Auseinanderkennen

Hi + Morgen an alle Langschläfer!

In der vergangenen Woche begegnete mir (im TV) 2x ein Wort, dass ich zuvor nicht kannte. Es ist das Wort „auseinanderkennen“ im Sinne von „auseinanderhalten“/„unterscheiden“.
Jemand formulierte (in etwa): „Der Fachmann kann den Geschmack von Nektarinensaft und Pfirsichsaft auseinanderkennen“.

Kann mir jemand sagen, ob das ein regionales Wort ist, oder ist es ein modernes Wort?

☼ Markuss ☼

Guten Morgen, Markuss!

Kann mir jemand sagen, ob das ein regionales Wort ist, oder
ist es ein modernes Wort?

Diesen Gebrauch kenne ich wohl und verwende ihn sogar noch manchmal. So sage ich etwa zu meinen Nichten: „Euch zwei kann man am Telefon nicht auseinander kennen, so ähnlich klingen eure Stimmen.“
Dieser Gebrauch klingt in meinen Ohren auch eher oberdeutsch als gesamtdeutsch; bei Grimm aber wird diese Bedeutung durchaus noch geführt, wenngleich als selten bezeichnet:

_kennen …
4) Noch jetzt gilt, obwol selten, kennen für unterscheiden , vgl. lat. dignoscere, gr. diagignõskein, ags. tôcnâvan (gleichsam ‚zerkennen‘) in gleicher bed.: ich bin heute achzig jar alt, wie solt ich kennen was gut oder böse ist, oder schmecken was ich esse oder trinke u. s. w. 2 Sam. 19, 35;

bös und gutes kan er kennen. LOGAU 1, 3, 32.

deutlicher ist es mit praepositionen, wie mhd. bekennen mit von (WACKERN. wb.): seinen brůder, der im also gleich was, das man einen vor dem andren nit kennen kund. KEISERSBERG trostsp. DD 3a (4°); eins vor dem anderen kennen, discernere, einen narren vor einem weisen kennen, discernere stultum a sapiente, eins angesicht für ander (pl., vor anderen) ausz kennen und underscheiden. MAALER 242c. auch mit von, das besser scheint: von einanderen kennen, dignoscere. das.; dasz man den maderatzen und den strohsack gar schwerlich von einander kennen kondte. Lazarillo de Tormes (1624) 75. mit unter: eim jeden ein sondern helm aufgesetzt, so kent man die nummer undereinander. FISCHART Garg. 110a (196).

aber sag, wo sind die rechten,
und wie kennt man sie von schlechten,
sieht mans en an den augen an? GÖTHE 57, 160;

du kennst im zarten keim das unkraut nicht vom kraut. RÜCKERT weish. d. brahm. 9, 86,

wie es scheint in erinnerung der volkssprache; denn im volke spricht man mehrfach so, z. b. östr. von anånda kenna, unterscheiden. TSCHISCHKA östr. volksl. 280; auch thüringisch und wol weiter verbreitet. Ebenso erkennen: (den scheffen soll zu trinken gegeben werden), bisz sie ein tauf (taube) vor einer krain (krähe) auf einem leidaich nicht erkennen kunten. weisth. 4, 770;

darumb ists angefangen,
darmit man wölf und schaf
soll auseinander erkennen. WELLER lieder des 30 jähr. kr. 177 (1625).

so noch SCHILLER 843b (oben 3, 867); vgl. auszkennen bei MAALER vorhin und HERDER unter kennbar. Ebenso dän. kjende det ene fra det andet, engl. to know asunder, auch mit from SHAKSP. Coriol. 1, 6; it. z. b. io conosco i tordi (drosseln) da gli stornelli (staaren), bin nicht so dumm als du denkst, wie in den weisth. vorhin und Hamlets I know a hawk from a handsaw 2, 2, to know turtles from jays (elstern) merry wives of W. 3, 3._

Das „auseinander“ ist also nur eine Verdeutlichung der im Grundwort angelegten Bedeutung.

Gruß Fritz

Hallo Markuss,

In der vergangenen Woche begegnete mir (im TV) 2x ein Wort,
dass ich zuvor nicht kannte. Es ist das Wort
„auseinanderkennen“ im Sinne von
Kann mir jemand sagen, ob das ein regionales Wort ist, oder
ist es ein modernes Wort?

Ich hab es hier im Bereich Sachsen/Thüringen/Berlin noch nie gehört. Die Wortbioldung erinnert mich ein bisschen an die Schweiz, vielleicht liegt eine regionale süddt. Bildung vor ?

Ciao maxet.

Bei uns dahoam…
…in Oberösterreich kennen wir gar kein anderes
Wort für „auseinanderkennen“ :wink:

Grüße
J.

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…in Oberösterreich kennen wir gar kein anderes
Wort für „auseinanderkennen“ :wink:

ist im steirischen auch so. aber so *schreiben* tuts wohl nur der dorfdepp.

gruß
dataf0x

ist im steirischen auch so. aber so *schreiben* tuts wohl nur
der dorfdepp.

Ooohhhh!?!?!?

Dass ist dann der, der wo als einzigster schreiben kann?

Fritz

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Dass ist dann der, der wo als einzigster schreiben kann?

ja, der begaxel kann oft nicht gut schreiben. auch nicht wenn er eine möschpeis ausliefert.

LOL

gruß
dataf0x

Ohja, dataf0x, das wird es sein!

Und der „Bledderdoig“ ist ihm aufs „Schdriggjäggle“ gefallen, weil er sich im „Schdieble“ am „Elefele“ den „Zaia“ angeschlagen hat!

*Hihihihihihihi, wenn ich mich nicht irre.

Fritz

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Hallo Maxet

Ich hab es hier im Bereich Sachsen/Thüringen/Berlin noch nie
gehört. Die Wortbildung erinnert mich ein bisschen an die
Schweiz, vielleicht liegt eine regionale süddt. Bildung vor ?

Wird mit Bestimmheit in der Schweiz nicht verstanden. Für unsere nördlichen Nachbarn = Südbaden gilt fast sicher dasselbe.
Erich

…in Oberösterreich kennen wir gar kein anderes
Wort für „auseinanderkennen“ :wink:

… in Niederösterreich auch nicht.
wir sagens aber in der Form „füreinand’kennen“
„Die Zwillinge schaun sich so ähnlich, die kennt man gar net füreinand.“
oder: „Das pickt (klebt) so fest zusammen, das kriegt man nimmer füreinand.“ (= auseinander)

ist im steirischen auch so. aber so *schreiben* tuts wohl nur
der dorfdepp.

Grüße aus dem Dorf :wink: Michl