Ausländerkinder, was muss ich beachten?

Hallo
Hat Jemand Erfahrungen in der Betreuung von Ausländerkinder, weil er/sie zum Beispiel in einer Kinderkrippe arbeitet? Auf was muss man zusätzlich achten bei Kindern aus der islamischen Welt kommen und auf was ist zu achten bei Kinder aus dem Fernen Osten (Indien)? Themen, die mich interessieren sind: Essen; austeilen von Zärtlichkeiten bei kleineren Kindern; Regeln, die sie in ihren Familien einhalten müssen, die wir nicht kennen, und was für mich sonst noch interessant sein könnte. Ein Teil meines Vortrages wird sich mit dem richtigen (speziellem) Umgang mit solchen Kindern befassen.

Gruss Hämi

Erzähl bitte das vom Bad
Hallo Hermann,

japanische, afghanische, chinesische, indische und slawische Kinder im deutschen Kindergarten habe ich mehr oder weniger kennengelernt, und für keines wurde irgendeine Rücksichtnahme auf Gebräuche der Heimat verlangt.
Das ist auch vernünftig so, denn die Bewahrung und Förderung einer ausländischen Identität neben der sich entwickelnden deutschen ist ganz sicher nicht Aufgabe des deutschen Kindergartens sondern der ausländischen Familie.

Falls sich Dein Vortrag an Leute richtet, die in der Praxis mit exotischen Familien zu tun haben, die neu in Deutschland sind, dann erfülle mir bitte einen Herzenswunsch:

Sie sollen ihnen sagen, daß ein in die Wanne fallendes Elektrogerät (der Haarföhn) die badenden Kinder töten kann, egal ob es ein- oder ausgeschaltet ist!
Viele wissen das nicht, weil bei ihnen daheim im Bad keine Steckdosen sind.

Gruß
Wolfgang Berger

den hinweis mit den steckdosen im bad, die es ja in den meisten
ländern - im gegensatz zu deutschland - nicht gibt, finde ich auch sehr sehr wichtig.

…nicht auszudenken

TOM

Hallo zusammen.

Ich habe weniger an Steckdosen gedacht. Wenn ich mit Kindern arbeite, interessiert mich das wohl kaum, ob sie einen Fön Zuhause haben. Mich interssiert, wie ich mit ihnen umgehen muss. Ob ich gewisse Themen anders angehen muss, weil ich die Kinder verletzten könnte.Oder ob es in den Familien Tabuthemen gibt, die ich nicht kenne. Oder ob ich in einer Jugendfreizeit ein Spanferkel machen darf, ohne dass mir die Kinder nach der Freizeit den Rücken kehren.

mfg
Hämi

Nationalität sagt nichts aus
Moin Hämi

Mich interssiert, wie ich mit ihnen umgehen

muss. Ob ich gewisse Themen anders angehen muss, weil ich die
Kinder verletzten könnte.Oder ob es in den Familien Tabuthemen
gibt, die ich nicht kenne…

Das alles wird bei ausländischen Kindern wohl nicht anders sein als bei inländischen Kindern, nämlich von Familie zu Familie unterschiedlich. Weder die staatliche Herkunft (sind alle Schweizer gleich ?) noch die Religionszugehörigkeit (bei einem besteht sie nur auf dem Papier, der andere hält sich penibel an religiöse Vorschriften) wird dir irgend einen Hinweis darauf geben, wie du mit dem speziellen Kind umgehen solltest.

Mein Rat: Sprich mit den Eltern, genau so wie du es mit den Eltern „inländerischer“ Kinder auch machen würdest. Was nützt es dir, wenn dir jemand sagt: bei den „meisten“ Kinder aus XY ist es blabla, aber grade bei dem Kind in deiner Obhut ist es anders ?

Gruss
Marion

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Hallo Hämie,

Ich habe weniger an Steckdosen gedacht. Wenn ich mit Kindern

Entschuldige bitte, ich hatte auch nicht angenommen, daß Du so einen Hinweis erwartet hast. Ich dachte, Du seist ein sog. Multiplikator und richtete deshalb diesen Wunsch an Dich.

Es wurde bereits angesprochen, daß im Kindergarten gewöhnlich keine besonderen Vorkehrungen erforderlich sind.
Auch die Verpflegung wird nur dann zum Thema, wenn die Eltern da besondere Wünsche äußern. Das kann sich um religöse Verbote genauso handeln wie um Allergien.
Wenn Du z.B. fromme Islamisten in der Jugendgruppe hast, dann werden die wohl auch von selber den Vorschlag machen, zusammen mit dem Spanferkel auch ein paar Lammkoteletts mitzubringen oder so, das genügt ja dann.

Je größer allerdings die Kinder neu nach Deutschland kommen, desto größer sind auch die Probleme. Ohne genug Sprachkenntnisse ist man schlecht in der Schule. Unter Jugendlichen kann es zur Bildung verfeindeter Banden kommen. Je nach Herkunftsland kommst Du bei größeren Kindern und Jugendlichen überhaupt nicht mehr an die Eltern heran, nicht mehr nur wegen der Sprachbarriere, sondern dazu wegen ihres Desinteresses. Wie dem alles abzuhelfen sei, das ist ein weites Feld.

Was die Gesprächsthemen anbelangt, da kann ich mir eigentlich wenig Probleme vorstellen. Wenn z.B. Jugendliche aus verfeindeten Völkern dabeisind, dann kann man doch darüber reden.

Wenn Du hingegen Jugendliche aus Israel in der Gruppe hast, dann ist klar, daß die deutschen Kinder als Täterkinder zu sehen sind, wir aber trotzdem friedlich miteinander spielen. Wie man hört, gibt es u.a. in Tunesien viele Hitlerfreunde, Jugendliche aus diesem Land müßte man gegebenenfalls über die Strafbarkeit entsprechender Meinungsäußerungen aufklären.

Vergleichbare Tabus gibt es wohl woanders auch, im Herkunftsland z.B. einer Asylbewerberfamilie, aber woher soll man das im einzelnen wissen? Auch wird, wer aus seinem Heimatland flüchten mußte, wohl wiederum abweichende Meinungen haben. Dem hiesigen Pädagogen ist anzuraten, sich da nicht den Kopf des anderen zu zerbrechen.

Außerdem ist entweder die sprachliche Verständigung so schwierig, daß es zu solchen thematischen Problemen gar nicht erst kommen kann, oder der ausländische Jugendliche hat sich im Zuge seines Sprachstudiums schon daran gewöhnt.

Nochwas:
Bezeichnungen, durch die sich jemand möglicherweise diskriminiert finden könnte: Nehmen mir mal an, Du hast zwei Zigeunerkinder in der Gruppe, ein Bub und ein Mädchen. Nun ist „Zigeuner“ ja verpönt, es heißt jetzt „Sinti und Roma“. Das geht aber in unserem Fall nicht, weil die beiden entweder Sinti oder Roma sind, oder der Bub ist ein Sint, Sinto, Sintus o.s.ä., und das Mädchen eine Roma, nein „Roma“ war ja Mehrzahl, die Einzahl ist (weiß ich zufällig) „Rom“, aber männlich, also vielleicht weiblich Romin oder Romina, im umgekehrten Fall Sinterin, Sintina oder womöglich auch
Sinta. Berger, mein Name, mit freundlichen Grüßen

Baum umarmen
Haemi,

Ich habe weniger an Steckdosen gedacht. Wenn ich mit Kindern
arbeite, interessiert mich das wohl kaum, ob sie einen Fön
Zuhause haben.

Jetzt, nach Mitternacht, nicht mehr ganz nüchtern, erlaube ich mir hiermit, Dir symbolisch einen Arschtritt verpassen, auf daß Du den nächstgelegenen Baum inniglich umarmen mögest.

Sozialpädagogen wie Dich mag ich nicht. Ihr seid voller Haß.

Als Adoptivvater eines damals 8jährigen Phillipino
ist das Wichtigste, zuhören, viel sprechen und Zärtlichkeit.
Die Unarten nehmen sie von ihren deutschen Kindern an.
Wichtig auch, wie schon erwähnt, rede mit den Eltern.
Auch mit den Kindern gemeinsam (deutsche und ausländische)
die jeweiligen Lebensumstände vergleichen und besprechen, dabei aber nie ein Werturteil, sondern immer das Verständnis und die Akzeptanz für das andere wecken.
Gruß
PiRo

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Hallo.

hingegen Jugendliche aus Israel in der Gruppe hast,
dann ist klar, daß die deutschen Kinder als Täterkinder zu
sehen sind, wir aber trotzdem friedlich miteinander spielen.

Dieses nehme ich einmal als Anlass, dass ich nur dringend davor warnen kann, stilschweigend Annahmen zu trefen und aufgrund dessen irgendwie zu handeln.
Bei obigen Beispiel wäre Wolfgang wahrscheinlich überrascht, dass ausser ihm keiner so etwas denkt und in die Israelis völlig überrascht unschauen würde und wahrscheinlich sogar für etwas verrückt halten…

Kommunikation ist der Beginn von jeder Erziehung. Sprich mit den Kindern und den Eltern. Diese werde schon am Besten wissen, was sie von dir wollen :wink:

Schalom,
Eli

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Eltern dieser Kinder kämpfen oft mit dem Überleben und haben dadurch andere Sorgen als inländische Eltern, die ihre Kinder oft überbehüten und nicht loslassen können. Das gelingt in anderen Kulturen leichter. Ich erlebe die Kinder oft als strenger erzogen.
Bei Festen würde ich berücksichtigen, dass sie dieses Fest zuhause nicht feiern werden. Die Vorweihnachtszeit geht ihnen dann ganz schön auf den Keks.

Hallo Elimelech,

Bei obigen Beispiel wäre Wolfgang wahrscheinlich überrascht,
dass ausser ihm keiner so etwas denkt und in die Israelis
völlig überrascht unschauen würde und wahrscheinlich sogar für
etwas verrückt halten…

Daß ich für verrückt zu halten sei, dürfte im w-w-w wohl inzwischen mehrheitsfähig sein.

Jedoch würde ich Dich bitten, genauer zu sagen, was ausser mir „keiner so“ denkt.

Gruß

Wolfgang Berger

Danke
Danke für eure Beiträge. Sie zeigen mir allesammt, dass Komunikation mit den Eltern aber auch mit den Kindern sehr wichtig ist. Ebenfalls zeigen sie mir, dass es viele Klisches gibt, einfach aus Unwissenheit.

mfg
Hämi

Welche ‚Klisches‘ z.B. (o.w.T.)?

Hallo!
Kann mich nur anschließen: Die Nationalität allein sagt nicht viel aus. In christlichen Ländern leben Muslime und umgekehrt. Das gleiche gilt natürlich auch für andere Religionen. Zudem sind die Verhaltensregeln wohl in jeder (auch in jeder deutschen) Familie unterschiedlich.
Festzuhalten ist jedoch: In religiösen islamischen Familien wird kein Schweinefleisch gegessen und auch keine Produkte daraus (z.B. Gelatine in Joghurt). Vor Betreten einer Wohnung werden die Schuhe in der Regel ausgezogen und Mädchen und Jungen nehmen nur getrennt an sportlichen Aktivitäten teil. Aber das ist wie gesagt auch in vielen Familien unterschiedlich.
In Indien gibt es viele verschiedene Lebensweisen und Religionen. Die Sixh z.B. essen kein Rindfleisch, weil Kühe heilig sind. Milchprodukte sind jedoch erlaubt. Viele schneiden sich ihr Leben lang nie die Haare (auch die Männer nicht) - aus religiösen Gründen.
Sprich mit den Kindern und mit den Eltern über Wünsche oder religiöse Einschränkungen, dann kannst Du nach dem besten Kompromiß für alle suchen.
Daß sich grundsätzlich alle nach deutschen Maßstäben zu richten haben, wie hier bemerkt wurde, halte ich so nicht für richtig.
Sicher, in einem Kindergarten z.B. kann man es nicht jedem recht machen. Aber im Alltag finde ich es wichtig, gegenseitig Rücksicht zu nehmen. Integration ist doch nicht einseitig!!!
Und: Es hat doch jeder seine eigene Lebensweise, die mit der Nationalität nicht immer unbedingt in Zusammenhang steht. Das hat doch nichts mit Abgrenzung zu tun sondern vielmehr mit Individualität. Ich jedenfalls komme prima mit unseren ausländischen Nachbarn klar und kaufe auch in ausländischen Geschäften ein, wo ich im übrigen wesentlich freundlicher bedient werde, als im deutschen Supermarkt.
Nichts für ungut, aber das mußte ich mal loswerden.
Jedenfalls hast Du meinen vollen Respekt, wenn Du Dich darum bemühst, eine vernünftige Lösung für alle zu finden.
Wünsche Dir viel Erfolg.
LG Claudia