Auslautverhärtung auch im Wortinneren?

Hallo,
da ich meine Facharbeit (12. Klasse Gymnasium) über den sächsischen Dialekt schreibe, muss ich natürlich auch auf die Phonologie/Phonetik eingehen, und da hätte ich gerne mal gewusst, ob im Hochdeutschen die Auslautverhärtung (Aussprache von stimmhaften Plosiven am Wortende als stimmlos: Tag = [taːk], gib = [gɪp], Bad = [baːt]) auch im Inneren von Wörtern vorkommt.

Also, wird „begegnen“ als [bɛˈgeːknən] oder [bɛˈgeːgnən] ausgesprochen? Und Wörter wie „gebt“, heißen die [geːpt] oder [geːbt]?

Ist ziemlich wichtig für meine Facharbeit.

MfG,

  • André

ja, vor konsonanten
hi,

die hochlautung sagt: b, d, g werden zu p, t, k im auslaut oder wenn sie vor
einem konsonanten stehen.

„begegnen“ als [b??ge?kn?n]

richtig.

„gebt“ als [ge?pt] oder [ge?bt]?

ersteres.

das müsste in einem aussprache-wörterbuch stehen oder du kannst dich beziehen
auf:
wagner, roland: grundlagen der mündlichen kommunikation. sprechpädagogische
informationsbausteine für alle, die viel und gut reden müssen. regensburg: 1999.
seite 97.

gruß
tobias

Ah super, danke! (owt)
*

Noch eine Anmerkung zum Thema
Hi,

die hochlautung sagt: b, d, g werden zu p, t, k im auslaut
oder wenn sie vor
einem konsonanten stehen.

Der letztgenannte Fall wird, wenn ich mich recht erinnere, in der Literatur auch mit dem Begriff der ‚Assimilation‘ bezeichnet - zumindest dann, wenn der auf die Plosive folgende Konsonant stimmlos ist (von Auslautverhärtung würde ich deshalb wirklich nur dann sprechen, wenn’s auch wirklich um die Wortendstellung geht).

Gemäß zweitem Teil von Tobias’ Regel müsste ein Wort wie ‚Magnum‘ übrigens wohl grundsätzlich ['ma:knum] ausgesprochen werden - dem ist aber, zumindest in der Hochsprache, nicht so; insofern nehme ich an, dass es Tobias in der Tat um stimmhafte Konsonanten geht.

Mit besten Grüßen,
Frank_S

Hallo,

Der letztgenannte Fall wird, wenn ich mich recht erinnere, in
der Literatur auch mit dem Begriff der ‚Assimilation‘
bezeichnet - zumindest dann, wenn der auf die Plosive folgende
Konsonant stimmlos ist (von Auslautverhärtung würde ich
deshalb wirklich nur dann sprechen, wenn’s auch wirklich um
die Wortendstellung geht).

Hmm, „be-geg-nen“ - da ist das letze g ja auch in einem Auslaut vorhanden, auch wenn’s nur der Auslaut der Silbe ist. Ich dachte immer, das mit der Assimilation wären solche Fälle, wo z.B. n vor b oder p oft wie ein m ausgesprochen wird, wie in „Zukumpft“, „Vernumpft“ oder „umbedingt“… oder wie nannte sich das? Lenition? Und nochmal auf deine Antwort zurückkommend: du schriebst von folgenden stimmlosen Konsonanten. Heißt das, dass wenn ein auslautender stimmhafter Konsonant vor einem anderen stimmhaften steht, dann beide stimmhaft bleiben? Wie in „Mägde“ z.B…

Gemäß zweitem Teil von Tobias’ Regel müsste ein Wort wie
‚Magnum‘ übrigens wohl grundsätzlich ['ma:knum] ausgesprochen
werden - dem ist aber, zumindest in der Hochsprache, nicht so;
insofern nehme ich an, dass es Tobias in der Tat um stimmhafte
Konsonanten geht.

Ich denke, bei „Magnum“ liegt’s eher daran, dass es ein Fremdwort ist, da kann es schonmal Abweichungen geben. Wie auch beim Wort „Sex“, was man ja [sEks] und nicht [zEks] ausspricht (blödes Beispiel, ich weiß).

Grüße,

  • André

Hallo, André,

Hmm, „be-geg-nen“ - da ist das letze g ja auch in einem
Auslaut vorhanden, auch wenn’s nur der Auslaut der Silbe ist.
Ich dachte immer, das mit der Assimilation wären solche Fälle,
wo z.B. n vor b oder p oft wie ein m ausgesprochen wird, wie
in „Zukumpft“, „Vernumpft“ oder „umbedingt“… oder wie nannte
sich das? Lenition?

Lenition im Sinne von Assimilation ist mir nicht geläufig - nachdem ich jetzt aber kurz gegoogelt habe, gewinne ich den Eindruck, dass ‚Lenition‘ eine andere Bezeichnung für das ist, was ich als ‚Aspiration‘ kenne - mit den von Dir zitierten Beispielen hat das m.E. aber nichts zu tun; die würde ich tatsächlich auch unter ‚Assimilation‘ subsumieren.

Und nochmal auf deine Antwort
zurückkommend: du schriebst von folgenden stimmlosen
Konsonanten. Heißt das, dass wenn ein auslautender stimmhafter
Konsonant vor einem anderen stimmhaften steht, dann beide
stimmhaft bleiben? Wie in „Mägde“ z.B…

‚Radio Eriwan antwortet: Im Prinzip ja‘ - meine Vermutung lautet allerdings: von Region zu Region dürfte es da starke Unterschiede geben. Soeben fiel mir zu diesem Thema außerdem noch etwas ein, das ich seinerzeit unter der Bezeichnung ‚least effort principle‘ kennen gelernt habe - und das besagt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, nichts anderes, als dass Menschen für gewöhnlich zu einer gewissen ‚Maulfaulheit‘ tendieren. Für die ‚Mägde‘ bedeutet das: es ist mit vergleichsweise etwas weniger ‚Kraftanstrengung‘ verbunden, wenn man das ‚gd‘ darin stimmlos als ‚kt‘ ausspricht - und da sich auch kein Bedeutungsunterschied ergibt, trifft man diese Aussprachevariante wahrscheinlich sogar recht häufig an.

Gemäß zweitem Teil von Tobias’ Regel müsste ein Wort wie
‚Magnum‘ übrigens wohl grundsätzlich ['ma:knum] ausgesprochen
werden - dem ist aber, zumindest in der Hochsprache, nicht so;
insofern nehme ich an, dass es Tobias in der Tat um stimmhafte
Konsonanten geht.

Ich denke, bei „Magnum“ liegt’s eher daran, dass es ein
Fremdwort ist, da kann es schonmal Abweichungen geben.

Da habe ich meine Zweifel - und stelle mich dumm und sage: ‚Ob Fremdwort oder nicht - meine Artikulationsstellen kennen nur Lautfolgen, keine Wörter‘ *g*. Spaß beiseite - und her mit ein, zwei anderen Beispielen: regnen, Wagner, Wagnis - ich nehme zwar an, dass das ‚g‘ in diesen Wörtern tendenziell stimmlos (weil eben mit weniger Aufwand verbunden) ausgesprochen werden dürfte, aber ich glaube, dass nur regional wirklich ein ‚reines‘ [k] daraus wird (ich nehme aber an, dass solche Unterschiede ggf. eher messbar denn wirklich hörbar sind).

Beste Grüße,
Frank_S

link

Gemäß zweitem Teil von Tobias’ Regel müsste ein Wort wie
‚Magnum‘ übrigens wohl grundsätzlich ['ma:knum] ausgesprochen
werden - dem ist aber, zumindest in der Hochsprache, nicht so;
insofern nehme ich an, dass es Tobias in der Tat um stimmhafte
Konsonanten geht.

also vielleicht sollten wir das nochmal genauer nachschauen - 100%ig sicher bin
ich mir auch nicht. aber trotzdem noch ein link:
http://www.rechtschreibung-kinderschreibung.de/ortho…

gruß
tobias

Hallo, Tobias,

also vielleicht sollten wir das nochmal genauer nachschauen -
100%ig sicher bin
ich mir auch nicht.

Ich auch nicht - gerade im Moment wünsche ich mir sehr, ich hätte Hadumod Bußmanns ‚Lexikon der Sprachwissenschaft‘ zur Hand, auf dass ich herausfinden könnte, ob ich mit meiner ‚Assimilation‘ einen Holzweg eingeschlagen habe oder nicht.

aber trotzdem noch ein link:
http://www.rechtschreibung-:kinderschreibung.de/orth…

Besten Dank für den Link, den ich mir gerade mal angesehen habe. Ich habe den Eindruck, die mogeln da ein bisschen: erst ist die Rede von ‚Auslautverhärtung‘ - und dann nehmen sie Bezug darauf und schreiben ‚dieser Wechsel von stimmhafter zu stimmloser Aussprache‘. Aber vielleicht gibt’s auch da einfach wieder nur mehrere Schulen, die den Begriff ‚Auslaut‘ jeweils in einer etwas anderen Bedeutung verwenden.

Beste Grüße,
Frank_S