Ausreise

Hallo,

angenommen, man hat Deutschland satt und will ins Ausland. Sagen wir mal in einen nordeuropäischen Staat (genauer Staat steht nicht fest). Nehmen wir an, geklärt wäre die Wohnung, das Einkommen und das Sprachproblem. Die behördliche Seite des Ziellandes ist erst mal mit einer Arbeitserlaubnis abgesichert. Was tut man nun in Deutschland? Der Wohnsitz wird aufgegeben, das Auto verkauft (oder mitgenommen, wie ist das mit der Ausfuhr, abgesehen von den Transportkosten?). Die Versicherungen laufen weiter (Altersvorsorge etc.). Krankenkasse? Im Ausland ist man mit der Arbeit ja versichert, was passiert hier? Wenns Auto mitgenommen wird, ab wann muß es umgemeldet werden aus deutscher Sicht? Im Zielland sind die Autosteuern wesentlich höher, dafür der Diesel billiger. Wie ist das Finanzamt zu informieren? Im Ausland zahlt man ja Steuern, hat also nix mehr mit Deutschland zu tun. Ok, das kann ich auch im Steuerbrett fragen. Was fällt euch sonst noch so ein zu diesem Thema?

Vielen Dank
Reiner

PS: Es soll eine Ausreise ohne Wiederkehr sein, höchstens zum Urlaub, um die Familie mal zu sehen…

Hallo Reiner,

dann plaudere ich mal aus dem Nähkästchen :smile:

angenommen, man hat Deutschland satt und will ins Ausland.

Die gute Nachricht gleich zu Anfang: es ist völlig wurscht, aus welcher Motivation raus Du auswandern willst :wink: Okay, Flachs beiseite: ein bisserl nen Unterschied macht es, ob Dein Wunschland EU oder nicht-EU ist. Denn innerhalb der EU gibt’s eh ne Sache die sich „Freizügigkeit“ nennt und sich nicht nur auf die Wahl Deiner Klamotten sondern auch auf die Deines Wohnsitzes bezieht. Das heisst, wenn Du ne EU-Staatsbürgerschaft hast (wovon ich mal ausgehe) kannst Du Deinen Wohnsitz innerhalb der EU „beliebig“ verlegen. Und wirst Du dereinst Rentner, kriegste Deine Kohle auch unkritisch dorthin überwiesen.
Aber der Reihe nach:

  1. Krankenversicherung: läuft über Deinen neuen Arbeitgeber im neuen Land nach den dort herrschenden Vorschriften. Das kann besser oder schlechter sein als in Deutschland und sicherheitshalber würd ich das mit dem neuen Arbeitgeber mal ansprechen. Kann sein, dass das vollautomatisch läuft, kann auch sein, dass Du selber aktiv werden musst. Und es kann auch sein, dass für Dich eine Zusatzversicherung wünschenswert ist. In Deutschland bist Du dann natürlich nimmer krankenversichert, und in die gesetzliche darfst Du auch gar nicht. Trotzdem könntest Du (so Du das wölltest) die gesetzliche Krankenversicherung im neuen Land machen und Dich zusätzlich in Deutschland privat zusatzversichern. Dann könntest jederzeit in Deutschland zum Doc gehen (und mehr Leistungen - je nachdem was Du für ein Paket erwischst).

  2. Rentenversicherung: eigentlich wie Krankenversicherung. Du fällst dann automatisch ins Rentensystem Deines neuen Wohnlandes (das wiederum besser oder schlechter als das deutsche sein kann, siehe oben). Soweit ich weiss (ich kann mich aber irren) fällst Du damit aber aus dem deutschen gesetzlichen System raus. Das heisst nicht, dass alle Kohle, die Du bis dato gezahlt hast zum Teufel geht, sondern dass Du nix mehr draufzahlen kannst. Sprich, Du kriegst halt Deinen Rentenanspruch für xx Jahre aus Deutschland und für zz Jahre aus dem neuen Land. Freiwillige Leistungen solltest Du eigentlich weiter bezahlen können, allerdings würd ich da vorher nachfragen, manche setzen dafür einen Wohnsitz (oder zumindest ne Adresse *fg*) in Deutschland voraus.

  3. Auto: Nun, Dein neues Wohnland wird ein gewisses Interesse daran haben, dass Du Dein Auto dort anmeldest. Also entweder das Spiel „Ausfuhr in Deutschland, Einfuhr im neuen Land“ plus Versicherung und Steuer im neuen Land. Das mag im Einzelfall teuer sein, das mag auch aufwendig sein - je nachdem. Aber machen musst Du’s wenn die Karre mit soll sonst können Dir die Jungs vom Zoll bzw. Steuer aufs Dach steigen. Allerdings gibt es da gewisse Gnadenfristen (erkundigen beim neuen Land), musst Du also eventuell nicht sofort machen. Der möglicherweise einfachere Weg ist das heilige Blechle noch in Deutschland zu verkaufen und dann vor Ort ein dort zugelassenes zu erwerben. Spart Dir zumindest nen Haufen Bürokratie und Du könntest so auch von Diesel zu Nicht-Diesel (oder war’s umgekehrt?) wechseln.

  4. Wohnsitz: Es gibt keine Möglichkeit einen Wohnsitz im Ausland und einen Nebenwohnsitz in Deutschland zu haben (is halt so). Das heisst, Du taperst aufs deutsche Einwohnermeldeamt und meldest Dich ab. Dann legst Du den Abmeldezettel in eine fette rote Mappe, der ist zusammen mit dem Pass (eventuell machen lassen!) Deine wahre Existenzberechtigung. Gut aufheben, eventuell gleich noch 100-mal kopieren *fg* Einen Personalausweis darfst Du dann nimmer haben, allerdings gilt ein allfällig noch gültiger Perso bis zum Ende seiner Gültigkeit weiter, darf nur nicht verlängert werden (freche Leute würden sich also vorher nochmal einen ausstellen lassen). Ausweisen tust Du Dich dann mit Deinem Pass sowie einem länderspezifisch unterschiedlichen Meldezettel/ID wo Deine Adresse im Ausland steht. Und für alles was Deine deutschen Dokumente (Pass, Führungszeugnis, Gebursurkunde etc.) betrifft ist die deutsche Botschaft/Konsulat in der Nähe des neuen Wohnortes zuständig.
    Ach ja - wichtig ist halt, dass Du Dich auch im neuen Land nach den dortigen Bestimmungen rechtzeitung und bei der richtigen Stelle anmeldest. Am besten nimmst für die erste Zeit die ganze Mappe mit Pass, Aufenthalts-Arbeitserlaubnis, Mietvertrag, Abmeldezettel, Gebursurkunde, Arbeitsvertrag und Co. (evtl. auch Zollzettel) mit, dann kann nix schief gehen :wink: Oder Du rufst vorher an, schilderst Dein Problem und fragst, was sie so an Unterlagen gerne sehen wollen.

  5. Steuer: Da ist 100% das neue Wohnland zuständig, auch diese Befreiung von der deutschen Zins-Dingsda-Steuer setzt einen Wohnsitz in Deutschland voraus. Also pack am besten all Deine Kohle ein und nimm sie mit *wegduck* Einzig wenn Du mitten im Jahr umziehst musste halt für das letzte Teiljahr noch ne deutsche Steuererklärung machen.\

  6. Sonst was: Wenn Du Job, Wohnung, Arbeitserlaubnis und Sprache hast - was willste denn mehr? *g* Ach ja - wählen darfste nimmer so unbedingt. Nur noch Bundesebene und EU (Briefwahl oder in welchem Wahllokal in Deutschland Du eben willst!) und was in Deinem neuen Land eben für Ausländer erlaubt ist (evtl. kommunal).

Meld Dich einfach, wenn Dich noch mehr interessiert - gerne auch per Mail

*wink*

Petzi *nimmerganzungeübtmitimAuslandwohnen*