Hi Faten,
ich fand rosafarbene Kleidchen auch entsetzlich, abgesehen davon, daß es meiner Mutter erst anläßlich der Erstkommunion gelungen ist, mich in ein Kleid zu stopfen (in diesem bin ich dann am Nachmittag auf einen Baum geklettert).
Aber zurück zum Thema. Folgende Erklärung habe ich gefunden:
_Den heutigen Frauen wird die Antwort auf diese Frage kaum gefallen, denn der Brauch stammt noch aus längst vergangenen Zeiten, als Jungen ein sehr viel höheres Ansehen genossen als Mädchen. Damals brauchte man für die männlichen Babys eine schützende Farbe, die für gutes Gedeihen sorgte. Man entschied sich für Blau- die Farbe des Himmels-, um sich des göttlichen Schutzes gegen die Macht des Bösen zu versichern.
In jenen Tagen war der Glaube an böse Geister weit verbreitet und sehr ausgeprägt. Man war überzeugt, dass diese bösen Kräfte vor allem von glücklichen Ereignissen wie Geburt, Heirat, Triumph und Erfolg angezogen würden. Deshalb musste man sich Verschiedenes einfallen lassen, um die Angriffe dieser imaginären Geister abwehren zu können. Im Laufe der Jahrhunderte trieb der Aberglaube die seltsamsten Blüten, und auch wir, die wir nicht mehr an böse Geister glauben, wünschen uns immer noch „viel Glück“ und versuchen, „Unglück“ zu vermeiden. Viele der alten Schutzrituale sind auch heute noch gebräuchlich: Wir kreuzen die Finger, tragen geliehene Kleidung zur Hochzeit, der Bräutigam trägt die Braut über die Schwelle, wir vermeiden es, unter Leitern hindurchzugehen, und vieles mehr. All diese Bräuche haben geheimnisvolle, längst vergessene Bedeutungen, doch sie schützen uns immer noch vor den alten böse Geistern. So war es auch mit der „himmelblauen“ Kleidung für Jungen, denn im Himmel ist das Königreich des Guten.
Wenn böse Geister bedrohlich um die Wiege des Neugeborenen herumschleichen, um in seinen Körper einzudringen und ihm Schaden zuzufügen, werden sie von den magischen Kräften des geheiligten Blau in Kleidung und Kinderzimmer des Jungen in Schach gehalten und vertrieben. In einigen Ländern des Nahen Ostens wird nicht nur das Baby, sondern das ganze Haus beschützt, indem man die Eingangstür leuchtend blau anstreicht. Wenn die blaue Kleidung als notwendige Versicherung gegen übernatürliche Kräfte angesehen wurde, bleibt trotzdem unverständlich, warum man die Mädchen nicht auf dieselbe Weise schützte. Warum zog man ihnen nicht auch blaue Kleider an? Die praktische Antwort auf diese Frage lautet, dass man ein gut sichtbares Unterscheidungsmerkmal für die verschiedenen Geschlechter brauchte. Es musste also eine andere Farbe als Blau sein. Auf Rosa fiel die Wahl wahrscheinlich deshalb, weil es dem kindlichen Hautton entsprach (zumindest im alten Europa) und eine erdverbundene, natürliche Farbe war. In der Psychologie assoziiert man mit der Farbe Rosa Gesundheit und Unbeflecktheit- das reine Rosa der makellosen Haut-, weshalb sie sich besonders gut für weibliche Babys eignet. Rosa besass vielleicht nicht die gleichen Schutzqualitäten wie Blau, aber da weibliche Babys sehr viel weniger Achtung genossen als männliche, hatten die bösen Geister ohnehin kein grosses Interesse an ihnen.
Als dann im Laufe der Jahrhundertwende die ursprünglichen Gründe für die Farbwahl in Vergessenheit gerieten, mussten neue Erklärungen erfunden werden, um die unvermeidbaren Fragen beantworten zu können. Es wurde behauptet, die Jungen trügen Blau, weil sie in Blaukrautfeldern geboren würden, und die Mädchen trügen Rosa, weil sie in rosa Rosen zur Welt kämen. Aber auch diese phantasievolle Erklärung gerieten mit der Zeit in Vergessenheit, und heutzutage weiss kaum noch jemand, was es mit den verschiedenen Babyfarben auf sich hat. Doch wen stört das schon? Das Blau für Jungen und das Rosa für Mädchen hat sich einfach so „eingebürgert“ und wird nicht mehr hinterfragt._
Na ja, diese These hinkt gewaltig, denn der Brauch hat sich erst um 1920 eingebürgert. Bis dahin wurden Babies - egal ob Männlein oder Weiblein - einheitlich in weiße Klamotten gesteckt. Das lag aber auch daran, daß Babysachen damals noch gekocht wurden, was keine bis dahin bekannte Textilfarbe überlebt hätte.
Eine Argumentationshilfe für Deine kleine Freundin hätte ich noch: ursprünglich war BLAU die weibliche Farbe (auf den meisten Madonnen-Bildern hat die Dame wenigstens einen dunkelblauen Mantel an)
So long
Tessa