Hallo,
Glücwunsch, möchte auch mal wieder rüber.
Autofahren in den Staaten macht mir ehrlich gesagt mehr Spaß als hier, da man (steckt man nicht gerade im Stau während der Rushhour vor oder in einer größeren Stadt) viel gemütlicher fahren kann. „Leben und Leben lassen“, trifft es wohl ganz gut. Außerhalb der großen Städte ist jedenfalls die Zahl agressiver Fahrer deutlich geringer als bei uns und klein Fehler werden viel leichter verziehen. Aufpassen muss man eigentlich nur bei Truckern im Zeitdruck, die übertrumpfen ihre hiesigen Kollegen leicht, was riskante Fahrweise angeht. Also im Zweifel besser Platz machen, wenn dir so ein Schlachtschiff hupend im Kofferraum hängt.
4-Way-Stop wurde ja schon erwähnt, gilt meiner Erinnerung nach aber nicht grundsätzlich an unbeschilderten Kreuzungen, sondern nur da wo ausgeschildert (warum würde man es sonst auch ausschildern?). Beim Tempo sollte man vorsichtig sein, aber die Mietwagen haben ja alle Tempomat und wenn man den so einstellt, wie man auch hier fahren würde (also etwas oberhalb der Begrenzung), kann eigentlich nichts passieren. Trotzdem immer auf versteckte Greifer achten.
Etwas putzig für unsere gewohnte Sichtweise sind oft die Ampeln angebracht, also genau hinsehen, welche Ampel für dich gerade gilt. „Yield on left turn“ o.ä. Schilder findest du oft an Kreuzungen und wirst dich sicher fragen, was sie bedeuten. Ist aber einfach nur die bekannt Situation, dass man als Linksabbieger trotz grüner Ampel natürlich den Gegenverkehr abwarten muss.
Hässlich sind oft die Parkverbote, da sie oft in Form seitenlanger Texte ausformuliert sind und verstanden werden wollen. Parkverbote nach geraden und ungeraden Monatstagen je nach Straßenseite für bestimmte Monate mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage mit Sonderregelung für Anwohner, „Snow-Emergencies“, … kommen gerne mal vor und können teuer werden (in Frankokanada verschärft sich dies für Leute ohne ausreichende französischen Sprachkenntnisse massiv und hat mich mal richtig Geld gekostet).
Ganz praktisch und weniger direkt auf das Fahren bezogen ein Tipp für Leute die sonst Schaltwagen fahren: Im Amaturenbrett findet sich oft der sinnige Spruch „Aply Brake to Start/Switch from Neutral“ o.ä. Den sollte man lesen, verstehen und dann auch befolgen. Ich weiß noch wie ich mit meinem ersten Wagen drüben (erster Automatik-Wagen nach über 10 Jahren) eine Viertelstunde auf dem Parkplatz stand, immer den Spruch im Blickfeld, aber eben nicht umgesetzt. Also Fuß auf die Bremse beim Anlassen und Fahrstufenwechseln!
Witzig sind zumdem oft die von Vermietern in die Autos gelegten Stadtpläne. Sie sind oft grob vereinfacht, kennen nur jede 10. Straße und zeigen so Feinheiten wie Auffahrrampen auf Highways oder Überführungen nicht an (stattdessen nur eine einfache Kreuzung). Als ich damals in Chicago den Wagen endlich vom Hof hatte, hat es mich fast eine Stunde gekostet, bis ich dies so richtig mitbekommen hatte und dann endlich auf dem richtigen Weg war (lt. Plan lag der richtige Highway drei Kreuzungen weiter, tatsächlich war er einige Kilometer weiter weg und überquerte die Straße nur, die nächste Auffahrt war einige Blocks weiter).
Ansonsten ist es noch ganz hilfreich sich das Nummernsystem der Highways mit den Himmelsrichtungen etwas zu vergegenwärtigen. Dies erleichtet die Orientierung ungemein. Man muss nicht das genaue Ziel kennen, sondern fährt eben notfalls einfach den nächsten Highway in die richtige Himmelsrichtung, und wechselt auf einen Highway mit drei Ziffern, wenn man in eine Stadt rein will, …
Ansonsten sei in Städten auf viele Einbahnstraßen gefasst. In den quadratisch angelegten modernen Städten kein Problem, da die Richtungen immer abwechselnd ausgeschildert sind, in Städten wie Boston mit gewachsenem Kern schon mal was für Leute mit guten Nerven.
Gruß und viel Spaß und erkundige dich nach den Gegenden, die man besser mit dem Auto meidet.
Wiz
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