Autarkie?

Huhu,

hoffentlich hab ich mich nicht ins falsche Brett verirrt…wüsste gerne, inwieweit es möglich ist, sich (in Deutschland, oder zumindest in Europa) selbst zu versorgen. Und zwar mit Dach überm Kopf und erträglichem Lebensstandard, und dauerhaft.
(Ich plane das nicht, hatte nur letztens eine Diskussion darüber, ob es geht oder nicht.)

Wenn man von einem gewissen Anfangsbudget ausgeht, ist es doch zumindest möglich, ein Haus zu bauen, das sich selbst mit Strom und Wärme versorgt, gell?
Und mit einem anständig großen Grundstück wo Kühe/Ziegen, Hühner, zwei bis drei Pferde, Getreide und ein großer Obst- und Gemüsegarten Platz haben, dürfte man als Vegetarier eigentlich auch genug zu essen haben.
Aber dann finde ich, wird’s schwer. Wieviele Schafe braucht man wohl, um sich seine kompletten Klamotten selbst zu stricken (und will man überhaupt Schafwoll-Unterhosen tragen?) Und was braucht man, um sich seine Seife selbst zu sieden? Wie kommt man an Dinge wie Salz, und braucht man die unbedingt?
Also dass man sich sein Haus noch mit Konsumwaren einrichtet und entsprechende landwirtschaftliche Geräte kauft, lasse ich noch gelten. Aber wenn die Grundausstattung da ist, kann man sich dann alles selber machen was man braucht, ohne ständig fast zu verhungern?
Einen Brunnen bräuchte man wohl auch noch.
Und kann man diese ganzen Tiere, die man bräuchte, überhaupt von dem, was man dann so hat, miternähren?

Fragen über Fragen, geht’s oder geht’s nicht?

Viele Grüße
Sonja

Huhu,

hoffentlich hab ich mich nicht ins falsche Brett
verirrt…wüsste gerne, inwieweit es möglich ist, sich (in
Deutschland, oder zumindest in Europa) selbst zu versorgen.
Und zwar mit Dach überm Kopf und erträglichem Lebensstandard,
und dauerhaft.
(Ich plane das nicht, hatte nur letztens eine Diskussion
darüber, ob es geht oder nicht.)

Wenn man von einem gewissen Anfangsbudget ausgeht, ist es doch
zumindest möglich, ein Haus zu bauen, das sich selbst mit
Strom und Wärme versorgt, gell?

ja. hatte letztens erst irgendwo n bericht gelesen über möglichkeiten von passiv-häusern. die hatten da nur einen gigantischen Wasserspeicher drin.
muss eben reichen.

Und mit einem anständig großen Grundstück wo Kühe/Ziegen,
Hühner, zwei bis drei Pferde, Getreide und ein großer Obst-
und Gemüsegarten Platz haben, dürfte man als Vegetarier
eigentlich auch genug zu essen haben.

ja. Frage ist nur, wie du „groß“ definierst. und wie sicher ist das? (verhagelte ernte, vertrocknetes Obst, weil kein regen oder so?)

Aber dann finde ich, wird’s schwer. Wieviele Schafe braucht
man wohl, um sich seine kompletten Klamotten selbst zu
stricken (und will man überhaupt Schafwoll-Unterhosen tragen?)

tjo - ausprobieren ^^
nee, weiß nicht. mal n Schäfer fragen, wieviel verwertbare wolle so ein Schaf pro Jahr hergibt. das weiß hier bestimmt auch einer :smile:
ansonsten kannst ja Flachs anbauen. das spart das Schaf auf der Weide.

Und was braucht man, um sich seine Seife selbst zu sieden?

Da reicht das Hausschwein oder das Rind von der Weide.

Wie kommt man an Dinge wie Salz, und braucht man die unbedingt?

Ich würd schon sagen, dass man Salz braucht. Elektrolythaushalt und so. Aber vllt liegt dein gedachtes Haus auch günstig an einem Salzvorkommen? :smile:

Also dass man sich sein Haus noch mit Konsumwaren einrichtet
und entsprechende landwirtschaftliche Geräte kauft, lasse ich
noch gelten. Aber wenn die Grundausstattung da ist, kann man
sich dann alles selber machen was man braucht, ohne ständig
fast zu verhungern?

nein. also „nein“ wegen „alles“ und „ständig“ und „ohne zu verhungern“.
Irgendwas passiert immer. was weiß ich - Kornspeicher fackelt ab… oder die Schafe krepieren alle durch Hagelkörner groß wie Straußeneier ^^
aber wenn du die „Sicherheit“ herausnimmst, sag ich: ja, es ist möglich

Einen Brunnen bräuchte man wohl auch noch.

Wasser ist ganz praktisch. vor allem dann, wenns mal nicht regnet :wink:

Und kann man diese ganzen Tiere, die man bräuchte, überhaupt
von dem, was man dann so hat, miternähren?

Na was heisst „miternähren“? Fütterst du deine Schafe mit Brot? Oder isst du denen das Gras weg? :->

Fragen über Fragen, geht’s oder geht’s nicht?

ich sag ja. es geht.
Grundstück müsste nur groß genug sein.

Hallo Sonja!

…inwieweit es möglich ist, sich (in
Deutschland, oder zumindest in Europa) selbst zu versorgen.
Und zwar mit Dach überm Kopf und erträglichem Lebensstandard,
und dauerhaft.

Die Selbstversorgung ist möglich und es ist noch gar nicht so lange her, als sie hierzulande noch gab. Gehe ein halbes Jahrhundert zurück und Du findest in ländlichen Regionen Selbstversorgung als Normalzustand. Ich selbst hab das noch kennengelernt, als ich in den 50er Jahren rachitisch zum Aufpäppeln aufs Land zu meinen Großeltern geschickt wurde. Die alte Reetdachkate in Schleswig-Holstein bestand aus 2 Teilen, zur Straße hin lagen die Wohnküche, die „gute Stube“ und die Schlafkammern. Im hinteren Teil des Hauses wurden Schweine gehalten, ein oder 2 Kühe, sowie Hühner und Gänse. Dazwischen etliche Katzen. Ach ja, das Plumpsklo befand sich auch im Stallbereich. Natürlich unbeheizt. Auf dem Dachboden wurden Heu und Stroh gelagert. Es gab einen Hausacker. Was dort geerntet wurde, hab ich vergessen. Und es gab einen riesigen Garten mit allem, was hier an Obst und Gemüse wächst. Vor dem Haus zur Straße hin war der Brunnen mit einer Pumpe (so 'n Ding mit Schwengel), in die man erst eine Kanne Wasser kippen mußte, damit sie pumpt. Sowas kannte ich aber auch von unserer Behelfsbaracke in Hamburg direkt am Steilufer der Elbe am Leuchtfeuerstieg (heute die teuerste Gegend, damals hausten dort nur Ausgebombte und andere Mittellose). Aber zurück zu Oma und Opa: Geheizt wurde mit Holz. Strom gabs nicht. Telefon gabs natürlich auch nicht. Opa war Deputatarbeiter beim Bauern, dem auch das ganze Anwesen gehörte. Die Entlohnung bestand in der Hauptsache aus Sachleistungen und Naturalien und nur ganz wenig Geld. Geld wurde aber auch so gut wie nicht gebraucht. Ich bin ja noch kein alter Mann :smile:, ist also noch gar nicht lange her.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, auch heute so zu leben. An einigen Stellen funktioniert die Sache aber nur mit womöglich unangenehmen Veränderungen. So stelle ich mir zahnmedizinische und chirurgische Selbstversorgung nicht besonders spaßig vor. Dabei wird man ausreichend Selbstgebrannten zum Desinfizieren und zur Betäubung verwenden müssen. Auf die Dauer ohne wenigstens ein Fahrrad ist es wohl auch nicht das Gelbe. Kleidung und Bettwäsche kann zum Problem werden, vom Waschen ganz zu schweigen. Natürlich kann man vom Ausbürsten eines langhaariges Hundes oder aus fettiger Schafwolle Wolle spinnen und das eine oder andere Kleidungsstück selbst herstellen, aber sei mal ehrlich: Bist Du scharf auf Schlüpfer aus Wolle? Na gut, Leder kann man noch selbst machen, wenn man genügend Viecher hält und es übers Herz bringt… ein Winterpelz und Schuhe sind dabei auch noch übrig.

Wir schalten selbstverständlich Licht und Radio ein, zapfen warmes Wasser und benutzen einen Kühlschrank. Allein schon im Sommer ohne Kühlschrank auszukommen, ist sehr gewöhnungsbedürftig. Grundsätzlich kann man auch beim elektrischen Strom autark sein, aber der zu treibende Aufwand ist beträchtlich. Sttromversorgung aus Sonnenenergie funktioniert, aber ohne Speicherung der elektrischen Energie kommt man dabei kaum aus. Man kann statt dessen Holz, Getreide oder was auch immer verfeuern, damit eine Dampfmaschine und einen Generator betreiben. Dann gehts auch ohne Speicherung.

Ok, überredet. Wenn Du Viecher umbringen und ihnen das Fell über die Ohren ziehen kannst, bringe ich alle Fähigkeiten zum Hausbau sowie sonstige technische Fertigkeiten ein und wir leben autark. Ich bin für Tasmanien oder Neuseeland.

Gruß
Wolfgang

Servus,

Wenn man von einem gewissen Anfangsbudget ausgeht, ist es doch
zumindest möglich, ein Haus zu bauen, das sich selbst mit
Strom und Wärme versorgt, gell?

Aber ohne Kunststoffe, Glas, Metall, Feuerstein ists net so leicht in Stand zu halten.

Und mit einem anständig großen Grundstück wo Kühe/Ziegen,
Hühner, zwei bis drei Pferde,

Vorsicht! „Ein Ross frisst sich selber“: Umsteigen auf Esel ist angesagt.

Getreide und ein großer Obst-
und Gemüsegarten Platz haben, dürfte man als Vegetarier
eigentlich auch genug zu essen haben.

Das kommt drauf an, wie alt man werden will. Diese Ernährungsmethode ist mit etlicher Arbeit verbunden, der man schon deutlich vor dem 80ten nicht mehr ohne weiteres gewachsen sein wird. Und ohne Zähne wirds dann noch ein bissel mühseliger.

Wieviele Schafe braucht
man wohl, um sich seine kompletten Klamotten selbst zu
stricken

Zwei pro Nase reichen: jedes bringt pro Schur etwa 4kg Rohwolle.

Und was braucht man, um sich seine Seife selbst zu sieden?

Natriumhydroxid oder Kaliumhydroxid, im übrigen das Fett von den gemetzgeten Schafen. Aber die Seife wird in diesem imaginären Haushalt zu den allergeringsten Problemen gehören.

Wie
kommt man an Dinge wie Salz,

Die letzten mindestens 7.000 Jahre durch Tauschhandel, genau wie an Flintstein

und braucht man die unbedingt?

e bissel was mecht scho sein - kommt drauf an, wie alt man werden will und was das örtliche Wasser so hergibt

Also dass man sich sein Haus noch mit Konsumwaren einrichtet
und entsprechende landwirtschaftliche Geräte kauft, lasse ich
noch gelten.

Selbst einfachste Gartengeräte unterliegen der Abnutzung. Danach gibts bloß noch Flintstein, falls das mit der Bronze nicht so klappt - und ohne Arbeitsteilung wird das nix mit Bronze.

Einen Brunnen bräuchte man wohl auch noch.
Und kann man diese ganzen Tiere, die man bräuchte, überhaupt
von dem, was man dann so hat, miternähren?

Schafe, Ziegen, Rinder kommen - falls genügend Weidefläche da ist - gut zurecht. Esel auch. Pferde nicht, Schweine bedingt - die sind den Menschen sehr ähnlich (im Stoffwechsel), man bebaut den Gemüsegarten sozusagen für die Schweine mit. Man muss dann halt schauen, dass man sie vor dem Winter metzget, bevor sie im Februar eines natürlichen Todes sterben (und dann nicht mehr so lecker sind). Hier bewegen wir uns wieder auf die Salzfrage zu: Wie bewahre ich ein Rind ohne Tiefkühltruhe auf?

Fragen über Fragen, geht’s oder geht’s nicht?

Gehen gehts sicherlich (Wolfgang hat bereits geeignete Klimazonen vorgeschlagen), aber das mit der Arbeitsteilung war eine super Idee von dem hyperaktiven Affen, der seither die Erde unsicher macht.

Gibt ja immer wieder einzelne Personen und Familien, die Jahrzehnte unabhängig von der Umgebung gelebt haben. Eine unbändige Gier auf Salz kommt in den Berichten meistens vor.

Schöne Grüße

MM

Hallo Wolfgang,

Man kann statt dessen Holz, Getreide
oder was auch immer verfeuern, damit eine Dampfmaschine und
einen Generator betreiben. Dann gehts auch ohne Speicherung.
Ok, überredet. Wenn Du Viecher umbringen und ihnen das Fell
über die Ohren ziehen kannst, bringe ich alle Fähigkeiten zum
Hausbau sowie sonstige technische Fertigkeiten ein und wir
leben autark. Ich bin für Tasmanien oder Neuseeland.

Ich sehe dich jetzt schon neue Kugellagerkugeln für den Generator schmieden …
Dann wirst du auch die Glühbirnen selber blasen und im Garten buddelst du nach Wolfram …

MfG Peter(TOO)

Hi Sonja,

Und zwar mit Dach überm Kopf und erträglichem Lebensstandard,
und dauerhaft.

Stichwort dürfte wohl ‚erträglich‘ sein.
Ich gehe mal davon aus, daß das, was vor hundert Jahren auf dem Land normal war, heute als unerträglich gelten würde.

Wenn man von einem gewissen Anfangsbudget ausgeht, ist es doch
zumindest möglich, ein Haus zu bauen, das sich selbst mit
Strom und Wärme versorgt, gell?

Sicher, Stichwort Passivhaus.

Und mit einem anständig großen Grundstück wo Kühe/Ziegen,
Hühner, zwei bis drei Pferde, Getreide und ein großer Obst-
und Gemüsegarten Platz haben, dürfte man als Vegetarier
eigentlich auch genug zu essen haben.

Das müßte schon ein sehr ordentlich großes Stück Land sein.
Rechne allein pro Pferd mit einem Hektar Land; Pferde waren damals reiner Luxus. Kühe brauchen bei extensiver Haltung kaum weniger.

Aber dann finde ich, wird’s schwer. Wieviele Schafe braucht
man wohl, um sich seine kompletten Klamotten selbst zu
stricken

Kommt darauf an, wie häufig Du neue Klamotten brauchst.
Pro Schur kommt pro Schaf rund 4 - 5 kg Rohwolle zusammen. Das ergiebt rund 2 kg Garn.

(und will man überhaupt Schafwoll-Unterhosen tragen?)

Die wenigsten wohl, aber Vorlieben sind recht unterschiedlich :wink:

Und was braucht man, um sich seine Seife selbst zu sieden?

Fett und Soda (oder Ätznatron = Natronlauge).
Seife war früher ein echtes Luxusgut, gewaschen wurde sich, wenn überhaupt, mit Sachen wie z.B. Seifenkraut

Wie
kommt man an Dinge wie Salz, und braucht man die unbedingt?

Salz wurde früher in großen Mengen zum Konservieren gebraucht. Brot und Sauerkraut enthalten große Mengen Salz, Käse auch. Und Pökeln war früher sehr üblich um Fleisch zu konservieren. Speck ohne Salz?

Also dass man sich sein Haus noch mit Konsumwaren einrichtet
und entsprechende landwirtschaftliche Geräte kauft, lasse ich
noch gelten. Aber wenn die Grundausstattung da ist, kann man
sich dann alles selber machen was man braucht, ohne ständig
fast zu verhungern?

Nicht von ungefähr hatte jeder größere Hof eine eigene Schmiede. Aber das will nun mal gelernt sein, das Schmieden.
Holzbearbeitung ist auch nicht ganz ohne, dito mauern.
Aber wenn man das kann, ist man schon recht unabhängig

Einen Brunnen bräuchte man wohl auch noch.

Sicher.

Und kann man diese ganzen Tiere, die man bräuchte, überhaupt
von dem, was man dann so hat, miternähren?

Bauern waren früher sicher keine Vegetarier, sie konnten sich diesen Luxus schlicht nicht leisten.
Der übliche Schlachttermin im Herbst hatte mehrere Gründe.
Zum einen hätte man das Fleisch von im Sommer geschlachteten Tieren kaum konserviern können, im Herbst half die Kälte gut mit, das Fleisch (einigermaßen) frisch zu erhalten.
Zudem wurden so überzählige Fresser eliminiert, man konnte nicht so viel Grünfutter lagern um alle durch den Winter zu kriegen.

Heizen:
Das gesamte Haus wurde nie beheizt, nur die Küche und zu besonderen Anlässen die gute Stube, Schlafräume nie.

Holz machte übrigens drei mal warm. Beim Fällen und Einbringen zum ersten mal, das zweite mal beim Sägen und Hacken und zum dritten mal beim Verheizen.

Fazit:
Möglich, aber nicht so sehr erstrebenswert.

Gandalf

Hallo,

erst einmal danke, ich merke schon, dass das nicht ganz so einfach ist…

Also vom Pferd auf den Esel umzusteigen - kein Problem.
Seifenkraut statt Seife wäre dann wohl auch die bessere Alternative. Nun kommt das Problem mit den Tieren; ich hatte eigentlich gedacht, ohne Schlachten und Fleisch essen wäre alles einfacher. Was Leder angeht, das kann man sicher noch verwenden wenn sie alt und zäh und von selbst gestorben sind. Schweine wären in meinem Denkmodell gar nicht drin. Aber vermutlich verhungert man dann doch, zumindest im Winter; man unterschätzt als Luxusvegetarier wie ich einer bin wohl die Kalorien, die man bei so einer Lebensweise dann doch irgendwie braucht, vom Eisen ganz zu schweigen. Und was essen die nicht geschlachteten Tiere im Winter? Hm. Also ich bin raus aus der Nummer.

Salz ist wohl auch schwierig; Tauschhandel schön und gut, aber wenn ich mir hier am Niederrhein irgendwo mein Selbstversorgerhäusschen baue und dann die Leute anquatsche, ob sie selbstgemachtes Leder gegen Salz tauschen würden, da möchte ich mich nicht drauf verlassen. Unsere Gesellschaft ist vom Tauschhandel ja doch schon ein Stück entfernt.
Naja, und die Instandhaltung eines Passivhauses ist wohl doch ziemlich schwierig. Vielleicht könnte man einen Kompromiss machen und überschüssigen Strom verkaufen und das Geld dann für die Instandhaltung aufwenden. Und vielleicht für Arztkosten…
Und damit es auch Karies gibt: Vielleicht ein kleines Bienenvolk?

Eigentlich finde ich die Idee faszinierend; im Fernsehn war mal ein Ehepaar auf Korsika, die sich allerdings nur mit Essen selbst versorgen. Korsika hat wohl auch ein freundlicheres Klima.

Viele Grüße
Sonja

Rehuhu :wink:

Prinzipiell ists möglich, autark zu „leben“ - man werfe nur einen Blick auf die diversen Naturvölker - und auch wir (also unsere Vorfahren) haben autark dahin-gelebt.
Aber, und das ist wohl der Tenor aller Postings: einen Lebensstandard zu halten, an den wir uns mittlerweile gewöhnt haben - das ist unmöglich!

Um mal weder in das eine Extrem (Blätterdach und Lendenschurz) - oder das andere (Eigene Energieversorgung und Glühbirnen basteln) zu verfallen, sondern einen gangbaren Mittelweg zu gehen bietet sich in meinen Augen das Schwarzwaldhaus an :wink:

http://www.swr.de/schwarzwaldhaus1902/index.html

Hochinteresant: Zeitsprung aus der Jezt-Zeit in das Jahr 1902 mit weitgehender Autarkie.
Aber auch hier kamen die Bewohner nicht umhin, Handel im weitesten Sinne zu treiben. Man denke nur alleine an Salz…

Seife ist selbst so schwer nicht herzustellen! Wenn man keine feste Natronseife haben will (NaOH), sondern sich mit Schmierseife begnügt (KoH) kann man die entsprechende Lauge aus Holzasche und gebranntem Kalk selber herstellen. Das Problem ist nur folgendes: Fett als Rohstoff für Seife ist viel zu wertvoll! Einerseits natürlich zum Essen, dann braucht man es zum Konservieren, als Brennstoff für Lampen usw usw usw… Für Seife ist da nichts mehr übrig.

Aufgrund der benötigten Vielzahl von Materialien, Grundstoffen usw. ist zwar bei entsprechender Bevorratung die Möglichkeit gegeben, eine Generation lang autark zu überleben, aber auf Dauer ist es nicht möglich. Seit vielen 1000 Jahren treibt der Mensch Handel, weil eben Rohstoffvorkommen und Spezialisierung eingetreten sind.

Bezüglich Tierhaltung, Nahrungsmittel usw gibt es in meinen Augen ein recht interessantes Buch: Selbstversorgung aus dem Garten http://www.amazon.de/Selbstversorgung-aus-Garten-Joh…
recht interessant…

Ich gebe an dieser Stelle nur mal folgendes zu bedenken: Eine Milchkuh braucht pro Tag rund 40 kg Grünzeug… Auch im Winter… Also ohne maschinelle Unterstützung wirds recht schwer werden …

Aber um das Posting nicht unendlich ausufern zu lassen, ende ich hier :wink:

in diesem Sinne

Grüße

Midir

Hallo,

(…)

Also dass man sich sein Haus noch mit Konsumwaren einrichtet
und entsprechende landwirtschaftliche Geräte kauft, lasse ich
noch gelten.

Damit hölst du deine an sich sehr interessanten ursprünglichen Gedankengänge völlig aus.
Wo ziehst du die Grenze?

Aber wenn die Grundausstattung da ist, kann man
sich dann alles selber machen was man braucht, ohne ständig
fast zu verhungern?

Und wer wartet und repariert das alles?
Da landet man ganz schnell bei einer Gemeinschaft von mehreren Zig Leuten, also im Prinzip bei dem was wir heute haben, nur in sehr kleiner Form.

Einen Brunnen bräuchte man wohl auch noch.

Allein das Thema Brunnen kann man in vielen heute besiedelten Gebieten ohne moderne Technik schlichtweg vergessen. Mit Muskelkraft kommt man da innerhalb einiger Mannmonate zu gar nichts.

Gruss,
Thomas

Hallo,
Nur ein paar Anmerkungen. Das wichtigste ist ja schon gesagt.

Und was essen die nicht geschlachteten Tiere im Winter?

Wenn man die richtigen hat - Heu.

Salz ist wohl auch schwierig; Tauschhandel schön und gut, aber
wenn ich mir hier am Niederrhein irgendwo mein
Selbstversorgerhäusschen baue und dann die Leute anquatsche,
ob sie selbstgemachtes Leder gegen Salz tauschen würden, da
möchte ich mich nicht drauf verlassen. Unsere Gesellschaft ist
vom Tauschhandel ja doch schon ein Stück entfernt.

Schau dir mal z.B. http://www.tauschring.de/home2.htm an. Es gibt viele Leute, die wieder in weiten Bereichen dahin zurückkehren.
Mir fällt gerade der Name nicht ein. Im Fernsehen war mal ein Bericht einer Frau, die seit einiger Zeit nahezu ohne Geld auskommt. Für Unterkunft pflegt sie die Häuser und Gärten, so lange die Bewohner nicht da sind usw. Für eine Familie ist das natürlich bedeutend schwieriger zu realisieren.

Cu Rene

Hallo Rene!

…Bericht einer Frau, die seit einiger Zeit nahezu ohne Geld
auskommt. Für Unterkunft pflegt sie die Häuser und Gärten, so
lange die Bewohner nicht da sind…

Damit wird Abwesenheit von Geld mit Abwesenheit von Autarkie verknüpft.

Gruß
Wolfgang

Hallo Sonja,

es wurde ja schon viel gesagt.
Nun lebe ich mit meiner Familie in einem kleinen abgelegenen Häuschen.
Als wir einzogen war erstmal das grosse nichts da.
Wasser kam aus einer Brunnenpumpe, geheizt wurde mit dem Ofen.
Die Pumpe fiel öfter aus. So ganz ohne Wasser wird es aber eng.
Erst recht wenn man gerade dreckig und durchgeschwitzt die Gartenarbeit hinter sich hat.
Die Ernährung der Tiere ist im Winter nicht so einfach. Das Wasser friert ständig ein etc.
Ich muss sagen, ich habe trotz der „neuzeitlichen Errungenschaften“ manchmal Mühe alles in Schuss zu halten.
Und mangels Kanalisation und Gasversorgung (Ölheizung ist nicht da Brunnenschutzgebiet) bekommt man hier manchmal einen dezenten Vorgeschmack was ein autarkes Leben bedeuten würde.
Wer 1,5ha Land zu bewirtschaften hat, der hat wirklich viel zu tun.
Und wenn die Schnecken die halbe Gemüseernte weggefressen haben würde es im Ernstfall kritisch.
Realistischer würde ich da eine kleine Dorfgemeinschaft halten, bestehend aus Familien, Handwerkern und Bauern.
Da kommt man schon deutlich besser klar. Aber das gab es alles schon :wink:

Gruss Sebastian

ganz kleine Anmerkung - etwas größer geworden
Moin,
bei dir kamen im ersten Artikel keine Schweine vor, Schafe schon, allein wegen der Wolle und ich glaub auch Ziegen.
Wenn du die schon hast, dann willst du auch Milch und den Käse daraus und schon bist du wieder beim Schlachten.
Denn Milch gibts nur, wenns auch Lämmer gibt und zum Einen kannst du die nicht alle am Leben lassen, weil dann deine Herde bald zu groß wird und zum Anderen sind die Hälfte deiner Lämmer männlich und das macht die Sozialstruktur der Herde kaputt.
Du mußt also entweder deswegen schlachten oder mir kommt gerade eine Idee. Es gibt eine Gesellschaft für austerbende Haustierrassen.
Soweit ich weiß gibt es Förderungen wenn man eine dieser Rassen rein weiterzüchtet. Dann gehen überzählige Lämmer und v.a. Böcke zu anderen Züchtern und/oder Neuzüchtern und die würden sicherlich auch gegen Salz oder anderes tauschen, das sie dann allerdings vermutlich vorher im Laden gekauft haben. Tja…

Viel Spaß
Kerstin

link - aussterbende Haustierrassen
Tag,
hier gibts Info dazu:
http://www.g-e-h.de/
Gruß
Kerstin

Hallo Sonja,

Und zwar mit Dach überm Kopf und erträglichem Lebensstandard,
und dauerhaft.

Erträglich ist relativ. Mancher braucht 300 qm mit 24 Grad. Andere sind mit einem Erdloch ohne Heizung zufrieden, war neulich erst im Fernsehen zu sehen (auf das du dann wohl auch verzichten müßtest).

Aber dann finde ich, wird’s schwer. Wieviele Schafe braucht
man wohl, um sich seine kompletten Klamotten selbst zu
stricken

Aus diesem Grund hat sich eines Tages jemand gesagt: „Ich mach nur noch Wolle“, ein anderer „Ich stricke nur noch“ und ein Dritter „Ich bau Gemüse an und geb den Jungs gegen zwei Pullover was ab“.

Also dass man sich sein Haus noch mit Konsumwaren einrichtet
und entsprechende landwirtschaftliche Geräte kauft, lasse ich
noch gelten.

Ach so, für die Erstausstattung darfs ein wenig gegen die eigenen Prinzipien verstoßen. Das fängt ja konsequent an… Wenn dein Pflug eines Tages kaputt ist, sind die Nicht-Autarken auch wieder gut genug und sollen dir einen neuen verkaufen?

Einen Brunnen bräuchte man wohl auch noch.

Was spricht gegen die Wasserversorgung aus der Leitung, wo Profis (gehen wir mal davon aus) für eine gleichbleibende Qualität sorgen? Ok, das kostet Geld. Seltsamerweise geben sich arbeitsunwillige Schmarotzer gern den Touch des Autarken, betteln hier, schnorren da. Wo fängt seriöse Autarkie an, wo hört sie auf? Darf ich mir die Axt zum Brennholz schlagen noch kaufen oder klauen oder muß ich sie mir selber schmieden, nachdem ich das Erz abgebaut habe? Darf ich mir die Netzhaut lasern lassen oder muß ich erblinden? Bin ich nur allein autark oder ist es eine Kommune mit Dutzenden von Gleichgesinnten auch noch? Wenn die Autarkie von Hartz IV finanziert wird, ist sie dann überhaupt eine?

Fragen über Fragen, geht’s oder geht’s nicht?

Ein klares Jein. Meine Frage ist nur: Warum? Wenn mir alles stinkt, ziehe ich in ein Passivhaus, bau ein bißchen Gemüse an, stell die Klingel ab, nenn das auch Autarkie und hab meine Ruhe.

Nils

Hallo noch mal,

bloß zu Vorbeugung: Ich möchte das Autarkie-Experiment NICHT selber ausprobieren. Ich unterhielt mich letztens mit jemandem der meinte, wenn man keinen Bock auf die Zivilisation hätte, naja, dann lässt man sie halt einfach hinter sich. Ich meinte, das geht auf Dauer und vollständig nicht. Und natürlich habe ich dann versucht, das komplett so durchzuspielen, dass es vielleicht doch geht.

Es sind aber nicht meine Prinzipien, gegen die ich eventuell verstoße, vielmehr stärkt das ja meine Position.

Mit erträglich war ungefähr soviel gemeint, dass man dauerhaft gesund bleibt und sich nicht jeder Gedanke nur ums Essen dreht.
Ein Plumpsklo wäre also schon drin, aber nicht seine Schuhe und die Blumenerde aufzuessen.

Dass es ganz ohne Außenwelt für eine Person eigentlich nicht geht, glaub ich immer noch. Die Frage war ja auch, wie weit geht es. Eine Antwort wäre also auch: Mit Lebensmitteln selbst versorgen funktioniert, aber alle Dinge des täglichen Bedarfs kann eine Einzelperson nicht herstellen,jedenfalls nicht ohne eine gewisse Grundlage.Das ist jetzt so ungefähr mein Fazit.

Nichtsdestotrotz fasziniert der Gedanke angesichts vieler gesellschaftlicher Entwicklungen natürlich, aber wie gesgat, Fehler in dem Konzept sind nicht meine Fehler. Aber ich finde es toll, das mal so weit durchzudenken, wie es geht.

Viele Grüße
Sonja

Rehuhu :wink:

Fw:Re: Huhu!

Danke, das Schwarzwaldhaus hab ich mit Begeisterung geguckt und erinnere mich, dass bei den armen Leuten da auch eine ganze Menge unfreiwillig schief gegangen ist. Und da wollte auch keiner das Huhn schlachten :wink:
Obwohl ich es gemein fand, dass die auf einem „modernen“ Markt ihre selbstgemachten Sonstwasse verkaufen mussten, die vor 100 Jahren sicher besser verkauft worden wären.

Um mal weder in das eine Extrem (Blätterdach und Lendenschurz)

darum war die Frage auf Deutschland oder Europa beschränkt - mir wär’s aktuell zu kalt im Lendenschurz.
Handel ist doch eine wichtigere Errungenschaft als man manchmal meint :wink:

Bezüglich Tierhaltung, Nahrungsmittel usw gibt es in meinen
Augen ein recht interessantes Buch: Selbstversorgung aus dem
Garten
http://www.amazon.de/Selbstversorgung-aus-Garten-Joh…

sowas wiederum finde ich interessant, auch wenn ich kein Selbstversorger werden mag - was Essen angeht denke ich, kann man da einiges hinkriegen, aber Wollunterhosen müssen dann doch nicht sein.

Grüße
Sonja

Auch nochmal Hallo
Was mir noch eingefallen ist, ist daß zumindest in Deutschland für deine paar Hektar Land auch der Staat die Hand aufhält. Von irgendwas muß man die Grundsteuer bezahlen.
Üblicherweise gibt es auch eine Anschlußpflicht an die öffentliche Wasser- und Abwasserversorgung sowie die Müllentsorgung (das ist hier definitiv so), wofür auch jährliche Grundgebühren anfallen auch wenn man sie nicht nutzt.
Das kannst du evtl. aber umgehen, indem du den Grund pachtest (und den Verpächter in Naturalien bezahlst), da die Pflichten beim Eigentümer liegen und der dann zahlen muß.

Cu Rene

Hallo,

bloß zu Vorbeugung: Ich möchte das Autarkie-Experiment NICHT
selber ausprobieren.

hm - in Deinem Ursprungsposting stand ja auch klar und deutlich (Ich plane das nicht, hatte nur letztens eine Diskussion darüber, ob es geht oder nicht.)

Dennoch eine spannende Diskussion mit vielen guten Argumenten zu einem interessanten Gedankenspiel’chen, die hier entstanden ist - Dank’ und * dafür :wink:)

Ich unterhielt mich letztens mit jemandem
der meinte, wenn man keinen Bock auf die Zivilisation hätte,
naja, dann lässt man sie halt einfach hinter sich.

*ggg*

Gruß
max
(der gern und viel „draußen“ unterwegs war und ist, sein Gärtlein bepflanzt, Obstbäume und Büsche hegt und pfleg, Solar-hier und Solar-da nutzt aber einige Erungenschaften der modernen Zeit definitv nicht mehr missen will)