Autmatismen und bedingte reflexe

vor ein paar monaten hatte ich mich mit diesem thema auseinandersetzt. und mit folgenden posting komme ich nicht wirklich klar. es widerspricht irgendwie meinem eigenen erleben

"'Nen bischen gehässig und bestimmt etwas off topic: ich denke die meisten Kommunikationsformen bestehen aus dem Austauch von bedingten Reflexen, sowie eigentlich jedes gesellschaftliches Verhalten. Das Interessante und Neue entsteht nur dadurch dass unser Bewußtsein nicht ausreicht um uns in unserer Tretmühle selbst zu erkennen bzw. dass das Gedächtnis mit der Denkfähigkeit verwechselt wird. Manch einer braucht vielleicht auch das Sicherheitsgefühl…
klingeling :wink:
T.
"

auch das autofahren soll aus bedingten reflexe bzw. automatismen bestehen. damit kann ich mich noch anfreunden. aber ist das lenken auch ein bed. reflex?? demnach müssten ja fast alle bewegungsabläufe, die wir öfter machen, autmatisiert bzw. bedingte reflexe sein.(anziehen, bewegungen beim kaffee trinken usw.)

kann mir vielleicht jemand ein buch zu dem thema empfehlen, wo meine fragen ein für alle mal lückenlos beantwortet werden???

mfg sebastian

Hallo Sebastian

Ich bezweifele, dass du ein solches Buch finden wirst, und wenn, dann
wuerde ich das darin Behauptete als Theorie ansehen, nicht als
adaequate Beschreibung der Wirklichkeit.
Ich erkenne in der Frage eine Umformulierung des Problems des freien
Willens. Koennen wir uns wirklich frei zu etwas entscheiden? Ist z.B.
meine Entscheidung, dies hier zu antworten und dabei diese Worte zu
verwenden, wirklich frei von mir getroffen worden? Haette ich es
genauso gut auch anders oder gar nicht machen koennen? Oder hat das
Lesen deiner Frage nur einen Reflex in mir ausgeloest, der mich so
handeln laesst, wie ich jetzt handele und ist mein Gefuehl, ich
haette dies alles frei entschieden, nur eine Illusion?
Diese Fragen sind bis heute nicht beantwortet, obwohl Neurobiologen
und Gehirnforscher sich allmaehlich einer Loesung annaehern. Dabei
kritisieren aber z.B. viele Philosophen schon den Denkansatz der
Gehirnforscher und finden Argumente, denen zufolge die Ergebnisse der
Gehirnforscher die Frage nach dem Bewusstsein und dem Willen
prinzipiell nicht beantworten koennen.

Meine persoenliche Theorie ist die folgende:
Alles, was wir tun, denken und fuehlen ist Ergebnis dreier
Haupteinfluesse:

  1. Charakter und Persoenlichkeit
  2. gegenwaertige Umweltreize
  3. gegenwaertige koerperliche Vorgaenge

zu 1) Diese beiden Groessen speichern die Gesamtheit aller
vergangenen Umweltreize, die auf meinen Koerper und auf den meiner
Vorfahren getroffen sind. Der erste Anteil waere meine Erziehung,
meine Erfahrungen u.s.w., der zweite meine Gene.

zu 2) Hierunter fallen alle Wechselwirkungen meines Koerpers mit der
Aussenwelt. Die Sinnesorgane tragen diese Einfluesse ins Gehirn. Nur
ein kleiner Teil wird bewusst. Worte z.B. sind auch Umweltreize.

zu 3) Hiermit meine ich koerperliche Parameter wie
Hormonkonzentrationen, Neurotransmitter, zufaellige elektrische
Entladungen von Nervenzellen u.s.w. Der Koerper (immer inklusive
Gehirn) ist ein chaotisches System, d.h. kleine Veraenderungen in den
Anfangsbedingungen koennen grosse Wirkungen haben, z.B. die, dass
eine Entscheidung anders ausfaellt als sie vielleicht vor 2 Minuten
noch ausgefallen waere.

In diesem System ist kein Platz fuer einen freien Willen. Alles folgt
den Naturgesetzen. Deshalb ist niemand im engeren Sinne
verantwortlich fuer sein Tun und Denken, weder wenn dieses gut noch
wenn es schlecht ist. Lob und Tadel sind Regulatoren im sozialen
System, die seine Stabilitaet gewaehrleisten.

So in aller Kuerze meine Sicht der Dinge. Fuer Illustrationen und
Beispiele fehlt mir jetzt die Zeit. Deshalb bleibt das alles sehr
abstrakt und kann Anlass zu Missverstaendnissen geben. Auf
Rueckfragen freue ich mich.

Gruss, Tychi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hi tychi

dein ansatz ist schon sehr interessant. hab dazu auch folgendes gefunden:

http://www.nurindeinemkopf.de/nidk_warum_c.html#Kond…

da wird der sogenannte reiz reaktions mensch beschrieben. dieser reagiert auf alles im leben mit in früher kindheit gelernten bedingten reflexen.

wenn ich mir deine theorie so durchdenke, kann ich diese nicht mit meinen eigenen erfahrungen und erleben nicht in einklang bringen. ich schreibe doch diesen artikel, weil ich es will. ich könnte ihn auch nicht schreiben oder? und ich schreibe ihn doch bewußt. ich denke doch über jeden satz nach. bei deiner theorie könnte man denken, der mensch reagiert unbewußt wie eine maschine auf einen bestimmten reiz. genauso ist es doch mit der kommunikation. ich spreche doch bewußt mit jemanden. und denke doch beim sprechen nach. und überlege mir doch vorher was ich sagen will. sonst wäre es doch so, dass mein körper einfach nur auf was reagiert und ich selbst bin nur ein zuschauer. das kann ich irgendwie nicht richtig einordnen. (deswegen gerät meine gedankenwelt auch öfter aus den fugen)weil ich der meinung bin, dass ich es anders erlebe. dass bewegungen teilweise automatisierte handlungsabläufe sind, versteh ich ja. aber selbst da erlebe ich alles bewußt. zb beim autofahren oder beim gehen. ich will doch gehen, bloß die einzelnen bewegungen dazu sind automatisiert und über die brauch ich nicht mehr nachdenken.

mfg sebastian

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Sebastian

Ich frage mich, warum nicht mehr auf meinen Beitrag eingehen, denn
ich erhalte weder Zustimmung noch Gegenmeinungen, ausser von dir
jetzt. Dabei ist das Thema doch interessant, oder?
Wahrscheinlich denkt sich jeder, dass man es entweder oberflaechlich
abhandeln kann, was aber keiner will oder tiefschuerfend, was auch
keiner will, weil man dann so viel tippen muesste.
Wie dem auch sei. Schoen, dass dein Link auch das beruehmte Zitat
Schopenhauers enthielt, der ein bekannter Anhaenger der Vorstellung
vom unfreien Willen war:
„Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er
will.“
Versuch das mal richtig zu verstehen, denn mit diesem Aphorismus ist
eigentlich alles gesagt.
Nehmen wir mal an, du haderst mit dir selbst, ob du ein Buch kaufen
sollst, das es auch in der Bibliothek gibt und das nicht gerade
billig ist. Schliesslich entscheidest du dich fuer den Kauf, aus, wie
dir scheint, folgenden Gruenden: du kannst Notizen an den Rand
schreiben, es sieht im Buecherregal huebsch aus, du wolltest das
immer schon mal haben, bei Buechern ist kein Geld verschwendet u.s.w.
Du hast also eine rationale Entscheidung getroffen.
Jetzt drehen wir die Zeit zurueck. Vor der Entscheidung wirst du
hypnotisiert und darauf programmiert, das Buch nicht zu kaufen. Unter
Hypnose bist du ganz unauffaellig, d.h. du bewegst dich ganz normal
und sprichst ganz normal und weder du noch jemand anders merkt etwas
Besonderes. Aber jetzt entscheidest du das Buch nicht zu kaufen,
obwohl all die Gruende, die vorher zu der positiven Entscheidung
gefuehrt haben, immer noch genau so richtig sind. Jetzt gibst du fuer
deine negative Entscheidung als Begruendung an, du wollest das Geld
lieber sparen, vielleicht um deiner Freundin ein Weihnachtsgeschenk
mehr zu machen.
Ja schon - aaaber unter Hypnose bin ich ja nicht ich selbst. Ach
nein? Wer dann? Der einzige Unterschied ist doch, dass der nicht
hypnotisierte Zustand laenger andauert, naemlich alle Lebensjahre und
der hypnotisierte nur zehn Minuten oder so. Aber wie willst du mich
widerlegen, wenn ich behaupte, dass du nur in diesen zehn Minuten du
selbst gewesen seiest und all die Jahre ein Traumwandler?

Denke auch daran, dass psychoaktive Substanzen dein Bewusstsein,
deine ganze Persoenlichkeit, deine Erinnerungen - mithin alles, was
dich ausmacht, veraendern koennen. Wie kannst du noch glauben, es
gaebe eine nicht-materielle Basis deines Selbst? Ist sie aber
materiell, dann auch determiniert, von mir aus auch chaotisch oder
selbstorganisiert.

wenn ich mir deine theorie so durchdenke, kann ich diese nicht
mit meinen eigenen erfahrungen und erleben nicht in einklang
bringen. ich schreibe doch diesen artikel, weil ich es will.

Richtig. Du bist dir deines Willens bewusst, der unzweifelhaft
existiert, aber seine Herkunft kennst du nicht.

ich könnte ihn auch nicht schreiben oder? und ich schreibe ihn
doch bewußt. ich denke doch über jeden satz nach. bei deiner
theorie könnte man denken, der mensch reagiert unbewußt wie
eine maschine auf einen bestimmten reiz.

Dass die Gedanken nicht frei sind, sondern aus der Vergangenheit und
der zufaelligen Gegenwart sich ableiten, heisst nicht, dass sie dir
nicht bewusst waeren. Das Bewusstsein ist sozusagen der innere
Beobachter, der allerdings mit den Gedanken (=bewusste
Repraesentationen materieller Vorgaenge) wechselwirken kann und nicht
nur passiv beobachtet.

ich spreche doch bewußt mit jemanden.
und denke doch beim sprechen nach. und überlege mir doch
vorher was ich sagen will.

Die Gehirn-Maschine rattert und ein Teil davon wird bewusst. Was das
Bewusstsein genau ist, und wie man es sich vorstellen sollte, weiss
ich nicht.

sonst wäre es doch so, dass mein
körper einfach nur auf was reagiert und ich selbst bin nur ein
zuschauer.

Ja, so in etwa. Nur was der Zuschauer ist, was du selbst bist, das
ist eben so schwer fassbar. Aber ob wir uns das vorstellen koennen
oder nicht - das hat keinen Einfluss auf die Frage, ob der Wille frei
oder bestimmt sei.

… aber selbst da erlebe ich alles bewußt.
zb beim autofahren oder beim gehen. ich will doch gehen, bloß
die einzelnen bewegungen dazu sind automatisiert und über die
brauch ich nicht mehr nachdenken.

Automatisierte Bewegungen und die Tatsache, dass du nicht jeden
einzelnen Schritt entscheiden musst, sind noch eine andere Kategorie
von determinierten Ablaeufen, die auch weniger strittig sind. Man
darf diese offenbaren Automatismen nicht mit jenen versteckten
verwechseln, die weiter oben diskutiert wurden.

Gruss, Tychi

hallo tychi

Ja schon - aaaber unter Hypnose bin ich ja nicht ich selbst.
Ach
nein? Wer dann? Der einzige Unterschied ist doch, dass der
nicht
hypnotisierte Zustand laenger andauert, naemlich alle
Lebensjahre und
der hypnotisierte nur zehn Minuten oder so. Aber wie willst du
mich
widerlegen, wenn ich behaupte, dass du nur in diesen zehn
Minuten du
selbst gewesen seiest und all die Jahre ein Traumwandler?

dazu folgendes aus dem internet:

„Suggestionen, die persönlichkeitsfremd sind, werden nicht ausgführt, wie tief der Hypnosezustand auch sein mag! Hypnose kann niemanden zwingen, eine bestimmte Tat auszuführen. Tatsächlich wird durch Suggestionen nur ein starker Wunsch erzeugt.“

Dass die Gedanken nicht frei sind, sondern aus der
Vergangenheit und
der zufaelligen Gegenwart sich ableiten, heisst nicht, dass
sie dir
nicht bewusst waeren. Das Bewusstsein ist sozusagen der innere
Beobachter, der allerdings mit den Gedanken (=bewusste
Repraesentationen materieller Vorgaenge) wechselwirken kann
und nicht
nur passiv beobachtet.

d.h. also ich kann mir meine eigene gedanken nicht aussuchen?? aber ich kann doch über bestimmte dinge ganz bewußt nachdenken bzw. grübeln. oder auch andere gedanken erst gar nicht zulassen.

Die Gehirn-Maschine rattert und ein Teil davon wird bewusst.

kann ich nicht nachvollziehen. ich bin der meinung, dass ich beim sprechen bzw. kommunikation alles bewußt mache. die bewegungen bzw. abläufe um ein bestimmtes wort zu sprechen, sind sicherlich teilweise automatisiert, aber die tatsache, dass ich dieses wort sage, ist doch bewußt und wird durch mich bewußt ausgelöst. ich will diesen satz oder dieses wort sagen, und sag es auch. ich kann es auch nicht sagen. so wie beim autofahren. ich gebe bewußt den „befehl“ zu beschleunigen oder abzubiegen. die einzelnen bewegungen dazu (schulterblick, schalten, vielleicht sogar das lenken, was ich aber nicht glaube) sind automatisiert bzw. ein bedingter reflex und verlaufen unbewußt.
ein gespräch oder eine diskussion wäre deiner meinung nach nur ein austausch von bedingten reflexe bzw. automatismen. erlebst du ein gespräch oder eine unterhaltung nicht auch anders?? man denkt doch kurz darüber was der andere gerade gesagt hat, und reagiert den bewußt darauf. und man weiß doch vorher, was man sagen will. vielleicht reagiert man in ausnahmefällen in einem gespräch reflexartig ( „ups, das ist mir jetzt rausgeruscht“ oder so ähnlich) aber das ist doch nicht die regel oder?

auch diese diskussion hier im forum ist völlig bewußt. über jeden satz denke ich bewußt nach. wenn kommunikation auf dem prinzip reiz reaktion funktionieren würde, könnte ich ja hier ohne denken pausenlos schreiben. aber ich überlege bei jedem satz neu und denke nach.

Ja, so in etwa. Nur was der Zuschauer ist, was du selbst bist,
das
ist eben so schwer fassbar. Aber ob wir uns das vorstellen
koennen
oder nicht - das hat keinen Einfluss auf die Frage, ob der
Wille frei
oder bestimmt sei.

der theorie vom passiven zuschauer kann ich irgendwie nicht richtig einordnen. irgendwie paßt sie, wie schon erwähnt, nicht zu meinem eigenen ich bzw. meinem erlebten. gibt es wie deine theorie wissenschaftliche beweise? oder ist das wirklich nur deine eigene theorie??
selbst in der psychologie wird das mit dem reiz-reaktions-mensch nicht mehr so eng gesehen.

einige auszüge:
"Trotzdem ist der (unbewusste) Mensch tatsächlich eine Reiz-Reaktions-Maschine, Konditionierung ein Faktum. "

„Der Behaviorismus lässt die Aspekte, die den Menschen zum Menschen machen, schlicht aussen vor. Roboter haben weder eine Wahl, noch Emotionen. Allerdings gilt dies nur auf den radikalen Behaviorismus. Seit Skinner hat sich einiges getan, und der Neobaviorismus ist deutlich offener geworden. So gelten die klassischen Pawlow´schen Konditionierungen nur noch für viszerale (längsgestreifte, unbewusste Muskulatur) und vaskuläre (Drüsen inklusive Hormone) Reaktionen.“

mfg sebastian

p.s.: tychi, ich danke dir, dass du wenigstens auf meine fragen antwortest. es hilft mir meine manchmal aus dem ruder gelaufene gedankenwelt ein wenig zu ordnen. wie schon in meinen älteren artikeln erwähnt, belasten mich meine gedanken über das oben genannte und ähnliches teilweise extrem.

Hallo Sebastian

Ja schon - aaaber unter Hypnose bin ich ja nicht ich selbst.
Ach
nein? Wer dann? Der einzige Unterschied ist doch, dass der
nicht
hypnotisierte Zustand laenger andauert, naemlich alle
Lebensjahre und
der hypnotisierte nur zehn Minuten oder so. Aber wie willst du
mich
widerlegen, wenn ich behaupte, dass du nur in diesen zehn
Minuten du
selbst gewesen seiest und all die Jahre ein Traumwandler?

dazu folgendes aus dem internet:

„Suggestionen, die persönlichkeitsfremd sind, werden nicht
ausgführt, wie tief der Hypnosezustand auch sein mag! Hypnose
kann niemanden zwingen, eine bestimmte Tat auszuführen.
Tatsächlich wird durch Suggestionen nur ein starker Wunsch
erzeugt.“

Ehrlich gesagt, weiss ich es nicht so genau. Ich habe jedenfalls im
Fernsehen Reportagen ueber diese Hypnotiseure gesehen, die in Discos
auftreten. Was die Hypnotisierten alles taten, war aeusserst
erstaunlich, z.B. hatte einer die Zahl sechs vergessen, so dass er
beim Zaehlen seiner Finger zu seinem groessten Erstaunen immer auf 11
kam, ohne die geringste Ahnung zu haben warum.
Aber selbst wenn nur eine starker Wunsch suggeriert werden kann - das
reicht ja voellig aus, um eine knappe Entscheidung wie die aus meinem
Beispiel in eine andere Richtung zu kippen.
Ich habe das mit der Hypnose nur gebracht, um zu zeigen, dass du in
beiden Faellen, also mit und ohne Hypnose das Gefuehl hast, du
wuerdest dich voellig frei entscheiden, aber im Fall mit Hypnose
wissen alle, die das Experiment beobachten, dass deine Entscheidung
vom Hypnotiseur vorgegeben war. Das heisst, hier wissen wir ganz
klar, woher deine Entscheidung kam, nur du selbst bist der Einzige,
der glaubt, sich frei entschieden zu haben. Daraus folgt fuer mich,
dass das Gefuehl der Willensfreiheit, truegerisch sein kann und dass
wir aus ihm nicht ableiten koennen, der Wille waere tatsaechlich
frei.

Dass die Gedanken nicht frei sind, sondern aus der
Vergangenheit und
der zufaelligen Gegenwart sich ableiten, heisst nicht, dass
sie dir
nicht bewusst waeren. Das Bewusstsein ist sozusagen der innere
Beobachter, der allerdings mit den Gedanken (=bewusste
Repraesentationen materieller Vorgaenge) wechselwirken kann
und nicht
nur passiv beobachtet.

d.h. also ich kann mir meine eigene gedanken nicht aussuchen??
aber ich kann doch über bestimmte dinge ganz bewußt nachdenken
bzw. grübeln. oder auch andere gedanken erst gar nicht
zulassen.

Deine Beobachtung ist: Ich denke jetzt ueber diese Mathehausaufgabe
nach und danach werde ich von meiner Freundin traeumen. Aber vorher
muss ich noch eine Einkaufsliste erstellen, damit ich nicht wieder
die Haelfte vergesse. Diese Gedanken nimmst du bewusst wahr, aber das
gibt doch keinerlei Auskunft ueber ihre Herkunft. Also die blosse
Existenz von Gedanken und ihre Strukturiertheit und dein Gefuehl, du
wuerdest dich bald fuer diesen bald fuer jenen entscheiden und wieder
einen anderen aus dem Bewusstsein zurueckdraengen, lassen keine
Schluesse zu ueber die Herkunft der Gedanken. Dass diese aus der
materiellen Basis (Koerper inklusive Gehirn + Umweltreize) und deiner
Vergangenheit sich in gewissen Grenzen zwangslaeufig ergeben, zu
diesem Schluss komme ich auf anderem Wege. Die reine Betrachtung der
Tatsachen, also in diesem Fall dein Gefuehl, die Gedanken frei zu
waehlen, kann uns, wie gesagt, nichts ueber die Ursachen lehren.

Die Gehirn-Maschine rattert und ein Teil davon wird bewusst.

kann ich nicht nachvollziehen. ich bin der meinung, dass ich
beim sprechen bzw. kommunikation alles bewußt mache. die
bewegungen bzw. abläufe um ein bestimmtes wort zu sprechen,
sind sicherlich teilweise automatisiert, aber die tatsache,
dass ich dieses wort sage, ist doch bewußt und wird durch mich
bewußt ausgelöst. ich will diesen satz oder dieses wort sagen,
und sag es auch. ich kann es auch nicht sagen. so wie beim
autofahren. ich gebe bewußt den „befehl“ zu beschleunigen oder
abzubiegen. die einzelnen bewegungen dazu (schulterblick,
schalten, vielleicht sogar das lenken, was ich aber nicht
glaube) sind automatisiert bzw. ein bedingter reflex und
verlaufen unbewußt.

Noch einmal: Dies alles sind deine Beobachtungen und deine Gefuehle.
Sie sagen nichts ueber Ursachen oder Ablaeufe im Hintergrund aus. Bei
den Tricks eines Zauberkuenstlers ist ja auch alles anders als es
scheint. Aber darueber bist du beruhigt, denn du weisst ja, dass es
nur Tricks sind und dass einfache Erklaerungen dahinter stehen.
Hinter deinen Gedanken und Entscheidungen stehen keine einfachen
Prozesse, sondern ganz komplizierte, die wir (noch) nicht verstehen
und deshalb nimmst du den Anschein fuer Wirklichkeit.

ein gespräch oder eine diskussion wäre deiner meinung nach nur
ein austausch von bedingten reflexe bzw. automatismen. erlebst
du ein gespräch oder eine unterhaltung nicht auch anders??

Sicher.

man
denkt doch kurz darüber was der andere gerade gesagt hat, und
reagiert den bewußt darauf. und man weiß doch vorher, was man
sagen will. vielleicht reagiert man in ausnahmefällen in einem
gespräch reflexartig ( „ups, das ist mir jetzt rausgeruscht“
oder so ähnlich) aber das ist doch nicht die regel oder?

Das ist alles nur Anschein.

auch diese diskussion hier im forum ist völlig bewußt. über
jeden satz denke ich bewußt nach. wenn kommunikation auf dem
prinzip reiz reaktion funktionieren würde, könnte ich ja hier
ohne denken pausenlos schreiben. aber ich überlege bei jedem
satz neu und denke nach.

Das Denken ist Teil der Reaktion und dass diese schnell, also nach
unserem Verstaendnis automatisiert ablaufen muesste, ist doch
nirgends vorgeschrieben. Ein Computer braucht ja auch eine gewissen
Zeit um eine Aufgabe zu loesen, also um zu reagieren.

Ja, so in etwa. Nur was der Zuschauer ist, was du selbst bist,
das
ist eben so schwer fassbar. Aber ob wir uns das vorstellen
koennen
oder nicht - das hat keinen Einfluss auf die Frage, ob der
Wille frei
oder bestimmt sei.

der theorie vom passiven zuschauer kann ich irgendwie nicht
richtig einordnen. irgendwie paßt sie, wie schon erwähnt,
nicht zu meinem eigenen ich bzw. meinem erlebten. gibt es wie
deine theorie wissenschaftliche beweise? oder ist das wirklich
nur deine eigene theorie??

So, wie sie hier formuliert ist, ist sie meine eigene. Aber
natuerlich gibt es zahllose Vordenker, die aehnlich argumentieren.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,328830,00.html

selbst in der psychologie wird das mit dem
reiz-reaktions-mensch nicht mehr so eng gesehen.

einige auszüge:
"Trotzdem ist der (unbewusste) Mensch tatsächlich eine
Reiz-Reaktions-Maschine, Konditionierung ein Faktum. "

„Der Behaviorismus lässt die Aspekte, die den Menschen zum
Menschen machen, schlicht aussen vor. Roboter haben weder eine
Wahl, noch Emotionen. Allerdings gilt dies nur auf den
radikalen Behaviorismus. Seit Skinner hat sich einiges getan,
und der Neobaviorismus ist deutlich offener geworden. So
gelten die klassischen Pawlow´schen Konditionierungen nur noch
für viszerale (längsgestreifte, unbewusste Muskulatur) und
vaskuläre (Drüsen inklusive Hormone) Reaktionen.“

Sicher sind die naiven Ansaetze aus alten Zeiten nicht ausreichend,
den Menschen zu erklaeren. Aber grundsaetzlich sind sie richtig,
selbst wenn es im Einzelnen grosse Abweichungen von den Anfaengen
gibt.

Das Prinzip ist ganz einfach: Wenn man daran glaubt, dass alles eine
Ursache hat und nichts aus dem Nichts entsteht, dann muss auch der
Wille des Menschen Ursachen haben, und diese Ursachen sind, was ich
Unfreiheit des Willens nenne. Die drei Hauptursachen, die ich nannte,
sind die, die ich fuer die wahren Ursachen halte. In dem Punkt kann
ich mich irren, so wie auch in der metaphysischen Grundannahme, dass
alles eine Ursache haben muesse. Diese freilich fordert die Frage
nach der ersten Ursache heraus, der ich leider auch nur mit
Schulterzucken begegnen kann.

p.s.: tychi, ich danke dir, dass du wenigstens auf meine
fragen antwortest. es hilft mir meine manchmal aus dem ruder
gelaufene gedankenwelt ein wenig zu ordnen. wie schon in
meinen älteren artikeln erwähnt, belasten mich meine gedanken
über das oben genannte und ähnliches teilweise extrem.

Solche Dinge koennen dich extrem (!) belasten? Das wundert mich, denn
dies ist doch reines Denken und nichts, was dich wirklich fertig
machen kann, wie z.B. die vielen Widrigkeiten des taeglichen Lebens.

Gruss, Tychi

Ergaenzung
Hallo Sebastian (andere scheinen unsere Diskussion gar nicht mehr zu
verfolgen)

Mir ist noch etwas eingefallen: Denk mal an Zwangsgedanken und
Obsessionen. Diese Gedanken draengen sich immer wieder ins
Bewusstsein, da ist keine Spur mehr von einer freien Entscheidung
fuer oder gegen sie.
Ich sehe den Unterschied zwischen diesen und normalen Gedanken nur in
der Quantitaet, nicht in der Qualitaet. Normale Gedanken draengen
sich genauso ins Bewusstsein, nur dass sie nicht so haeufig
wiederkehren und deshalb faellt es nicht auf, dass man nichts gegen
sie tun kann. Ein normaler Koerper (immer inklusive Gehirn)
produziert immer wieder neue Muster und Strukturen im Bewusstsein.
Ist aber das System ausserhalb dieses indeferenten Gleichgewichts,
sondern hat es irgendwo ein lokales Energieminimum gefunden, dann
tendiert es immer wieder dorthin und Energie ist noetig, wieder aus
dieser Kuhle herauszukommen. Diese Energie kann z.B. durch
Umweltreize in Form von Woertern bei einer Psychotherapie dem System
zugefuehrt werden.

Gruss, Tychi

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Ergaenzung II
Stell’ dir vor, du waerest gerade Vater eines Sohnes geworden. Nach
einer Woche beugst du dich ueber sein Bett und sagst: „Na, wie geht
es denn meinem Kleinen heute?“ Das Baby sieht dich an und schweigt.
Es koennte ja auch schreien. Meinst du, es haette sich ueberlegt,
nichts zu antworten?
Ein halbes Jahr spaeter dieselbe Szene. Diesmal sagt das Baby
„lalalala“. Aus freier Entscheidung? Oder wollte es vielleicht etwas
anderes sagen, war aber dazu nicht in der Lage, weil es das Sprechen
noch nicht beherrscht? Ich gehe davon aus, dass das „System“ Baby auf
den optischen und akustischen Umweltreiz, den du ihm geboten hast,
reagierte, aber von freier Entscheidung keine Spur.
Wieder vergeht ein halbes Jahr. Diesmal ist das Baby in der Lage
„Papa“ zu antworten. Aber es gibt fuer mich keinen Grund anzunehmen,
dies waere aus anderen Gruenden geschehen als die frueheren
Reaktionen.
Nach einem oder eineinhalb weiteren Jahren bekommst du sogar eine
sinnvolle Antwort, vielleicht „Gut.“
Irgendwann ist dein Sohn 15 und du fragst ihn wieder: „Na, wie geht
es denn meinem Kleinen heute?“ Die Antwort: „Willst mich verarschen
Alter?“
Wann in dieser Entwicklung schlich sich der freie Wille ein?
Meine Meinung ist ja, dass alle Antworten auf gleiche Weise
entstehen, nur eben zunehmend komplexer werden. Evolution eben.

Zweites Beispiel: Hat ein Regenwurm einen freien Willen? Wohl nicht,
aber man weiss ja nie. Ein Goldfisch? Ein Wellensittich? Ein Hund?
Ein Schimpanse? Ein Mensch?
Fuer mich sind dies alles zunehmend komplexer werdende
Entwicklungsstufen prinzipiell gleicher Systeme. Wenn die niedrigeren
Entwicklungsstufen genuegen, um den Organismus zu erhalten und ihn in
seiner Umwelt leben zu lassen, wenn also Regenwurm, Goldfisch und
Wellensittich ohne freien Willen leben und auf Umweltreize reagieren
koennen, warum soll er dann bei den hoeheren Entwicklungsstufen
noetig sein? Und an welcher Stelle tritt er zum ersten Mal auf.

Natuerlich sind dies Analogieargumente und induktive Suggestionen und
koennen nichts beweisen, denn ein erwachsener Mensch ist kein Baby
und kein Regenwurm. Aber sie legen eine gewisse Sichtweise nahe, so
wie alle bisherigen Sonnenaufgaenge den morgigen nahelegen.

Gruss, Tychi

1 „Gefällt mir“

Also die

blosse
Existenz von Gedanken und ihre Strukturiertheit und dein
Gefuehl, du
wuerdest dich bald fuer diesen bald fuer jenen entscheiden und
wieder
einen anderen aus dem Bewusstsein zurueckdraengen, lassen
keine
Schluesse zu ueber die Herkunft der Gedanken. Dass diese aus
der
materiellen Basis (Koerper inklusive Gehirn + Umweltreize) und
deiner
Vergangenheit sich in gewissen Grenzen zwangslaeufig ergeben,
zu
diesem Schluss komme ich auf anderem Wege. Die reine
Betrachtung der
Tatsachen, also in diesem Fall dein Gefuehl, die Gedanken frei
zu
waehlen, kann uns, wie gesagt, nichts ueber die Ursachen
lehren.

daran könnte was dran sein. sonst könnte man ja einfach für uns unschöne belastende gedanken ausblenden bzw. gar nicht erst zulassen. das geht aber leider nicht. aber wir können unsere gedanken steuern. dieser meinung bist du doch auch oder? also so ganz „kopflose“ denkmaschine sind wir denn doch nicht.

Noch einmal: Dies alles sind deine Beobachtungen und deine
Gefuehle.
Sie sagen nichts ueber Ursachen oder Ablaeufe im Hintergrund
aus. Bei
den Tricks eines Zauberkuenstlers ist ja auch alles anders als
es
scheint. Aber darueber bist du beruhigt, denn du weisst ja,
dass es
nur Tricks sind und dass einfache Erklaerungen dahinter
stehen.
Hinter deinen Gedanken und Entscheidungen stehen keine
einfachen
Prozesse, sondern ganz komplizierte, die wir (noch) nicht
verstehen
und deshalb nimmst du den Anschein fuer Wirklichkeit.

das argument mit dem zauberkünstler funktioniert aber nicht mehr, wenn ich selbst der zauberkünstler bin. ich weiß, wie der trick funktioniert. aber du könntest recht haben. ich hätte mir vor jahren auch nicht vorstellen, dass das gehen oder das autofahren ein bedingter reflex bzw. automatismen sind. aber wenn wir unsere gedanken steuern können, dann kann ich mich mit der theorie teilweise anfreunden. denn mit der willenlose denkmaschine wie du sie teilweise beschreibst, kann ich mich nun überhaupt nicht anfreunden.

ein gespräch oder eine diskussion wäre deiner meinung nach nur
ein austausch von bedingten reflexe bzw. automatismen. erlebst
du ein gespräch oder eine unterhaltung nicht auch anders??

Sicher.

also wenn das beim sprechen genauso ist wie beim denken. d.h. ich kann meine sätze oder das was ich sagen kontrollieren und steuern, kann ich damit auch leben.

man
denkt doch kurz darüber was der andere gerade gesagt hat, und
reagiert den bewußt darauf. und man weiß doch vorher, was man
sagen will. vielleicht reagiert man in ausnahmefällen in einem
gespräch reflexartig ( „ups, das ist mir jetzt rausgeruscht“
oder so ähnlich) aber das ist doch nicht die regel oder?

Das ist alles nur Anschein.

das glaube ich nicht.

auch diese diskussion hier im forum ist völlig bewußt. über
jeden satz denke ich bewußt nach. wenn kommunikation auf dem
prinzip reiz reaktion funktionieren würde, könnte ich ja hier
ohne denken pausenlos schreiben. aber ich überlege bei jedem
satz neu und denke nach.

Das Denken ist Teil der Reaktion und dass diese schnell, also
nach
unserem Verstaendnis automatisiert ablaufen muesste, ist doch
nirgends vorgeschrieben. Ein Computer braucht ja auch eine
gewissen
Zeit um eine Aufgabe zu loesen, also um zu reagieren.

aber die gedanken die ich beim sprechen habe kommen automatisch? und die sätze die meinen gedanken folgen kommen auch automatisch???
dass meine gedanken teilweise automatisch eintreten, kann ich ja verstehen. aber die reaktion, d.h. beim sprechen die antwort kommt doch nicht automatisch aus meinem mund. ich würde eher sagen, die gedanken kommen automatisch. und den gedanken entsprechend forme ich meine sätze.

selbst in der psychologie wird das mit dem
reiz-reaktions-mensch nicht mehr so eng gesehen.

Das Prinzip ist ganz einfach: Wenn man daran glaubt, dass
alles eine
Ursache hat und nichts aus dem Nichts entsteht, dann muss auch
der
Wille des Menschen Ursachen haben, und diese Ursachen sind,
was ich
Unfreiheit des Willens nenne. Die drei Hauptursachen, die ich
nannte,
sind die, die ich fuer die wahren Ursachen halte. In dem Punkt
kann
ich mich irren, so wie auch in der metaphysischen
Grundannahme, dass
alles eine Ursache haben muesse. Diese freilich fordert die
Frage
nach der ersten Ursache heraus, der ich leider auch nur mit
Schulterzucken begegnen kann.

interessante argumentation. dass der wille des menschen beeinflusst ist, verstehe ich auch. konditionierung paßt da wohl am besten. ich meine beeinflusst, nicht bestimmt.

Solche Dinge koennen dich extrem (!) belasten? Das wundert
mich, denn
dies ist doch reines Denken und nichts, was dich wirklich
fertig
machen kann, wie z.B. die vielen Widrigkeiten des taeglichen
Lebens.

jo solche und ähnliche fragen belasten mich. wie das beschreibe ich in einem meiner postings hier:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

keine Zeit
Hallo Sebastian

Ich habe jetzt keine Zeit mehr, dir zu antworten. Am Montag komme ich
vielleicht noch einmal auf dein Posting zurueck.

Schoenes WE, Tychi

die spaete Antwort
Hallo Sebastian

Also die

blosse
Existenz von Gedanken und ihre Strukturiertheit und dein
Gefuehl, du
wuerdest dich bald fuer diesen bald fuer jenen entscheiden und
wieder
einen anderen aus dem Bewusstsein zurueckdraengen, lassen
keine
Schluesse zu ueber die Herkunft der Gedanken. Dass diese aus
der
materiellen Basis (Koerper inklusive Gehirn + Umweltreize) und
deiner
Vergangenheit sich in gewissen Grenzen zwangslaeufig ergeben,
zu
diesem Schluss komme ich auf anderem Wege. Die reine
Betrachtung der
Tatsachen, also in diesem Fall dein Gefuehl, die Gedanken frei
zu
waehlen, kann uns, wie gesagt, nichts ueber die Ursachen
lehren.

daran könnte was dran sein. sonst könnte man ja einfach für
uns unschöne belastende gedanken ausblenden bzw. gar nicht
erst zulassen. das geht aber leider nicht. aber wir können
unsere gedanken steuern. dieser meinung bist du doch auch
oder? also so ganz „kopflose“ denkmaschine sind wir denn doch
nicht.

Nein, dieser Meinung bin ich nicht. Denn wenn ich steuern koennte,
dann waere dieses Ich, das steuert, ja der freie Wille. Ich behaupte,
dass es nichts Freies im Menschen gibt, also auch nichts, das sich
unabhaengig aussuchen koennte, welcher Gedanke zulaessig ist und
welcher nicht.

Noch einmal: Dies alles sind deine Beobachtungen und deine
Gefuehle.
Sie sagen nichts ueber Ursachen oder Ablaeufe im Hintergrund
aus. Bei
den Tricks eines Zauberkuenstlers ist ja auch alles anders als
es
scheint. Aber darueber bist du beruhigt, denn du weisst ja,
dass es
nur Tricks sind und dass einfache Erklaerungen dahinter
stehen.
Hinter deinen Gedanken und Entscheidungen stehen keine
einfachen
Prozesse, sondern ganz komplizierte, die wir (noch) nicht
verstehen
und deshalb nimmst du den Anschein fuer Wirklichkeit.

das argument mit dem zauberkünstler funktioniert aber nicht
mehr, wenn ich selbst der zauberkünstler bin. ich weiß, wie
der trick funktioniert.

Du bist aber nicht der Zauberkuenstler. Du bist das Publikum, das nur
die Erscheinungen sieht und nicht die dahinterstehenden Ursachen.

aber du könntest recht haben. ich
hätte mir vor jahren auch nicht vorstellen, dass das gehen
oder das autofahren ein bedingter reflex bzw. automatismen
sind. aber wenn wir unsere gedanken steuern können, dann kann
ich mich mit der theorie teilweise anfreunden. denn mit der
willenlose denkmaschine wie du sie teilweise beschreibst, kann
ich mich nun überhaupt nicht anfreunden.

Ja, kommt mir auch komisch vor und so richtig ueberzeugt bin ich auch
nicht, aber etwas Besseres faellt mir nicht ein.

ein gespräch oder eine diskussion wäre deiner meinung nach nur
ein austausch von bedingten reflexe bzw. automatismen. erlebst
du ein gespräch oder eine unterhaltung nicht auch anders??

Doch, erlebe ich anders, aber meine Wahrnehmung ist Taeuschungen
ausgeliefert. Ich bin kein strenger Rationalist, aber dass manche
Wahrheit sich ueber das Denken erschliesst und dass unsere
Wahrnehmungen uns oft in die Irre fuehren, das glaube ich schon.

also wenn das beim sprechen genauso ist wie beim denken. d.h.
ich kann meine sätze oder das was ich sagen kontrollieren und
steuern, kann ich damit auch leben.

Bloss dann akzeptierst du im Grunde gar nichts von „meiner“ Theorie.
Denn dann laesst du den freien Willen noch am Leben. Dass MANCHE
Prozesse und Auesserungen automatisch ablaufen und aus materiellen
Ursachen folgen, das gibt jeder zu. Der springende Punkt ist aber
gerade, dass ALLES aus Ursachen folgt, die wir groesstenteils nicht
kennen. Wenn du nur den Wirkungsbereich des freien Willen
einschraenkst, dann ist das ueberhaupt kein Beitrag zur Frage, ob es
den freien Willen gibt oder nicht.
Versuch doch mal dahinter zu steigen, was dieses Ich sein soll, das
kontrolliert und steuert.

interessante argumentation. dass der wille des menschen
beeinflusst ist, verstehe ich auch. konditionierung paßt da
wohl am besten. ich meine beeinflusst, nicht bestimmt.

Von Konditionierung spreche ich nicht. Ich sehe die Ursachen auf viel
abstrakterer Ebene, siehe die drei Ursachen von Antwort 1.

Gruss, Tychi

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hallo tychi

besser spät als nie*g* und so spät war die antwort ja nicht. wie ich herausgefunden habe, geht die diskussion über den freien willen schon seit jahren. selbst einstein hat sich schon dazu geäußert.

dazu: http://www.philtalk.de/msg/1035881136.htm

aber selbst wenn es keinen freien willen geben sollte und die gedanken auch nicht „frei“ sind, sondern unbewußt alleine entstehen, gibt es doch trotzdem ein „ICH“. obwohl das auch schon angezweifelt wird. ich hab auch gelesen (ich glaube nietsche hat das gesagt), dass es kein individuum gibt, sondern ein Di-individuum, d.h. wir werden von mehreren unterschiedlichen „dingen“ in unserem hirn gesteuert. für mich ist dann das „Ich“, die zusammensetzung aus den ganzen „dingen“. und jeder mensch ist doch individuell.

selbst wenn die theorie mit dem unfreien willen stimmt, wie schließt du dann darauf auf das sprechen - die kommunikation. ich versuch nochmal deine theorie mit meinen worten zu erklären: wenn ich spreche, denn habe ich den anschein, ich spreche gerade dieses wort weil ich es will? unabhängig von den mundbewegungen, die sicher reflexe sind. aber der gedanke zu diesem wort kam von alleine. bzw. auch der wille dieses wort zu sagen, kam auch alleine in abhängigkeit mit deinen drei faktoren. aber dieses wort sage ich bewußt, weil ich es will. also kurz : 1. ich höre einen satz
2. mein hirn denkt drüber nach(automatisch)
3. ein gedanke zu einem neuen satz entsteht(aut.)
4. der wille den satz zu sagen entsteht(aut.)
5. ich sage den satz, weil ich es will

also die mundbewegungen, bzw. den befehl ein bestimmtes wort zu sagen ist bewußt und gewollt. richtig?

mfg sebastian

hallo

mir ist da noch was eingefallen. kann es mit dem willen bzw. gedanken so sein, wie mit den gefühlen? diese entstehen ja in abhängigkeit der umwelt bzw. der jeweiligen situation. gefühle entstehen ja automatisch „reflexartig“. nachdem das gehirn die jeweilige situation verarbeitet hat, wird die dementsprechende gefühlslage ausgelöst. die kann man sich ja auch nicht aussuchen.

wie siehts du das mit dem entscheiden?? sind meine entscheidungen auch nicht frei? ich hab mal gelesen entscheidungen beruhen immer auf gefühlen. der ausdruck lass deinen verstand entscheiden und nicht dein gefühl ist demnach falsch.

mfg sebastian

Hallo Sebastian

Mit deinen beiden heutigen Beitraegen naehern sich unsere Meinungen
sehr an.

aber selbst wenn es keinen freien willen geben sollte und die
gedanken auch nicht „frei“ sind, sondern unbewußt alleine
entstehen, gibt es doch trotzdem ein „ICH“.

Das gibt es. Ich verstehe es als Selbst-Bewusstsein im eigentlichen
Wortsinn. D.h. du weisst, dass du existiert, du kennst deine
Wuensche, deine Gefuehle, deine Erinnerungen. Es ist der Teil in dir,
den ich meine, wenn ich DU sage.

obwohl das auch
schon angezweifelt wird. ich hab auch gelesen (ich glaube
nietsche hat das gesagt), dass es kein individuum gibt,
sondern ein Di-individuum, d.h. wir werden von mehreren
unterschiedlichen „dingen“ in unserem hirn gesteuert.

Auf alle Faelle. Nur weiss ich nicht, ob Nietzsche dieselben Dinge im
Sinn hat wie ich.

für mich
ist dann das „Ich“, die zusammensetzung aus den ganzen
„dingen“. und jeder mensch ist doch individuell.

Ja.

selbst wenn die theorie mit dem unfreien willen stimmt, wie
schließt du dann darauf auf das sprechen - die kommunikation.
ich versuch nochmal deine theorie mit meinen worten zu
erklären: wenn ich spreche, denn habe ich den anschein, ich
spreche gerade dieses wort weil ich es will? unabhängig von
den mundbewegungen, die sicher reflexe sind. aber der gedanke
zu diesem wort kam von alleine. bzw. auch der wille dieses
wort zu sagen, kam auch alleine in abhängigkeit mit deinen
drei faktoren. aber dieses wort sage ich bewußt, weil ich es
will. also kurz :

  1. ich höre einen satz
  2. mein hirn denkt drüber nach(automatisch)
  3. ein gedanke zu einem neuen satz entsteht(aut.)
  4. der wille den satz zu sagen entsteht(aut.)
  5. ich sage den satz, weil ich es will

also die mundbewegungen, bzw. den befehl ein bestimmtes wort
zu sagen ist bewußt und gewollt. richtig?

So, denke ich, stimmt es.

Gruss, Tychi

hallo

mir ist da noch was eingefallen. kann es mit dem willen bzw.
gedanken so sein, wie mit den gefühlen? diese entstehen ja in
abhängigkeit der umwelt bzw. der jeweiligen situation. gefühle
entstehen ja automatisch „reflexartig“. nachdem das gehirn die
jeweilige situation verarbeitet hat, wird die dementsprechende
gefühlslage ausgelöst. die kann man sich ja auch nicht
aussuchen.

Genauso sehe ich es auch.

wie siehts du das mit dem entscheiden?? sind meine
entscheidungen auch nicht frei? ich hab mal gelesen
entscheidungen beruhen immer auf gefühlen. der ausdruck lass
deinen verstand entscheiden und nicht dein gefühl ist demnach
falsch.

Nachzulesen z.B. im Buch „Descartes’ Irrtum“ von A. Damasio.
Damasio ist Neurologe und hat sich auf Menschen spezialisiert, die
eine ganz bestimmte Hirnverletzung aufweisen, die den emotionalen
Bereich betrifft. Das Denken dieser Leute ist intakt, aber sie sind
nicht mehr in der Lage, eine einfache Entscheidung zu treffen, sobald
sie nicht mit Logik allein getroffen werden kann, was ja auf fast
alle Entscheidungen zutrifft, weil man sich meistens trotz
Informationsmangel entscheiden muss.

Entscheidungen faellt der Koerper.

Gruss, Tychi