Hallo Rainer,
dieses:
- Definition Globalisierung
- Bedeutung Globalisierung auf Landwirtschaft
- Bedeutung Globalisierung auf deutsche Landwirtschaft
- welche Teile sind betroffen
- EU- Agrarpolitik
- Abschluss: Marktanpassung bayerischer Betriebe
sieht im Grundsatz - finde ich - gut aus, aber es gibt Schwierigkeiten mit einem Aspekt: Trotz erheblicher Anstrengungen innerhalb der vergangenen 25 Jahre, von der ca. 1955 - 1980 so gut wie hermetischen Abschottung der Europäischen Agrarmärkte wegzukommen, ohne den betroffenen Landwirten zu sehr weh zu tun, gibt es immer noch für fast alle Agrarprodukte in Europa keine unmittelbare Verbindung mit dem Weltmarkt: Wenn heute eine große Zahl landwirtschaftlicher Betriebe in Existenznot gerät, dann ist das die Folge einer mehr oder weniger behutsamen Annäherung der Preise für landwirtschaftliche Produkte innerhalb der EU an Weltmarktpreise, aber abgesehen von Hopfen (keine Marktordnung, keine Preisstützung, keine Kontingentierung, hervorragend lager- und transportfähig) fällt mir jetzt unmittelbar kein Produkt ein, dessen EU-Markt unmittelbar Weltmarktbedingungen exponiert wäre. Jagut, bei Sonderkulturen (Obst, Gemüse, Tabak) insgesamt und bei Fisch (Stichwort: Aquakultur) hält sich die Reglementierung ziemlich in Grenzen, und man kann innerhalb der EU wenigstens ahnen, wo der Weltmarkt ist.
Aber betreffend (vor allem) Zuckerrüben, aber auch Getreide, Kartoffeln, Schweinefleisch, Rindfleisch, Milch und Milchprodukte ist - auch wenn es sich für die Landwirte nicht so anfühlt - die EU eine immer noch ziemlich gut abgeschottete Insel der Glückseligen. Daß man ausgerechnet von z.B. Ochsenfurt aus einen sichtbaren Beitrag zur Armut in der Karibik leistet, indem man den Weltmarkt mit hoch subventioniertem und erst dadurch billigem Zucker zuschüttet, ist sicherlich auch ein Aspekt des Rahmenthemas „Globalisierung“.
Oder würdest du alles einbauen?
Man ja nich, das wird viel zu viel!
Denkbar wäre eventuell ein ganz anderes Konzept, ungefähr so: „Schutzzoll-, Autarkie- und Interventionspolitik auf Agrarmärkten in Deutschland als Beispiel für die politisch motivierte Isolierung von Märkten vom Weltmarkt“ - Bei allen heutigen Vorschlägen, vom Konzept des weltweiten Freihandels abzugehen, wenn dieses Konzept unerwünschte Folgen nach sich zieht, erstaunt es mich immer wieder, wie wenig dabei auf das bereits bestehende Modell „Europäische Landwirtschaft“ eingegangen wird, das sich vor allem durch seine dramatische Erfolglosigkeit, gepaart mit unschönen externen Effekten, auszeichnet.
Ich bin selber schon seit langer Zeit aus dem Geschäft draußen, und was sich da innerhalb der letzten 20 Jahre glücklich auch in Europa bewegt hat, hab ich nicht detailliert im Blick. Ich schlage Dir aber vor, mal bei der FAL in Braunschweig anzurufen und zu versuchen, ob Du nicht zu Prof. Folkhard Isermeyer durchdringen kannst. Das ist heute einer der Spezialisten in D für das Thema „Weltmärkte, EU-Marktpolitik und Strukturwandel in der Landwirtschaft“, aber wenn er sich in den genannten 20 Jahren nicht gänzlich geändert hat, keineswegs ein Prof, der sich als Halbgott geriert, sondern jemand, der erstmal für jede ernst gemeinte Frage eine Antwort übrig hat.
– Noch eine andere Möglichkeit wäre, die Untersuchung auf Länder auszurichten, die hinsichtlich Landwirtschaft keine Marktlenkung mehr betreiben können; das sind eigentlich bloß diejenigen, die auf Gedeih und Verderb die liberale Rosskur so durchziehen müssen, wie sie ihnen vom IWF verordnet wird, weil sie von letzterem gänzlich abhängig sind. Solchermaßen liberale Musterländer wider Willen finden sich vornehmlich in Mittel- und Südamerika und in Afrika. Bei einem solchen Projekt wäre allerdings bereits die Quellenbeschaffung richtig Arbeit.
Schöne Grüße
MM