Ausspracheprobleme Spanischsprechender

Hallo,

ich lerne seit einigen Jahren in Cuba die spanische Sprache zu sprechen und zu schreiben und habe hier mal ein paar Fragen an die Kundigen:

sind eigentlich alle spanischen Muttersprachler tendenziell (!) so aussprachebehindert wie die meisten Cubaner, die sich gar bei der Aussprache eines W schwertun und denen es fast unmöglich ist, das Wort „adaptar“, immerhin aus ihrer eigenen Sprache, korrekt auszusprechen. Sie sagen stattdessen „adaktar“. Auch in anderen Wörtern mit „p-t“-Kombination wird das p in Cuba wie ein k ausgesprochen, z. B. „Neptuno“ wird „Nektuno“ pronunziert. Ist das in Spanien auch so?

Ausserdem: wenn ich nicht irre, heißt „Krokodil“ auf lateinisch „crocodilus“, auf englisch „crocodile“, auf französich „crocodile“ und auf portugiesisch „crocodilo“. Nur im Spanischen heißt Krokodil „cocodrilo“ und auf italienisch „coccodrillo“. Haben die Spanier und die Italiener wegen ihrer Ausspracheprobleme möglicherweise die Position des R verschoben? Ist ja auch sauschwer (estoy hablando ironicamente!!!) ein r nach einem K-Laut auszusprechen… Oder haben sie Recht und die restlichen Europäer haben die R-Position „verschluurt“? Wer weiß was?

Gruß
Uwe

Servus Uwe !

Eigene Erfahrung: Ein Bekannter von mir aus Barcelona stammend, dort Deutsch studiert, hatte außerordentliche Probleme, das Wort „Wettbewerb“ korrekt auszusprechen. Dies gelang fehlerfrei nur mit entsprechender Konzentration und verringerter Geschwindigkeit. Ein ähnliches Phänomen habe ich in Griechenland erlebt, dort wurde das „B“ eher wie „W“ (beta --> wita) ausgesprochen.
AAAAber!!! Es erscheint mir nicht richtig, hier von einer -wie Du schreibst- „Aussprachebehinderung“ zu sprechen. Welches Phänomen im einzelnen dahinter steckt, kann ich nicht erklären, aber es gibt meines Wissens viele Sprachen, in denen bestimmte Laute, Buchstaben und deren Kombinationen, die anderen geläufig sind, nur unter großen Mühen oder auch gar nicht gebildet werden können.
„H“ im Anlaut für Franzosen (isch 'abe 'unger)
Französische Nasale für Deutsche (Citrööhn)
„R“ für Asiaten (Luhe bitte)
engl. „R“ und „th“ für Deutsche (der Bruder --> Se brraser)
Zungen-R vs. Rachen-R in vielen Sprachen
„Ü“ für Engländer/Amerikaner…
usw…

Wie sagte schon Ernst Jandl: „Werch ein Illtum“

Saludos cordiales
Helmut

Apropos: Vertauschung von Lauten
Es gibt im Italienischen einige Beispiele hierfür
(Mir fallen leider nur etwa zwei ein: la palude - la padule.
Das gleiche auch bei fradicio oder sudicio oder so)
a) Wer kennt noch weitere
b) Wie erklärt sich dieses Vertauschen der Laute?

Ciao, Joachim.

Hi,

ich lache mich immer schief, wenn jemand Unverständnis dafür an den Tag legt, daß Fremdsprachler Probleme mit anderen, vermeintlich einfachen Sprachen haben. Einfachheit ist zwar auch objektiv feststellbar, aber gerade bei der Aussprache gibt es kaum Spielraum: Dinge sind wie sie sind, und da gibt es kein Schwer oder Leicht.

sind eigentlich alle spanischen Muttersprachler tendenziell
(!) so aussprachebehindert wie die meisten Cubaner,

Kubaner sind für meine Begriffe tatsächlich etwas aussprachebehindert. Allerdings macht gerade das den Reiz deren Aussprache aus :smile:

Auch in anderen Wörtern mit „p-t“-Kombination wird
das p in Cuba wie ein k ausgesprochen, z. B. „Neptuno“ wird
„Nektuno“ pronunziert. Ist das in Spanien auch so?

Das ist ein bekanntes Phänomen, es gibt noch ein paar von der Sorte. Sie treten regional auf und haben vermutlich soziale Ursachen (so wie der Bayer das R rollt, weil es in seinem Umfeld so geschieht). Beispiele aus Argentinien:
x -> s, ct -> t (vermutlich aufgrund des italienischen Einflusses):
exacto -> esato
pt -> ct, wie Dein Beispiel
v -> b: verso -> berso

Zum Krokodil:
_En la Europa medieval, el cocodrilo era un animal poco menos que mitológico, conocido apenas por las referencias de griegos y latinos que lo habían visto en Egipto. Los romanos lo llamaron crocodilus, palabra que tomaron del griego krokodeilos.

En textos en lengua española, la palabra aparece registrada por primera vez en 1251, como cocodrillus y un siglo más tarde Juan Manuel menciona el animal con el nombre coquedriz. Corominas observa que se trataba de una confusión con la voz del bajo latín calcatrix, que en realidad denominaba no el cocodrilo sino la mangosta, un animal adorado por los egipcios por su hábito de devorar los huevos del temible saurio. Los griegos acuñaron ese nombre tomándolo de kroké (piedra) y drilos (gusano) después de haber observado a los cocodrilos sobre bancos de arena y en la ribera de los ríos disfrutando del calor del sol, quietos como piedras._

(Aus: http://www.elcastellano.org/palabra/cocodrilo.html, gefunden über http://www.google.de/search?q=cocodrilo+etimolog%EDa)

Tenor: Du hast Recht, der Sprachgelehrte vermutet, daß die Spanier das falsche Wort mitgenommen haben (calcatrix statt crocodilus).

Gruß

J.

Hi
mal abgesehen davon dass die Cubaner einiges anders aussprechen als spanier, es gibt im cubanischen Spanisch einige Begriffe die es nur da gibt und die kein Spanier versteht… die sprache hat sich in Cuba in der dortigen etnienmischung einfach völlig anders entwickelt. Du lernst dort cubanisch und nicht Hoch-Spanisch. Wenn ein panier in Bayern deutsch lernen würde, hätte er in Berlin wahrscheinlich ähnliche verständigungsprobleme…
HH

Danke :smile:
Dir, José und natürlich auch den anderen, die antworteten.

Gruß Uwe

Hallo Jo,

a) Wer kennt noch weitere

viele Cubaner sagen z. B. „Caravela“ (Karavelle), wenn sie „Calavera“ (Schädel) sagen wollen.

b) Wie erklärt sich dieses Vertauschen der Laute?

fehlende Bildung, ebenfalls der Lehrer.

Gruß
Uwe

Mehrsprachichigkeit, war Ausspracheprobleme
Hallo!
DESHALB ist es uns Erwachsenen meist nicht moeglich (es sei denn mit eigenem Ausspracheunterricht, aehnlich den Schauspielern) eine Sprache akzentfrei zu sprechen., waehrend die Kleinkinder in ihren diversen „Sprechwerkzeugen“ diese fuer mehrere, sehr verschiedene Sprachen entwickeln koennen.

Also alle die Gelegenheit haben, sollten ihren Kindern diese Moeglichkeit geben, selbst wenn sie dann einiges verlernen, wenn sie es nicht staendig gebrauchen, die korrekte Aussprache behalten sie bei!

Angelika
Oe/Mexico/USA

AAAAber!!! Es erscheint mir nicht richtig, hier von einer -wie
Du schreibst- „Aussprachebehinderung“ zu sprechen. Welches
Phänomen im einzelnen dahinter steckt, kann ich nicht
erklären, aber es gibt meines Wissens viele Sprachen, in denen
bestimmte Laute, Buchstaben und deren Kombinationen, die
anderen geläufig sind, nur unter großen Mühen oder auch gar
nicht gebildet werden können.
„H“ im Anlaut für Franzosen (isch 'abe 'unger)
Französische Nasale für Deutsche (Citrööhn)
„R“ für Asiaten (Luhe bitte)
engl. „R“ und „th“ für Deutsche (der Bruder --> Se brraser)
Zungen-R vs. Rachen-R in vielen Sprachen
„Ü“ für Engländer/Amerikaner…
usw…

Wie sagte schon Ernst Jandl: „Werch ein Illtum“

Saludos cordiales
Helmut

Hallo!
Auch ich finde nicht korrekt über Sprachbehinderung der Kubanern zu reden. Bei denen hat sich die Sprache eben anders entwickelt. Und das kommt in jeder Sprache vor! Oder reden die bayern wie den Berlinern??? Oder die Britten wie die US-Amerikanern? Oder die portugiesen und die brasilianern? Auch, daß sie eigenen Wörtern haben (in Kuba meine ich), die wir in Spanien nicht so gut kennen, ist es, m.E. damit zu begründen, daß bei uns das bezeichnete Gegenstand nicht bekannt ist. Als Beispiel: Die Tuaregs haben kein wort für Schnee. (Ich weiß, als Beispiel ist ein bißchen weit hergeholt, aber trotzdem einleuchtend, denke ich).Noch eins: Was ist ein „Wolpertinger“??
Lieben Gruß
Helena

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