Ausgerechnet

Hallo, Metaphernauftrösler!
Plötzlich stolpert man über etwas, über das man hundertmal ohne Anstoß zu nehmen drübergekommen ist:
Kann jemand mitteilen, wie das Partizip „ausgerechnet“ ausgerechnet zu einer Bedeutung kam wie etwa „speziell“ (oder italienisch „proprio“).
Seit wann wird es so verwendet?
Kann man aus dem Fehlen im GRIMM schließen, dass es sich um eine Prägung neueren Datums handelt?
Dank & Gruß!
Hannes

Es ist eine ironische Ellipse, die im Volllaut sagen würde: „als ob das Schicksal es ausgerechnet hätte“. Eine ähnliche iroische Ellipse läßt „natürlich“ zu: „Ich war ohnehin schon verspätet, und da fuhr mir natürlich die Straßenbahn vor der Nase weg.“

Servus, Hannes,

Seit wann wird es so verwendet?
Kann man aus dem Fehlen im GRIMM schließen, dass es sich um
eine Prägung neueren Datums handelt?

auf meiner Suche nach der Gradpartikel „ausgerechnet“ stolperte ich endlos lang nur über Verwendungen so ab 1950 - gegeben haben muss es das aber schon früher:

http://www.dwds.de/?sort=0&res=2&cp=1&corpus=1&qu=au…

(1909, 1918, etc.)

oder: Zitat:
Beispiel: Die Gradpartikel ausgerechnet.
Suche nch “@ausgerechnet” erbringt auch das Partizip:
Page 25
Historische Entwicklung
Die Häufigkeiten lassen sich nach Jahrzehnten und nach den Textsorten darstellen. Man kann
z.B. zeigen, dass eigentümlich im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer seltener verwendet
wurde, dass ausgerechnet hingegen zugenommen hat

aus:http://209.85.229.132/search?q=cache:MB91mgL-J7sJ:am…

Also wer’ ich mal aufpassen, ob mir das ausgerechnet beim Geheimrat oder so:smile: vorkommt.

Lieben Gruß, jenny

Seit wann wird es so verwendet?

Hallo Hannes,

nach meiner Info wird es seit etwa 1850 verwendet.

Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache, Band 6
Autor Heinz Küpper
Verlag Klett, 1984
ISBN 3125701600 Buch anschauen, 9783125701601
Länge 392 Seiten

Schönen Sonntag

Uli

Man kann
z.B. zeigen, dass eigentümlich im Verlauf des 20. Jahrhunderts
immer seltener verwendet
wurde, dass ausgerechnet hingegen zugenommen hat

Ah, wie toll! Eigentümlich, das les ich so oft in alten Grammatiken. Da ist irgendwie immer alles „eigenthümlich“. Ein tolles Wort, ich vermisse immer das h darin, wenn ich’s heute sehe.

Gruß,

  • André

Hallo Hannes
Das Wort ist sehr alt, es bezeichnet etwas Besonderes, das bei bestimmen des Warenwertes „extra“ berechnet -herausgerechnet- wurde.
Dem folgte dann irgenwann die Übernahme in die Umgangssprache zur Hervorhebung besonderer Eigenschaften.
Beispiel:" Muss es ausgerechnet diese Blume sein?"
Dabei wurde eine Wortverdrehung eingebaut wie es auch bei anderen Begriffen geschehen ist. Eigentlich müsste es heißen:" Muss es diese ausgerechnete Blume sein?"
Oder so ähnlich…
Gruss
Rochus

Hi,
Dürfte ich neugierigerweise nach deiner Quelle fragen?

Gruß,

  • André

Es ist eine ironische Ellipse, die im Volllaut sagen würde:
„als ob das Schicksal es ausgerechnet hätte“. Eine ähnliche
iroische Ellipse läßt „natürlich“ zu: „Ich war ohnehin schon
verspätet, und da fuhr mir natürlich die Straßenbahn vor der
Nase weg.“

Hi,
Darf ich fragen, was die Quelle für deine Annahme ist?

Gruß,

  • André

Für ein gewisses Alter dieses Wortgebrauchs spricht vielleicht, dass es in allen mir bekannten Dialekten heimisch zu sein scheint.

Hallo Andre
Das habe ich mal vor vielen Jahren von einem Deutsch Dozenten gelernt, dessen Hobby solche Begriffe wie Ausbund, extra, ausgerechnet, hervorgehoben usw. waren
Gruss
Rochus

Ist das dein Ernst, André? Ich habe bloß nachgedacht.
Aber wenn’s unbedingt sein muss: Paul Meidinger, „Vom Sinn der sprachlichen Figuren“, Tübingen 1894

Ist das dein Ernst, André? Ich habe bloß nachgedacht.
Aber wenn’s unbedingt sein muss: Paul Meidinger, „Vom Sinn der
sprachlichen Figuren“, Tübingen 1894

Danke.
Ja, war natürlich mein Ernst. Ich war zwar nicht der ursprüngliche Fragesteller, aber ich wollte hier eine bloße Annahme schon von einer fundierten Analyse unterschieden wissen. Hätte ja gut sein können, dass du dir die Herleitung einfach selbst hergeleitet hast.

Gruß,

  • André

.