Hallo zusammen!
Ich habe mal in Ruhe über die Auswirkungen des 98er Regierungswechsels auf mein Leben nachgedacht. Irgendwie gefällt mir nicht alles so richtig gut. Ich will das hier mal loswerden und bin gespannt auf andere Meinungen zu diesem Thema. Im Vorfeld sollte ich vielleicht dazu sagen, das ich 98 auch für diesen Wechsel gestimmt habe und es mangels Alternativen auch wieder tun würde.
Ich brauche ca. 25 Liter Sprit die Woche nur für die Wege zur Arbeit hin und zurück. Da der Sprit inzwischen dank Mineralölsteuer der alten, Ökosteuer der neuen Regierung und auch Dank dem bescheidenen Dollarkurs ca. 60 Pfennige mehr als vor drei Jahren kostet, hab ich also jede Woche ca. 15 DM Mehraufwand nur für die Arbeitswege (Alles andere ist ja Privatvergnügen und muß nicht sein). Macht im Monat ca. 60 bis 70 DM. Im Jahr sind das dann ca. 720 bis 840 DM. Nach der Steuerreform und Absenkung der Rentenbeiträge bleiben mir Monatlich doch tatsächlich in etwa 80 DM mehr in der Tasche. Also habe ich unterm Strich doch glatt 10DM mehr über, als vor dem Regierungswechsel. Wahnsinn! 120,- im Jahr!
Ich muß noch überlegen, wie ich das am besten Anlege. Ohne das ich auf die übermäßigen Zinsgewinne Steuern löhnen muß, schließlich sind die Freibeträge hier abgesenkt worden.
Jetzt fällt mir aber grade ein, das ja doch nix ist mit Anlegen. Schließlich muß ich ja regelmäßig einkaufen gehen. Und da ich ein Gewohnheitstier bin, kaufe ich seit Jahren jede Woche im Schnitt immer das gleiche ein. Eigenartigerweise zahle ich jetzt für meinen Wocheneinkauf nicht mehr ca. 80,-DM, sondern inzwischen ca. 120,-DM. Irgendwie ist alles ein wenig teurer geworden. Hier die Wurst 50 Pfennig mehr, dort die Eier 30 Pfennig mehr. Ich weiß natürlich, warum das so ist. Natürlich ist ja alles teurer geworden. Unter anderem auch der Transport vom Hersteller über die Zwischenstationen in meinen Supermarkt. Also hat das indirekt auch mit dem Spritpreis zu tun. Die Steigerung der Transportkosten beläuft sich laut Wirtschaftsforschung auf knapp 12%. Ah ja. Also ist mir auch erklärlich, warum die Butter von 1,69 auf 1,99 gestiegen ist. Das sind ja schließlich gerade mal ca. 18%. Anderes Beispiel? Kochschinken. Klingt blöd. Aber: Von 1,79 auf 2,69. Macht eine Steigerung um 50%. So könnte man jetzt die Reihe fortsetzen. Alles dank gestiegener Transportkosten. Und im Himmel ist Jahrmarkt. Wo ist die Leiter? Ich weiß jetzt natürlich sofort, das daran nur die Regierung und die Ökosteuer schuld sein kann. Die Möglichkeit, das man hier durch die Hintertür ein paar Pfennige mehr an Profit rausholt, scheidet natürlich aus.
Auf den Schreck will ich also mal eben in meiner Lieblingskneipe den Frust runterspülen. Und was sagt mir mein Freund der Barmann? Meine Pilsette kostet jetzt 20 Pfennig mehr. Der Lieferant hat die Preise angezogen, wegen Spritpreise und so. Na denn Prost.
Jetzt bleiben mir also von den 10 DM mehr jeden Monat nach Abzug der gestiegenen Lebenshaltungskosten doch echt noch ca. MINUS 150 DM inner Tasche. Also frag ich nicht mehr, wo anlegen sondern eher woher nehmen. Na gut, ich hab ja Dank Tariferhöhungen ca. 50,- DM mehr Netto jeden Monat. Muß mal mit meinem Cheffe wegen ´ner Gehaltserhöhung reden. Aber ich glaub, das kommt nicht so gut. Schließlich stehen draußen reichlich Leute an, die meinen Job gerne für weniger machen täten. Hat er mir mal gesagt. Aber es sind nicht mehr ganz so viele, nur noch knapp 3,7 Mio. Stand jedenfalls in der Zeitung. Obwohl, ich muß sagen, von Aufschwung kann hier kaum die Rede sein. Schließlich hatten wir vor 98 nur weit über 4 Mio Arbeitslose.
Ich will ja nicht immer nur meckern. Und ich will auch bestimmt nicht die schwarze Regierung zurück. Die haben nämlich meine Taschen auch nicht gefüllt. Die einzigen Taschen, die die gefüllt haben, waren doch die eigenen. Und langfristig gesehen, krieg ich bestimmt in ein paar Jahren unterm Strich ein bisserl mehr raus als früher. Aber ich frage mich ehrlich, warum ich ständig nur arbeiten darf und trotzdem nie so richtig zufrieden sein kann. Es kann eigentlich doch nicht sein, das ich mehr als die Hälfte des Jahres nur für Staat und Sozialabgaben arbeiten gehe.
Ich finde es nur eigenartig, das die Großen Konzerne, sei es Mineralölbranche oder Handelsgiganten, immer mehr Gewinn schreiben. Wo es ihnen doch unter der neuen Regierung sooo schlecht geht. Vielleicht sollte man auch hier mal ein wenig differenzieren. Nicht alles, was von der neuen Regierung verzapft wurde, ist toll. Aber so schlecht, wie es jetzt überall dargestellt wird, ist es auch wieder nicht.
Ich hätte da so meine Vorschläge, damit auch die Arbeitnehmer mal wieder mehr in der Tasche haben.
Erstens: Abschaffung Staatlicher Zwangsversicherung wie z.Bsp. Rente und Krankenversicherung. Stattdessen Private Versicherungspflicht, meinetwegen auch unter staatlicher Hoheit. Wenn die Finanzen vernünftig angelegt werden, haben wir auch keine Probleme mehr mit der Rentenkasse.
Zweitens: Einheitliche Steuersätze ohne Abschreibungsmöglichkeiten für Vielverdiener und Großkonzerne. Arbeit und Gewinne sollten sich gleichermaßen lohnen. Beipielsweise pauschal 25% auf jede verdiente Mark. Also auf das, was vom Brutto nach Abzug der Arbeitsbedingten Kosten über bleibt. Das wäre fair, weil jeder entsprechend seinem Einkommen mehr oder weniger zahlen müßte. Jetzt ist es doch so, das der Durchschnittsarbeitnehmer seine Steuern abdrückt. Und die Großverdiener nutzen zahlreiche Abschreibungsmodelle und zahlen unterm Strich zu Teil gar nix. Das kann es m.E. nicht sein.
So long.
Der Dicke MD.

