Servus Data,
das ist wohl wahr, quantitative Aspekte werden technisch mehr oder weniger schnell zu erledigen sein.
Alles eine Frage der Zeit.
Das mit dem Bezahlen ist aber der wichtigste Punkt. Es könnte
in ein paar Jahren ein Emule-Effekt eintreten.
Der ist in Ansätzen bereits da. Ein ganz amüsantes Detail am Rande: Ich bin kürzlich über die HP eines Übersetzers gestolpert, der sich die Lizenz zur gewerblichen Verwendung einer vergleichsweise guten Übersetzungsmaschine besorgt hat, und der parallel zu seinen Übersetzungen Maschinenübersetzungen anbietet: Der Seitenpreis entspricht dem, was er sonst als Zeilenpreis nimmt. Wobei da eine ähnliche Technik eine Rolle spielt wie beim Werkzeugversandhändler Westfalia, der zusammen mit seinen eigenen Nonames auch viele Marken anbietet, um ohne „vergleichende Werbung“ zu zeigen, wie billig die Nonames sind. Beim Übersetzer dürfte das grad umgekehrt gemeint sein: Ist dieses Ergebnis die Einsparung von 100 € wirklich wert?
Eine nicht ganz neue Entwicklung in diesem Zusammenhang hat mit der englischen Sprache innerhalb der letzten Jahrzehnte stattgefunden: Es gibt etwas wie ein „internationales Basiskommunikationspidgin“, an das keiner der Beteiligten besonders hohe Ansprüche stellt, und bei dem der Hörer/Leser damit rechnet, daß auch etwas anderes gemeint sein könnte, oder daß bestimmte Konnotate fehlen. Es hat für die Anwender den Vorteil, daß es billig zu lernen ist, und immerhin eine Basis der Verständigung gewährleistet. Zu ähnlichem können Maschinentexte bereits heute dienen, wenn die Anwender sich dessen bewusst sind, daß sie Überraschungen enthalten können.
Man findet diese Erscheinung übrigens auch in literarischen Übersetzungen: Es ist noch nicht lange her, daß der erste Band Asterix „Asterix der Gallier“ in einer einigermaßen akzeptablen Übersetzung erschienen ist, die erste bei Ehapa war unter aller Kanone - was die deutschen Leser nicht davon abgehalten hat, den Asterix-Hype der 1970-1980er mitzumachen.
Ein Aspekt kam noch nicht: Sprache ist ja mehr als nur Worte,
sie transportiert kulturelle Inhalte.
Es kann sein, daß selbst hier eine Mechanisierung denkbar ist - schließlich findet diese Vermittlung zu einem sehr großen Teil ritualisiert (sprachlich: in Stereotypen) statt, ohne deren Wiedererkennung sie auch innerhalb der jeweiligen Kulturen nicht funktionieren würde.
In welchem Umfang entsprechende Simulationen (auf einfachster Ebene z.B. „Baue bei einem Romanen immer drei Verbeugungen mehr ein“ - „Drohe einem Franzosen immer mit Lebensgefahr, damit er ein Verbot beachtet“ - „Stelle Texte so um, daß bei Deutschen und Amerikanern der hauptsächliche = ausgezählt häufigste Inhalt immer im ersten Satz angesprochen wird“) bei maschineller Anwendung artifiziell klängen und dadurch unverstanden blieben, ist, glaube ich, auch eher eine Frage der Quantität und der Volumina (quantitative soziolinguistische Analyse von vorhandenen Texten).
Bei
Englisch und Französisch hält sich in Grenzen, aber da brauche
ich auch keinen Babbelfisch.
Bei Franzosen - die einzigen, mit denen ich fremdsprachliche Erfahrung habe - ists immer wieder faszinierend, wie wenig sich Deutsche und Franzosen verstehen, obwohl ihre Kontakte den ökonomischen Kern Europas ausmachen. Ich kenne eine Fremdsprachenkorrespondentin (rumänische Muttersprachlerin), die in deutsch-französischer Umgebung arbeitet und sie sozusagen „von oben“ sehen kann. Sie hat sich schon auf die überspitzte These eingelassen, alle deutsch-französischen Kriege der letzten fünfhundert Jahre ließen sich von den jeweiligen Anlässen (nicht Ursachen) auf sprachliche Missverständnisse zurückführen.
Soweit würde ich nicht gehen, aber „der Deutsche“, der „immer grantig, militärisch und autoritär“ auftritt, kommt schon ganz schnell zustande, wenn ein deutscher Partner in Paris bei einem Meeting ist, sich bewusst ist, daß die Zeit der Teilnehmer zusammengenommen ein Vermögen kostet, ergo die anderen kurz begrüßt und dann zur Tagesordnung übergeht. Kein Wort über die Kinder, kein Wort über das Rasenmähen am Samstag, kein Wort über den neuen Audi…
Ein Konsekutivdolmetscher kann das kaschieren, aber was wird einer Maschine einfallen, wenn sie an den Beginn ein paar Rosengirlanden setzen soll? Was wird sie tun, wenn ein Deutscher sich beim Umgang mit Koreanern mit einer wichtigen Frage zuerst an seinen anwesenden Fachkollegen, und nicht an den anwesenden „alten Mann“ wendet (= „er will das Geschäft nicht machen, sonst würde er nicht mit Untergebenen reden“)?
Das Problem der Maschine dürfte auch hier bloß ein quantitatives sein, das aber zuerst mit der Verbesserung der Maschinen wächst: Je „normaler“ sich die Ergebnisse anhören, desto eher werden sie unreflektiert für bare Münze genommen.
Schöne Grüße
MM