gegenüber dem
    Bundesrechnungshof bzw dem jeweiligen Landesrechnungshof.
  2. Exekutive Gewalten für den Bundesrechnungshof und die
    Landesrechnungshöfe

Ja, das sind verdammt gute Ansätze. Meiner Meinung nach sollten die Politiker während ihrer Amtszeit sowieso keine weiteren Jobs machen. Anscheinend sind sie ja dann durch ihr Mandat nicht ausgefüllt, was ich mir besonders im Bundestag schwerlich vorstellen kann. Dann liesse sich auch die Vollversorgung nicht nachvollziehen, wenn so viel Zeit für „Nebenjobs“ bleibt.
   Die Rechnungshöfe - nicht immer, aber immer wieder sind sie auffallend offen, und ihr Offenlegung der Verschwendung muss in der Tat Konsequenzen haben. Es sei hier auch noch abschliessend die Frage gestellt, ob man Politiker nicht sowieso stärker für ihr Handeln verantwortlich machen soll! Dazu genügt schon ein Blick in die jährlichen Schwarzbücher des Bundes der Steuerzahler, denn pro Jahr werden nach deren Schätzungen ca. 60 bis 70 Mrd. Mark zum Fenster herausgeworfen.
   Nur als ein Beispiel, das ich gerade in „Wasserprediger und Weintrinker“ (s. http://www.buchhandel.de für Neuauflage) gelesen habe: In Frankfurt/Main schloss 1989 der damalige Kämmerer Ernst Gerhard, CDU, mit dem Immobilienhändler Josef Buchmann einen Mitvertrag über die Naxos-Halle (eine unter Denkmalschutz stehende Werkshalle, die zu einem Museum des Industriezeitalters umgebaut werden sollte) ab; zuletzt über mehr als 190.000 DM im Monat bis zum Jahr 2021. (Kein Tippfehler; ingesamt wären das bis zum Vertragsende ca. 71 Mio. DM!) Bis 1997 stand die Halle noch immer leer, und aus dem Museum wurde nichts. Erst Anfang 1997 liess Buchmann sich auf eine Mietsenkung um 25% ein, denn die Miete war ursprünglich noch höher, sowie auf ein Baurecht für 38.000 Quadratmeter Bau- und Wohnfläche. Hingegen wollte der Magistrat dem Frankfurter Arbeitslosenzentrum (FALZ) den jährlichen Zuschuss in Höhe einer monatlichen Naxos-Miete streichen.
   Wir sehen: Von Politikern verursacht, von Steuergeldern bezahlt. Da kommt’s einem vor, als besässe jeder „normalsterbliche“ Arbeitnehmer mehr Eigenverantwortung und müsste diese auch übernehmen.

Marco

Hallo Ralf!

Dass aufgrund Flexibilität des Kapitals eine solche
Besteuerung - vorsichtig formuliert - schwierig ist, ist Dir
sicher klar. Im übrigen: Leute mit einem „Vermögen“ von 1 Mrd.
DM und mehr habe das sicherlich nicht als Bargeld. Das werden
Firmenbesitze etc. zu bewerten. Und da ist eine Besteuerung
schwer. Und Leute, die viel Geld in Aktien haben, können sehr
schnell reich, aber auch sehr schnell wieder ärmer werden. Ist
kein festes Einkommen wie bei einem Arbeiter. Daher fällt auch
hier die Besteuerung schwer.

Sicherlich liegt das Geld nicht „einfach so rum“. Es ist überwiegend in Aktienpaketen und Immobilien angelegt, wobei die Kursschwankungen die Personen nicht wirklich treffen, denn viele Beteiligungen befinden sich schon Jahrzehnte in Familienhand, da sie nicht zur blossen Spekulation dienen. Es können also neben Zinszahlungen Dividenden- und Mieteinnahmen entstehen. Wenn Du noch die Zahlen meines Beispiels im Kopf hast, dann bedenke mal, wieviel Millionen man tatsächlich „nur“ bräuchte, um ein normales Leben zu führen. Ohne Luxus, aber auch ohne finanzielle Sorgen. Stell’ Dir vor, Du hättest nur eine Million, die zu 5% p.a. angelegt wird. Dies entspräche einer monatlichen Zinszahlung von 4.167 DM, ohne das Vermögen selbst angreifen zu müssen. Und in meinem Beispiel waren es nicht eine Million, sondern 1700 Millionen! Man würde diesen Leuten nichts wegnehmen, sondern nur die automatischen Zugewinne kürzen.

Marco

Wir liegen ja gar nicht so weit auseinander. Du sprichst mehr davon, was THEORETISCH möglich sein SOLLTE. Ich was REALISTISCH möglich IST.

Ist nur ein anderer Gedankenansatz. Jedenfalls sehe ich das so.

Du siehst ja selber ein, dass viele „Gelder“ in Aktien, Immoblilien, Firmenbesitz angelegt ist. Da fällt eine Besteuerung schwer. Selbst Soros fordert ja eine Spekulationssteuer. Ist halt nur fraglich, wie man dies - außer weltweit - durchsetzen kann. Und dass sich alle (wichtigen) Länder der Erde in dieser Frage irgendwann mal einig sein werden, ist wohl kaum anzunehmen.

Gut wäre es schon. Da stimme ich Dir zu.