Guten Tag.
Man möchte nun auch kein schlechtes Zeugnis ausstellen und dem
jungen Mann seine berufliche Zukunft verbauen.
Um in Thomas’ Kerbe zu hauen: Das ist und bleibt ein Eiertanz, was du da veranstalten möchtest. Die berufliche Zukunft des Kerlchens wird, egal, welches Zeugnis ihr ihm schreibt, nicht toll aussehen.
Warum? Nun, der potenzielle Arbeitgeber wird sich euer Zeugnis, dazu den Gesellenbrief und das Zeugnis der Berufsschule anschauen. Wenn sowohl Gesellenbrief als auch Berufsschulzeugnis im mauen Viererbereich liegen, die Prüfung danebenging und euer Schrieb liegt zwischen 2 und 3, sieht der Blinde mit dem Krückstock, was Sache ist. Schaut man sich dagegen nur euer Zeugnis an, stellt den Kerl daraufhin ein und er schlägt genau so ein wie bei euch, so seid ihr im günstigen Falle als ahnungslose Trottel, ansonsten als Bude angesehen, die Gefälligkeits-Schriebischreibi ausstellt. Und das wird sich herumsprechen …
Du schreibst, dass das Berufsschulzeugnis im alleruntersten Bereich liegt und auch die innerbetrieblichen Leistungen Banane sind. Das kann an drei Dingen liegen:
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Der Mann ist mit dem gewählten Ausbildungsgang schicht völlig überfordert;
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er hat überhaupt kein Interesse an diesem Beruf;
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er ist schlicht für nichts zu gebrauchen.
Stellst du jetzt ein Zeugnis zwischen 2 und 3 aus, schlägst du jeden „normalen“ Azubi damit in die Fresse (und nagelst, siehe oben, jedem potenziellen neuen Arbeitgeber ein dickes Ei auf die Schiene).
Anstatt nun diesen Weg zu gehen, würde ich vorschlagen, dass jemand in eurem Laden ein sehr ernstes Gespräch mit dem Mann führt, folgenden Inhalts:
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Ein qualifiziertes Zwischenzeugnis wäre, wenn er darauf besteht, unter dem Strich, so wie seine bisherigen Leistungen.
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Bietet ihm aus diesem Grunde ein einfaches Zeugnis an.
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Wenn sich sein Leistungsverhalten nicht grundlegend ändert, wird er auch nach Abschluss der Lehre kein gutes oder befriedigendes Zeugnis erhalten können.
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Sieht sich der Kandidat dazu nicht in der Lage, legt ihm eine komplette Umorientierung nahe, z.B. eine weiterführende Schulausbildung oder einen ganz anderen Beruf.
Was der Delinquent aus diesen klaren Ansagen macht, ist dann wiederum sein Bier - jedenfalls verbaut dann nicht euer Zeugnis ggf. seine Zukunft, sondern sein gesamtes Leistungsbild.
Die Verhaltensprobleme bei dem Azubi sind noch ein ganz anderer Punkt: Nach drei Jahren noch Probleme mit Pünktlichkeit und selbständigem Arbeiten zu haben, ist a) abmahnfähig und -bedürftig und b) ein Zeichen dafür, dass ihr, Verzeihung, während der bisherigen Ausbildungszeit massiv gepennt habt.
Zu den Mon- und Freitagsfehlzeiten: Ihr hättet im Ernstfall, wenn das also mit Blaumachen zu tun haben sollte, schon längst gravierend eingreifen müssen, schon aus Gründen der erhöhten Fürsorgepflicht bei einem - womöglich noch minderjährigen - Azubi. Die Fehlzeiten der Berufsschule möchte ich da schon gar nicht mehr wissen … nur den Hinweis bringen, dass der Ausbildungsbetrieb den Azubi zum regelmäßigen Besuch der Berufsschule anhalten soll, was auf Deutsch auch heißt, jenen zu überwachen und einzugreifen, wenn es nicht klappt.
Mit einem wohlgedrechselten Zeugnis jedenfalls ist hier niemandem geholfen. Gut gemeint ist die kleine Schwester von Scheiße …
GEK