Autor ohne Motiv?

Hallo zusammen,

ich war früher immer der Meinung, dass Bücher Geschichten erzählen würden. Geschichten, in die der Autor bestimmte Lehren oder Aussagen, die ihn wichtig erscheinen, hineingepackt hat.

Aus Sicht der Literaturwissenschaften wird dies aber gerade verneint. Wissenschaftlich betrachtet geht es um die Untersuchung von Verfahren der Wahrnehmung. Je unabgenutzter solch ein Verfahren ist, desto eher handelt es sich bei dem jeweiligen Werk um Kunst, je gewöhnlicher solche ein Verfahren ist, desto mehr geht es in Richtung Trivial- oder Unterhaltungsliteratur.

Die Psyche des Autors, seine innere Einstellung, seine Erfahrungen, seine Intentionen ein Werk zu verfassen, sind literturwissenschaftlich völlig unwichtig.

Ich weigere mich noch etwas, dies zu akzeptieren, weil es mir mein Interesse am Lesen nimmt. Ich lese gern, weil ich am Erfahrungsschatz des Autors teilhaben will, weil ich mich gerne in fremde Welten entführen lasse und weil ich aus einem Buch auch immer eine gewissen Essenz, bzw. Erkenntnis mitnehme. Lesen soll ja bekanntlich bilden :smile:

Wenn das aber alles gar nicht richtig ist, dann habe ich da ein großes Problem.

Könnt Ihr mir da bitte ein paar Hinweise geben?

Vielen Dank, Rolo

Schreiben: Motive und Qualität

Hallo, Rolo

Du fragst 1. nach den Motiven, die zum Schreiben führen und 2. nach der Qualität des Geschriebenen.

Motive zum Schreiben sind u. a. Erlebnis, Emotion, Stimulanz, Affektstau und Sublimierung.

Qualitative Kriterien zur Beurteilung des Geschriebenen sind u. a. Vollkommenheit, Stimmigkeit,
Expressivität, Werthaltigkeit, Allgemeingültigkeit, Interessantheit, Originalität, Komplexität, Ambiguität,
Authentizität, Widerständigkeit und Grenzüberschreitung.

Gruss
Adam

Komisch, das klingt alles so unverständlich.

Wenn ich ein Buch lese oder schreibe, dann muß es spannend sein. Und spannend ist es, wenn der Protagonist vor einem Problem steht, und erstmal nicht weiß, wie es weiter geht, und dann, zusammen mit dem Leser, angetrengt nachdenken muß, wie man es lösen könnte.

Natürlich gibt es noch tausend andere Punkte, die ein gutes Buch ausmachen, vom Humor bis zum Schreibstil, aber dieser Punkt ist wohl einer der wichtigsten, denn eine langweilige Handlung ist auch mit noch so viel Literaturwissenschaft nicht zu ersetzen.

Hallo,

danke für Dein Feedback. Sorry, dass ich mich unverständlch ausgedrückt habe. Mir ging es um folgendes: Habe mich kürzlich mal näher mit Literturwissenschaften befaßt, weil ich mir davon neue Erkenntnisse zu meinen Lieblingsbüchern und -autoren erhofft habe. Ich mußte aber feststellen, dass der wissenschaftliche Zugang zur Literatur absolut gar nichts mit meinem Verständnis von Literatur zu tun hat. Dies hat mich sehr irritiert. Daher habe ich den Rat anderer Menschen gesucht. Verstehst Du mich jetzt besser?

LG, Rolo

Hallo!

Ja, ich verstehe.

Sorry für meine Antwort, die hilft dann wohl nicht.

Grüße

Andreas

Guten Morgen, Andreas,

das wäre ja noch schöner, wenn Du Dich für Deine Antwort entschuldigen müßtest :smile: Dafür gibt es keinen Anlass. Das was Du beschrieben hast, gibt auch meine Einstellung zum Lesen und zur Literatur wider. Wenn man ein Buch liest oder auch einen Film ansieht, dann interpretiert man automatisch. Man reimt sich persönlich was zusammen, das einem entweder gefällt oder nicht gefällt. Ich vermute aber, dass Interpretation nicht wissenschaftlich ist und die Literaturwissenschaften einen völlig anderen Zugang zu einem Werk haben muss, als ein Leser. Der Leser spekuliert z. B. darüber, was der Autor wohl für ein Mensch ist/war, was er für eine Kindheit hatte, wie er zu dieser Geschichte gekommen ist, welche Moral ihm bei diesem Buch wichtig war, usw. Das macht mir sehr viel Spaß, hat aber scheinbar nix mit Literaturwissenschaften zu tun. Ich habe halt gehofft, dass es jemanden gibt, der mir das Bindeglied zwischen der Literaturwissenschaft und meinem Verständnis als Leser, aufzeigen kann.
LG Rolo

Hallo Rolo,

Deine Beschreibung der Literaturwissenschaft erfaßt nur einen Teilbereich bzw. eine spezielle Methodenlehre. Innerhalb der Entwicklungsgeschichte der Literaturwissenschaft gab und gibt es diverse Theorien & Interpretationsmodelle.

Die Psyche des Autors, seine innere Einstellung, seine Erfahrungen, seine Intentionen ein Werk zu verfassen, sind literturwissenschaftlich völlig unwichtig.

Das stimmt so nicht. Die empirische Literaturwissenschaft bezieht z.B. Fragestellungen der Produktion mit ein. Kurz gesagt: Es existieren diverse Interpretationsmodelle, die den „Autor“ (übrigens kein so simpel zu definierender Begriff, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag) in den Mittelpunkt stellen.

Ich weigere mich noch etwas, dies zu akzeptieren, weil es mir mein Interesse am Lesen nimmt. […] Wenn das aber alles gar nicht richtig ist, dann habe ich da ein großes Problem.

Dieses Problem teilst Du mit so manchem Erstsemester der Literaturwissenschaft :wink:
Die Arbeit an Literatur und die Erkenntnisse, die man dadurch gewinnt, können großen Genuss verschaffen. Beispiel: Ein einzelnes Werk kann den Blick erweiteren für die Zeitgeschichte, den Kontext, in dem es entstanden ist. Kunst bzw. im engeren Sinne Literatur „reagieren“ auf Fragen, die innerhalb einer Epoche entstehen, Fragen der Zeitgeschichte, aber auch Fragen der Kunst (Stichwort Literaturtheorie: Kulturpoetik, New Historicism usw.). Das zu erforschen kann ungeheuer spannend sein und einem einzelnen literarischen Werk eine Dimension verleihen, die die ungeschulte Lektüre nicht bieten kann.

Viele Grüße
Diana

Guten Morgen Rolo!

Mir geht es genauso. Ich verstehe die Literaturwissenschaftler nicht. Ich dachte, Bücher werden geschrieben, um verkauft zu werden, und dazu müssen sie die Leser ansprechen. So wie Dich. Wenn die Ergebnisse der Wissenschaft mit den Verkaufszahlen übereinstimmen würden, wäre es für mich verständlich, aber andernfalls nicht. Na ja, vielleicht denke ich zu sehr ans Verkaufen. Habe nämlich viele Bücher darüber gelesen, und die waren sehr spannend. Jetzt schreibe ich selber einen Roman, und lese gerade eine Diplomarbeit darüber, welche Ursachen es hat, daß manche Romane erfolgreich werden und andere nicht. Vielleicht ist so eine profane Diplomarbeit aber gar nicht gut genug für diese sogenannten Literaturwissenschaftler.

Übrigens, das frage ich mich schon die ganze Zeit, wie kommst Du zu dem Thema Literaturwissenschaft? Schreibst du ein Buch oder hast es vor?

Grüße Andreas

Hallo Diana!

Das klingt gut, was du schreibst. Wirklich! Anscheinend ist es für jeden Romanautor das beste, erstmal Literaturwissenschaft zu studieren, wie es ja auch manche erfolgreiche Autoren tun. Wenn der Autor, so wie ich, aber keine Zeit dazu hat, und bisher noch keinen Roman geschrieben hat, sondern vielleicht nur Sachbücher, so wie ich, sollte er dann überhaupt versuchen, einen Roman zu schreiben, oder hat man ohne Literaturwissenschaft studiert zu haben, keine Chance?

Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

Wenn der Autor, so wie ich, aber keine Zeit dazu hat, und bisher noch keinen Roman geschrieben hat, sondern vielleicht nur Sachbücher, so wie ich, sollte er dann überhaupt versuchen, einen Roman zu schreiben, oder hat man ohne Literaturwissenschaft studiert zu haben, keine Chance?

Du hast keine Zeit zu lesen, aber zu schreiben? Hoffentlich verfaßt Du Deine Sachbücher nicht auch bar jedes Wissens um den Kenntnisstand Deines Fachs :wink:

Will man Belletristik verfassen, schadet es keineswegs Literatur zu studieren, also zu lesen.

Einige Autoren wie Proust machten, um zu ihrem eigenen Stil zu finden und diesen zu entwickeln, Fingerübungen in Form von Pastiches, d. h. Kopien anderer Stile bzw. Autoren (ähnlich manchen bildenden Künstlern). Das Originalgenie, das völlig unberührt von den Einflüssen anderer Texte schreibt, ist doch eher selten. Und eher selten gut.

Viele Grüße
Diana

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Hallo nochmal,

naja, ganz so sehe ich es nicht :smile: Ich glaube nicht, dass sich ein wertvolles Buch unbedingt gut verkaufen muss, umgekehrt kann ein oberflächliches, aber spannend geschriebenes Buch ein Beststeller sein. Glaubst Du, dass die Sendung „Germanys next Topmodel“ eine wertvolle Sendung ist, nur weil sie hohe Einschaltquoten hat? Vielleicht ist eher das Gegenteil der Fall. Die Masse hat noch selten für Qualität gebürgt :smile:
Mit den Literaturwissenschaften habe ich nur insoweit ein Problem, als sie für mein Vorhaben, Näheres über meine Lieblingsautoren herauszufinden, nicht taugen. Da muss ich mich mal um Sekundärliteratur zu den einzelnen Werken kümmern. Ich bin z. B. ein großer Fan von Hesse. Seine Bücher lassen ja enormen Spielraum für Spekulationen. Die Literaturwissenschaften setzen sich inhaltlich aber nicht mit Hesses Werk auseinander, schon gar nicht wertend oder beurteilend, sondern ordnen Hesse bestenfalls in ein Ranking oder in eine Epoche ein. Dafür kann aber die Literturwissenschaft nichts. Es war mein Fehler. Das ist so ähnlich, als wollte man ein Brot kaufen und geht deshalb in ein Reisebüro :smile:
Ein Buch könnte ich ja auch mal schreiben :smile: Kenne mich aber vor allem mit den rechtlichen Dingen nicht aus: Wie finde ich einen Verlag, wie schütze ich wirksam mein geistiges Eigentum, usw.
Weißt Du es?
LG Rolo

Hallo Diana!

Na wenn es nur das ist, dann bin ich ja beruhig. Ich lese nämlich maßlos gerne und viel.

Grüße

Andreas

Hallo, Diana,

ja Du hast Recht. Ich habe da glaube ich den sog. Strukturalismus erwischt :smile: Keine Ahnung welchen Stellenwert diese Methode in der Geschichte der Lit.wissenschaft hat. Diese Methode (wenn ich es richtig verstanden habe), verbietet jegliche Interpretation über was auch immer, weil es nicht wissenschaftlich ist. Also, ob z. B. ETA Hofmann deshalb so düstere GEschichten geschrieben hat, weil er eine schwere Kindheit hatte, etc. ist demnach unerheblich. Auch was der Autor selbst wollte, ist egal. Diese sog. Widerspiegelungstheorien (also von der Psyche eines Autors auf sein Werk zu schließen) haben sich lt. dem Strukturalismus auch nicht bestätigt. Ich bin Laie, bzw. „reiner USER“ von Literatur :smile: Aus meiner subjektiven Sicht, verbirgt sich in der Weltliteratur eine ganze Menge an Weisheit und Erhabenheit. Aber ich kann ja falsch liegen. Vielleicht bewerte ich das alles über, weil ich mich vielleicht zu sehr beeindrucken lasse. Letztlich ist ja - wie Du schon angedeutet hast - die gesamte Literatur- und Kunstgeschichte, usw. nichts anderes, als die Reproduktionen der Psyche unzähliger Menschen. Warum soll da Weisheit dahinterstecken? So könnte man es ja auch sehen. Goethe war ja letztlich auch nur ein Mensch. Woher sollte er die Lösung der letzten Fragen kennen? Auch er hat nur Vermutungen angestellt. Aber das führt hier zu weit. Ich stimme Dir zu, dass es ein Abenteuer ist, sich mit Literatur und deren Entstehungsgeschichte zu befassen :smile:
LG, Rolo

blödsinn (sorry)
hi,

Das klingt gut, was du schreibst. Wirklich!

da stimme ich dir allerdings zu.

Anscheinend ist es
für jeden Romanautor das beste, erstmal Literaturwissenschaft
zu studieren, wie es ja auch manche erfolgreiche Autoren tun.

das ist unsinn. und zwar in doppelter hinsicht:
1.) die wenigsten leser, die einen mit heutigen maßstäben als erfolgreich gewerteten (also gut verkaufen) roman lesen, haben das rüstzeug, um das überhaupt zu beurteilen, sprich: sie wollen lesen, was ihnen spannend erscheint, ihre alltagsprobleme thematisiert oder in anderer weise ihren interessen entspricht. (by the way: „roman“ das war einst die literatur für die einfachen leute in der stadt, im sinne von „gebrauchsanleitungen für das leben“ - im gegensatz zu poetischen gattungen, die ausschließlich der erbauung dienten.)

2.) die wenigsten guten autoren würde man nach heutigen maßstäben als erfolgreich bezeichnen. es sind nämlich nicht die, die am meisten kasse machen. dafür haben aber gute autoren die chance auf ein gutes stück unsterblichkeit.

Wenn der Autor, so wie ich, aber keine Zeit dazu hat,

bücher schreiben und keine zeit zu haben ist ein widerspruch in sich.

und :bisher noch keinen Roman geschrieben hat, sondern vielleicht
nur Sachbücher, so wie ich,

auch sachbücher sollten gut zu lesen sein. das geht aber nicht, wenn man sich nicht mit dem leser und seinen erwartungen beschäftigt.

sollte er dann überhaupt
versuchen, einen Roman zu schreiben, oder hat man ohne
Literaturwissenschaft studiert zu haben, keine Chance?

nochmal: die wenigsten autoren haben literaturwissenschaft studiert. allerdings öffnet diese wissenschaft dem interessierten schreiberling eine neue dimension, das stimmt schon. aber er darf eben nicht erwarten, dass das 1:1 vom leser honoriert wird (vielleicht noch nicht mal vom verleger, der ja marktorientiert die manuskripte auswählen muss, um sein unternehmen erfolgreich zu führen).

was aber auf keinen fall schadet, ist, wenn sich ein angehender autor etwas mit dem handwerk und der theorie des schreiben befasst und weiß, wie er die worte einzusetzen hat, um sympathie, empathie, spannung, ruhe oder thrill beim leser zu erzeugen.
es reicht NICHT, ein manuskript einfach nur geschrieben zu haben. das ist bestenfalls der rohstoff für einen roman, vergleichbar dem holz für eine truhe oder farbe und leinwand für ein bild - auch hier ist das material für das fertige werk nur ein kriterium. ob das bild ein kunstwerk (oder wenigstens „schön“) wird, entscheiden andere faktoren.

schöne grüße
ann

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nur, um die begrifflichkeiten zu klären:
ich meinte hier „studieren“ im sinne von „universitätsstudium absolvieren“.
selbst setze ich die tätigkeit aber eher in dianas sinne, nämlich als lesen und mit einer sache beschäftigen, gleich.

Hallo!

Glaubst Du, dass die Sendung „Germanys next Topmodel“ eine
wertvolle Sendung ist…

Nein, nein, nein, nein nein!!!

Das ist so ähnlich, als wollte man ein Brot kaufen und geht deshalb in
ein Reisebüro :smile:

Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren!

Wie finde ich einen Verlag?

Die meisten suchen im Buchhandel ein Buch ähnlichen Inhaltes, suchen die Adresse raus, und schreiben den Verlag an. Ich werde das demnächst auch mal probieren.

Du kannst es natürlich auch selbst vermarkten, ohne Verlag, dazu mußt du nur gute Kontakte zur Zielgruppe haben. Bei meinem Buch über Gulaschkanonen habe ich die, bei meinem Roman bis jetzt noch nicht, es kommt drauf an, über welches Thema du schreibst.

wie schütze ich wirksam mein geistiges Eigentum?

Automatisch durch das Urheberrecht. Brauchst du nichts für tun, kein Schreiben ans Patentamt, nichts, geht ganz automatisch.

Grüße

Andreas

verbietet jegliche Interpretation über was auch immer, weil es nicht
wissenschaftlich ist.

Wissenschaftler, die sich das Recht nehmen, Verbote aufzustellen, und glauben, beurteilen zu können, welches Denken wissenschaftlich ist, und welches nicht.

Kein Kommentar.

@rolo und @andreas
vielleicht gibt euch das eine hilfe: http://www.amazon.de/Einblick-Deutschen-Literatur-St…

es ist ein bändchen, das sich eigentlich an zukünftige literaturstudenten richtet, um ihnen zu zeigen, wovon die literaturwissenschaft überhaupt handelt und was sie für werkzeuge sich beim studium erschließen.
mir (als nicht-universitär literaturgebildeten) hat es aber auch sehr geholfen, überhaupt zu verstehen, was literaturwissenschaft überhaupt meint.

schöne grüße
ann

Hi!

Literaturwissenschaft zu studieren, wie es ja auch manche
erfolgreiche Autoren tun.

das ist unsinn.

Nein! Das ist Tatsache!

Zugegeben, es waren Fehler in dem, was ich geschrieben habe, aber ich glaube nicht, daß deshalb alles „Unsinn“ ist.

Grüße

Andreas

ho,

Zugegeben, es waren Fehler in dem, was ich geschrieben habe,
aber ich glaube nicht, daß deshalb alles „Unsinn“ ist.

es war nicht meine absicht, dich runterzumachen, aber es ist wirklich unsinn, dass man, um einen roman zu schreiben, literaturwissenschaft studiert haben muss. das schreibhandwerk zu erlernen wäre zielführender.

ebenso ist es unsinn, dass gute autoren zwingend erfolgreich sind. aber das habe ich doch alles oben schon erklärt.

schöne grüße
ann

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