Aussprache von Ejektiven

Leider verstehe ich bei der Wikipedia-Erläuterung zur Aussprache von Ejektiven und allem was ich sonst im Internet gefunden habe, nur Bahnhof. Kann mir das mal jemand mit einfachen Worten erklären oder Beispiele aus dem Alltag bringen (ich weiß, daß Ejektive in unserer Sprache so nicht vorkommen, aber vielleicht sind sie ja irgendwelchen unabsichtlichen Lautäußerungen ähnlich?)

Aussprache von Ejektiven und allem was ich sonst im Internet
gefunden habe,

Hörbeispiele gibt es z. B. hier (Wörter anklicken):

http://phonetics.ucla.edu/course/chapter6/lakhota/la…
http://phonetics.ucla.edu/course/chapter6/hausa/haus…
(gefunden über http://schreiben.sprachsignale.de/preaspiration.php#…).

Gruß
Kreszenz

Hallo,

versuche mal, im Internetradio einen Sender aus Botswana zu finden, wo in der San-Sprache ein ständig wiederkehrendwer Klicklaut zu hören ist. Hierbei dürfte es sich um Ejektive handeln. Schwer zu beschreiben, vergeblich versucht nachzuformulieren und ungewöhnlich anzuhören.

Gruss,
ancioano

Hallo Anciano,

versuche mal, im Internetradio einen Sender aus Botswana zu
finden, wo in der San-Sprache ein ständig wiederkehrendwer
Klicklaut zu hören ist. Hierbei dürfte es sich um Ejektive
handeln. Schwer zu beschreiben, vergeblich versucht
nachzuformulieren und ungewöhnlich anzuhören.

Nein, das sind Klicklaute, wie du sagst. Keine Ejektive. Bei Klicklauten wird Luft eingesogen, bei Ejektiven ausgestoßen.

Da die Fragestellering Wikipedia erwähnte, ist es wahrscheinlich, dass sie bereits Ejektive gehört hat; dort sind ja auch Audio-Dateien.

Ich kann völlig problemlos Ejektive aussprechen, aber es fällt mir schwer, deren Bildung zu erklären. Ich werde mich morgen mal daran versuchen, eine einfache Erklärung zu schreiben…

Gruß,

  • André

Vielen Dank schon einmal für Eure Antworten. Im Internet anhören ist so eine Sache. Vielleicht würde es mir mehr sagen, wenn der Sprecher vor mir stünde, so ist mir leider nicht klar, wie ich da hin komme.

Hallo,
Sowas ist recht schwer zu erklären und am besten müsste man einen Muttersprachler das aussprechen hören. Aber sprich mal diese beiden deutschen Sätze aus.

Er steht in der Mit te.
Er steht dort mi t e inem anderen Mann.

Da ist also ein Stimmabsatz zwischen T und E im zweiten Fall. Das kommt einem ejektiven T schon relativ nahe.

Im Georgischen gibt es viele Buchstaben als Ejektive und in der Form wie sie im Deutschen ausgesprochen werden, da findest du vielleicht Soundbeispiele im Internet zur Unterscheidung.

Hallo, André,

danke, wieder (et)was gelernt.

Gruss, anciano

…und so spricht man Ejektive aus:
Hallo,
Ich hatte versprochen, das mit den Ejektiven zu erklären. Ich habe das neulich in einem Phonetikkurs in einer Stunde „unterrichtet“ und neulich auch einer Freundin versucht, Ejektive beizubringen. Aber online ist das etwas schwieriger im Allgemeinen…

Zuerst einmal: wenn du Beatboxing kennst oder gar kannst, dort kommen sehr viele Ejektive vor. Du hast dir sicher auf Wikipedia und so schon viele Ejektive angehört und weißt, wie sie in etwa klingen.
Im internationalen phonetischen Alphabet (IPA) schreibt man sie mit einem kleinen Apostroph: [kʼ tʼ pʼ qʼ t͡ʃʼ t͡sʼ t͡ɬʼ sʼ ɬʼ fʼ …]

Wie produziert man einen Ejektiv? Nehmen wir als Beispiel [tʼa] (das -a dahinter nur damit es mehr wie ein Wort ist als nur wie ein einzelner Konsonant), also den dentalen Ejektiv.
Die Zunge ist in der gleichen Position wie beim [t], nämlich an den oberen Schneidezähnen oder etwas dahinter. Überhaupt ist die Zunge an der Position, wo du den nicht-ejektivischen Laut auch aussprechen würdest.
Dann verschließt du dein Velum (Gaumensegel). Das ist hinter dem Zäpfchen der Bereich zwischen Nasenraum und Rachen. Gleichzeitig verschließt man den Kehlkopf (Glottis), so wie man es machen würde, um unter Wasser kein Wasser in die Lungen zu kriegen. Jetzt hast du drei Verschlüsse: einen an der auszusprechenden Position, egal wo diese ist, den zweiten hinterm Zäpfchen um die Nase zu verschließen, und schließlich den am Kehlkopf. Wenn du keine Luft mehr bekommst, machst du’s richtig… aber keine Angst, beim Sprechen macht man das ja nur für einen Sekundenbruchteil. Keine Erstickungsgefahr also! :wink:
Danach hebst du den Kehlkopf an, genau wie bei einem hohen Ton. Dadurch verengt sich nun der verschlossene Raum im Mund. Die Luft wird zwischen dem Kehlkopf und der Position, wo die Zunge den vorderen Verschluss bildet, zusammengedrückt und der Luftdruck steigt.
Schließlich öffnest du plötzlich den vorderen Verschluss (mit der Zunge) und die Luft strömt so ganz plötzlich mit Überdruck aus und erzeugt eine schönen klaren Ejektiv. Die anderen Verschlüsse öffnen sich da eigentlich automatisch gleich mit.

Das gleiche funktioniert auch mit anderen Positionen, also z.B. dem bilabialen Ejektiv, bei dem nicht die Zungenspitze, sondern die Lippen den vorderen Verschluss bilden.
Probier mal ein bisschen herum, dann kriegst du es vielleicht hin. :smile:

Viele Grüße,

  • André
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Vielen herzlichen Dank für diese ausführliche Erklärung. So, das werde ich jetzt mal üben. Irgendwie scheint es mir im Moment am schwierigsten, bei dieser vielen Mundgymnastik auch noch zu sprechen :smile:

Wunderschön!
Moin André,

das hast Du wirklich toll erklärt. Wenn Du mal gaaaanz viel Zeit hast, dann könntest Du für jeden Ejektiv eine Zeichnung anfertigen, nach der Vorlage der Graphik hier, und diese hochladen :wink:
http://de.wikipedia.org/wiki/Artikulationsort

Die Sache erinnert mich an ein Phonetik-Seminar während des Studiums bei Hans Helmut Christmann - der sagt Dir bestimmt was, genial wie der Mensch war.
Es ging darum, dass er den Glottis-Schlag vorführen wollte und sagte:
„Den können nur diejenigen hören, die ganz vorne sitzen. Wenn jemand in der dritten Reihe ihn hört, habe ich ihn falsch vorgeführt.“
Dabei grinste er ganz verschmitzt.

Grüße
Pit