Hallo, Gandalf!
Ich habe ja nicht gesagt, dass das auf alle zutrifft, und dich persönlich meinte ich ja gar nicht. Auch ich schwimme nicht gerade im Geld. Nichts desto trotz sieht es aber so aus, dass die Lohnforderungen der letzten Jahre oder sogar darüber hinaus im Allgemeinen über den Möglichkeiten der Wirtschaft bzw. der Unternehmen lagen. Das merkt besonders an den Kleinbetrieben, von denen 2001 mal wieder um die Tausend Insolvenz anmeldeten. Diese können den Lohnforderungen nämlich gar nicht nachkommen.
Das Problem dafür liegt vielleicht viel tiefer: unser Sozialstaat. Dieser Begriff ist nämlich im Grundgesetz nicht definiert, es wird nur erwähnt, dass er eben in unserem System existiert. Momentan fließen etwa zu je einem Drittel folgende Steuern in das Sozialsystem: Arbeitnehmer (Lohnnebenkosten), Arbeitgeber und öffentliche Zuschüsse. Die Lohnebenkosten machen gut 50 % des Bruttoeinkommens aus, die Steuern, die ein Arbeitgeer abzugeben hat (mist, mir fällt jetzt das Wort nicht ein) genauso viel. Und die Spritze vom Staat ebenfalls. Ingesamt sind das rund 30 % des Bruttoinlandproduktes.
Wenn nun aber die Gewerkschaften Lohnforderungen stellen, denen die Firmen und Betriebe nicht nachkommen können, dann gehen die kleinen ein. Die großen (z.B. Autokonzerne, Telefonanbieter; eigentlich alle) hingegen entlassen einen Teil ihrer Angestellten, wodurch für die anderen die Lohnebenkosten steigen (für den Konzern im Übrigen auch), weshalb diese erneut höheren Lohn fordern, was der Konzern irgendwann nicht mehr oder kaum noch verkraften kann. Der Staat muss nun die jetzt arbeitslosen versorgen und gleichzeitig mal wieder eine weitere Finanzspritze fürs Soziale abdrücken. Der Kreis ist geschlossen.
Was - man verzeihe mir, wenn ich wieder ausschweifend werde - ist daran sozial, wenn jemand, der die Stütze wirklich benötigt, diese in nicht ausreichendem Maße erhält, andere (ich nenne sie jetzt einfach mal plump „Schmarotzer“, man verzeihe mir erneut) aber ein eigenes Haus und einen Zweit- oder Drittwagen für unverzichtbaren Luxus halten, sich aber zu Schade sind für ein neues Gebiss zu zahlen und dafür den Staat bemühen.
Was ich eigentlich damit sagen will: Natürlich kann man sich über die deutschen Sozialabgaben ärgern. Oder über die Mineralölpreise (macht wohl jeder, ich ja auch). Aber ich bin - ganz objektiv betrachtet - zu der Auffassung gelangt, dass unser Sozialstaat als solcher nur dann weiterexistieren kann, wenn er nicht allzu oft missbraucht wird, und dafür braucht man fähige Leute, die die Drosselklappen bedienen.
Wie du nun merkst, hat dieser Text nur noch peripher was mit deinem Beitrag zu tun, ich habe bewusst versucht ihn allgemein zu halten, und falls du mir bis hierhin noch zugelesen hast bin ich dir sehr dankbar dafür und verbleibe mit diesen Worten. (oder so ähnlich)
Chris
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]