Guten Abend, Rina!
Erst einmal Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für deine Ausbildung zur Hauswirtschafterin.
Ich kenne natürlich nicht die umfassenden Umstände in denen du steckst. Das macht es mir also unmöglich verbindliche Aussagen zu treffen… Aber mal allgemein.
Mit 23 noch zu Hause zu wohnen, ist natürlich immer schwierig. Insofern kann ich von Grund auf deinen Wunsch nachvollziehen, von zu Hause ausziehen zu wollen. Deine Behinderung-warum auch immer- war sicherlich Mitgrund, dass du noch bei deinen Eltern lebst. Bei echten, reellen Schwierigkeiten ist eine eigene Wohnung um so dringlicher angeraten. Prüfe also ernsthaft für dich, ob du wirklich ausziehen möchtest. Wenn ja, dann gibt es vielerlei Unterstützungen.
Aber, ich fange mal von Vorne an. Ich kann dir nicht pauschal sagen, ob für dich ein Anspruch auf Wohngeld besteht oder nicht. Wichtig sind hier Faktoren wie: Betriebliche oder überbetriebliche Ausbildung, ERSTausbildung, BAB-Anspruch oder nicht, Einkommen/Vermögen der Eltern…
Erst ab 25 Jahre hast du einen von der Arbeitsagentur geförderten Anspruch auf eigenen Wohnraum. D.h., das Jobcenter würde dich (in deinem Fall) bei der Wohnungssuche unterstützen, dir dann die Miete zahlen, plus deinen Unterhaltsanspruch von ca. 356,- € monatlich. In deinem Fall hättest du sogar einen Anspruch auf Mehrbedarf aufgrund deiner Behinderung (Immer vorausgesetzt, dass das Vermögen, der Verdienst deiner Eltern nicht ausreicht!)
Du bist nun erst 23. In begründeten Fällen kann die ARGE auch anders entscheiden. Hier wäre also wichtig, kannst du plausibel machen, dass du nicht mehr bei deinen Eltern wohnen kannst und die nicht genug Geld haben, um anderweitig (z.B. in eigener Wohnung) für dich aufzukommen (Miete, Unterhalt usw.). Aber auch dann wäre die ARGE nicht zwangsläufig verpflichtet. Wenn die „NOTWENDIGKEIT zu eigenem Wohnraum“ (für dich) festgestellt wäre, wären nämlich zunächst deine Eltern trotzdem und nach wie vor unterhaltspflichtig (abhängig von deinem Ausbildungsstatus).
Kurz um: ALG II ist immer nachrangig. Das heißt, du musst immer erst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen und/oder beantragt haben. Logischerweise mit, für deinen Fall, negativem oder „nicht ausreichendem Bescheid. Gleiches gilt für die Wohngeldstelle. (Also z.B. kein Einkommen der Eltern bei etwaiger Bedarfsgemeinschaft)… So viele Wenns und Abers.
Versuche also Ärzte, etwaige Therapeuten, andere Hilfsorganisationen zu überzeugen, dazu zu bewegen, dass diese sich bereit erklären, dich in deinem Wunsch zu unterstützen. Bestenfalls hast du die ja schon.
Wenn deine Eltern über ausreichend Mittel verfügen, wird Wohngeld wohl nicht gezahlt, wenn es deine Erstausbildung ist. Bei einer Zweitausbildung wäre die Sachlage zu rechtfertigen, bei der dritten fällt die Unterhaltspflicht deiner Eltern ohnehin flach, wenn es um deine Ausbildung geht. Wenn deine Eltern aufgrund zu geringem Einkommens nachweislich nicht für deinen Unterhalt nicht sorgen können, tritt wieder das Sozialamt oder eben wie in den meisten Fällen die Arge in die Pflicht.
Du merkst: Viiiiieeeeel “EVETUELLS und „VIELLEICHT DOCH ANDERES““…!!!
Unter uns: Egal wie! Aufgrund deiner 50% hast du ganz gute Chancen. Je nach Art der Behinderung (physisch o./u. psychisch) hast du sowieso eine bessere Erfolgsprognose.
Klaro, es gibt viele mir unbekannte Faktoren, die mir keine eindeutigen Ratschläge erlauben. Aber ich kann dir reinen Gewissens raten: Versuche deine „elterlichen Probleme“ so gut wie möglich zu definieren: Gibt es für dich wirklich unbedingte und akute Gründe, da „einfach nur weg zu wollen, vielleicht zu müssen“? Könnte ich meine Ausbildung (bei uns in Berlin 3 Jahre) evtl doch noch zu Hause wohnen bleiben? „Bin ich bereit, meine Eltern notfalls auf Unterhalt (gegebenenfalls Naturalunterhalt) zu verklagen?“…
Wenn du dich auf solche Fragen für ein ehrliches! NEIN entschieden hast, dann versuche einen Weg zu finden.
In meiner Arbeit als Bildungsbegleiterin/Azubi-Betreuerin muss ich bei meinen Hilfesuchenden gewöhnlich auch langsam und intensiv erst einmal alles Wesentliche herausarbeiten. Manchmal ist es echt leichter als man denkt. Eigentlich sehr oft! Geht bei dir so hier nicht, also folgende Vorschläge/Ansprechpartner für dich und alle anderen Interessierten:
- Suche dir dingend den! Ansprechpartner deiner Berufsfachschule!
- Kommt für dich (wichtige Adresse!) der SPD – Sozial-Psychiatrische Dienst in Frage? (SPD ist immer gut, wenn man nicht weiter weiß (Krise!!!) Die helfen immer (solang man einigermaßen freundlich ist und denen nicht pampig kommt) Aus meiner Sicht: WICHTIGER Ansprechpartner
- Trete ggf. mit deiner Rentenversicherung in Kontakt, da die in deinem Fall (50% Behinderung) unter Umständen sogar „Leistungen zur Beruflichen Rehabilitation“ bewilligen (egal ob Erst- oder Zweitausbildung) – macht sich auch finanziell gut!
- Google einfach mal unter „Soziale Netzwerke…Dienste…/Hilfe… usw.“ in deiner Wohngegend
- Gibt es spezielle, auf deine Bedürfnisse abgestimmte, Hilfsorganisationen, z.B. „Frau Sucht Zukunft e.V.“, oder andere in deiner Wohngegend? (Und davon gibt es unzählige).
Meine Erfahrung ist einfach die:
Wenn man sich ehrlich und hilfesuchend an solchen Einrichtungen und Hilfsorganisationen wendet, bekommt man auch ehrliche Beratung , Hilfestellung und Unterstützung! Ich habe solches Wohlwollen schon sehr oft mit meinen „Zöglingen“ erlebt. Auch wenn DIE vielleicht doch nicht so ganz die richtigen Ansprechpartner waren, haben wir immer die „Richtigen“ bekommen, mit Name, Telefonnummer usw. und auch dann haben die uns noch weiterhin gerne begleitet. EXTRATIPP: Wenn du eine Freundin oder Freund deines Vertauens hast: Mitnehmen! Sag einfach: Das wäre deine hilfreiche Begleitung aus der Berufsfachschule, deines Physiologen, deines Psychiaters, deiner Beratungsstelle… (irgendwas „offizielles“). Die kennen sich nämlich auch nicht mit allem aus.!! Aber sie möchten helfen.
Niemand sollte sich schämen, solche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Glaub mir, du wirst die Erfahrung machen, dass man dir interessiert und wohlwollend gegenüber treten wird. Die leben und arbeiten ja quasi davon und dafür. Hier bekommst du Hinweise, Tipps, Ratschläge. Überlege mit denen die für dich relevanten/wichtigen nächsten Schritte.
Eine klare und eindeutige Aussage konnte ich dir nicht geben, aber vielleicht habe ich dir ja dennoch etwas in die Hand geben können. Frag aber gerne noch mal, wenn du Fragen hast!
Viel Kraft und Glück; banica