Hallo Evita!
Ich suche eine Seite/Buch, in der/dem erklärt ist, wie und
warum die deutschen Konsontanen (besonders b, c, d, g, h, j,
r, s, t und v) ausgesprochen werden. Z.B. warum b mal wie [b]
oder [p] ausgesprochen wird, oder wann ein g z.B. als [g],
[k], [c] oder [z] ausgesprochen wird. Hat da vielleicht jemand
einen Tipp für mich?
Ergänzend zu Andrés Mitteilung: Ich nehme an, mit [c] und [z] meinst Du [ç] bzw. [ʒ]. Dass Graphem g als [ç] ausgesprochen existiert am Wortende mit -ig wie in ewig, innig, König, ledig usw. Diese Aussprache ändert sich dann, wenn ein Ableitungssuffix folgt, das mit einem Vokal beginnt (ewige, innige, Könige, ledige) - dann ist es einfach [g]; oder wenn das Ableitungssuffix -lich folgt (ewiglich, inniglich, königlich, lediglich) - dann wird infolge der Auslautverhärtung, die André schon erklärt hat, ein [k] artikuliert.
Das [ʒ] kommt nur in Fremdwörtern vor und folgt dort den Regeln der Fremdsprache; so ist g in französischen Wörtern vor e und i ein [ʒ], im Italienischen an gleicher Stelle jedoch [dʒ]. Die Liste der Fremdsprachen ließe sich nun beliebig erweitern, da die Sprecher des Deutschen sich Mühe geben, alles so auszusprechen wie in der Ausgangssprache.
In Deiner Liste sind noch c, h, j, r, t und v übriggeblieben. Fangen wir mal mit den Einfachsten an: j ist im Deutschen immer [j] (in Fremdwörtern aber meist was Anderes, siehe die vorigen Erläuterungen), t in der Endung -tion [ts], sonst [t]. Da sollten keine Zweifel aufkommen.
Auch v ist nicht so schwer: In Fremdwörtern immer [v], in deutschen Wörtern immer [f]. Hat was mit der mittelhochdeutschen Rechtschreibung zu tun. Eine Ausnahme fällt mir gerade ein: Beim Bovist existieren beide Aussprachen, weil dieses Wort so tut, als sei es ein Fremdwort (Bo- wurde mit den französischen Wörtern für Pfau oder schön in Verbindung gebracht, und -vist sieht ja schon aus wie in „Aktivist“); dabei aber aus dem Althochdeutschen Vohe-vist „Furz der Füchsin“ abgeleitet ist. Die Aussprache [f] gilt übrigens in Süddeutschland auch bei lateinischen Personennamen: Karl Valentin heißt ['falənti:n].
Das h ist nur im Silbenanlaut als [h] zu hören, ansonsten längt es den vorangegangenen Vokal. Vor der Verb-Endung -en ist das h kein Anlaut, also gehen ['ge:ən] usw. Besondere Aussprachen bieten ch und sch. Letzteres wurde bereits von André erklärt. Ch ist nach a, o, u oder au [χ], sonst [ç]. Am Wortanfang tritt es jedoch nur in Fremdwörtern auf. Bei griechischen Fremdwörtern gilt vor a, o, (u, au - fällt mir grad kein Beispiel ein, gibt’s vielleicht nicht) die Aussprache [k], sonst [ç], wobei in Süddeutschland immer [k] gesprochen wird, was dann auch für geographische Eigennamen wie den Chiemsee gilt.
Steht das c allein, so handelt es sich entweder um ein Fremdwort oder um einen Eigennamen. Für lateinische Fremdwörter gilt vor a, o, u, au die Aussprache [k], sonst [ts].
Schließlich das r. Nach Vokalen ist es ein Schwaches a: [ɐ]. Die Kombination er wird als Ganzes wie [ɐ] gesprochen, nur in Verbalpräfixen ver-, er- ist es [εɐ]. Nach stimmlosen Konsonanten ist es [χ]. Nach stimmhaften Konsonanten und am Silbenanfang ist es [ʁ].
Nun sind alle Fragen (hoffentlich) geklärt, bis auf die nach einem Buch, wo das drinsteht. In Lehrbüchern „Deutsch für Ausländer“ sollte dies erklärt sein, ebenso in Büchern über Phonetik des Deutschen. Mitunter findet man auch in größeren Wörterbüchern gute Erklärungen, z.B. im P.O.N.S. Neugriechisch (es genügt das einbändige, aber nicht das kleine Taschenwörterbuch). Vielleicht hast Du ja sogar zufällig ein Wörterbuch zu Hause, wo das drin steht, und es ist Dir nur nie aufgefallen. (Wer liest schon das Vorwort eines Wörterbuchs?!)
Liebe Grüße,
Immo