Servus Fritz!
Ob du aber mit dem Appenzeller einen wirklich guten Griff
getan hast, wage ich zu bezweifeln. Ein Vorarberger oder ein
Tiroler vielleicht?
Oder Zimbrisch?
Weil mich „Dialekte“ ja sehr interessieren, hab ich auch Lusern im westlichen Trentino mehrmals besucht. Das Dorf liegt abseits der Tourismusgebiete, und das wird wohl auch einer der Gründe sein, dass sich eine alt- bis mittelhochdeutsche Sprache (Dialekt?) so lange gehalten und sogar weiter entwickelt hat. Die Menschen dort sprechen zimbrisch, auch die jungen Leute sind stolz auf ihre alte Sprache. Ich glaube, es wird auch an der Grundschule unterrichtet.
Für mich ist es jedesmal ein Erlebnis, eine so alte Sprache zu hören, gesprochen auch von gepiercten jungen Leuten in Jeans und geplappert von kleinen Kindern.
Hier einen Textprobe aus http://www.lusern.it/ , weiter mit „IL CIMBRO“
LUSERN
An hoachan baitn perge, bisan, etzan un balt,groas di sunn in hümbl
hat ditza khlumma lånt.Is vintze gånz vort bait vo aln un hat no a zung vor is; da biar ren di tzimbar zung,da stata måi Lusern.
I grüaste måine huamat,i grüaste liabes måi Lusern, haüt moche bidar gian vort, bartede bidar segn? Ma i gedenkte herta bobral bode bart gian,ia 's is nindart sümma as be ka diar.
Di månnen machan haüsar un gian vort con lånt, di baibar no in bisan,
in eckar un in holz; di kindar vür pin khüa balsa net gian ka sual
un balda khint dar summaralle gian no in sbemm.
Und die Übersetzung:
LUSERN
Einen hohen weiten Berg, Wiesen, Weiden und Wald, gross die Sonne am Himmel hat dieses kleines Dorf;
es liegt ganz weit weg von allen und hat noch eine Sprache für sich;
hier reden wir die Tzimbersprache, hier liegt mein Lusern.
Ich grüsse dich meine Heimat, ich grüsse dich mein liebes Lusern,
heute muss ich wieder fort gehen, werde ich dich wieder sehen?
aber ich denke immer an dich überall wo ich hingehen werde,
ja es ist nirgends so schön wie bei dir.
Die Männen bauern Häuser und gehen weg vom Dorf,
die Frauen (arbeiten) auf den Wiesen,und Äckern und (machen) Holz,
die Kinder weiden die Kühe, wenn sie nicht in die Schule gehen,
und wenn der Sommer kommt, gehen alle Pilze suchen.
Auf dieser Seite
http://titus.uni-frankfurt.de/didact/zimbr/course2/e…
wird eine interessante Frage gestellt:
Maria HORNUNG schreibt in ihrer aufschlußreichen Abhandlung „Ist die zimbrische Mundart der Sieben Gemeinden althochdeutsch?“ (im Sammelband „Althochdeutsch“ Band I, Heidelberg 1987) auf Seite 102: „Das Zimbrische ist die älteste erhaltene Außenmundart des deutschen Sprachraums. Sie wurde von Westtirol und angrenzenden Gebieten Bayerns um a. 1100 zunächst auf das Plateau von Asiago (Provinz Vicenza) verpflanzt. Die dort ausgebildete Mundart der sogenannten Sieben Gemeinden zeigt in mehrfacher Hinsicht ältere Züge als die der später entstandenen Dreizehn Gemeinden (Provinz Verona) und der Tochtersiedlungen im Trentino, von denen Lusern noch gut erhalten ist.“
Falls an weiteren Informationen zum Zimbrischen Interesse besteht, hier:
http://www.generell.de/cimbri/german/homed.htm
Wenn auch die Frage des Ausgangspostings damit nicht beantwortet ist, interessant ist’s allemal, oder?
Schene Griaß!
Helene