Außenhandelsüberschuss, Inflation oder Deflation?

Hallo,
ich habe in Wikipedia gelesen, dass es bei einem Außenhandelsüberschuss zu einer Aufwertung der Währung des Landes kommt (Artikel „Holländische Krankheit“). An anderer Stelle habe ich gelesen, dass es bei einem Außenhandelsüberschuss zu einer importierten Inflation kommt (Artikel „Außenhandelsüberschuss“). Natürlich ist mit „Aufwertung der Landeswährung“ nur eine Aufwertung gegenüber den Währungen anderer Länder gemeint. Trotzdem kommt es mir absurd vor, dass gleichzeitig die Preise im Inland steigen sollen (= Inflation). Weiß da jemand eine Erklärung?

Hallo,

Ein Aussenhandelsüberschuss impliziert noch lange keine Aufwertung der eigenen Währung.
Das die Preise im Inland steigen ist möglich und auch wahrscheinlich, zumindest für das exportierte Gut, dies wäre aber auch bei erhöhter Inlandsnachfrage der Fall. Es kann jedoch auch sein, dass durch verbesserte Prozesse bei höherer Produktion die Preise stabil bleiben oder auch sinken.
Viele Grüße
Peter

Hallo,

ich zitiere von Wikipedia (Außenhandelsüberschuss):

„Bei einem kontinuierlichen bzw. beträchtlichen Außenhandelsüberschuss besteht die Gefahr der importierten Inflation. Die Schieflage des Warenwertes im Vergleich zur Geldmenge ist hierfür verantwortlich. Einfach gesagt hat Deutschland durch seinen jahrelangen Außenhandelsüberschuss viel Geld, dem jedoch wenig Waren im Inland gegenüberstehen. Dies führt in der Regel zur Geldentwertung.“

Die Logik verstehe ich nicht. Wer mehr exportiert als importiert, der wertet auf. Dann verteuern sich die Exporte im Ausland und es verbilligen sich die Importe im Inland. Alternativ kann man ausländische Finanzanlagen akzeptieren und damit glücklich werden. Wie das aber zu „importierter Inflation“ führen soll ist mir schleierhaft, denn genau das Gegenteil ist der Fall: wenn die Währung abwertet, werden Importe teuerer.

Fazit: Wer sich ernsthaft mit Volkswirtschaftslehre beschäftigen möchte, sollte nicht Wikipedia lesen, sondern zu einem Lehrbuch greifen. Ich empfehle mal Krugman/Obstfeld, Internationale Wirtschaft. (Den gibt es gebraucht gerade relativ billig, da es eine neue Auflage gibt.)

ciao,
Dirk

Hallo Peter,

vielen Dank für die schnelle Antwort! Kapieren tu ich’s aber leider doch nicht. Bei einem Außenhandelsüberschuss nehmen doch die Devisen im Inland mehr zu als das eigene Geld durch Käufe vom Außland abnimmt. Die Geldmenge im Inland nimmt also insgesamt zu. Wenn das Geld gleichmäßig verteilt würde, hätte jeder mehr Geld. Die Warenmenge dagegen nimmt ab, weil ja mehr rausgeht als reinkommt. Was knapp ist, steigt im Preis, vor allem, wenn die Leute mehr Geld haben und deshalb auch bereit sind, mehr zu zahlen. Dadurch gehen die Exporte zurück, weil das Ausland keine Lust hat, die gestiegenen Preise zu bezahlen - aber nur wenn der Wechselkurs sich nicht ändert! Laut Wikipedia soll aber bei steigendem Export der Wert der Inlandswährung im Vergleich zum Wert der Auslandswährung steigen. Ich weiß aber nicht warum. Oder wolltest Du mit Deiner Antwort sagen, dass das, was Wikipedia schreibt, einfach nicht stimmt? Auch nicht, wenn sonst alles konstant bleibt?

Viele Grüße

Stephan

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Hallo Stephan,
die Kernaussage ist: Eine Bestimmung was bei einem Aussenhandelsüberschuss passiert ist nicht wirklich möglich.
Beispiel: Warenmengenreduktion
Ich kaufe aus einem Land Rohstoffe ein und veredle diese. Dann verkaufe ich die Hälfte dieser veredeleten Ware zurück an das Ursprungsland zu einem dreifachen Preis.
-> Aussenhandelsüberschuss ohne wirkliche Warenreduktion
Ob die Ware im Inland dadurch billiger oder teurer wird hängt von der Preiselastizität des Produktes ab.

Die Devisen gehen an ein Unternehmen, diese kann diese z.B. auch für Geldanlagen nutzen.
Eine Änderung des Wechselkurses findet deswegen ersteinmal nicht statt.

Wikipedia deckt auch nicht alle Fälle wirklich ab. Deshalb steht hier auch schwammig formuliert:
Bei einem kontinuierlichen bzw. beträchtlichen Außenhandelsüberschuss besteht die Gefahr der importierten Inflation.
D.h. da kann etwas passieren, muss aber nicht. Der Staat kann darauf regulierend mit Geldmengenanpassungen, Zöllen usw. reagieren.
Viele Grüße
Peter