AVENTICUM: Wozu diente das unbebaute Gebiet?

Hallo, Wissende

AVENTICUM (Schweiz) hatte als einzige römische Stadt eine überdimensionierte Ringmauer, die ausser
dem Stadtkern auch ein riesiges unbebautes Gebiet umgab. Bis heute konnte offenbar kein Historiker
erklären, wozu diese Fläche diente. Weiss es jemand von euch?

„… Um 89 nach Christus wurde Aventicum in die Provinz Germania Superior eingegliedert. In diese Zeit
fällt auch eine rege Bautätigkeit. Die Stadt wurde mit einer grossen Ringmauer umgeben …“

„Die Mauer war 5.2 km lang, mit den Zinnen rund 7 m hoch und am Fuss über 2 m mächtig. Sie wurde
mit 73 Türmen verstärkt und besass zwei Haupttore an der römischen Heerstrasse im Westen und im
Osten sowie weitere Tore im Nordosten, im Norden und im Süden. Die Ringmauer umfasste eine Fläche
von rund 2 km², von der jedoch selbst zur Blütezeit von Aventicum höchstens ein Viertel überbaut war.
…“

http://de.wikipedia.org/wiki/Aventicum

Mit Gruss & Dank

Adam

Hallo,

Bis heute konnte offenbar kein Historiker
erklären, wozu diese Fläche diente. Weiss es jemand von euch?

Scherzkeks, hm?
Wenn die Historiker es nicht wissen, bleiben nur noch die Hellseher. Aber dafür bist Du im falschen Brett.
Gruß
loderunner

Bauplätze?
Hallo Adam,

haben Historiker keine Phantasie? Vielleicht hat man für die Zukunft geplant und gleich einige „Bauplätze“ mit eingezäunt.

Also ich würde es so machen. Es macht ja keinen Sinn, eine Stadtmauer zu bauen, die nur genau so groß ist wie die bebaute Fläche und keinen Platz mehr lässt.

Schöne Grüße

Petra

Hallo !

Vielleicht als Zelt- und Lagerplatz für Gewalthaufen, für die die Schweiz damals bekannt war. Große Landsknechtsheere, die dann im Schutz der Mauer lagerten.

mfgConrad

haben Historiker keine Phantasie? Vielleicht hat man für die
Zukunft geplant und gleich einige „Bauplätze“ mit eingezäunt.

Hallo,
ich vermute auch, dass es sich so verhält, zumal man früher (vielleicht mehr wie heute) Städte teils sehr vorausschauend geplant hat, aber nicht alles wie geplant umgesetzt werden konnte. So wurde beispielsweise Ferrara unter Ercole I. d’Este (1431-1505) erweitert, wobei zunächst nur eine weiträumiger Mauerring und Straßen angelegt wurden. Ein großer Teil des so erschlossenen Gebietes wurde aber lange Zeit nicht bebaut. Vielleicht ist es schon unter den Römern in Aventicum so abgelaufen, dass das Konzept nicht vollständig aufgegangen ist und die Stadt sich nicht wie erwartet entwickelt hat.
Grüße, Peter

Vielleicht als Zelt- und Lagerplatz für Gewalthaufen, für die
die Schweiz damals bekannt war.

89 n.Chr?

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Vielleicht als Zelt- und Lagerplatz für Gewalthaufen, für die
die Schweiz damals bekannt war.

89 n.Chr?

Da hab ich wohl nicht aufgepaßt!
Von mir auch ein Sternchen??

Hallo Adam,

es ist nicht so, dass die Historiker es nicht wissen. Es ist mehr so, dass die Historiker mehrere Erklärungsmöglichkeiten haben, die auch in Kombination richtig sein können. Sprich: Das es mehrere Gründe gab.
Bereits ab 84 var unter Domitian der Bau des Obergermanisch-Rätischen Limes begonnen worden. Das war einerseits natürlich eine Folge der ständigen Germanenüberfälle, die sich gerne mal als alles andere als römische Bürger fühlten, andererseits aber auch Folge eines Traumas, das bereits seit 9n.Chr. durch die Köpfe römischer Militärs geisterte. Damals hatte Arminius (auch Herrmann der Cherusker) Varus geschlagen und gleich drei Legionen verheizt.
Um die Auswirkungen zu verstehen und warum das siebzig Jahre später noch seinen Niederschlag fand, muss man sich vorstellen, dass das Geschichtsbewußtsein damals (unter anderem in Militärkreisen, aber nicht nur dort) erheblich größer war. Germanien, insbesondere der nördliche Teil, war für Rom so etwas wie Vietnam geworden. Julius Caesar hatte bereits dort gekämpft, Varus (und war besiegt worden) und, was 89 noch nicht absehbar war, beinahe hundert Jahre später würde Marc Aurel noch immer dort kämpfen. Was aber absehbar war, war folgendes: Jeder Feldzug in Germanien war mit hohen Verlusten behaftet, Germanien war für die Römer ein teures Pflaster und die Hoffnung dort wirklich so etwas wie den Deckel draufzukriegen, war bereits seit 20 Jahren geschwunden.
Domitian, der Sohn Vesparsians, kam 79 an die Macht und stand sofort unter Druck, da ihm nicht gerade der Ruf eines erfahrenen Militärführers anhing. Er packte den Stier bei den Hörnern und suchte den Erfolg ausgerechnet in Obergermanien. Man muss zugeben, dass es ihm in kurzer Zeit gelang, diesen eigentlich bereits schwer gebeutelten Haufen wieder auf die Beine zu kriegen und auf breiter Front rechts des Rheines bis weit nach Hessen (das damals natürlich noch nicht so hieß) vorzustoßen. Danach begann er mit dem Bau des OG-R-Limes. So weit so gut, aber das Ganze war auch ein politisches Manöver. Domitian löste damit nämlich die Zusage ein, die ursprünglich sein Vater Vesparsian getätigt hatte, nämlich Germanien zu befrieden. Nur wusste Domitian, der sich mit unglaublichem Pomp als Befrieder Germaniens feiern ließ, dass die Germanen nicht friedlich bleiben würden und das ein einzelner Wall von ewiger Länge kaum eine wirklich bewachbare Befestigung darstellt. Auch die Verträge mit den jeweiligen Stammeseliten waren kein Schutz der Grenzen und was Rom ja schon gar nicht wollte, war ein Einstieg in die innergermanischen Streitigkeiten.
Domitians Lösung war einfach (und sollte für die nächsten rund 1000 Jahre als Muster dienen, auch wenn das den meisten unklar war). Er ließ den Wall fertig bauen, aber dahinter wurden auch Garnisonen in einem nie gekannten Ausmaß befestigt. Aventicum war die erste Stadt, die man befestigte. Nur wieder, eine Mauer gerade um das bebaute Gebiet herum war witzlos. Im Fall einer Belagerung (wir erinnern uns an das Cheruskertrauma, die Einschätzung der militärischen Kapazitäten der Germanen war deutlich zu hoch, schon seit 70 Jahren) musste eine befestigte Stadt notfalls Raum bieten für:

  • die Bevölkerung
  • Lager (im Sinne von Getreidespeicher)
  • Lagerplatz (im Sinne von Wiese auf der sich bis zu einer Legion mal eine Weile niederlassen konnte)
  • Weide (denn Legionen marschierten mit einem Haufen Pferden und Lebendproviant)
  • Flüchtlingen aus dem Umland (denn es gab ja eine Menge Einzegehöfte die im Falle eines tiefer gehenden Angriffes nicht zu verteidigen gewesen wären).

Aventicum ist also ein Beispiel für den Wechsel einer expansiven Politik zu einer defensiven. Es lag weit genug von der Grenze Weg um als Bereitstellungsraum nutzbar zu sein, es war groß genug um als Festung gehalten zu werden, sollte es zum Schlimmsten kommen und es stellte gewissermaßen eine logistische Basis im Süden Germaniens dar. Denn die beiden anderen Hauptbasen waren ja Köln und Meinz, die sich durch ihre Nähe zueinander gegenseitig sicherten. Übrigens gab es auch in diesen beiden Städten Befestigungen, nur nicht so umfangreich und vor allem nicht auf dem Reißbrett entworfen wie Aventicum.
Aventicum seinerseits wurde damit übrigens zum Vorbild späterer Befestigungsanlagen bis ins Hochmittelalter hinein. Aber die Gründe sind eben nur aus dem Hintergrund der damaligen Situation heraus verständlich.

Gruß
Peter B.

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vielleicht als Campingplatz für teutonische Touristen?

Pardon!
Pit

Danke, das sind sehr interessante Gesichtspunkte

Hallo, Peter

Danke. Das sind einige sehr interessante Gesichtspunkte.

Gruss
Adam

Hallo Peter

  • Lager (im Sinne von Getreidespeicher)
  • Lagerplatz (im Sinne von Wiese auf der sich bis zu einer
    Legion mal eine Weile niederlassen konnte)
  • Weide (denn Legionen marschierten mit einem Haufen Pferden
    und Lebendproviant)
  • Flüchtlingen aus dem Umland (denn es gab ja eine Menge

Das hast Du schön erklärt, mein Stern ist Deiner.
Aber was ist " bis zu einer Legion" , eine Legion ist klar, aber was ist …? ein Viertel, oder ein 36tel ?
Gruß
Rochus

Vorher und nachher wurde nichts Ähnliches gebaut

Danke, Peter, deine Antwort enthält einige interessanten Hinweise.

Aventicum seinerseits wurde damit übrigens zum Vorbild
späterer Befestigungsanlagen bis ins Hochmittelalter hinein.
Aber die Gründe sind eben nur aus dem Hintergrund der
damaligen Situation heraus verständlich.

Hast du Beispiele? Ich kenne keine überdimensionierten Befestigungsanlagen aus dem Mittelalter. Gerade
auch deshalb, weil vorher und nachher nichts Ähnliches gebaut wurde, ist die Zweckbestimmung der Mauer
von AVENTICUM historisch so schwierig einzuordnen.

Gruss
Adam

Hallo

Das sind nicht Frgaen, die Historiker klären, sondern Archäologen. Ich kenne die genauen Befunde von Aventicum nicht. Aber aufgrund der alten Grabungen wäre es möglich, dass das Gebiet, das du als unbebaut annimmst, einfach nicht oder schlecht erforscht ist. Es gab ne Zeit, da grub man den Mauern entlang. Somit wurde vieles übersehen oder blieb gänzlich unberührt. Wenn es dich noch interessiert, schreib mir eine Mail. Ich bin u.U. bereit, der Frage nachzugehen.

Viele Grüsse

Wiesel

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