Auswertungsverfahren b. verschiedenen Skalenniveau

Hallo,

ich habe eine Frage zu Auswertungen bei verschieden skalierten Fragebögen.

Innerhalb eines empirischen Praktikums untersuchen wir eine Fragestellung. Dabei wird mit verschiedenen Fragebögen gearbeitet, einer mit vierstufigen Antworten, einer mit zweistufigen Antworten. Des weiteren werden etliche Soziodemographische Daten abgefragt (Alter, Wohnort etc.).

Leider bin ich jetzt ein wenig überfragt mit den statistischen Auswertungsverfahren hierzu. Varianzanalye, T-Test, U-Test, Wilcoxen-Test etc.? Ich weiß nicht weiter und habe leider Statistik II dieses Semester noch nicht belegt :smile:

Kann mir einer von Euch helfen, wie ich die verschiedenen Fragebögen miteinander in Abgleich bringen kann?

Danke im voraus und Grüße,
Ivo

Hallo!

Deine Fragen kann man nicht pauschal beantworten. Gedanken darüber, wie die Daten erhoben und ausgewertet werden sollen, hättest Du Dir sicherlich lieber vorher gemacht. Grundlegende Fehler im Entwurf lassen sich im Nachhinein nur selten wieder ausgleichen.

Ich sehe mindestens 4 Möglichkeiten:

  1. Du analysierst die Daten für jede der drei Fragebogen-Versionen separat. Auf diese Weise könntest Du zusätzlich untersuchen, ob die Effekte, von der Anzahl der Antwortkategorien unabhängig sind. Problematisch ist jedoch, dass die Anzahl der in jede einzelne Analyse eingehenden Vpn entsprechend gering ist.

  2. Du fasst die Antwortkategorien der vier- und fünfstufigen Skalen zu zwei Antwortkategorien zusammen. Dies setzt jedoch voraus, dass die so gebildeten Antwortkategorien inhaltlich die gleiche Bedeutung haben. Ob dies möglich ist, hängt von den Skalen ab, die Du verwendet hast.

  3. Du entscheidest Dich für eine Fragebogen-Variante und ignorierst die Daten der anderen. Falls nötig erhebst Du weitere Daten.

  4. Du fängst noch einmal von vorn und überlegst Dir diesmal vorher, wie Du die Daten erheben und analysieren möchtest.

Leider bin ich jetzt ein wenig überfragt mit den statistischen
Auswertungsverfahren hierzu. Varianzanalye, T-Test, U-Test,
Wilcoxen-Test etc.? Ich weiß nicht weiter und habe leider
Statistik II dieses Semester noch nicht belegt :smile:

Hierzu kann ich Dir lediglich zwei Anregungen geben:
(1) Plane die Untersuchung von Anfang an so, dass genau weißt, dass und wie Du Deine Hypothesen an den Daten prüfen kannst. Falls Du Hilfe
(2) Deine Chance darauf Unterstützung zu bekommen ist umso größer, je konkreter Du Deine Frage stellst. Ohne Kenntnis Deiner Hypothesen kann Dir niemand ein Testverfahren empfehlen.

Viel Erfolg!

Falk

Hallo Falk,

erstmal lieben Dank für Deine Mühe.

Ich sehe mindestens 4 Möglichkeiten:

  1. Du analysierst die Daten für jede der drei
    Fragebogen-Versionen separat.
  2. Du fasst die Antwortkategorien der vier- und fünfstufigen
    Skalen zu zwei Antwortkategorien zusammen.
  3. Du entscheidest Dich für eine Fragebogen-Variante und
    ignorierst die Daten der anderen. Falls nötig erhebst Du
    weitere Daten.
  4. Du fängst noch einmal von vorn und überlegst Dir diesmal
    vorher, wie Du die Daten erheben und analysieren möchtest.

Hierzu kann ich Dir lediglich zwei Anregungen geben:
(1) Plane die Untersuchung von Anfang an so, dass genau weißt,
dass und wie Du Deine Hypothesen an den Daten prüfen kannst.
Falls Du Hilfe
(2) Deine Chance darauf Unterstützung zu bekommen ist umso
größer, je konkreter Du Deine Frage stellst. Ohne Kenntnis
Deiner Hypothesen kann Dir niemand ein Testverfahren
empfehlen.

Ich wollte nicht im voraus mit Details „nerven“ :smile: Es geht um ein Planungsreferat im empirischen Praktikum. Thema ist:„Auswirkungen des väterlichen Erziehungsverhaltens auf Beziehungen von Töchtern“. Haupthypothese ist, das sich die Art der Erziehung des Vaters auf das Verhalten einer Frau (Tochter) in ihrer eigenen Beziehung auswirkt auf:

  • Generelle Zufriedenheit in der Partnerschaft
  • Art und Weise der Kommunikation
  • Problemlösungsfähigkeit

Hierzu haben wir den FEE und den FPE Test und ziehen hieraus einige Items. Weitere Fragen wollen wir selber erheben. Die soziodemographischen Daten dienen eher einer Art Eingangskontrolle um die Sicherung der Teilnahmevoraussetzungen zu gewährleisten (Geschlecht, Alter, Beziehungsart, Dauer etc.)

Ich gebe zu, das wir uns keine Gedanken gemacht haben, wie und ob wir die verschiedenen Testergebnisse miteinander abgleichen können. Ich bin ehrlich gesagt davon ausgegangen, das es da einen Weg gibt - habe ihn aber nicht gefunden.

Vielleicht kannst Du mir auf der Grundlage noch einen Hinweis geben? Ansonsten in jedem Fall Danke für Deine Anmerkungen,

Grüße,
Ivo

Hallo,

Leider bin ich jetzt ein wenig überfragt mit den statistischen
Auswertungsverfahren hierzu. Varianzanalye, T-Test, U-Test,
Wilcoxen-Test etc.?

die Antwort auf Deine Frage hängt von Deinen inhaltlichen Fragestellungen ab: Welche Hypothesen hast Du in Bezug auf die Konstrukte, die mit den Fragebögen erfaßt werden? Auf Basis dieser Hypothesen kann dann eine Entscheidung bzgl. der statistischen Auswertungsverfahren getroffen werden. Nicht andersherum!!!
Beispiel: Erwartet man Unterschiede in der mittleren Ängstlichkeit von Frauen und Männern, dann wird man einen statistischen Test auf Erwartungswertunterschiede zwischen diesen Gruppen durchführen (z.B. den t-Test für unabhängige Stichproben).

Unabhängig davon sollte man zunächst psychometrische Analysen der einzelnen Skalen der Fragebögen durchführen. Im Prinzip wären probabilistische Verfahren selbstverständlich vorzuziehen, in Deinem Fall wird man sich aber wohl mit klassischen Skalenanalysen begnügen müssen. Am Ende erhält man für jede Skala einen Summenscore für jeden Probanden. Die Summenscores können dann den inferenzstatistischen Analysen (siehe oben) zugeführt werden.

Literaturtipps dazu:

http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Lit…

und zwar die Literatur unter „Testtheorie und Testkonstruktion“.

Grüße

die Antwort auf Deine Frage hängt von Deinen
inhaltlichen Fragestellungen ab: Welche Hypothesen hast
Du in Bezug auf die Konstrukte, die mit den Fragebögen erfaßt
werden? Auf Basis dieser Hypothesen kann dann eine
Entscheidung bzgl. der statistischen Auswertungsverfahren
getroffen werden. Nicht andersherum!!!

Hallo,

erstmal Danke für Deine Antwort. Ich hatte schon auf die andere Antwort heute morgen mehr Infos gepostet. Vielleicht hast Du ja noch Gelegenheit Dir das anzusehen - wollte das jetzt hier nicht doppelt posten.

In jedem Fall Danke,
Grüße,
ivo

Hallo,

bezugnehmend auf Dein an mich gerichtetes obiges Posting kommentiere ich kurz die von Dir genannten weiterführenden Informationen:

Ich wollte nicht im voraus mit Details „nerven“ :smile: Es geht um
ein Planungsreferat im empirischen Praktikum. Thema
ist:„Auswirkungen des väterlichen Erziehungsverhaltens auf
Beziehungen von Töchtern“. Haupthypothese ist, das sich die
Art der Erziehung des Vaters auf das Verhalten einer Frau
(Tochter) in ihrer eigenen Beziehung auswirkt auf:

  • Generelle Zufriedenheit in der Partnerschaft
  • Art und Weise der Kommunikation
  • Problemlösungsfähigkeit

Ich nehme an, daß diese drei Konstrukte in den Fragebögen erhoben werden. Als erstes sollte man klassische Skalenanalysen zu den drei Konstrukten durchführen: Itemschwierigkeiten, -trennschärfen, Reliabilitäten berechnen, ggf. Items eliminieren. Sind die Skalen soweit in Ordnung, können Skalenwerte (Summenscores) über die Items der jeweiligen Skala (Konstrukte) berechnet werden. Dabei müßte man das Problem fehlender Daten berücksichtigen, also ggf. Mittelwerte statt Summenscores berechnen (obwohl ein solches Verfahren alles andere als optimal ist, ich will aber jetzt hier nicht auf kompliziertere Verfahren, mit fehlenden Daten umzugehen, eingehen). Skalenanalysen müßte man auch mit den Items machen, die die Art der Erziehung des Vaters erfassen.

Anschließend kann man Deine Haupthypothese mit verschiedenen statistischen Verfahren prüfen, z.B. über lineare Regression oder Varianzanalyse. Das Skalenniveau der berechneten Summenscores kann man als intervallskaliert annehmen (per fiat, ggf. das Vorgehen durch Bezug auf Lord & Novick, 1968, rechtfertigen). Etwas komplizierter wird es dadurch, daß die drei oben von Dir genannten Konstrukte offensichtlich Aspekte eines übergeordneten Konstruktes „Beziehungsverhalten von Töchtern“ sind. Insofern böten sich multivariate Tests an, d.h. inferenzstatistische Tests, in denen die drei oben genannten Konstrukte simultan als abhängige Variable in die Analysen eingehen. Ich denke aber, daß Du Dich aufgrund Deines Kenntnisstandes in Statistik eher mit den in diesem Fall suboptimalen univariaten Tests zufriedengeben solltest, d.h. eine Analyse für jedes der drei Konstrukte statt eine Analyse für alle drei Konstrukte simultan.

Die soziodemographischen Daten kannst Du übrigens als weitere Prädiktoren neben dem väterlichen Erziehungsverhalten in die lineare Regression aufnehmen oder als Kovariaten in die Varianzanalyse. Beachten sollte man den Umfang der Stichprobe, weil davon die Stabilität der Schätzung der Regressionskoeffizienten abhängt.

Hübsche, kleine Fragestellung übrigens. A bit influenced by psycho-analysis? attachment theory? :smile:

Beste Grüße

3 „Gefällt mir“

Hallo Ivo!

Neben den Verfahren, die aiwendil vorgeschlagen hat, könntest Du nach den Skalenanalysen auch drei Chi²-Unabhängigkeitstests für jede der gemeinsamen Verteilungen der 3 AV mit der UV rechnen. Für jene Paare (UV,AV_i), von denen Du aufgrund des Tests annimmst, dass sie nicht unabhängig sind, solltest Du anschließend die Art des Zusammenhangs untersuchen. Spätestens jetzt solltest Du Dir deskriptiven Statistiken der gemeinsamen Verteilungen anschauen. Viele Zusammenhangshypothesen kannst Du mittels linearer Regression testen.

Falk

Hallo Falk,

Neben den Verfahren, die aiwendil vorgeschlagen hat, könntest
Du nach den Skalenanalysen auch drei Chi²-Unabhängigkeitstests
für jede der gemeinsamen Verteilungen der 3 AV mit der UV
rechnen.

das ist eine weitere Möglichkeit. Allerdings setzt der Chi²-Test unabhängige Realisierungen der Zufallsvariablen voraus. UV und AVn dürften nicht durch die Befragung der Töchter allein erhoben werden.

Beste Grüße

Hübsche, kleine Fragestellung übrigens. A bit influenced by
psycho-analysis? attachment theory? :smile:

Hallo,

ich wollte mich noch kurz bei Euch bedanken für Eure Hilfestellung. Habt ihr mir sehr mit weitergeholfen. Vielen Dank!

Und ja - geht im Grunde um eine attachment-theorie" :smile:

Grüße,
ivo