Mich würde mal interessieren ob es in der Psychologie Erfahrungen mit folgendem gibt:
Kann jemand der unter Herrschaftsbedingungen gelebt hat und viele Herrschaftsstrukturen verinnerlicht und seine Wahrnehung daran ausgerichtet hat, dies aber erkennt, den kompletten Ausstieg schaffen und zu einem eigenverantwortlichen Individuum werden, ohne in der Abgrenzung zu verschimmeln oder sich nur neuen Abhängigkeiten hinzugeben deren Herrschaftscharakter er verdrängt?
T.
P.S. Bitte jetzt keine Diskussion über die Notwendigkeit von Herrschaft, darum geht es mir nicht.
Hi,
aber selbstverständlich kann er das.
Wenn dem nicht so wäre, ist es begründbar, daß ein Mensch ab einem Tag x nicht mehr lernfähig ist res. verblödet. Ok, gibts
, sollte aber nicht die Regel sein.
Wenn dem nicht so ist, ging es jedem Menschen so. Als Kind hattest du Herren, deine Eltern, Lehrer…
Als Erwachsener hast du auch stets „Herren“ im weiteren Sinne. Laß mich in Analogie zum lieben Herrgott (möge er in Frieden dort ruhen, wo der Pfeffer wächst) dabei natürliche Zwänge nennen.
Erstens: du entwickelst dich als Individuum innerhalb der Gesellschaft aufgrund des Bewußtseins der Gesellschaft.
Zweitens: wir unterliegen dem Gesetz der Anpassung. Wir passen uns der Natur an, indem wir die Natur uns anpassen.
Das kommt zwangsläufig zu dem Fakt, dass ein Individuum sich auch seiner Umgebung anpasst, mitsamt einem Umgang.
Die Alkoholiker überleben gwemeinsam an der Bierbude, die Intellektuellen gebe sich Mühe, vernünftige Strukturen zu schaffen, die ihrer Kultur entsprechen, oder so ähnlich.
Gruß
Frank
Mich würde mal interessieren ob es in der Psychologie
Erfahrungen mit folgendem gibt:
Kann jemand der unter Herrschaftsbedingungen gelebt hat und
viele Herrschaftsstrukturen verinnerlicht und seine Wahrnehung
daran ausgerichtet hat, dies aber erkennt, den kompletten
Ausstieg schaffen
Die Frage ist imho nicht auf den richtigen
Punkt hin formuliert.
Es gibt mit Sicherheit einige wenige
„extreme Individuen“ in jeder Population,
das „Alles“ schaffen können, weil in
ihnen wirklich eine starke Eigenge-
setzlichkeit entstanden ist.
Wenn Du nach „jemand“ im Sinne des Blicks auf die
„Masse“, die „die Gesellschaft am Laufen hält“ fragst,
dann kann das nicht so sein weil es eben nicht geschieht.
Letztlich ist es aber dann doch eher der Sprung von
der gewohnten „landläufigen Hierarchie“ in einen
neuen Codex. Was wie „Ausstieg“ aussieht, ist nur das
Einordnen in eine andere Hierarchie. Die Attribute
bzw. Schubladen sind noch vorhanden, werden aber
mit neuen Inhalten gefüllt.
Also, welcher Ausstieg „aus was“ und Einstieg „in was“ ist gemeint?
Euer CMБ
Natürlich gab und gibt es glücklicherweise immer wieder Menschen, die die Unterdrückung durchschaut haben und die Kraft hatten, sich davon zu befreien. Frühes Beispiel: Moses. Literatur-Empfehlung dazu:
Sigmund Freuds letztes großes Werk: „Der Mann Moses und die Monotheistische Religion“.
Gruss, Branden
Hallo Temper,
auch wenn ich fest daran glaube, daß es möglich ist, daß Menschen sich eines „besseren“ besinnen, ist es sicherlich realistisch, anzunehmen, daß Menschen das, mit dem die groß geworden sind, und daher auch einschätzen können, als nicht bedrohlich und damit „Sicher“ im Sinne von „Berechenbar“ erleben. Insofern halte ich idealistische Gegenwehr in der Regel für Vorübergehend. Irgendwann zieht sich dieser Mensch dann wieder auf „althergebrachtes“ zurück.
Ausnahmen bestätigen erfreulicherweise dann aber doch immer wieder die Regel.
Das ist aber jetzt eine vage These die ich wissenschaftlich nicht untermauern kann.
Gruß, AndyM
Ja, die „Freiheit“ Mose ist die Freiheit des
grossen Kriegsmanns (5 Mose 12):
Ihr sollt all die Stätten vollständig ausrotten, wo die
Nationen, die ihr vertreiben werdet, ihren Göttern gedient
haben auf den hohen Bergen, auf den Hügeln und unter jedem
grünen Baum. Und ihr sollt ihre Altäre niederreißen und
ihre Gedenksteine zerbrechen und ihre Ascherim mit Feuer
verbrennen und die Bilder ihrer Götter umhauen. Und ihr
sollt ihren Namen von jener Stätte ausrotten.
DAS nenne ich Freiheit,
das nenne ich Größe!
Euer CMБ
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Ich empfahl nicht die Bibel-Texte über Moses (die Bibel ist eine Art Patchwork verschiedener Autoren), sondern explizit das Buch von Freud.
Ich empfahl nicht die Bibel-Texte über Moses (die Bibel ist
eine Art Patchwork verschiedener Autoren), sondern explizit
das Buch von Freud.
Und welche „Freiheit“ hat nach Freud Mose seinen Eselzüchtern
gebracht? Etwa das Aufdrücken des ägyptischen Aton-Kultes auf
ein semitisches Volk? Vergleichbar mit dem späteren Aufdrücken
einer semitischen Religion auf die germanischen Barbaren?
Freud schreibt in „Der Mann Mose“:
Ein anderer ihm zugeschriebener Zug hat besonderen Anspruch auf
unser Interesse. Moses soll »schwer von Sprache« gewesen sein,
also eine Sprachhemmung oder einen Sprachfehler besessen haben,
so daß er bei den angeblichen Verhandlungen mit dem Pharao der
Unterstützung des Aaron bedurfte, der sein Bruder genannt wird.
Das mag wiederum historische Wahrheit sein und wäre ein erwünschter
Beitrag zur Belebung der Physiognomie des großen Mannes. Es kann
aber auch eine andere und wichtigere Bedeutung haben. Der Bericht
mag in leichter Entstellung der Tatsache gedenken, daß Moses ein
Anderssprachiger war, der mit seinen semitischen Neu-Agyptern nicht
ohne Dolmetsch verkehren konnte, wenigstens nicht zu Anfang ihrer
Beziehungen. Also eine neue Bestätigung der These:
Moses war ein Agypter.
Assman schreibt im wesentlichen dasselbe, wenn auch
besser fundiert … (z.B. Assmann, „Moses der Ägypter“).
Also, worauf willst Du hinaus?
Euer CMБ