Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten

Ich bin zwar noch Psychologiestudent in einem recht frühen Semester, aber natürlich mache ich mir auch jetzt schon Gedanken, was sich mit so einem Abschluss beruflich denn mal anfangen lässt.
Eine Möglichkeit, die mich interessiert, ist die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten.
Allerdings habe ich gelesen, dass die Psychotherapie-Ausbildung bis zu 30000 Euro kosten kann … abgesehen davon frage ich mich, ob es sich heutzutage wirklich lohnt, diese Ausbildung zu machen (vom finanziellen Aspekt einmal abgesehen), da Psychotherapeuten in ihren Kompetenzen doch recht beschränkt sind … so fehlt ihnen etwa:

  • die Kompetenz zur Krankschreibung

  • die Kompetenz zur Verordnung von Heilmitteln

  • die Kompetenz zur Verordnung von Psychopharmaka

  • die Kompetenz zur Einweisung in stationäre psychotherapeutische und psychiatrische Behandlung und Überweisung zum Facharzt

Wozu also viel Geld und Zeit investieren, um so eine Ausbildung zu absolvieren? Diese Frage scheint mir durchaus berechtigt.
Mich würden mal verschiedene Meinungen dazu interessieren. Vielleicht auch von Leuten, die so eine Ausbildung machen / gemacht haben - würdet ihr Anderen dazu raten oder eher nicht, und aus welchen Gründen.

Auch interessant: Weiß irgendjemand vielleicht etwas darüber, wie diese Ausbildung in anderen europäischen Ländern oder in den USA geregelt ist? Wie sieht’s da mit der Finanzierung der Ausbildung und den späteren Kompetenzen im Beruf aus? Etwas „rosiger“, oder ist die Situation vergleichbar mit der hier in Deutschland?

Danke bereits im Voraus für eure Antworten!

Hi Dennis
Deine Skepsis und die aufgeführten Mängel sind berechtigt bzw. richtig.
Ich habe nach 8 Semestern Psychologie damals zum Medizinstudium gewechselt, als ich den Zulassungsbescheid für Med. bekam.
Ich habs nie bereut, auch wenn ich dadurch 21 Semester an der FU verbracht habe.
Gruß,
Branden

Hallo Dennis,

Eine Möglichkeit, die mich interessiert, ist die Ausbildung
zum Psychologischen Psychotherapeuten.

ein Link dazu: http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychotherapie/…

Allerdings habe ich gelesen, dass die
Psychotherapie-Ausbildung bis zu 30000 Euro kosten kann …

ja, richtig. Die Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten kostet z.B. heutzutage etwa 20.000 Euro.

Wozu also viel Geld und Zeit investieren, um so eine
Ausbildung zu absolvieren? Diese Frage scheint mir durchaus
berechtigt.

Die Frage ist berechtigt. Die Antworten hängen davon ab, welche Ziele Du mit dem Beruf Psychologischer Psychotherapeut erreichen willst. Reich wirst Du damit sehr wahrscheinlich nicht werden. Wenn Du aber psychotherapeutisch auf einer soliden psychologischen und psychotherapeutischen Basis durchführen möchtest, dann wäre das Psychologiestudium die bessere Alternative gegenüber dem Medizinstudium. Denn das Psychologiestudium bietet sehr viel umfassendere und gründlichere Kenntnisse menschlichen Verhaltens und Erlebens als das Medizinstudium.

Beste Grüße

  • die Kompetenz zur Krankschreibung

  • die Kompetenz zur Verordnung von Heilmitteln

  • die Kompetenz zur Verordnung von Psychopharmaka

  • die Kompetenz zur Einweisung

Du bist nun mal kein Arzt. Wenn das also deine Ziele sein sollten, dann solltest du schnellstmöglich das Studienfach wechseln.

Wozu also viel Geld und Zeit investieren, um so eine
Ausbildung zu absolvieren? Diese Frage scheint mir durchaus
berechtigt.

Teuer ist es auf jeden Fall und lohnen tut es sich vielleicht auch erst, wenn man eine eigene Praxis eröffnet oder an einer teilhaben kann. Aber mit der Ausbildung hast du die Möglichkeit Menschen dauerhaft zu helfen, in dem du ihr Verhalten analysierst und entsprechend therapierst. Es ist doch nicht so, dass Medikamenteverschreiben das einzige Mittel ist. Überhaupt können Medikamente doch maximal der Anfang sein und dann muss eine Therapie erfolgen. Es macht schließlich auf Dauer wenig Sinn lediglich die Symptome und nicht die Ursache zu bekämpfen.

Wie auch immer Aufwand und Nutzen um Psychotherapeut zu werden stehen schon in einem Missverhältnis, zu mal man nach der Ausbildung ja auch noch eine Kassenzulassung kaufen muss (soweit ich weiß).

Wie gesagt, überleg dir was du willst. Wechsle lieber früher als später und rede auch mal mit höheren Semestern über das Thema.

Gruß

hi,

wenn dich die ärztlichen kompetenzen, die du aufzählst, reizen, ziehe ein medizinstudium in betracht. die behandlung psychischer störungen ist aber in den meisten fällen ohne stationäre aufenthalte, verschreibung von pillen durchführbar und effektiv.

zur ausbildung zum pp´ler:

-die kosten liegen in der tat so hoch, ich habe mal ausgerechnet, was es ALLES bei mir gekostet hat und habe dabei die kosten für fahrten, literatur, supervisionen usw mit eingerechnet und auch die einnahmen gegehngerechnet, dabei war die versteuerung auch inbegriffen (also keine schlechte rechnung, denke ich). ergebnis waren 24500 euro, die ich von meinem (bereits versteuerten!) nettoeinkommen selbst bezahlt hatte. mein fazit aus rein finanzieller sicht lautet: es lohnt überhaupt nicht. um zu praktizieren ist heute kauf einer praxis und auch ein umzug nötig, dafür fallen wieder ca. 20-80 tausend euro an. um das alles wieder reinzuholen musst du 10 jahre abbezahlen, vorausgesetzt, dein laden läuft und du bleibst gesund und machst mindestens 30 patienten-stunden die woche.

-inhaltlich empfehle ich die ausbildung dennoch. was ich darin gelernt habe, ist empfehlenswert. gerade die darin enthaltene pficht-zeit in einer psychiatrie ist mir sichere orientierung gewesen, später nicht klinisch, sondern ambulant arbeiten zu wollen. musste mal ausprobieren, wie chefärzte mit untergebenen ärzten und therapeuten rumspielen, da vergeht dir die lust an der sache innerhalb von minuten, bundeswehr ist ein kindergeburtstag dagegen! ich liebe meine ambulante arbeit und weiss das erst, seitdem ich klinisch tätig war.

-ich finde es hervorragend, menschen gegen ihre psychischen erkrankungen mit psychotherapie helfen zu können und dabei sehr oft festzustellen, dass man psychopharmaka sikkzessive absetzen kann oder gar nicht erst benötigt. das betrifft vor allem die häufigsten psychischen störungen, angst und depression. (bei anderen störungen muss man pharmakologisch behandeln, ist klar.)

zum schluss noch eins: es gibt viele ärzte, die das in ihrer ausbildung so nie gelernt haben und das auch nicht für möglich halten, sie fühlen sich stets als „herr des verfahrens“, dürfen verschreiben, einweisen und hastenichtgesehen, aber kennen die vertiefte ausbildung zum psychotherapeuten und die wirkungen von psychotherapie fast gar nicht. diese kenntnisse traue ICH nur fachärzten für psychotherapie und psychiatrie zu sowie denen, die eine facharztausbildung in psychosomatischer medizin absolviert haben. es ist einfach eine andere herangehensweise und man kann es ausbildungsdmäßig von ärztlicher seite und psychotherapeutischer seite angehen. ich bin humanist, was das ist und bedeutet, wußte in der klinik, in der ich gearbeitet hatte, niemand!