Hi Kris,
vieles ist schon gesagt von anderen hier.
Ich wohn seit 11/03 im Suedwesten, wo Du hinwillst. War alles eigentlich ganz einfach und auch nicht viel Rennerei.
Bankkonto: Es gibt Banken und so eine Art Wohnungsbaugenossenschaften. Der Unterschied fuer den Kunden ist kaum feststellbar. Die Banken muessen, wenn Du ein Konto beantragst, Gutachten von Deiner alten Bank (in Deutschland) einholen; das kann leicht! Wochen dauern. Ausserdem musst Du einen festen Wohnsitz in England angeben. Ich weiss nicht, ob die den nachpruefen; koennte vielleicht auch die Adresse eines angemieteten Zimmers sein. Fuer die Wohnungsbaugenossenschaften reichen Pass und (Festnetz-)Telefonrechnung (oder Strom, oder Tax-Bescheid …). Dann bekommst Du den Account bei denen auf der Stelle (zB Halifax).
Unterkunft zu finden ist in Plymouth kein Problem (es sei denn man erwartet deutsche Standards). Es gibt, sofern nicht Hauptsaison ist, zB Flats auf Wochenbasis ab ca 100Pfund/Woche. Die sind voll eingerichtet und es reichen ein Pass und eine Kaution.
Wenn Du eine dauerhafte Wohnung anmieten willst, brauchst Du in der Regel einen Bankaccount, ein deutscher reicht. Die Estate Agents fragen Deine Bank, ob Du fluessig genug fuer die Wohnung bist. IdR schreiben die einen Brief; wenn Du sie nett bittest, faxen die Deine deutsche Bank (oder Sparkasse …) aber auch an. Die von der Sparkasse in Bochum waren mit der Anfrage erst voellig ueberfordert, haben dann aber doch nur drei Tage gebraucht um ein kurzes Schreiben aufzusetzen, das dann via Email von der Auslandsabteilung der Sparkasse an die Agentur ging. Ausserdem brauchte ich 2 Unterschriften, die bestaetigen, dass ich ein guter Mensch bin und die Wohnung pfleglich behandel. Und der Arbeitgeber wurde auch noch angetriggert. (Was passiert, wenn man arbeitslos ist, weiss ich nicht). Das war’s, fuer die Wohnung. Mit der ersten Gasrechnung bin ich dann zur Halifax-„Bank“, aber eigentlich Wohnungsbaugenossenschaft, fuer den Bankaccount. Bis dahin hab ich auf Kreditkarte und deutsche Sparkassenkarte gelebt („Maestro“ wird hier von den meisten Automaten akzeptiert).
Wohnungspreise: Keiner rechnet hier nach Quadratmeter. Alles geht nach Anzahl der Schlafzimmer: 1 Bedroom: ca 340; 2 Bedroom ca 420 Pfund (nach oben offen). Dazu kommen tax (vielleicht 60), und die anderen Ublichkeiten; insgesamt vielleicht 1/4 oder etwas mehr der Wohnungsmiete. Die Zimmer sind elend klein; die Badezimmer sind meist gruselig.
Es heisst, man kauft hier eher, als das man mietet. Bin ich noch nicht zu gekommen, lohnt sich aber vermutlich. Die Preise sind wohl sehr hoch, aber nach allem was ich so hoere, ist es eher wahrscheinlich, dass sie noch weiter steigen. Angebote gibt es viele. So ab 300-400Pfund, was man auch fuer ein Flat ausgibt, duerften auch die Raten fuer Kreditaufnahmen losgehen. (Nach oben selbstverstaendlich offen)
Zur Arbeitsmarktslage kann ich nichts sagen. Ich hatte den Job schon vorher. Es kommt nach ca 33Prozent Abzuegen, effektiv ein bisschen mehr raus, als auf der etwas schlechteren Stelle direkt vorher in Deutschland; dafuer ist man aber deutlich schlechter versichert. [Wenn ich mir die taeglichen Nachrichten bei Web.de und anderswo ueber Deutschland ansehe, scheint mir, dass das nicht mehr lange ein ganz so deutlicher Unterschied sein wird. Das Pfund steht gut; der englischen Wirtschaft geht’s gut. Man hat allen Grund es sich zweimal zu ueberlegen, ob man vom Pfund zu den Euros wechselt.]
Stimmt, es ist alles teuer hier, zum Teil sehr teuer. Alkohol, Zigaretten, Pizza (Restaurants etc allgemein). Andererseits findet man alles fuer den taeglichen Bedarf auch taeglich in irgendeinem Sonderangebot, wo es dann oft nur die Haelfte oder noch weniger kostet. Ich rechne ungefaehr ein Pfund gleich ein Euro, soll heissen bin noch nicht ganz umgestellt und dass die Preise schaetzungsweise 50 Prozent hoeher sind als in D.
Nochwas: Es regnet hier viel. Im Schnitt taeglich 1 Mal. Trotzdem ist das Wetter hier nicht schlecht. Diesen Winter hat es erst einmal geschneit; 5Millimeter, die nichtmal liegen geblieben sind. Das Thermomenter ging kaum einmal unter Null. Hier ist praktisch schon Fruehling, Schneegloeckchen und Japanische Kirschen fangen schon an zu bluehen, und Palmen wachsen auch hier und da.
Ach ja, und wenn ich zum Fenster rausgucke; seh ich ganz in der Ferne einen schmalen, meergrauen Streifen Atlantik. Hier in Plymouth auf der Hoe konnte Sir Francis Drake vom Boole nicht lassen, bevor er die spanische Armada platt gemacht hat. Von hier sind die Pilgrims in See gestochen – eine moewenbekackte Treppe unten am Hafen, was die Amibesucher stets sichtlich enttaeuscht. Aber vieleicht stimmts gar nicht, ist nur britischer Humor?
Gruesse,
T
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