Auswirkungen fixer Wechselkurse

Hallo Allerseits,

Lese gerade einen Wirtschaftsartikel im Spiegel und scheitere ein bisschen am Verstaendniss. Dort wird erklaert, dass China und Saudi Arabien in den letzten Jahren mehr Geld in die Maerkte pumpen mussten, und zwar mit der Begruendung, dass ihre Waehrungssysteme fix an den Dollar gekoppelt sind. Nachdem der Dollar stark verloren hat mussten die Laender mehr Dollar zukaufen um den fixen Wechselkurs aufrechtzuerhalten, und fuer diese Zukaeufe brauchten sie das zuvor erwaehnte Geld.

Soweit ich die Sache verstehe braucht ein Land Devisen in Fremdwaehrung um den Wechselkurs der eigenen Waehrung stuetzen und beeinflussen zu koennen. Dadurch koennen sie selbst einen Wechselkurs festlegen und privatwirtschaftliche Wechsler werden sich mehr oder weniger danach richten weil wenn sie weniger geben, wird niemand bei ihnen kaufen, und wenn sie eklatant mehr geben wuerden waeren sie dumm. Stimmt das soweit?

Warum braucht jetzt aber ein Land wie China oder Saudi Arabien mehr Dollar-Reserven wenn der Dollar faellt und sie aber ihre Waehrung mitfallen lassen? Ich koennte mir nur vorstellen, dass sie mehr Dollar brauchen wuerden, wenn der Dollar faellt und sie aber den Wert ihrer Waehrung erhalten wollen.

Kann mir das vielleicht jemand erklaeren? :smile:

Danke und schoene Gruesse, Robert

Hallo Allerseits,

Lese gerade einen Wirtschaftsartikel im Spiegel und scheitere
ein bisschen am Verstaendniss. Dort wird erklaert, dass China
und Saudi Arabien in den letzten Jahren mehr Geld in die
Maerkte pumpen mussten, und zwar mit der Begruendung, dass
ihre Waehrungssysteme fix an den Dollar gekoppelt sind.
Nachdem der Dollar stark verloren hat mussten die Laender mehr
Dollar zukaufen um den fixen Wechselkurs aufrechtzuerhalten,
und fuer diese Zukaeufe brauchten sie das zuvor erwaehnte
Geld.

Soweit ich die Sache verstehe braucht ein Land Devisen in
Fremdwaehrung um den Wechselkurs der eigenen Waehrung stuetzen
und beeinflussen zu koennen. Dadurch koennen sie selbst einen
Wechselkurs festlegen und privatwirtschaftliche Wechsler
werden sich mehr oder weniger danach richten weil wenn sie
weniger geben, wird niemand bei ihnen kaufen, und wenn sie
eklatant mehr geben wuerden waeren sie dumm. Stimmt das
soweit?

Warum braucht jetzt aber ein Land wie China oder Saudi Arabien
mehr Dollar-Reserven wenn der Dollar faellt und sie aber ihre
Waehrung mitfallen lassen? Ich koennte mir nur vorstellen,
dass sie mehr Dollar brauchen wuerden, wenn der Dollar faellt
und sie aber den Wert ihrer Waehrung erhalten wollen.

Im Prinzip nicht falsch gedacht. Aber man will ja eben nicht den Wert, sondern den Wechselkurs halten. Man will in dieser Konstellation gerade den Wert der eigenen Währung auf das gesunkene Niveau der anderen bringen.

Kann mir das vielleicht jemand erklaeren? :smile:

Danke und schoene Gruesse, Robert

Hi,

ich versuche es mal anhand eines stark vereinfachten Rechenbeispiel zu erklären.

Land C will einen fixen Wecheselkurs zur Währung von Land U.

Angenommen dieser Kurs soll 10C - 1 U sein.

Nun verliert die Währung U an Wert (Abwertung). Ein neuer realistischer Kurs wäre jetzt vielleicht 10C - 1,1U.

Sowas kann immer mal vorkommen und ist ganz normal. So wie Preise von Gütern schwanken, schwanken auch Wechselkurse, die letztlich auch nichts anderes als Preise für Währungen in einer anderen Währung darstellen. In einem unregulierten Markt schwankt es also immer mal. Fixe Wechselkurse sind jedoch nicht per Gesetz oder Verordnung zu erzwingen (jedenfalls nicht nach außßen). Sie sind lediglich eine politische Wunschvorstellung (wieso und warum sei mal nebensächlich). Wenn also C jetzt wieder den alten (fixen) Kurs herstellen will, dann muss es die Ware, die niemand will, aufkaufen. In diesem Fall ist dies die Währung U. Dadurch steigt einerseits das Angebot von C und die Nachfrage nach U. Idealerweise pendelt sich so wieder der alte und damit gewünschte Kurs ein (natürlich mit gewissen Schwankungen und nicht von jetzt auf gleich). Eine solche Politik muss nicht langfristig gutgehen und kann auch verherrende Wirkungen auf die eigene Volkswirtschaft haben.

Na ich hoffe, dass ist von der Systematik her halbwegs verständlich. Ob das Ganze in dieser Art und Weise Sinn macht, steht auf einem anderen Blatt.

MfG

Hallo,

Du hast Recht, wenn Du Dich wunderst, warum ein Land Devisen braucht, wenn die Ankerwährung fällt. Der Zusammenhang ist unklar. Warum soll ein fallender US-$ Auswirkungen auf Saudi-Arabien oder China haben?

Generell kommt es bei diesen Fragen (Veränderung der Devisen) auf die Inflation an. Ein fixer Wechselkurs funktioniert nur, wenn die Inflation in beiden Ländern gleich hoch ist (es gibt noch andere Fälle wie z.B. Venezuela, wo der fixe Wechselkurs durch eine Devisenkontrollen durchgesetzt wird. Das vernachlässige ich im folgenden). Wir nehmen vereinfachend an, dass die USA für 100 US-$ exportieren und dafür Waren im Wert von 25 Rials importieren. Entsprechen also 100 US-$ dann 25 Saudi Rials (und damit ist die Handelsbilanz ausgeglichen), so wäre bei Inflation in Höhe von 10 in den USA und 20 in Saudi-Arabien das Verhältnis ein Jahr später 110 US-$ = 30 Saudi Rials. Das bedeutet umgerechnet ein Verhältnis von 100 US-$ zu 27 Saudi Rials. Der Dollar wertet nominal auf, es können mehr Rials damit gekauft werden als vorher (auch wenn sich die Kaufkraft vielleicht nicht geändert hat). Also muss die Inflation in beiden Ländern identisch sein, um den Wechselkurs nominal zu fixieren.

Wie ist das mit der Inflation in den USA? Wenn der US-$ gegenüber anderen Währungen fällt, dann erhöht das die Inflation in den USA. Alle Importe werden teurer, denn kurzfristig können sie nicht durch eigene Produktion ersetzt werden. Das gilt insbesondere für Rohstoffe wie Erdöl, die erstmal nicht ersetzt werden können. Die Inflation in den USA steigt. Damit der Wechselkurs fix gehalten werden kann, muss auch die Inflation in Saudi-Arabien steigen. Also erhöht die Zentralbank in Saudi-Arabien die Geldmenge. Im einfachsten Fall druckt sie neues Geld, sie kann aber auch Staatsanleihen (in Rials denominiert) aufkaufen und damit Rials in den Markt geben, oder einfach Devisen verkaufen. Sollte sie Dollar verkaufen, so würde das die Inflation in den USA weiter anheizen und zu einer kumulativen Kette führen.

Die Saudis haben zudem das Problem, dass sie mehr mit Europa als mit den USA handeln. Sie sollten ihre Währung an den Euro koppeln, um Schwankungen gegenüber dieser Währung zu minimieren. Stabile Wechselkurse sind wichtig, aber nur wenn auch viel gehandelt wird. Solche Überlegungen kursieren wohl schon, aber es ist müßig, hier zu raten, ob und wann es eine Umstellung der Ankerwährung geben wird. Zudem verlieren die Dollarreserven ja bei jeder Abwertung einen Teil ihres ursprünglichen Wertes.

Wie der fixe Wechselkurs durch den Aufkauf von US-$ gestützt werden soll, weiß ich auch nicht. Theoretisch wäre denkbar, dass die saudische Zentralbank den Inländern Dollars abkauft und Rials dafür herausgibt, aber dies klingt doch etwas unwahrscheinlich. Gibt es den Spiegel-Artikel im Netz zu lesen?

Gruss,
Dirk

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Dirk,

Danke fuer deine Antwort und die detaillierten Ausfuehrungen. :smile:

Den Spiegelartikel gibt es unter http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/71/71/dokum…. Die betreffenden Absaetze sind der fuenfte von unten und die zwei Folgeabsaetze.

Schoene Gruesse, Robert

Hallo ElBuffo,

Das heisst um mit ihren Aufkaeufen von Dollars Erfolg zu haben muessten die Drittlaender wirklich soviel kaufen, dass der Dollarkurs merkbar gestuetzt wird. Hoert sich ziemlich muessig an. Aber sowohl in den beiden Antworten hier als auch in dem Artikel wird die Vorgehensweise negativ beurteilt.

Warum liest der saudische Finanzminister nur keinen Spiegel bzw. wer-weiss-was? :wink:

Den Artikel gibts uebrigens auch online unter http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/71/71/dokum….

Schoene Gruesse, Robert

Hallo,

ich zitiere mal die Passagen aus dem Spiegel:

„Ursache dafür ist das Währungssystem dieser Länder. Sie haben Renminbi oder Rial mit einem stabilen Wechselkurs einseitig an den Dollar gekoppelt. Der Schwächeanfall der US-Währung zwingt sie dazu, massenhaft Dollar aufzukaufen, um den Festkurs aufrechtzuerhalten. Das aber bringt viel mehr heimisches Geld in Umlauf, als angemessen wäre.“

Ich bleibe dabei: ein sinkender US-Dollar ist für sich noch kein Grund, diesen „massenhaft aufzukaufen, um den Festkurs aufrechtzuerhalten.“ Eine Ausweitung der eigenen Geldmenge wäre die normale Reaktion einer Zentralbank auf das Szenario. Bei optimaler Durchführung führt dies zu einem Ausgleich des Inflationsgefälles und auch des Außenwertes: durch die Ausweitung der inländischen Geldmenge wird Inflation erzeugt, und diese lässt auch den Außenwert verfallen.

Nebenbei würde ein massenhafter US-$ Aufkauf zu einer Verteuerung desselben beitragen. Dies konnten wir in letzter Zeit aber nicht beobachten.

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