Auswirkung von Studiengebühren auf Studienqualität

Hallo,

Bei der Einführung der Studiengebühren wurde es als Argument aufgeführt, und im Radio habe ich dieses Argument heute noch einmal gehört:
Durch das Erheben von Studiengebühren würde die Qualität der Studienbedingungen steigen.

Entspricht das euren Erfahrungen an den Unis und FHs?
Ist die Ausstattung besser geworden? Ist das Verhältnis zu den Lehrenden besser geworden?
Und auf der anderen Seite, ist die „Studienmoral“ besser geworden, oder eher gleich geblieben, weil nur noch diejenigen studieren, die die Gebühren sowieso nicht interessiert?

Vielen Dank für Antwort.

Grüsse

Jörg

Hallo Jörg,

meine Erfahrungen bisher:

Entspricht das euren Erfahrungen an den Unis und FHs?

Bei uns kann ich sagen, dass es noch zu früh ist, das zu beurteilen. Im Moment herrscht noch ein wenig Chaos, weil sich das ganze erst noch einspielen muss.

Ist die Ausstattung besser geworden?

Dazu noch etwas: Durch die Fachschaft habe ich einen kleinen Einblick gewonnen, wie das mit den Studiengebühren läuft. Einer der größten Hürden, die sich im Praktischen auftun, ist lustigerweise die Klausel, dass die Mittel nur „zur Verbesserung der Lehre“ eingesetzt werden dürfen. Das heißt, fehlerhafte Mikros im Hörsaal oder zusätzliche Tische im Foyer dürfen mit Studiengebühren nicht bezahlt werden, da dies „Infrastruktur“ ist und nicht unter „Verbesserung der Lehre“ fällt.
Natürlich kommt es wieder ganz auf die Uni an- man kann Sachen schon umdefinieren, so dass sie passen.

Bei uns ist es noch zu früh, als dass man von besserer Ausstattung sprechen kann. Fairerweise muss man auch sagen, dass wir schon sehr gut ausgestattet sind.

Ist das Verhältnis zu den
Lehrenden besser geworden?

Nein, davon kann ich nichts merken. Ganz ehrlich sehe ich auch nicht, wie Studiengebühren direkt das Verhältnis zwischen Prof und Studi verbessern können.

Und auf der anderen Seite, ist die „Studienmoral“ besser
geworden, oder eher gleich geblieben, weil nur noch diejenigen
studieren, die die Gebühren sowieso nicht interessiert?

Das kann ich schlecht beurteilen, wie haben seit einiger Zeit einen starken Anstieg der Studierendenzahlen, was aber eher daran liegt, dass wir jetzt eine „Eliteuni“ sind.
Sonst glaube ich nicht, dass sich bei uns viel ändert, ich denke es gibt nicht viele, die zum Spaß Physik anfangen…

Allgemeines, was du nicht gefragt hast, aber dich vielleicht interessiert:
Die Studiendauer wird sich meiner Meinung nach bei uns an der Uni kaum verringern. Die Studienordnung sorgt jetzt schon dafür, dass man nicht zu lange an der Uni bleiben kann (außer man macht bei jeder Prüfung krank), das Studium aber auch nicht deutlich früher abschließen kann.

Was man bei uns schon merkt, sind Zusatzangebote für die Studenten, die aus Studiengebühren gezahlt werden. Zum Beispiel gibt es in den Ferien jetzt Wiederholungstutorien für die unteren Semester (Prüfungen sind bei uns Mitte/Ende der vorlesungsfreien Zeit). Der Clou: Tutoren (ich war mal einer) sind aus den höheren Semestern, die bezahlt werden und sich somit einen Teil der Studiengebühren zurückarbeiten können. Das System ist zwar noch nicht ganz ausgereift (beim Kellnern hätte ich mehr verdient), aber ich finde es gut.
Es werden auch zusätzliche Tutoren eingestellt, damit die Tutorgruppen kleiner werden und ich glaube, es wird eine extra Beratungsstelle geschaffen.

Wobei man aber auch immer aufpassen muss, dass man der Uni nicht zuviel Arbeit abnimmt, nach dem Motto: Brauchen wir nicht mehr finanzieren, das wird aus Studiengebühren gemacht.

Es tut sich- bei uns- also schon etwas, allerdings merke ich das nicht als Student, sondern als Fachschaftler. Das liegt aber vielleicht daran, dass ich als Diplomand zwar Studiengebühren zahle, aber von den Angeboten nicht profitiere.

Was ich schon vor den Studiengebühren gemerkt habe: Leute, die darauf angewiesen sind, zu arbeiten, fliegen sehr schnell raus. Im Grundstudium hatte ich z.T. 36 Wochensemesterstunden an der Uni. Nochmal soviel muss man für Hausaufgaben, Praktikumsausarbeitungen etc. daheim einplanen. Fahrzeiten zur Uni nicht eingerechnet (bei mir nochmal ca. 2h pro Tag). Den gesamten Lebensunterhalt verdienen ist da nicht drin, mit Studiengebühren ist es noch schlimmer.

Viele Grüße
Kati

Hi

Kurz gesagt: Nö.

Ich habe bisher nichts erleben können was die Existenz von Studiengebühren irgendwie berechtigt hätte.

Die Lehre hat sich nicht verbessert, wie auch, von dem Geld dürfen ja keine neuen Lehrenden eingestellt werden, und DAS ist es was wir bräuchten.

Die Ausstattung gilt auch nicht, auch wenn gemunkelt wird, das Studiengebühren in die neuen Bio- und Medizingebäude fließen, naja.

Eigentlich haben wir Geisteswissenschaftler noch gar nichts von den Gebühren gehabt, bei den Nawis wurden wenigstens neue technische Geräte (für die Forschung) angeschafft.

Wir dagegen bekommen in Studiengang a) eine Kopierkarte, einmalig 999 Kopien (die verdammt schnell weg sind wenn pro Kurs 3-400 Seiten kopiert werden) und in Studiengang b) die Reader umsonst (Reader kosten ca. 8€ und man bekommt sie in 4 Kursen = 32€)
„lohnen“ tut sich da also nichts.

Und Räumlich lässt sich auch nichts machen, wie gesagt bei uns GeWis zerfallen die Gebäude sowieso und neue gibts nicht, nur für Bio und Mediziner (wobei die Bioleute es auch wirklich mal nötig haben deren Gebäude verottet auch so vor sich hin).

Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht wie sich da *irgendwas* verbessern SOLL solange keine neuen Stellen dadurch geschaffen werden, was aber wohl problematisch ist.

Momentan werden die Gebühren kaum benutzt und höchstens zum Verschwinden gebracht, und wenn sie mal frei gegeben sind, ich seh es kommen, wird davon sonstwas gebaut, da Bochum irgendwie eine Baustellenmanie hat.

Aber bestimmt nicht mehr zu meiner Studienzeit.

lg
Kate

Hallo,

erst einmal ein Dankeschön an dich und Kate für eure Antworten.

Bei uns kann ich sagen, dass es noch zu früh ist, das zu
beurteilen. Im Moment herrscht noch ein wenig Chaos, weil sich
das ganze erst noch einspielen muss.

Das habe ich befürchtet, ausser der Hochschulleitung und dem Bildungsministerium wird wohl niemand genaue Zahlen kennen, und die würden eher mit der Linkspartei koalieren als zuzugeben, dass die Studiengebühren nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind und die Nachteile die Vorteile weit überwiegen. Ich habe hier nachgefragt, um evtl. meine Meinung durch Fakten zu revidieren, aber dass ist wohl nicht möglich.

Ist die Ausstattung besser geworden?

Dazu noch etwas: Durch die Fachschaft habe ich einen kleinen
Einblick gewonnen, wie das mit den Studiengebühren läuft.
Einer der größten Hürden, die sich im Praktischen auftun, ist
lustigerweise die Klausel, dass die Mittel nur „zur
Verbesserung der Lehre“ eingesetzt werden dürfen. Das heißt,
fehlerhafte Mikros im Hörsaal oder zusätzliche Tische im Foyer
dürfen mit Studiengebühren nicht bezahlt werden, da dies
„Infrastruktur“ ist und nicht unter „Verbesserung der Lehre“
fällt.

Ja, der alltägliche Wahnsinn der Bürokratie…

Bei uns ist es noch zu früh, als dass man von besserer
Ausstattung sprechen kann. Fairerweise muss man auch sagen,
dass wir schon sehr gut ausgestattet sind.

Das freut mich für dich. An meiner Ex-Uni war die Bibliothek für viele Bereiche nur für Untersuchungen über den wissenschaftlichen Stand der 70er Jahre zu gebrauchen. Sehr unbefriedigend.

Ist das Verhältnis zu den
Lehrenden besser geworden?

Nein, davon kann ich nichts merken. Ganz ehrlich sehe ich auch
nicht, wie Studiengebühren direkt das Verhältnis zwischen Prof
und Studi verbessern können.

Das Argument war, dass bei den Studenten ein Anspruchsdenken entstünde, sie den Prof als Dienstleister und sich selbst als Kunden sehen. Falls dieses Argument stimmen sollte, dauert es aber sicher noch einige Zeit, bis sich in den Köpfen was ändert. Ich selbst war auch vorher sehr zufrieden mit dem Verhältnis zu den Lehrenden.

Allgemeines, was du nicht gefragt hast, aber dich vielleicht
interessiert:
Die Studiendauer wird sich meiner Meinung nach bei uns an der
Uni kaum verringern. Die Studienordnung sorgt jetzt schon
dafür, dass man nicht zu lange an der Uni bleiben kann (außer
man macht bei jeder Prüfung krank), das Studium aber auch
nicht deutlich früher abschließen kann.

Das ist doch eine Auswirkung der Umstellung auf Bachelor und Master, oder?

Was ich schon vor den Studiengebühren gemerkt habe: Leute, die
darauf angewiesen sind, zu arbeiten, fliegen sehr schnell
raus. Im Grundstudium hatte ich z.T. 36 Wochensemesterstunden
an der Uni. Nochmal soviel muss man für Hausaufgaben,
Praktikumsausarbeitungen etc. daheim einplanen. Fahrzeiten zur
Uni nicht eingerechnet (bei mir nochmal ca. 2h pro Tag). Den
gesamten Lebensunterhalt verdienen ist da nicht drin, mit
Studiengebühren ist es noch schlimmer.

Das ist wirklich brutal geworden. Ich selbst habe im Schnitt 16 Stunden die Woche gearbeitet, im Semester selbst weniger als in der vorlesungsfreien Zeit. Es war anstrengend, hat aber auch viel Spaß gemacht, und ich habe viel in der „wirklichen“ Arbeitswelt gelernt.
Im Bachelorsystem hätte ich das wohl nicht gepackt.

Grüsse

Jörg

Hallo,

die einzige Verbesserung, die ich an meiner Uni für mich persönlich bemerkt habe, war, dass die Unibib jetzt nicht mehr um 18 Uhr zu macht, sondern erst um 20 Uhr und auch Samstags geöffnet hat. Die Hiwis, welche die verlängerten Öffnungszeiten abdecken, werden aus Studiengebühren finanziert. Das kommt mir insofern gelegen, da ich derzeit meine Magisterarbeit vorbereite und mir deshalb fast täglich Bücher ausleihe.

Andererseits kann ich sagen, dass wir „Altstudenten“, also die Leute, die noch auf Diplom und Magister studieren, nicht mehr viel von den Studiengebühren haben. Wahrscheinlich wird das Geld überwiegend in den Aufbau der Bachelor- und Masterstudiengänge investiert. Z.B. habe ich bemerkt, dass jetzt viele neue Wiss. Mitarbeiter und Privatdozenten für die Bachelorstudis eingestellt wurden, damit alle Module mit Lehrveranstaltungen abgedeckt werden konnten.

Tanja

Tach,

die einzige Verbesserung, die ich an meiner Uni für mich
persönlich bemerkt habe, war, dass die Unibib jetzt nicht mehr
um 18 Uhr zu macht, sondern erst um 20 Uhr und auch Samstags
geöffnet hat. Die Hiwis, welche die verlängerten
Öffnungszeiten abdecken, werden aus Studiengebühren
finanziert. Das kommt mir insofern gelegen, da ich derzeit
meine Magisterarbeit vorbereite und mir deshalb fast täglich
Bücher ausleihe.

dem kann ich entgegnen, dass unsere Fachbereichsbibliothek komplett geschlossen wird, da keine Aufsichtskraft mehr bezahlt werden kann, Studiengebuehren hin oder her.

Generell kann ich keine Verbesserung erkennen (auch weil kreativerweise die Uni-Finanzierung so ziemlich genau um den erwarteten Gebuehrenbetrag gekuerzt wurde). Die einzige wirkliche Neuerung die ich noch mitbekommen habe, war die Streichung von Tutorenstellen in den Hauptstudiumveranstaltungen wegen kein Geld um sie zu bezahlen, was dazu fuehrt, dass zwar viele Vorlesungen angeboten werden, aber kein ordentlicher Uebungsbetrieb, was fuer die Anerkennung der Veranstaltung fuers Diplom bzw. anrechnung der ETCS-Punkte unerlaesslich ist. Entweder macht dann der Prof selbst die Tutorien, was dann eigentlich meist auf eine zusaetzliche Vorlesung hinauslaeuft, oder es gibt halt Vorlesungen mit ohne Schein (die zwar interessant sind, aber kaum besucht, wer will schon „sinnlos“ Zeit verschwenden), oder es wird getrickst indem die Scheine nach irgendwelchen anderen Kriterien vergeben werden und dann rueckdatiert auf eine Veranstaltung, die vor x Semestern lief und einen Tutor hatte.

Gruss
Paul

Hallo Jörg,

Das ist doch eine Auswirkung der Umstellung auf Bachelor und
Master, oder?

Nein, es wird zwar noch schlimmer durch die Einführung von Bachelor und Master, aber ich studiere auf Diplom und da gibt es auch schon eine entsprechende Studienordnung.

Das ist wirklich brutal geworden. Ich selbst habe im Schnitt
16 Stunden die Woche gearbeitet, im Semester selbst weniger
als in der vorlesungsfreien Zeit.

Das ist bei uns auch ein Problem: Bei uns ist die vorlesungsfreie Zeit wirklich „vorlesungsfrei“ und nicht Ferien, da unsere Prüfungen z.T. in der vorlesungsfreien Zeit stattfindet oder man Praktika o.Ä. an der Uni hat. Nach dem Grundstudium wird es natürlich viel stressfreier, aber bis dahin haben viele schon das Handtuch geschmissen.

Viele Grüße
Kati