Autoren nichtdeutscher Muttersprache

Hallo!

Ich suche interessante/lesenswerte Autoren/Werke nichtdeutscher Muttersprache, die allerdings auch oder ausschliesslich in deutscher Sprache geschrieben haben. Im Internet habe ich dazu leider noch nicht allzu viel gefunden(außer der Erwähnung des Adelbert-von-Chamisso-Preises und seiner Preisträger). Mich interessieren vor allem ältere Werke(etwa 50 Jahre und älter). Ich würde mich freuen, sollte es gute Quelle bzw. Informationen zu diesem Thema geben :smile: .

Gruß

Hallo!
Da kann ich dir einen meiner persönlichen Favoriten empfehlen: Elias Canetti (1905-1994). Er wurde im heutigen Bulgarien als türkischer Staatsbürger geboren und sprach als Muttersprache das alte Spanisch der sephardischen Juden. Mit sechs Jahren übersiedelte die Familie nach Manchester, dort lernte er Englisch und Französisch. Nach dem Tod seiner Vaters kam er 1913 nach Wien, wo er Deutsch lernte. In dieser Sprache verfasste er später seine Werke. Später lebte er in London und Zürich.
Ganz besonders ans Herz legen möchte ich dir „Die Blendung“ und „Die Stimmen von Marrakesch“ sowie seine mehrbändige Lebensgeschichte, vor allem den Band „Die Fackel im Ohr - Lebensgeschichte 1921-1931“.
Grüße, Peter

Hallo ich meine Sandor Marai hat anfangs auf deutsch geschrieben, Auch Nabokov hat unmittelbar nach seinem Exil auf deutsch veröffentlicht
LG Natalia

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Hallo,

Da kann ich dir einen meiner persönlichen Favoriten empfehlen:
Elias Canetti (1905-1994).

Ja.
Aber: er lernte Deutsch von seinen Eltern, schon als kleines Kind. Seine Eltern, beide hatten in Wien gelebt, unterhielten sich auf Deutsch, und schufen sich dadurch gegenüber den Kindern eine Privatsphäre (eine Art Geheimsprache). Das spornte den jungen Elias an, diese Sprache zu lernen. Er sprach auch Ungarisch, weil die Dienstboten Ungarn waren.
Alles nachzulesen in seiner Autobiographie „Die gerettete Zunge“.

Gruß
Elke

Servus,

Wladimir Iljitsch Lenin hat wohl das meiste von seinen Werken auf Deutsch verfasst, weil er der Ansicht war, das Deutsche sei zur Darstellung komplexer Sachverhalte besser geeignet als das Russische, weil es im Deutschen möglich ist, Sätze mit beliebig komplexen inneren Bezügen zu bilden, die davon allenfalls schwer lesbar werden, aber immer logisch und eindeutig bleiben. (Leider keine Quelle dazu, ich habe keine Erinnerung, wo ich das aufgegabelt habe.)

In einem anderen Gebiet, nämlich des Chansons im weitesten Sinn, gibt es die Texte zu den finnischen Tangostücken von Mauri Antero Numminen, die er in einigem Umfang in einem ziemlich possirlichen Deutsch verfasst hat; angefangen hatte das mit dem Tangolied „Mit meiner Braut im Parlamentspark“, das trotz großer Popularität vom finnischen Radio nicht gespielt werden durfte, weil die Leitung sich gegen die „Verhöhnung des Parlamentes“ verwahrte. Das meiste von Numminens deutschen Texten hat er mit dem „Neorustikalen Jazzorchester“ eingespielt.

Schöne Grüße

MM

Moin,

dazu fällt mir Galsan Tschinag ein, in der Mongolei geboren, in der DDR studiert, schreibt seine Romane auf deutsch.

Gruß
Marion

Moin, moin DiscoStu,

mit Autoren älterer Provenienz kann ich im Augenblick nicht diesen, aber zu den von Dir gesuchten Autoren gehört sicher Wladimir Kaminer, der in Berlin lebt.
Sein erstes (glaube ich wenigstens) Werk war „Russendisco“.

Gtuß - Rolf

Hallo Natalia,

Auch Nabokov hat unmittelbar nach seinem Exil auf deutsch veröffentlicht

Nabokovs Werk erschien zwar schon während der Zeit seines Exils in Berlin (1922-1937) in deutscher Übersetzung (so „Mašenka“ im Ullstein Verlag), geschrieben hat er keines seiner Werke in deutscher Sprache.

Während der Zeit seines Exils in Europa schrieb und veröffentlichte Nabokov in seiner Muttersprache in den Zeitungen und Verlagen der russischen Exilanten in Berlin und Paris, in den USA verfaßte er seine Werke in englischer Sprache. Englisch beherrschte er seit seiner Kindheit.

In den Jahren seines Aufenthalts in Berlin bewegte er sich vornehmlich in den Kreisen russischer Exilanten. Sein Verhältnis zu Deutschland und der deutschen Sprache hat er 1971 in einem Interview mit Kurt Hoffmann beschrieben: http://www.wladarz.de/Vorwort/Inhalt/Chronik/NABOKO_…

Zu Nabokovs Verhältnis zu Deutschland im Allgemeinen siehe auch Dieter E. Zimmers Vortrag „Bierkrüge und Vergissmeinnicht“ von 1999: http://www.d-e-zimmer.de/PDF/nabokov+deutschland1999…

Viele Grüße
Diana

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