Baader-Meinhoff-Gruppe / RAF

Hallo WWW-lers,
ich komme gerade vom Kino und habe das o.g. Film gesehen („Der Baader Meinhof-Komplex“). Da ich zu der Zeit selbst ein Kind war, das ausserdem in einer schrecklichen Diktaur lebte, bekam ich selbst nicht viel mit.
Da ich davon ausgehe, daß alles was im Film gezeigt wird, auch der Wahrheit entspricht, habe ich ein paar Fragen, nämlich:

  1. Wenn die 4 „großen“ der Baader Meinhof schon verhaftet sind, nimmt die „zweite RAF-Generation“ den „Ruder“, (Brigitte Mohnhaupt u. andere) wenn ich mich so ausdrücken darf. Im film wird gezeigt, daß sie mit einem Kollegen und einer andere Frau der Bande (Susanne Albrecht), die Familie von letzteren besuchen… und die ersten zwei ermorden ihren Vater kaltblütig, ohne daß offensichtlich ihre Tochter davon gewußt hatte (sie kriegt einen schrecklichen Anfall) Wer war die Familie von Susanne?

  2. Im film wird nebenbei erwähnt, daß sowohl Gudrun Ensslin, wie auch Andreas Baader und Ulrike Meinhof, Kinder hatten. Bei Gudrun ist ein Neugeborenes und bei Ulrike sind es zwei Mädchen ca 8 Jahre alt. Von Andreas wird es nur sehr nebenbaei erwähnt. Die Frage hier lautet: Was ist aus diesen Kinder geworden? Was machen sie heutzutage?

  3. Wenn ich es richtig verstanden habe, war Rudi Dutsche, nach dem Attentat auf ihn, erstmal lange, sehr lange in Therapie und rangte wohl mit dem Tod. Danach erscheint er nur im Film bei der Beerdigung von Ulrike. Was ist aus ihn geworden? Was hat er danach getan bzw. sein Leben bestritten?

Also schon mal jetzt vielen Dank für das Lesen bis hierher und eure möglichen Antworten!

Schöne Grüße,
Helena

Hallo, Helena,

  1. …Im film
    wird gezeigt, daß sie mit einem Kollegen und einer andere Frau
    der Bande (Susanne Albrecht), die Familie von letzteren
    besuchen… und die ersten zwei ermorden ihren Vater
    kaltblütig,

ermordet wurde nicht Albrechts Vater ( http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Christian_Albrecht ), sondern der mit diesem befreundete Jürgen Ponto ( http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Ponto ).

  1. Im film wird nebenbei erwähnt, daß sowohl Gudrun Ensslin,
    wie auch Andreas Baader und Ulrike Meinhof, Kinder hatten.
    Die Frage hier lautet: Was ist aus diesen Kinder
    geworden?

Siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Ensslin
http://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_R%C3%B6hl . Ihre Zwillingsschwester ist Ärztin.

  1. Wenn ich es richtig verstanden habe, war Rudi Dutsche, nach
    dem Attentat auf ihn, erstmal lange, sehr lange in Therapie
    Was ist aus ihn geworden? Was
    hat er danach getan bzw. sein Leben bestritten?

Siehe http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/DutschkeRudi/…

Gruß
Kreszenz

Hallo, Kreszentia,
Also, vielen, vielen herzlichen Dank für den tollen Links. Dafür ein Sternchen für Dich.
Ich habe sie mir alle sehr aufmerksam durchgelesen.
Was mich besonders in einem Interview von Corinna Ponto (Es war ein Link auf einen von Dir verlinkten Seiten) beeindruckt hat, sind ihre Vergleiche mit ETA:

„Eines Tages werden die Täter der RAF, wie auch der Eta , der Action directe und ihre Sympathisanten damit leben müssen, dass sie vor der Geschichte die ersten Formen, die nationalen Anfänge des inzwischen weltweiten Terrorismus gebildet haben.“
(Hervorhebungen durch mich)

Denn in der letzten Zeit, muß ich mich besonders oft danach fragen, warum und weshalb werden diese Mörder (von ETA ist jetzt die Rede) und ihre Hinrichtungen hier mit der (in meinen Augen stark verharmlosenden) Bezeichnung „Untergrundorganisation“ beschönigt. Das werde ich wohl nie verstehen.

Also, nochmals vielen Dank und einen schönen Gruß,
Helena

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Terroristen und ihr Ruf
Hallo Helena,

Da ich davon ausgehe, daß alles was im Film gezeigt wird, auch
der Wahrheit entspricht

mit Verlaub, das ist nicht Dein Ernst?! Oder mit Pontius Pilaturs sprechend: „Was ist Wahrheit?“

Weiter unten sprichst Du das Problem mit der ETA an. Genauso habe ich diesen Film empfunden: beschönigend, jedenfalls Verständnis weckend. Über die Opfer redet niemand.

Anscheinend muss man seinen Verbrechen nur einen irgendwie gearteten ideologischen Hintergrund verpassen, und schon ist es diskussionswürdig.

Meint
Andreas

Hallo Andreas,
vielen Dank für Deine Antwort.

mit Verlaub, das ist nicht Dein Ernst?! Oder mit Pontius
Pilaturs sprechend: „Was ist Wahrheit?“

Mit Wahrheit meine ich nicht die Gründe, die Hintergründe oder Ideologie der Tätern, sondern ob die Tatsachen, die im Film beschrieben werden, tatsächlich geschahen oder gibt es etwas was nie passiert ist und, sage ich mal so, die Fantasie des Künstlrs entspricht.

Weiter unten sprichst Du das Problem mit der ETA an. Genauso
habe ich diesen Film empfunden: beschönigend, jedenfalls
Verständnis weckend. Über die Opfer redet niemand.

Ich verstehe nicht was man im Fall ETA zu beschönigen gäbe… Bitte erzähle es mir.

Anscheinend muss man seinen Verbrechen nur einen irgendwie
gearteten ideologischen Hintergrund verpassen, und schon ist
es diskussionswürdig.

Ich finde es gibt grundsätzlich nichts was nicht diskussionswürdig wäre. Warum sprichst Du (unbeteiligte) Menschen wie Du und ich, dieses Recht ab?
Warum kann man darüber nicht diskutieren? Ist nicht gerade ein Forum wie WWW dazu da???
Ich möchte nichts beschöningen und auch gar nichts rechtfertigen, aber wenn Menschen für ihre Ideale bereit sind zu sterben (und wohl auch zum töten), warum kann man darüber nicht reden? Ist es etwa besser das alles unter dem Teppich zu kehren??
Ich verstehe es nicht.

Schöne Grüße,
Helena

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Hallo Helena,

das war ein rein sprachliches Missverständnis.

ad 1)

Ich verstehe nicht was man im Fall ETA zu beschönigen gäbe…
Bitte erzähle es mir.

Es gibt nichts zu beschönigen. Ich werfe aber dem RAF-Film und vielen Berichten über die RAF vor, dass sie beschönigen und

ad 2)

Ich finde es gibt grundsätzlich nichts was nicht
diskussionswürdig wäre. Warum sprichst Du (unbeteiligte)
Menschen wie Du und ich, dieses Recht ab?

…diskussionswürdig habe ich im übertragenden Sinn gemeint, dass man es allen ernstes in Betracht ziehen könnte, eine bestimmte Auffassung zu haben. Zu morden finde ich in diesem Sinne nicht diskussionswürdig.

Ich vermute also, wir haben die selbe Auffassung dazu.

Gruß,
Andreas

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Hallo Andreas,
Ich fürchte es wird ein bißchen OT jetzt…

das war ein rein sprachliches Missverständnis.

Durchaus möglich.

Es gibt nichts zu beschönigen. Ich werfe aber dem RAF-Film und
vielen Berichten über die RAF vor, dass sie beschönigen und

Eben! Und das war ja meine Frage: In wie fern hier Tatsachen unerwähnt blieben und wie weit der Film sich von der Realität entfernt.

Meine ganz persönliche Meinung bzgl ETA ist die, daß genauso wie damals mit der IRA, die Grundvoraussetzung um diesen Alptraum ein Ende zu setzen ist sich gegenseitig zuzuhören. Aber wenn uns dabei nur zum ko**en geht.
Und ich denke uns allen, auf allen Ebenen, würde es besser wenn wir mehr Zeit fürs Reden aber vorallem fürs Zugehören gestatten würden. (Sorry, daß ist keineswegs auf Dich bezogen, sondern nur eine Verallgemeinung)

…diskussionswürdig habe ich im übertragenden Sinn gemeint,
dass man es allen ernstes in Betracht ziehen könnte, eine
bestimmte Auffassung zu haben.

Entschuldige das Mißverständnis. Ich sage aber nichts dazu, weil ich es nicht verstehe was du damit meinst.

Zu morden finde ich in diesem Sinne nicht diskussionswürdig.

Ich finde es gibt nie einen plausiblen Grund zum mördern. Es gibt immer eine Stufe davor, um zu versuchen eine Lösung zu finden. Egal wie, egal wann, egal wo. Immer. Das grundlegendsten Recht, das ein Mensch hat ist mMn. das Recht zum Leben. Und das darf keiner einem absprechen.

Ich vermute also, wir haben die selbe Auffassung dazu.

Ich hoffe…

Schöne Grüße,
Helena

ich komme gerade vom Kino und habe das o.g. Film gesehen

Hallo, Helena -
es ist Kino! KINTOPP! Natürlich basiert der Film auf Tatsachen, aber deren Auswahl, Zusammenstellung und Präsentation gehorcht künstlerischen/filmischen Prinzipien.

Um diesen Film einzuordnen, liest Du vielleicht einmal http://www.faz.net/s/Rub070B8E40FAFE40D1A7212BACEE9D…

Vielleicht magst Du auch noch das Interview mit dem Sohn eines Opfers lesen? Michael Buback sagt: „Es ist ein Täter-Film, bei dem man sich schon Mühe geben muss, um nicht – zumindest zu Beginn des Films – sehr von diesen jungen Menschen eingenommen zu werden, die so klug, engagiert und schön sind.“ http://www.welt.de/kultur/article2469200/Buback-Sohn…

Gruß
Eckard

Hallo Eckard,
Vielen Dank für Deine Antwort mit den sehr interessnten Links!

es ist Kino! KINTOPP!

Was ist das? Was ist Kinntopp?? ich habe dieses Wort noch nie gehört.

Natürlich basiert der Film auf
Tatsachen, aber deren Auswahl, Zusammenstellung und
Präsentation gehorcht künstlerischen/filmischen
Prinzipien.

Seit gestern habe ich mehrere Kritiken gelesen, auch von Angehörige der Opfern. Und entweder habe ich das alles falsch verstanden oer die einzige die sich darüber beschwert ist Frau Ponto, die darüber klagt, daß sie im raum nebenan saß, als ihr Mann erschossen wurde. Und im Film stellt sich so dar, als ob sie auf der Terrasse gewesen wäre.

Vielleicht magst Du auch noch das Interview mit dem Sohn eines
Opfers lesen? Michael Buback sagt: „Es ist ein Täter-Film, bei
dem man sich schon Mühe geben muss, um nicht – zumindest zu
Beginn des Films – sehr von diesen jungen Menschen eingenommen
zu werden, die so klug, engagiert und schön sind.“
http://www.welt.de/kultur/article2469200/Buback-Sohn…

Stimmt. Das steht im Interview. Aber ich glaube, alles im allem ist der Sohn von Herr Buback recht glücklich mit dem gezeigten Ergebnis…

Noch´mals Danke für Deine Kommentare und einen schönen Gruß,
Helena

Hallo,

Vielleicht magst Du auch noch das Interview mit dem Sohn eines
Opfers lesen? Michael Buback sagt: „Es ist ein Täter-Film, bei
dem man sich schon Mühe geben muss, um nicht – zumindest zu
Beginn des Films – sehr von diesen jungen Menschen eingenommen
zu werden, die so klug, engagiert und schön sind.“

Genau. Das ist ein Täterfilm. Aber genau das war doch auch so gewollt und es hat m.W. niemand von den Verantwortlichen gesagt, dass es anders wäre.

Trotzdem hackt jeder drauf rum, dass die Opfer zu kurz kommen in dem Film. Es ist eben kein Film über die Opfer.

Meine Meinung ist, dass die Leute für die damalige Zeit und Verhältnisse tatsächlich wie du oben schreibst „klug, engagiert und schön“ gewirkt haben.

Erschreckend fand ich aber, dass den RAFs diese Brutalität tatsächlich auch Spaß gemacht haben muss.

Gruß
Didi

Hallo Helena,

es ist Kino! KINTOPP!

Was ist das? Was ist Kinntopp?? ich habe dieses Wort noch nie
gehört.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kintopp

Gandalf

Hallo Gandalf,

Vielen Dank für den Link

Allerdings, ehrlich gesagt, hat es mich nicht arg weit gebracht, muß ich gestehen. Im Link kann man lesen:

„Heute ist der Begriff (…) noch als Synonym für frühes Filmschaften verwendet sowie für die Darstellung von in der Realität so nicht Machtbarem in Kino und Fernsehen, zum Beispiel übertriebenen Stuntszenen.“

Ich glaube wer der Film gesehen hat, kann damit nicht einverstanden sein.

Trotzdem vielen Dank!

Schöne Grüße,
Helena

Hallo Didi,

Das ist ein Täterfilm. Aber genau das war doch auch so
gewollt und es hat m.W. niemand von den Verantwortlichen
gesagt, dass es anders wäre.

Finde ich auch. Man könnte jetzt einen Film darüber drehen, wie es den Opfern und seine Angehörigen ergangen ist. Wäre bestimmt auch interessant.

Trotzdem hackt jeder drauf rum, dass die Opfer zu kurz kommen
in dem Film. Es ist eben kein Film über die Opfer.

Genau.

Meine Meinung ist, dass die Leute für die damalige Zeit und
Verhältnisse tatsächlich wie du oben schreibst „klug,
engagiert und schön“ gewirkt haben.

In manche Kritiken habe ich gelesen, daß sie die deutsche „Darsteller-Elite“ für diesen Film gekriegt haben.

Erschreckend fand ich aber, dass den RAFs diese Brutalität
tatsächlich auch Spaß gemacht haben muss.

Das habe ich auch gedacht. Das ist z.B. offensichtlich in der Szene wo auf eine Autobahn drei Autos fahren, alle voll mit Terroristen, und sie schiessen einfach um sich herum. Man denkt da unweigerlich, was ist wenn gerade ein anderes Auto kommt? Nur sie haben gerade so ein Spaß, daß es denen wohl egal ist…

Ich finde der Film (genauso wie der Untergang, beide vom selben Regisseur) ist eine ausgezeichnete Geschichtstunde (in diesem Fall aber 2,5 Std.) ;o)) Ausserdem, zumindest mir, zeigt klar und deutlich was damals geschah und z.t. versucht uns zu erklären warum, weshalb und vorallem warum gerade dann (und nicht früher oder später) passierte was passiert ist. Ich kenne Leute, die in Deutschland geboren und hier aufgewachsen sind und die Begriffe „Rote Armee Fraktion“ oder „Baader Meinhof-Gruppe“, noch nie gehört haben…

Also vielen Dank für Deinen Beitrag und einen schönen Gruß,
Helena