Auswandern nach England

Hallo,

ich (30 J., Chefsekretärin) beabsichtige nach England (bevorzugtes Ziel: Südwesten) auszuwandern. Hat jemand Erfahrungen damit oder kennt Internetseiten, wo es Infos zu diesem Thema gibt? Wie schnell lassen sich eine Unterkunft und ein Job finden? Erfahrungswerte würden mir sehr weiterhelfen. Ich plane, so ins Blaue hinzufahren und vor Ort einen Job zu suchen (bin derzeit arbeitslos). Südwesten ist mein Wunschziel (auf keinen Fall London, der Südosten oder Norden), habe aber noch keine bestimmte Stadt ausgesucht.

Ich habe mich zwar schon kundig gemacht (auch über ZAV), aber aufgrund fehlender Beziehungen nach England stehe ich mit dem Thema erst mal alleine da und möchte natürlich so gut wie möglich informiert sein.

Freue mich über jeden Tipp! Herzlichen Dank im Voraus.

Grüße
Kris

Hallo Kris,
ich habe selbst vor ca. 1 1/2 Jahren mit dem Gedanken gespielt auszuwandern - allerdings nach Schottland. Unterkünfte sind da meiner Meinung nach recht einfach zu finden - aber teuer.
Jobmäßig sieht´s nicht wirklich besser aus, als hier. Ich hatte damals ein Angebot von manpower, die haben z.B. Callcenter in Greenock/Schottland. Vielleicht haben die auch was in England? Guck einfach mal auf deren Seite www.manpower.co.uk. Der Vorteil da war: Hilfe bei der Suche nach Unterkunft und Arbeit in der eigenen Sprache. Ich habe auch zwei Bücher über Bewerbungen in Großbritanien, wenn du sie möchtest, schick mir eine Email.
Grüße Ann

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Hallo Kris,

ich bin vor 1,5 Jahren nach England umgezogen. („Auswandern“ ist mir persönlich ein zu großes Wort, mit Billigflügen direkt vor der Tür und nur 800 km Luftlinie zu meinem ehemaligen Wohnort in Deutschland.)

Sitze jetzt in Cambridge, East Anglia. Es ist recht nett hier, wenn auch unsäglich teuer, ich antworte allerdings auch öfters, wenn man mich fragt, wie’s mir gefällt: „Bevor ich nach England kam, war ich anglophil.“

Warst du schon einmal über einen längeren Zeitraum in England? Kennst du dich ein bisschen mit der Mentalität und der Kultur aus?
Der Brite an und für sich und als solcher ist uns gar nicht so ähnlich, wie wir immer glauben. Hinter den äußeren Ähnlichkeiten verbergen sich einige kulturelle Unterschiede. Diese müssen nichts „Schlimmes“ sein, sie können sogar den besonderen Reiz ausmachen, allerdings sollte man sich ihrer und ihrer Konsequenzen bewußt sein.

Mein Bekanntenkreis hier besteht aus Iren, Deutschen, Franzosen, Spaniern, Italienern, Holländern, Skandinaviern - Briten sind nicht dabei. Mit ihnen näher in Kontakt zu kommen, ist nicht unbedingt einfach. Allerdings könnte das auch etwas eine Besonderheit in Cambridgeshire zu sein. Mein britischer Ex kommt aus den West Midlands und dort schienen mir die Leute etwas zugänglicher. Eine deutsche Kollegin berichtete auch, dass sie von ihren (englischen) Bekannten in Kent, diesbezüglich „bedauert“ wurde, als sie berichtete, sie würde nach Cambridge umziehen.

Zwei Bekannte aus München haben vor zwei Jahren den Sprung gewagt und sind „einfach so“ nach London gegangen. Jobs zu finden, war schwerer, als sie erwarteten, schlußendlich endeten sie beide mit Stellen hier in Cambridge und mussten jeden Tag pendeln (was bei dem schlechten Zustand der öffentlichen Verkehrsmittel hier nicht unbedingt spaßig ist). Befragt, ob sie’s wieder so machen würden: Nein. Beim nächsten Mal VORHER einen Job suchen und danach umziehen.

Erkundige dich beim AA, falls du’s nicht schon längst gemacht hast: Wenn ich mich recht entsinne, kannst du für bis zu drei Monate vorübergehend ins Ausland auf Jobsuche gehen und dabei ALG beziehen.

Auch sehr zu empfehlen: Mach dich schon jetzt schlau, welche Auswirkungen ein solcher Umzug auf deine Sozialversicherungsansprüche hat. Anlaufstellen dafür und auch für die internationale Arbeitssuche:

Arbeitsagentur hast du ja wahrscheinlich schon.

Ansonsten würde ich dir empfehlen, doch auch mal mit den Stichwörtern „job“, „multilingual“, „german“, „UK“ zu googlen. Du findest einige Links zu Jobdatenbanken, Recruitern u.ä.

Wenn’s um Gehaltsideen geht: Unterschätze die Lebenshaltungskosten hier nicht! Obwohl es je nach Region schwankt, kann es auch in anderen Städten als London extrem teuer werden und in London, um London herum und hier in Cambridgeshire sowieso. Alle Orte innerhalb von bis 1,5 Stunden Pendeldistanz von London (und das trägt dich schon mitten in die Midlands oder auch 'ne ganze Ecke in den Südwesten) und mit einer einigermaßen erträglichen Verkehrsanbindung nach London leiden darunter, in den letzten Jahren eine ziemliche Preissteigerung mitgemacht zu haben (ripple effect). Die Engländer sind, was tägliche Pendeldistanz und -dauer betrifft, die Spitzenreiter in Europa. Finanziell bekommst du zwar eine ganze Ecke mehr netto raus als in D (Abzüge bei Gehältern unter £28.000 nur ca. 23%, dadrunter gibt’s nochmal 'ne Stufe, unterhalb derer du nur ca. 10% hast), aber du kriegst auch nix dafür. Medizinische Versorgung ist miserabel (NHS ist mehr oder weniger bankrott), die Rentenansprüche sind ein noch größerer Witz als in Deutschland und falls du arbeitslos werden solltest, bezahlt dir das ALG noch nicht einmal die Miete/Mortgage.

Apropos medizinische Versorgung: zukünftigen AG nach BUPA fragen! Das ist eine zusätzliche KV, die AGs für ihre Angestellten abschließen können und die ein wirklich wertvolle Zusatzleistung ist. Ansonsten darfst du so etwas nämlich selbst bezahlen …

Noch eine letzte Idee: Vielleicht hast du ja Lust, das Leben hier erst einmal ein bisschen begrenzt bei einem „Arbeitsaufenthalt“ auf einer Farm o.ä. kennenzulernen? Hier findet man häufiger Angebote der Art „Kost und Logis gegen Arbeit“: http://www.helpexchange.net/hosts_in_region.asp?acti…

Viel Erfolg!

Christiane

Hallo Kris!

Wir sind gerade im Oktober 2003 nach London gezogen, bei mir und meinem Mann ist die Erfahrung also noch recht frisch…

Also: zunächst einmal war es für meinen Mann kein großes Problem in England Arbeit zu finden, er hatte den Job auch bereits vor dem Umzug. Im Allgemeinen gibt es im Internet - oft für verschiedene Berufssparten - spezielle Jobbörsen (also am besten einfach mal ein bisschen stöbern) und auch das Arbeitsamt in Deutschland kann möglicherweise bei der Jobsuche helfen.
Sich in England niederzulassen ist unserer Erfahrung nach dagegen schon viel schwieriger (vor allem seit dem berüchtigten 11. September…). Zur Wohnungssuche: die meisten Wohnungen werden über Agenturen angeboten (einen Überblick bekommst Du z.B. im Internet unter wwww.findaproperty.com, da gibt es dann auch Preise - nimm Dir Zeit, um den ersten Schock zu verdauen.) Zur eigentlichen Wohnungssuche solltest Du aber unbedingt vor Ort sein, das läßt sich aus der Ferne nicht organisieren! Leider muss man bei den meisten Agenturen ein englisches Konto besitzen, um überhaupt eine Wohnung mieten zu können - und damit fangen dann die Probleme auch schon an, denn ein Konto ist neuerdings nicht mehr so einfach zu bekommen. Wir brauchten neben beglaubigten Kontoauszügen unserer deutschen Konten z.B. Nachweise von der Arbeitsstelle meines Mannes mit Bestätigung über die Höhe seines Gehaltes und vor allem Nachweise über einen Wohnsitz… Ja, da beisst sich tatsächlich die Katze in den Schwanz! Was uns schließlich geholfen hat, waren eine Reihe an persönlichen Statements und Bürgschaften von Leuten, die seit mind. drei Jahren in England leben und hier auch kreditwürdig sind. Und Leute, die für einen bürgen, sind nicht so leicht aufzutreiben, wenn man neu in ein Land kommt (uns hat immer wieder die Cheffin meines Mannes aus der Patsche geholfen).
Freunde von uns, die ca. ein Jahr vor uns nach England gezogen sind, hatten es im Gegensatz zu uns noch viel einfacher. Aber wie die Bank uns mitgeteilt hat, sind die Bedingungen erst in der letzten Zeit so drastisch verschärft worden.
Stell Dich also auf eine nervenaufreibende Rennerei ein, es lohnt sich aber, denn wenn man die anfänglichen Hürden erst genommen hat, ist England wirklich prima…

Solltest Du noch spezielle Fragen haben oder Tips brauchen, dann wende Dich ruhig an mich (ich weiss, wie sehr es einem hilft, wenn man jemanden kennt, der einem zumindest kleine Hinweise geben kann)

Ansonsten erst mal viel Glück

Svenja

Bankkonto
@Svenja
Oh ja, das hübsche Spielchen mit dem Bankkonto, für das man sich „bewirbt“. :smile: Ich kann mir schon ein bisschen lächerlich vor, dass ich hinter einer Bank herrennen muss, um ihr mein Geld aufzudrängen!

@Kris
Etwas einfacher geht’s bei NatWest Primeline mit der Kontoeröffnung. NatWest (= National Westminster) ist eine große Bank hier und es gibt einen „online branch“ mit dem Namen „Primeline“, die sich speziell der Expats annimmt. Mit Referenz des Arbeitgebers geht’s da ein bisschen einfacher als bei Lloyds, HSBC, Alliance & Leicester und wie sie nicht alle heißen.
Die Konditionen sind zwar nicht besonders außergewöhnlich, aber wenn man nicht drei Jahre „credit history“ in diesem Land hier hat, nimmt einen leider fast niemand - oder nur mit Bürgschaften und Gedöns, wie schon von Svenja beschrieben.

Generell: Wenn man meint, wir Deutschen wären besonders bürokratisch, dann hat’s man es noch nicht in England versucht! :smile:

Schönen Gruß,
Christiane

Auswandern
Hallo miteinander,
wenn ich das so lese zu Englnd, dann bin ich ganz froh, nach Irland
gegangen zu sein.
Erst mal Wohnen in shared house klappt in 2 Tagen und Miete ist so
um 250 euro.
Für Bankkonto reicht Ausweiskopie und Telefonrechnung von Landline.
Ging zack zack.
Und Jobs gibt es hier genug.
bis dann

Hi Kris,
vieles ist schon gesagt von anderen hier.

Ich wohn seit 11/03 im Suedwesten, wo Du hinwillst. War alles eigentlich ganz einfach und auch nicht viel Rennerei.

Bankkonto: Es gibt Banken und so eine Art Wohnungsbaugenossenschaften. Der Unterschied fuer den Kunden ist kaum feststellbar. Die Banken muessen, wenn Du ein Konto beantragst, Gutachten von Deiner alten Bank (in Deutschland) einholen; das kann leicht! Wochen dauern. Ausserdem musst Du einen festen Wohnsitz in England angeben. Ich weiss nicht, ob die den nachpruefen; koennte vielleicht auch die Adresse eines angemieteten Zimmers sein. Fuer die Wohnungsbaugenossenschaften reichen Pass und (Festnetz-)Telefonrechnung (oder Strom, oder Tax-Bescheid …). Dann bekommst Du den Account bei denen auf der Stelle (zB Halifax).

Unterkunft zu finden ist in Plymouth kein Problem (es sei denn man erwartet deutsche Standards). Es gibt, sofern nicht Hauptsaison ist, zB Flats auf Wochenbasis ab ca 100Pfund/Woche. Die sind voll eingerichtet und es reichen ein Pass und eine Kaution.

Wenn Du eine dauerhafte Wohnung anmieten willst, brauchst Du in der Regel einen Bankaccount, ein deutscher reicht. Die Estate Agents fragen Deine Bank, ob Du fluessig genug fuer die Wohnung bist. IdR schreiben die einen Brief; wenn Du sie nett bittest, faxen die Deine deutsche Bank (oder Sparkasse …) aber auch an. Die von der Sparkasse in Bochum waren mit der Anfrage erst voellig ueberfordert, haben dann aber doch nur drei Tage gebraucht um ein kurzes Schreiben aufzusetzen, das dann via Email von der Auslandsabteilung der Sparkasse an die Agentur ging. Ausserdem brauchte ich 2 Unterschriften, die bestaetigen, dass ich ein guter Mensch bin und die Wohnung pfleglich behandel. Und der Arbeitgeber wurde auch noch angetriggert. (Was passiert, wenn man arbeitslos ist, weiss ich nicht). Das war’s, fuer die Wohnung. Mit der ersten Gasrechnung bin ich dann zur Halifax-„Bank“, aber eigentlich Wohnungsbaugenossenschaft, fuer den Bankaccount. Bis dahin hab ich auf Kreditkarte und deutsche Sparkassenkarte gelebt („Maestro“ wird hier von den meisten Automaten akzeptiert).

Wohnungspreise: Keiner rechnet hier nach Quadratmeter. Alles geht nach Anzahl der Schlafzimmer: 1 Bedroom: ca 340; 2 Bedroom ca 420 Pfund (nach oben offen). Dazu kommen tax (vielleicht 60), und die anderen Ublichkeiten; insgesamt vielleicht 1/4 oder etwas mehr der Wohnungsmiete. Die Zimmer sind elend klein; die Badezimmer sind meist gruselig.

Es heisst, man kauft hier eher, als das man mietet. Bin ich noch nicht zu gekommen, lohnt sich aber vermutlich. Die Preise sind wohl sehr hoch, aber nach allem was ich so hoere, ist es eher wahrscheinlich, dass sie noch weiter steigen. Angebote gibt es viele. So ab 300-400Pfund, was man auch fuer ein Flat ausgibt, duerften auch die Raten fuer Kreditaufnahmen losgehen. (Nach oben selbstverstaendlich offen)

Zur Arbeitsmarktslage kann ich nichts sagen. Ich hatte den Job schon vorher. Es kommt nach ca 33Prozent Abzuegen, effektiv ein bisschen mehr raus, als auf der etwas schlechteren Stelle direkt vorher in Deutschland; dafuer ist man aber deutlich schlechter versichert. [Wenn ich mir die taeglichen Nachrichten bei Web.de und anderswo ueber Deutschland ansehe, scheint mir, dass das nicht mehr lange ein ganz so deutlicher Unterschied sein wird. Das Pfund steht gut; der englischen Wirtschaft geht’s gut. Man hat allen Grund es sich zweimal zu ueberlegen, ob man vom Pfund zu den Euros wechselt.]

Stimmt, es ist alles teuer hier, zum Teil sehr teuer. Alkohol, Zigaretten, Pizza (Restaurants etc allgemein). Andererseits findet man alles fuer den taeglichen Bedarf auch taeglich in irgendeinem Sonderangebot, wo es dann oft nur die Haelfte oder noch weniger kostet. Ich rechne ungefaehr ein Pfund gleich ein Euro, soll heissen bin noch nicht ganz umgestellt und dass die Preise schaetzungsweise 50 Prozent hoeher sind als in D.

Nochwas: Es regnet hier viel. Im Schnitt taeglich 1 Mal. Trotzdem ist das Wetter hier nicht schlecht. Diesen Winter hat es erst einmal geschneit; 5Millimeter, die nichtmal liegen geblieben sind. Das Thermomenter ging kaum einmal unter Null. Hier ist praktisch schon Fruehling, Schneegloeckchen und Japanische Kirschen fangen schon an zu bluehen, und Palmen wachsen auch hier und da.

Ach ja, und wenn ich zum Fenster rausgucke; seh ich ganz in der Ferne einen schmalen, meergrauen Streifen Atlantik. Hier in Plymouth auf der Hoe konnte Sir Francis Drake vom Boole nicht lassen, bevor er die spanische Armada platt gemacht hat. Von hier sind die Pilgrims in See gestochen – eine moewenbekackte Treppe unten am Hafen, was die Amibesucher stets sichtlich enttaeuscht. Aber vieleicht stimmts gar nicht, ist nur britischer Humor?

Gruesse,
T

PS: Du hast meine Email

Hallo ashpac!

wenn ich das so lese zu Englnd, dann bin ich ganz froh, nach
Irland
gegangen zu sein.
Erst mal Wohnen in shared house klappt in 2 Tagen und Miete
ist so
um 250 euro.

Du bist bestimmt nicht in Dublin, oder? Denn da gibt’s zwar auch genug Jobs, aber Miete etc. haben sich auch gewaschen. Mein Freund, der in Dublin studiert hat, behauptet immer noch steif und fest, es sei teurer als London.

Gruß,
Christiane