Auswirkungen Globalisierung auf die Landwirtschaft

Hallo,

ich beschäftige mich in meiner Facharbeit (Gymnasium, K13) mit dem Thema „Auswirkungen der Globalisierung auf die Landwirtschaft“. Quellen habe ich nun im Internet und aus 4 passenden Schriften massig angesammelt. Probleme habe ich noch mit der Gliederung und wie ich die Facharbeit grob aufteilen kann. Hat da jemand von Ihnen, der sich mit dem Thema auskennt, Ahnung?

Vielen Dank!

Servus Rainer,

mit den beiden Teilbereichen Strukturwandel in der westdeutschen Landwirtschaft, Autarkiepolitik seit ca. 1870 (Stichwort: Caprivi), Projekte zur Landreform und Aufsiedlung von Großgrundbesitz in den zwei Nachkriegsperioden, ldw. Marktordnungen in Europa seit ca. 1950 und ordnungspolitische Maßnahmen insbesondere von Entwicklungsländern zur Förderung der Industrialisierung hab ich mich ein paar Semester lang beschäftigt.

Das durchzugliedern, würde den Bildschirm bei weitem sprengen und am Ende gar den www-Server in die Knie zwingen.

Gibst Du bitte grobe Anhaltspunkte, auf welchen historischen Zeitraum und auf welche Aspekte (Preise, Ernährungssituation, Marktvolumina, Beschäftigungssituation, Einkommenssituation, Stukturwandel, Selbstversorgungsgrad, ökologische Aspekte, externe Effekte etc.) sich Dein bisher vorliegendes Material und Deine geplante Untersuchung bezieht?

Dann kriegen wirs vielleicht gebacken…

Schöne Grüße

MM

Servus Michael,

danke für deine Antwort. Also meine Facharbeit sollte schon was mit der aktuellen Situation zu tun haben, ist ja im Fach Wirtschaft. Meine Quellen gehen eigentlich in alle Richtungen, nur ich hab keinen Plan, wie ich das alles gliedern soll.
Ich wäre auch bereit, wenn du meinst es wäre besser, in einen Teilbereich von dir einzuarbeiten, es müsste aber auf jeden Fall was mit *Globalisierung* zu tun haben, weil das ist ja das Thema (ist fix). Ganz glücklich bin ich mit meinen derzeitigen Quellen, die sich hauptsächlich mit dem steigenden Maß an Bürokratie und der allgemeinen Liberalisierung des Welthandels. Ich hab jetzt eigentlich auch nur mal Quellen gesammelt, ein Konzept hab ich leider noch nicht so recht.

Eigentlich war es so geplant:

  • Definition Globalisierung
  • Bedeutung Globalisierung auf Landwirtschaft
  • Bedeutung Globalisierung auf deutsche Landwirtschaft
  • welche Teile sind betroffen
  • EU- Agrarpolitik
  • Abschluss: Marktanpassung bayerischer Betriebe

Ich baue aber gerne noch von dir genannte Aspekte ein, müsste dazu aber wissen, welche der genannten Themen von der Globalisierung stark betroffen sind?! Oder würdest du alles einbauen? Oder hast du (wo du ja richtig Ahnung vom Thema hast) ne bessere Idee wie ich die Facharbeit ausrichten kann. Sie soll mit ordentlichen Zeilenabständen und dickem Rand nur 20-40 Seiten lang sein sei noch gesagt.

Vielen Dank für deine Hilfe.

Schöne Grüße

Hallo Rainer,

dieses:

  • Definition Globalisierung
  • Bedeutung Globalisierung auf Landwirtschaft
  • Bedeutung Globalisierung auf deutsche Landwirtschaft
  • welche Teile sind betroffen
  • EU- Agrarpolitik
  • Abschluss: Marktanpassung bayerischer Betriebe

sieht im Grundsatz - finde ich - gut aus, aber es gibt Schwierigkeiten mit einem Aspekt: Trotz erheblicher Anstrengungen innerhalb der vergangenen 25 Jahre, von der ca. 1955 - 1980 so gut wie hermetischen Abschottung der Europäischen Agrarmärkte wegzukommen, ohne den betroffenen Landwirten zu sehr weh zu tun, gibt es immer noch für fast alle Agrarprodukte in Europa keine unmittelbare Verbindung mit dem Weltmarkt: Wenn heute eine große Zahl landwirtschaftlicher Betriebe in Existenznot gerät, dann ist das die Folge einer mehr oder weniger behutsamen Annäherung der Preise für landwirtschaftliche Produkte innerhalb der EU an Weltmarktpreise, aber abgesehen von Hopfen (keine Marktordnung, keine Preisstützung, keine Kontingentierung, hervorragend lager- und transportfähig) fällt mir jetzt unmittelbar kein Produkt ein, dessen EU-Markt unmittelbar Weltmarktbedingungen exponiert wäre. Jagut, bei Sonderkulturen (Obst, Gemüse, Tabak) insgesamt und bei Fisch (Stichwort: Aquakultur) hält sich die Reglementierung ziemlich in Grenzen, und man kann innerhalb der EU wenigstens ahnen, wo der Weltmarkt ist.

Aber betreffend (vor allem) Zuckerrüben, aber auch Getreide, Kartoffeln, Schweinefleisch, Rindfleisch, Milch und Milchprodukte ist - auch wenn es sich für die Landwirte nicht so anfühlt - die EU eine immer noch ziemlich gut abgeschottete Insel der Glückseligen. Daß man ausgerechnet von z.B. Ochsenfurt aus einen sichtbaren Beitrag zur Armut in der Karibik leistet, indem man den Weltmarkt mit hoch subventioniertem und erst dadurch billigem Zucker zuschüttet, ist sicherlich auch ein Aspekt des Rahmenthemas „Globalisierung“.

Oder würdest du alles einbauen?

Man ja nich, das wird viel zu viel!

Denkbar wäre eventuell ein ganz anderes Konzept, ungefähr so: „Schutzzoll-, Autarkie- und Interventionspolitik auf Agrarmärkten in Deutschland als Beispiel für die politisch motivierte Isolierung von Märkten vom Weltmarkt“ - Bei allen heutigen Vorschlägen, vom Konzept des weltweiten Freihandels abzugehen, wenn dieses Konzept unerwünschte Folgen nach sich zieht, erstaunt es mich immer wieder, wie wenig dabei auf das bereits bestehende Modell „Europäische Landwirtschaft“ eingegangen wird, das sich vor allem durch seine dramatische Erfolglosigkeit, gepaart mit unschönen externen Effekten, auszeichnet.

Ich bin selber schon seit langer Zeit aus dem Geschäft draußen, und was sich da innerhalb der letzten 20 Jahre glücklich auch in Europa bewegt hat, hab ich nicht detailliert im Blick. Ich schlage Dir aber vor, mal bei der FAL in Braunschweig anzurufen und zu versuchen, ob Du nicht zu Prof. Folkhard Isermeyer durchdringen kannst. Das ist heute einer der Spezialisten in D für das Thema „Weltmärkte, EU-Marktpolitik und Strukturwandel in der Landwirtschaft“, aber wenn er sich in den genannten 20 Jahren nicht gänzlich geändert hat, keineswegs ein Prof, der sich als Halbgott geriert, sondern jemand, der erstmal für jede ernst gemeinte Frage eine Antwort übrig hat.

– Noch eine andere Möglichkeit wäre, die Untersuchung auf Länder auszurichten, die hinsichtlich Landwirtschaft keine Marktlenkung mehr betreiben können; das sind eigentlich bloß diejenigen, die auf Gedeih und Verderb die liberale Rosskur so durchziehen müssen, wie sie ihnen vom IWF verordnet wird, weil sie von letzterem gänzlich abhängig sind. Solchermaßen liberale Musterländer wider Willen finden sich vornehmlich in Mittel- und Südamerika und in Afrika. Bei einem solchen Projekt wäre allerdings bereits die Quellenbeschaffung richtig Arbeit.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin,

danke für deine Ausführungen, sie haben mir wieder ein wenig mehr Einblick in das Ganze gegeben.
Demnach ist das Thema „Auswirkungen der Globalisierung auf die Landwirtschaft“ ungeeignet, richtig?!
Auf solche LW-Exoten wie Obst, Gemüse oder Tabak wollte ich eigentlich nicht detailiert eingehen, weil ich davon eigentlich keine Ahnung habe.

Dann hätte ich eigentlich nur 2 Möglichkeiten:

  • entweder mich auf die Entwicklungsländer beziehen und am Thema festzuhalten (ungern)
  • oder das Thema wie von dir vorgeschlagen umzudrehen in „Isolierung der deutschen Landwirtschaft von der Globalisierung“ (mal nicht so schön formuliert, ich hoffe mal ich könnte das noch ändern)

Eigentlich laufen meine Quellen eh schon auf die Anti- Globalisierung hinaus. Denkst du, dass es mit diesem Thema möglich ist eine anständige Facharbeit auf die Beine zu stellen? Wie würdest du das dann gliedern bzw. auf was würdest du alles eingehen?

Sorry für meine Fragen, aber ich habe halt (noch) recht wenig Ahnung von der Materie und bei Gliederungen tu ich mich eh immer schwer.

Vielen, vielen Dank.

Schöne Grüße.

Hallo Martin,

danke für deine Ausführungen, sie haben mir wieder ein wenig
mehr Einblick in das Ganze gegeben.
Demnach ist das Thema „Auswirkungen der Globalisierung auf die
Landwirtschaft“ ungeeignet, richtig?!

Hallo Rainer,

m. E. nach ist das Thema geeignet. Ein weiterer Aspekt, den Du ergänzend ggf. einbringen kannst, ist: Durch die Globalisierung wird in Europa zunehmend deutlich, dass es alles andere als die Landwirtschaft (LW) ist, mit denen sich die EU-Länder zukonftsfähig entwickeln können. Dies ist an sich nichts neues, da bereits seit 10 Jahren bekannt ist, dass zB in Deutschland der LW-Anteil am BIP unter 1,5 % liegt. Nun wird aber heute deutlich, dass die ewigen Megasubventionen noch stärker abgebaut werden müssen, um voran zukommen. (Das Mitleidstränendrücken der fahnenschwingenden Eifelbauern wird hoffentlich bald zu Ende sein.) Außerdem ist ein bislang enormes Argument der LW-Lobby entfallen: Besondere Imponerabilien in der LW (Wetter-/Klimaabhängigkeit etc.) Denn in der Globalisierung kommen breite Bevölkerungsschichten hinzu, die auch ganz heftigen, neuen Imponderabilien ausgesetzt werden (zB Generation Praktikum).

MFG

Oliver

Servus Rainer,

es gibt noch zwei Aspekte, die ich ganz reizvoll fände:

(1) drei zeitlich parallele, aber mit unterschiedlichen Mitteln verfolgte Systeme von agrarpolitischen Maßnahmen zu vergleichen. Das führt ein wenig vom Thema „Landwirtschaft und Weltmarkt“ weg, aber an dieser Front befindet sich die europäische Landwirtschaft halt nicht, wie beschrieben. Die drei unterschiedlichen Systeme sind Deutschland/EU, Österreich vor dem EU-Anschluss, Schweiz. Die EU ist dabei traditionell am stärksten in Richtung Preisreglementierung ausgerichtet, CH und früher auch Österreich zahl(t)en mehr unmittelbare und von der Produktion unabhängige Subventionen: In der CH starkt dominiert vom Gedanken „Alpenschutz“, wie auch die dortige Verkehrspolitik. In A (vor EU) stark dominiert von dem Konzept, politisch wünschenswerte externe Effekte zu subventionieren. Unmittelbar nach dem Anschluss standen die deutschen Märkte plötzlich unter einem erheblichen Druck von Bio-Ware aus Österreich, die vorher in D als rationell und flächendeckend gar nicht produzierbar galt. Der Apfelsaft von Pfanner konnte sich zwar nicht durchsetzen, aber er hat allerhand Fettsteiße ganz schön in Bewegung gebracht…

(2) und ich glaube, hier wirds interessant: Der Hl. Weltmarkt für Agrarprodukte ist eine höchst artifizielle Veranstaltung, weil er in vielen Bereichen dominiert ist von Anbietern aus Ländern, die seit Generationen mit allen möglichen Mitteln an ihrer Landwirtschaft herummurksen, incl. der Prediger des Hl. Freihandels USA, die es in dieser Hinsicht mit der eigenen Landwirtschaft nicht besonders genau nehmen. Es stoßen EU, USA, Kanada mit einem durch agrarpolitische Eingriffe gänzlich verzerrten Angebot (wie das mit Australien und dem Mekka aller Neoliberalen Neuseeland aussieht, hab ich aus den Augen verloren) auf Mitbewerber, denen nicht bloß jeglicher politische Eingriff im eigenen Land untersagt ist, sondern die sich auch gegen die Dumpingangebote aus den genannten Ländern nicht wehren dürfen und die im Gegenzug mit ihren eigenen Produkten vor Barrieren von Schutz- und Prohibitivzöllen stehen. Die Weltmarktpreise für Weizen, Zucker, Rinderhälften, Schweinehälften, Magermilchpulver sind Preise, die nichts mit der Faktorenproduktivität, Knappheitsverhältnissen etc. in den Hauptanbieterländern zu tun haben - Ländern, die ihrerseits jedoch alles dafür tun, den „frei“ anbietenden Mitbewerbern keinen Zugang zu ihren eigenen Märkten zu ermöglichen.

Schöne Grüße

MM