Ausbluten - Todesart?

Hallo,

wenn jemand ausblutet, z.B. durch eine große Wunde oder er wird angezapft, woran stirbt der Mensch?
Ist das vergleichbar mit einem Motor ohne Öl?
Oder zieht sich das Blutsystem zusammen?

Grund für diese Frage ist ein Krimi, den wir gesehen haben und dort jemand abgezapft wird. Wir haben dann darüber diskutiert, warum derjenige stirbt (nicht am offensichtlichen sindern intern…).

Gruß
Paul

Hallo Paul,

da das Blut ja bekanntlicherweise das lebensnotwendige Sauerstoff weiterträgt und durch das Gefäßsystem sämtliche Organe mit Blut und vor allem Sauerstoff versorgt, stirbt der Mensch dann quasi am Untergang des betroffenen Organs.

Verliert ein Mensch Blut durch eine offensichtlich große Wunde, so zentralisiert sich das Blut und versorgt nur noch die lebensnotwendigen Organe wie z.B. Nieren. Da das Gehirn für das Leben des Organismus nicht von sehr viel Bedeutung ist, verabschiedet es sich daher auch als erstes. Daher auch das schnelle Reanimieren bei Kreislaufstillstand.

gruss levi

Verliert ein Mensch Blut durch eine offensichtlich große
Wunde, so zentralisiert sich das Blut und versorgt nur noch
die lebensnotwendigen Organe wie z.B. Nieren. Da das Gehirn
für das Leben des Organismus nicht von sehr viel Bedeutung
ist, verabschiedet es sich daher auch als erstes.

Tach,

sag mal wie meinst Du des jetz?

Gruss

sag mal wie meinst Du des jetz?

mit dem zentralisieren?

Bei zu hohen Blutverlusten oder einem kardiogenen Schock werden nur noch die lebensnotwendigen zu Hohen Anteilen mit Blut versorgt. Spasmus der Gefäße und sympathomimetische Reaktion als automatischer Eigenschutz des Körpers. Das Multiorganversagen führt dann letzlich zum Tod.

gruss levi

Bei zu hohen Blutverlusten oder einem kardiogenen Schock
werden nur noch die lebensnotwendigen zu Hohen Anteilen mit
Blut versorgt. Spasmus der Gefäße und sympathomimetische
Reaktion als automatischer Eigenschutz des Körpers. Das
Multiorganversagen führt dann letzlich zum Tod.

Jo.
Nur das das Gehirn wegen „unwichtig“ abgestellt wird, ist wohl etwas zu stark vereinfacht. Es ist vielmehr so, dass das Gehirn so wenig Toleranzen hat, dass es unter der Notversorgung der Zentralisation schnell Ausfallerscheinungen zeigt. Das Bewusstsein fällt alls erstes aus - hier wohl wirklich weil es eher verzichtbar ist, als die Stammhirnanteile, die z. B. Atmung und Kreislauf kontrollieren und darum noch etwas besser geschützt sind.
Tatsächlich nehmen die Nieren bei anhaltender Mangeldurchblutung eher Schaden als das Gehirn. Wenn die Entwicklung jedoch dramatisch ist, ist es ein Wettrennen zwischen dem versagenden Atemzentrum und der nachlassenden Herzkraft. Letzlich bedingen sie sich gegenseitig.

Gruß
Werner

Nochmal im Klartext und der Reihe nach:

  1. Phase:
    Der Körper reagiert erst mit einer schnelleren Herzfrequenz
    um das fehlende Volumen zu ersetzen.
    Der Blutdruck ist in der Phase recht niedrig.
    Danach kommt ein kurzer Blutdruckanstieg, der die
    Phase 2 einleitet.

  2. Phase:
    Nennt man Zentralisation.
    Der Körper versorgt nur noch die Lebensnotwendigen Organe.
    Das sind alle Bauchorgane, Lunge, Herz UND GEHIRN.
    Die Extremitäten werden von der Durchblutung ausgenommen, indem die
    Versorgenden Arterien enger werden und schließlich „verschlossen“ sind.

  3. Phase:
    in den Kapillargefäßen wird Blutgerinnender Stoff in sehr hohen Mengen
    ausgeschüttet, um die (evtl. vorhandene) Wunde zu schließen.
    Da der Stoff aber zu viel ist und nicht mehr richtig abtransportiert
    werden kann (mangels Blutvolumen) gerinnt das Blut in den
    Kapillargefäßen. Die Blutkörperchen legen sich dabei wie Münzen
    aneinander. Deshalb nennt man das auch den Geldrolleneffekt.
    Dieser Zustand wird manifeste Phase genannt.

Das Gehirn wird zuerst geschädigt, da es am allerwenigsten einen
Sauerstoffmangel verkraftet.
Dann stellt der Herzmuskel seine Tätigkeit ein, da für die
Kontraktion des Herzens 1. kein Sauerstoff mehr vorhanden ist und 2. ein Elektrolytausgleich zwischen Herzmuskelzellen und dem
Blut nicht mehr statt finden kann.
Alle Anderen Organe gehen danach zu Grunde, obgleich die Nieren
bei einem zu niedrigen Blutdruck auch nicht mehr funktionieren.
Das ist in diesem Falle aber nicht die Todesursache.

Ein Arzt wird in den Totenschein „Tod durch Volumenmangelschock“
schreiben.

Viele Grüße

Hagen

  1. Phase:
    Nennt man Zentralisation.
    Der Körper versorgt nur noch die Lebensnotwendigen Organe.
    Das sind alle Bauchorgane, Lunge, Herz UND GEHIRN.
    Die Extremitäten werden von der Durchblutung ausgenommen,
    indem die
    Versorgenden Arterien enger werden und schließlich
    „verschlossen“ sind.

Das wuerde heissen ein Mensch kann nicht verbluten wenn er sich „die Pulsadern aufschneidet“ weil er ueber Phase 2 nicht hinauskommt?

Hallo Levi,

so zentralisiert sich das Blut und versorgt nur noch
die lebensnotwendigen Organe wie z.B. Nieren. Da das Gehirn
für das Leben des Organismus nicht von sehr viel Bedeutung
ist, verabschiedet es sich daher auch als erstes. Daher auch
das schnelle Reanimieren bei Kreislaufstillstand.

mal ehrlich, lernt man das heute so?!
Dann scheint das mit Pise doch irgendwie zu stimmen.

Ich hab mal gelernt, daß bei einer Zentraliseirung Herz, Lunge und Hirn als letzte Organe versorgt werden, aber das ist schon einige Jährchen her, vielleicht ist die Forschung mittlerweile weiter.

Die Bewustlosigkeit ist eine Maßnahme im Rahme der Zentralisierung, daß ‚unwichtige‘ Funktionen wie das Bewustsein eigeschränkt oder abgeschaltet wird.
Die vegetativen Funktionen laufen bis zum Schluß weiter…

Gandalf

Hi Patrik,

Das wuerde heissen ein Mensch kann nicht
verbluten wenn er sich „die Pulsadern aufschneidet“ weil er
ueber Phase 2 nicht hinauskommt?

es ist so, daß die überwiegende Zahl der Pulsaderöffner nicht versterben. Das ist richtig.

Nur wenn die Eröffnung sehr massiv ist, hat men eine Chance sich so zu töten.
Ob der Trick mit der Badewanne mit dem warmen Wasser da weiterhilft kann ich nicht sagen.

Ein Notarzt mit dem ich mal eine Zeit zusammen gefahren bin meinte mal, sich die Pulsadern aufschneiden wäre ein massiver Hinweis auf einen Therapiewunsch, mehr nicht.

Gandalf

Die Bewustlosigkeit ist eine Maßnahme im Rahme der
Zentralisierung, daß ‚unwichtige‘ Funktionen wie das
Bewustsein eigeschränkt oder abgeschaltet wird.
Die vegetativen Funktionen laufen bis zum Schluß weiter…

Sozusagen Kleinhirn ja, Grosshirn nein.

Danke!
Hallo,

danke für diese nachvollziehbaren Erklärungen!

Super!

Gruß
Paul