Auswirkung des Glaubens

Hallo ihr lieben Leser,

nachdem ich heute eine kontroverse Diskussion bezüglich der Auswirkung von Religion bzw. das Glaubens auf verschiedene Dinge hatte, hätte ich ganz gerne von euch etwas dazu gewusst.

  1. Wie seht ihr die Auswirkung von Glauben auf eine mögliche Selbstmordabsicht? Schützt der Glauben hier die Menschen mehr vor einem Selbstmord (Freitod) oder ist es eigentlich egal, ob man glaubt oder nicht.

Konkret: Es gibt wohl eine Studie, die besagt, dass Selbstmörder ohne Glauben deutlich mehr sind, als die mit Glauben.
Die Ursache dafür soll angeblich sein, dass man durch den kirchlichen Glauben wohl so erzogen wird, dass man weiß, dass es bessere Tage geben wird und man Probleme auch lösen kann.

Meine Gegendarstellung: Für mich käme soetwas nur bedingt in Frage… denn normal gibt es immer bessere Tage.
Ausschließen möchte ich es nicht, denn ich wüsste z.B. nicht, wie ich damit umgehen sollte, wenn ich ab Hals querschnittsgelähmt wäre. Wobei hier ja wieder die Sterbehilfe eine Rolle spielen würde.

  1. Unter denjenigen, die kirchlich heiraten und dies aus fester Glaubensüberzeugung auch machen, gibt es eine deutlich geringere Scheidungsrate, als bei denen, die nicht kirchlich bzw. ohne Überzeugung heiraten.

Grund hierfür: Man steht sich eben noch mehr in Guten und in schlechten Zeiten bei, hat eine andere Moraleinstellung und würde somit z.B. auch einen Seitensprung verzeihen können.

Kann ich nicht so nachvollziehen, denn auch standesamtlich lege ich diesen Eid ab und gäbe mein Bestes, mich daran zu halten.
Oder warum sollte ich das nicht machen? Warum sollte da ein Unterschied bestehen? Nur ein Seitensprung… ich denke, das wäre möglicherweise doch ein Trennungsgrund… aber nur bei mir „Nichtgläubigen“ oder doch eher verbreiteter?

*fragend*

Gruß
Marco

Hallo Marco

  1. Wie seht ihr die Auswirkung von Glauben auf eine mögliche
    Selbstmordabsicht? Schützt der Glauben hier die Menschen mehr
    vor einem Selbstmord (Freitod) oder ist es eigentlich egal, ob
    man glaubt oder nicht.

Konkret: Es gibt wohl eine Studie, die besagt, dass
Selbstmörder ohne Glauben deutlich mehr sind, als die mit
Glauben.
Meine Gegendarstellung: Für mich käme soetwas nur bedingt in
Frage… denn normal gibt es immer bessere Tage.
Ausschließen möchte ich es nicht, denn ich wüsste z.B. nicht,
wie ich damit umgehen sollte, wenn ich ab Hals
querschnittsgelähmt wäre. Wobei hier ja wieder die Sterbehilfe
eine Rolle spielen würde.

Ich denke, die Studie trifft hier tatsächlich auf einen tieferen Kern. Der Freitod ist in der Regel ein Ausdruck von Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Unfähigkeit mit jemandem zu reden. Genau hier setzt der Glaube an einen persönlichen Gott ein. Man hat immer jemand zum Reden (Gebet), da ist jemand der Hoffnung und Mut gibt, jemand, der in der dunkelsten Stunde Licht gibt und einen Weg weist. Gerade zu Deinem Beispiel der Querschnittslähmung gibt es ein Buch (nach einer wahren Begebenheit), in dem ein Mädchen nach einem Unfall durch den Glauben wieder neuen Lebensmut erlangte.

  1. Unter denjenigen, die kirchlich heiraten und dies aus
    fester Glaubensüberzeugung auch machen, gibt es eine deutlich
    geringere Scheidungsrate, als bei denen, die nicht kirchlich
    bzw. ohne Überzeugung heiraten.

Grund hierfür: Man steht sich eben noch mehr in Guten und in
schlechten Zeiten bei, hat eine andere Moraleinstellung und
würde somit z.B. auch einen Seitensprung verzeihen können.

Kann ich nicht so nachvollziehen, denn auch standesamtlich
lege ich diesen Eid ab und gäbe mein Bestes, mich daran zu
halten.
Oder warum sollte ich das nicht machen? Warum sollte da ein
Unterschied bestehen? Nur ein Seitensprung… ich denke, das
wäre möglicherweise doch ein Trennungsgrund… aber nur bei
mir „Nichtgläubigen“ oder doch eher verbreiteter?

Auch hier würde ich vermuten, daß die Studie recht hat (auch wenn man bei einer Statistik schon sehr aufpassen muß). Für einen Gläubigen Christen ist ein Eid schon eine andere Sache als für einen Nicht-Gläubigen. Das Eheversprechen wird in Gegenwart einer höheren Macht abgegeben, genauso ist mit einem Seitensprung, der niemals nur im Geheimen stattfindet. Theoretisch sollte einen der Glaube auch befähigen, die eigenen dunklen Seiten zu erkennen und daraus die Kraft schöpfen, die dunklen Seiten des anderen zu vergeben.
Insgesamt würde ich den Unterschied schon darin sehen, daß man als Nicht-Gläubiger allein auf seine eigene Kraft angewiesen ist, das Versprechen durchzuhalten und als Gläubiger die Möglichkeit hat, die Hilfe Gottes in Anspruch zu nehmen.
Aber ich möchte auch betonen, daß ich im christlichen Umfeld trotzdem viel zu viele Scheidungen sehe, selbst wenn es statistisch weniger wären als ansonsten.

Gruß
Thomas

Hi Thomas,

Ich denke, die Studie trifft hier tatsächlich auf einen
tieferen Kern. Der Freitod ist in der Regel ein Ausdruck von
Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Unfähigkeit mit jemandem zu
reden.

Aber genau diesen Moment sehe ich bei mir eben nicht. Es gibt eben in meinen Augen nur die Sache, dass es bessere Tage geben wird :smile:

Gerade zu Deinem Beispiel der
Querschnittslähmung gibt es ein Buch (nach einer wahren
Begebenheit), in dem ein Mädchen nach einem Unfall durch den
Glauben wieder neuen Lebensmut erlangte.

Das Beispiel ist aus einer anderen Intention entstanden.
Ich war mal etwas mehr dem Sport verschrieben (um nicht zu sagen 7 Tage die Woche :smile: Tja… und wenn man dann als 18jähriger gewisse berechtigte Träume hat und dann durch die Dussligkeit anderer derer beraubt wird… so weit kam es nicht ganz…
Aber immerhin waren die Träume kaputt…

Nur eben nicht soviel mehr… aber ich weiß eben nicht, ob ich die Stabilität damals gehabt hätte, damit klar zu kommen… querschnittsgelähmt durch Fehlverhalten von anderen und der eigenen Träume beraubt.

Und zur Hochzeit: Für mich ist eine Ehe das, dass man in guten und in schlechten Zeiten zusammenhält. Nur irgendwo ist wiederum auch eine Schmerzgrenze, weil nur einstecken geht dann auch nicht :wink:

Gruß und Danke

Marco

Hallo Marco,

  1. Wie seht ihr die Auswirkung von Glauben auf eine mögliche
    Selbstmordabsicht? Schützt der Glauben hier die Menschen mehr
    vor einem Selbstmord (Freitod) oder ist es eigentlich egal, ob
    man glaubt oder nicht.

Selbstmord wird von (echten) Christen grundsätzlich abgelehnt, insofern ist’s kein Wunder, dass das dort weniger vorkommt.
Meine (kritischen) Ansichten wurden mal wieder bestärkt, als ich einen Film über General Paulus, der bekanntlich die 6. Armee 1942/43 nach Stalingrad und in den Untergang geführt hat. Als Hitler ihm nach der Kapitulation in St.grad den Selbstmord nahelegte, sagte er: „Ich bin Christ! Und der macht keinen Selbstmord!“ So gesehen machen Christen also weniger Selbstmord …
Gruss, Stucki

Hai, Marco

Die Ursache dafür soll angeblich sein, dass man durch den
kirchlichen Glauben wohl so erzogen wird, dass man weiß, dass
es bessere Tage geben wird und man Probleme auch lösen kann.

Ich glaube nicht, daß es sich um den positiven Einfluß der sogenannten christlich-gläubigen Erziehung handelt, der potentielle Selbstmörder von ihrem tun abhält - schließlich gibt es ja diese Drohung mit der ewigen Verdammnis und ich denke, die hat da einfach den stärkeren Einfluß.

Grund hierfür: Man steht sich eben noch mehr in Guten und in
schlechten Zeiten bei, hat eine andere Moraleinstellung und
würde somit z.B. auch einen Seitensprung verzeihen können.

Auch hier steht wieder „Strafe“ im Vordergrund - schließlich ist die Ehe ein Sakrament und „Du sollst nicht Ehe brechen“ ist eins der Gebote - gegen Gebote verstoßen wird mit Hölle nicht unter x Jahren bestraft…
Mal ganz abgesehen davon, daß in katholischen Gegenden mit einer Scheidung das Risiko eingegangen wird, zum sozialen Außenseiter zu werden.
Die Folge davon ist häufig, daß Partner, die sich nicht scheiden lassen, um die Hölle im Nachleben zu vermeiden, sich das Leben hier zur Hölle machen.

Ich möchte hier nicht ausschließen, daß es wirklich Menschen gibt, die in ihrem Glauben Stärke finden, zu überleben oder zu verzeihen, aber die sind nicht so häufig, daß sie ernsthafte Auswirkungen auf Statistiken haben.

Gruß
Sibylle