Hallo zusammen,
Hallo!
ich bin gerade dabei, mir die Merkmale und Funktionen des
Magischen Vierecks anzueignen. Ein Punkt dabei im Magischen
Viereck lautet: *Außenwirtschaftliches Gleichgewicht*.
Es gibt mehrere Definitionen, wie das Gleichgewicht berechnet wird, also wann unsere Außenwirtschaft im GG ist.
Ich
habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht. Würde mich sehr
freuen, wenn ein netter Foren-Leser mir antworten könnte, was
davon richtig und falsch gedacht ist
.
Ich bin mir nun nicht ganz sicher, wie das funktionieren soll.
Im Grunde genommen meint man doch, dass Export=Import sein
soll. Jetzt frage ich mich:
a) Was passiert, wenn man mehr exportiert wird als importiert
?(wie in Deutschland der Fall ist). Wenn ich es richtig
verstanden habe, werden in einer „Zahlungsbilanz“ alle
Geldströme ins Ausland und vom Ausland erfasst. Durch mehr
Export als Import wird nun diese Zahlungsbilanz positiv. Das
heißt, dass uns in diesem Falle in Deutschland mehr Geld
zufließt als rausfließt ins Ausland und mehr Güter rausgehen
als reingehen?
Alles wird in Geldeinheiten bewertet, nicht in Stückzahl. Es fließen also mehr Geldwerte durch den Warenverkehr ins Inland.
Die Geldmenge im Inland steigt, die der Währung Euro auch. Da
wir aber extrem viele Güter exportieren (also z.B. aus
Deutschland raus), gibt es in Lande weniger Güter zu kaufen.
Daher ist weniger Angebot an Gütern im Inland. Die Nachfrage
ist aber gleich hoch. Somit steigen die Preise im Inland, weil
für die Güter nun mehr bezahlt werden muss. Es kommt zu
inflationären Auswirkungen. Man bekommt also weniger für sein
Geld.
Nicht so ganz erfasst, würde ich sagen.
Das Ausland kauft den Einheimischen die Waren nicht weg. Das ist nicht die gelehrte Begründung für die Inflation.
Also was passiert?
Annahme: Wir sind das heimische Exportland.
viel Warenexport = viel Import von Geld
Das Ausland bezahlt mit seiner oder unserer Währung. Wir als Exporteur erhalten entweder Devisen oder Euros. Erhalten wir Euro hat der Ausländer seine Dollars bereits in Euro umgetauscht. Die dt. Bundesbank erhält die Devisen und gibt Euro aus. Oder wir erhalten die Dollar, gehen zur Bank und tauschen diese in Euro um.
Folge: Die Geldmenge in Deutschland nimmt zu. Wir werden reicher.
Wer mehr Geld hat, kann mehr kaufen und kauft auch mehr.
Jetzt wird die Folgerung sehr allgemein, aber sie ist so in der Makroökonomie:
Wenn die Nachfrage steigt, dann steigt der Preis.
Gründe sind Verknappung des Angebots und
der Wille, mehr verdienen zu wollen und zu können, also hebt man die Preise.
(In der BWL weiß man, dass es auch haufenweise Gründe gibt anders zu reagieren, aber wir sind in der VWL)
In diesem Falle ist ja der Export höher als der Import.
Der in geldwert gemessene WARENexport ist höher!
Also
sind die Geldströme ins Ausland geringer als zum Inland (z.B.
BRD).
Die Außenhandelsbilanz ist immer ausgeglichen. Die Geldströme sind stets gleich. Wie kann das sein? Es werden nicht nur die Warenwerte (Export von Waren) gemessen, sondern auch die Devisen (Bezahlung) und die Dienstleistungen (Handwerker) und die reinen Geldströme (Geldleihen). Deswegen ist sie stets ausgeglichen.
Dadruch ist unsere Wirtschaft abhängiger von anderen
Staaten.
Nein. Die Abhängigkeit ergibt sich alleine daraus, wie stark das Inland mit dem Ausland im Waren-, Güter- und Kapitalverkehr verbunden ist und ob wir ein kleines Land oder ein großes Land sind. Ein großer Binnenmarkt (EU) ist von weltwirtschaftlichen Warenströmen nicht so sehr abhängig, weil der Binnenmarkt einen großen Anteil an der Gesamtwirtschaft hat.
Deutschland spürt als Exportweltmeister! natürlich sehr schnell einen Rückgang bei den Exporten auf dem Arbeitsmarkt.
Geht es der Weltwirtschaft „schlecht“, wird uns dies
in diesem Falle härter treffen.
Ja.
Positive Effekte sind, dass wir durch den die positive
Zahlungsbilanz zu einer höheren Beschäftigung kommen, das
Wirtschaftswachstum vorankommt.
Richtig. Wirtschaftswachstum bedeutet nur Umschlag von Gütern/Waren/Dienstleistungen pro Zeiteinheit. Wenn man in einem Monat statt 3 nun 5 Brötchen verkauft, ist man reicher geworden und wird mehr Mehl kaufen. Diese Spirale geht aufwärts wie abwärts. Das ist so normal und der Staat und die Zentralbanken mildern diese Spiralen sozial, soweit sie können.
Zur „Geldwertstabilität“ sowie
diesem „Außenwirtschaftliche Gleichgewicht“ gibt es dann
jedoch Zielkonflikte.
Es können immer nur drei der vier Ecken erreicht werden.
b) Was passiert, wenn man eine negative Zahlungsbilanz hat?
Das ist echt „blöd“ gesagt. Es gibt keine neg. ZB, aber gemeint ist damit natürlich eine neg. Außenhandelsbilanz. Also ein Teil der ZB.
Genaugenommen gehört die (Außen-)Handelsbilanz zur Leistungsbilanz und diese ist nur ein Teil der ZB.
Das entsprechende Land hat dann höhere IMPORTE als Exporte.
Ja, aber die Handelsbilanz ist negativ.
Man ist weniger anfällig auf andere Wirtschaftszonen (z.B.
USA).
Nein. Begründung wie oben. Es könnte sein, dass der Preis für die Importgüter steigt und dann sieht es auch ganz mau im Inland aus. Nix mehr mit billigem Erdöl, Erdgas, Bananen und so, weil man mehr dafür bezahlen muss. Mein Geld kann ich aber nur einmal ausgeben, sagt man so schön. Und dann hat es der Bäcker um die Ecke nicht bekommen.
Da jedoch die heimische Währung immer umgetauscht werden
muss zum Bezahlen, und selbst von uns keiner Ware kaufen will,
sinkt der Geldwert.
Der Geldwert sinkt? Ähem. Besser sagt man, dass der Wechselkurs in Mengenangabe sinkt. Mengenangabe: 1Euro ergibt wieviele Dollar? Preisangabe: Wieviel muss ich für 1Dollar bezahlen? 1Dollar ergibt wieviele Euro? Okay? Verstanden? Das ist wichtig! Preisangabe steht auf jedem Preisschild drauf. Mengenangabe erzähle ich dann zu Hause („Die 2 Brötchen haben mich einen Euro gekostet“).
Im Übrigen geben wir Deutschen den Wechselkurs immer in Preisangaben an. Ein sinkender Wechselkurs bedeutet dann also, dass uns die Importe teurer zu stehen kommen.
Begründung vom fallenden Wechselkurs (in Preisangabe):
- Ausgangslage: sinkender Export und wachsender Import
- Schrumpfen der Devisenvorräte im Inland
- Wachsen der Devisenvorräte (also unsere Euros) im Ausland
- Nun müssen auf dem Devisenmarkt diese beiden Währungen gekauft und verkauft werden. Die Menge von angeboten Euros steigt und die Nachfrage nach Dollars steigt (wir wollen unsere Import bezahlen)
- Das Ausland kauft nun Euros nur zu einem geringeren Betrag als vorher, weil so viele Euros zu haben sind. Weil die Nachfrage nach Dollars so gestiegen ist, steigt der Preis für Dollars.
-> Der Preis für Dollar steigt!! Das bedeutet, dass die Importe immer teurer werden, aber auch die Exporte für das Ausland immer billiger werden.
-> Nun beginnt das Ausland unsere günstige Waren zu importieren und wir erhalten wieder Devisen und Arbeit. Daher machen einige Staaten eine Abwertung ihrer Währung. Sie wollen Devisen haben und mehr Exportieren.
-> Ohne genügend Devisen, können wir nichts im Ausland kaufen.
Vielleicht denkt das Ausland auch so:
„Wieso will man dieses Geld eintauschen, wenn man damit doch
eh nix kaufen kann“. (Das Geld wird wertlos im Ausland).
Negative Folgen könnten Beschäftigungsrückgang,
Geldwertstabilität(auch inflationäre Entwicklung ???)und
schlechteres Wirtschaftswachstum sein.
- Ja, 2. Deflation (Geldmenge nimmt ab), 3. Ja
—> Woher kommt das Magische Viereck (dazu sind meine
Gedankengänge bis jetzt):
Bei Marktversagen muss der Staat eingreifen, also wie in
Deutschland.
Marktversagen stimmt so nicht. Ein Markt kann nicht versagen. Dieses Wort stammt von der irrigen Annahme, dass der Markt alles automatisch („unsichtbare Hand“) zum Besten für alle richten würde. Diese Theorie ist 100 Jahre alt und stammt von Adam Smith und später nochmal von Herrn Pareto (Pareto-Effizienz). Seit ca. 50 Jahren weiß man, dass das so in der Realität nicht stimmt. Der schwedische Ökonom Gunnar Myrdal hat für die Entdeckung der sich verstärkenden Spiralen einen Nobelpreis erhalten.
Sagen wir besser, der Staat will eingreifen, weil der Markt ungewünschte soziale Effekte bewirkt. Von Marktversagen spricht man, wenn man es nicht geschafft hat, das in der Theorie vorhandene Modell des vollkommenen Marktes, welches es zum Besten aller richtet, in der Realität nachzubauen. Ich kenne nicht einen einzigen vollkommenen Markt, nicht einen einzigen. Und in der BWL lernt man (Marketing), dies auch möglichst zu verhindern.
Hätten wir die absolut freie Marktwirtschaft (wie
Theorie von Adam Smith)
Tja, hätte ich mal zuerst weitergelesen 
müsste der Staat sich raushalten. Der
Staat greift in Deutschland ein, indem er Wirtschaftspolitik
betreibt. Dabei muss er ein Gleichgewicht beachten, sodass die
vier Teile des Magischen Vierecks nicht zu extrem voneineander
abweichen sondern möglichst alle gleichzeitig verfolgt werden.
Die Teile des magischen Vierecks stehen im Grundgesetz. Der Staat kann aber nur drei der vier Dinge positiv verändern.
Dies ist auch im Stabilitätsgesetz so festgeschrieben. Die
Aufgabe der Geldwertstabilität hat der Staat an die EZB
abgegeben, um hier unabhängiger zu sein.
LOL. Sorry, aber das ist schlicht falsch. Für den Staat wäre es super, könnte er die Inflation bestimmen, denn mit einer Inflation höher als seine Schuldzinsen würde seine Schulden vom Wert her abnehmen. (1 Millionen war in den Dreißigern mal ein Brot wert und in den Zwanzigern eine Villa). So haben es die Staaten früher gemacht. Nein, per Gesetz wurden die Zentralbanken politisch unabhängig gemacht und ihnen die Aufgabe übergeben, sich nur um die Geldstabilität zu kümmern, damit die Menschen, die anderen netterweiser Geld leihen, keine Nachteile zu befürchten haben.
Aber die drei anderen
Ziele verfolgt er allein (hoher Beschäftigungsgrad,
Wirtschaftswachstum, Außenwirtschaftliches Gleichgewicht).
Yo. Vielleicht kannst Du Dich noch daran erinnern, dass sich der Außenminister mit den Augenbrauen (wie hieß er noch?) mit der ZB angelegt hatte. Sie sollte doch mal ordentlich Geld unters Volk werfen, damit die Beschäftigung steigt und der Staat mehr Steuereinnahmen bekommt. Die ZB meinte nur: Nö.
Maximum 2-3% Inflation. Besser ist das auch so. Arbeitslosigkeit muss anders bekämpft werden, nicht durch Inflation. Durch Inflation wird ein Volk arm und nicht reicher.
Ich würde mich sehr freuen, wenn sich jemand die Mühe machen
würde, meine Gedanken zu korrigieren und vielleicht was
dazuschreiben würde.
Vielen Dank,
Frank
Bitteschön, Ingo
P.S.: Weil Du Dir auch Mühe gemacht hast, wie man erkennen konnte.