Servus Max,
Meine Tochter (14) soll eine Zahnspang bekommen.
- leichter Überbiss,
- ein Zahn kommt nicht durch, da ‚der Kiefer sehr eng bebaut
ist‘
Die Krankenkasse hat’s schon genemigt
Wegen dem Überbiss und dem Platzproblem sollen ihr alle 4 4er
Zähne gezogen werden(keine Milchzähne). Die Klammer soll dann
alles grade drücken und Platz für einen noch fehlenden Zahn
schaffen.
Nun bietet der KFO außervertragliche Leistungen für
insgesammt 660 € an
-Manuelle Untersuchung der Kiefergelenke sowie
funktionsanalytische Maßnamen.
Wie wird der Kiefer den sonst untersucht, wenn nicht manuell?
Und was sind funktionsanalytisch Maßnamen ? Dafür sorgen das
der Kiefer ‚normal‘ Kauen und sprechen kann ? ist das ein
extra ?
Er schreibt nicht, daß er den Kiefer manuell untersuchen würde, sondern die Kiefergelenke. Die technischen Möglichkeiten der NICHTmanuellen Untersuchung sind über die Jahre geradezu ins Kraut gewachsen: von der Röntgenkinematographie über dreidimensionale sonographische Aufzeichnung der Kieferbewegungenhat hat es alles schon gegeben. Die Funktionsanalyse beschäftigt sich mit der Aufzeichnung und Analyse der Kieferbewegungen. Das geht vom ‚Hinlangen‘ während der Kiefer sich bewegt bis zur EDV-gestützen Protokollierung der Kieferbewegungen. Sie sind ein ‚Extra‘, in den Händen sehr Erfahrener sind sie gelegentlich von Nutzen. Dann erhöhen sie auf jeden Fall die Genauigkeit in der Diagnostik.
-Erweiterte diagnostische Maßnamen z.B. bei Fehllagen des
Unterkiefers.
aha, was bedeutet das, erweitert?
keine Ahnung! Fehllagen der Kiefer sind dann von Kieferorthopäden zu diagnostizieren und zu behandeln, wenn sie ‚Krankheitswert‘ haben. Dafür haben sie eine Kassenzulassung. Wenn die ‚Fehllagen‘ nur eine ästehtische Beeinträchtigung ohne nennenswerte funktionelle Mängel wären, müßte die gesetzliche Krankenkasse nicht zahlen.
-Untersuchung (… lateinisch…) Einfluß der Kiefergelenke
auf die Wirbelsäule.
Hmm, gibts da was zu Untersuchen ?
Kein Gelenk ist völlig isoliert von anderen Gelenken. Stell Dir vor, jemand würde die ganze Zeit mit ‚Gewalt‘ seinen/ihren Unterkiefer nach hinten ziehen-, oder nach vorne schieben. Solche Kräfte kommen dann auch an der Wirbelsäule an. AAABER: untersuchen kann man da schon. Ob man allerdings was objektivierbares und reproduzierbares herausfinden kann, ist hier die große Frage.
-Schutzlackierung der Zahnoberfläche bei festsitzender
Apperatur (verhindert evtl. Schmelzentkalkung).
Ist Sie dann ein Versuchstier ?
Wie groß ist das Risiko ohne Lack?
Deine Tochter trinkt nur Mineralwasser und keine Apfelschorle, den Gummibären bringt sie dieselbe Sympathie entgegen wie die Bayern ihrem Braunbären - oder? Ohne Lack ist das Risiko größer als mit. Deshalb ist das Auftragen fluoridhaltiger Lacke auch im Katalog der gesetzlichen KK enthalten.
-Hochwertiges Bracket Material allergiefrei, weniger Reibung,
kürzere Behandlung, weniger Beschwerden.
Ich dachte die Brackets werden geklebt, wie reiben die dann?
Lösen ‚normale‘ Brackets Allergieen aus? was kommt dann ?
(krankenkasse oder wir ?) Kürzere Behandlung, weniger
Beschwerden, Warum?
Reiben tun sie (wenn sie es tun, tun sie es meist nicht lange) an den Lippen und Wangen. Normale Brackets enthalten Nickel, Kobalt, Chrom - die 'hochwertigen sind aus keramischem Material. WENN Allergie, müßte IMHO (bin kein Kieferorthopäde) die Kasse auch bezahlen.
Warum kürzere Behandlung? Keine Ahnung!
Warum weniger Beschwerden? dito
-Hochwertiges termoelastisches Bogenmaterial, weniger
Gewebebelastung , physiologische Kräfte, weniger schmerzen,
geringere Gefahr von Wurzelüberlastung durch Überbelastung.
Heist das das der Doc. weniger vorsichtig den Draht spannen
kann, da das material seine fehler auffängt ?
Eigentlich müßte der Doc das schon so hinkriegen, sonst wären ja die Zehntausende von Behandlungen in der vor’hochwertigen’ Ära zum Scheitern verurteilt gewesen und die Kieferorthopäden müßten schon außerhalb der Städte wohnen, wie früher die Abdecker und Henker 
-Übungsbehandlung bei falscher Zungenfunktion, Atmung,
Lippenhaltung.
Was geschiet wenn ich wegen solcher Dinge mit ihr zum Arzt
gehe ?
Er schickt Deine Tochter (ungern, wg. Budget) zur logopädischen Behandlung. Das kann der Zahnarzt ebenso (ich habe 'zig Kinder zur Logopädin geschickt - die Kasse hat es immer gezahlt.)
-Tiefenfluoridierungsmaßname nach entfernen der festsitzenden
Apperatur, 100 fach intensiver als das von der KK bezahlte
Material.
Während der gesamten, jahrelangen Behandlung ist eine kritische-, prophylaxeorientierte Begleitung Deines Kindes notwendig und sinnvoll. Durch den Hauszahnarzt wohlgemerkt - schon weil es besser ist, wenn zwei Fachleute sich gegenseitig auf die Finger schauen. Fluoridiertes Kochsalz sollte bei Euch jetzt schon in der Küche-, fluoridhaltige Zahnpaste im Bad stehen. Ansonsten: die Kasse schreibt das Material nicht vor, insofern ist der postulierte Gegensatz konstruiert.
Hmm, das ist das einzige, was ich evtl. begreife und für
sinvoll halte.
Ich hoffe, Du begreifst jetzt, daß wirkungsvolle Prophylaxe in den Händen der HauszahnärztInnen eine selbstverständliche Grundhaltung sein muß. Kieferorthopäden müssen da IMO keine kostenpflichtigen Nebenmärkte auftun.
Hat soetwas schon mal einer abgeschlossen / abgelehnt.
gibt es profesionelle meinungen dazu
any more questions ;-O
Vielen dank
Max
Aber immer
Kai