Ich muss gerade Donna Tartt’s „The secret history“ lesen. (Es ist die Rede von einem Bacchanal auf S. 191) - soviel ich weiss, ist das ein Trinkgelage (Bacchus - Weingott) Allerdings etwas später im Buch (S.196) meint man pötzlich, dass das ganze mit Sexritualen zu tun hat.
Dieses Bacchanal haben die 4 leute einige Tage lang versucht und dann hat es endlich „geklapp“. Kannmir jemand bitte den Zusammenhang hier erklären. Trinken klappt doch immer? Was ist das Ziel eines Bacchanal wenn nicht betrunken-sein? Und was soll das mit den Sexritualen?
Hoffe, dass mir jemand helfen kann - ich lese so nicht gern weiter
Die Bacchanalien sind ein mehrtägiges Festgelage eines Geheimkultes Rom gewesen, der mit dem Bacchus (der nicht nur Weingott war) zusammenhängt. Dieser Kult war im 3.Jhdt. v.Chr. aus dem griechischen Dionysoskult nach Italien importiert worden.
Das Festgelage selbst war durch Rasereien aller Art gekennzeichnet: Sexuelle Exzesse, Blut- und Mordrituale gehörten dazu. 186 v.Chr. schritt der römische Senat ein: Es gab einen Skandalprozess mit 7000 Angeklagten. Die meisten wurden zum Tode verurteilt. Der Kult wurde daraufhin verboten.
Der Dionysos(geheim)kult (Dionysos = Zagreus = Bacchus) selbst ist im 7.Jhdt. in Griechenland importiert worden, wahrscheinlich aus Kleinasien und das hat (allerdings nur wahrscheinlich) irgendetwas mit der Einführung des Weinbaus zu tun. Dieser Kult ist mythologisch sehr kompliziert und nicht ganz eindeutig aus vielen Elementen zusammengesetzt.
Eine wichtige Rolle spielen die Mänaden (= Bakchai, daraus der röm. Name des Bacchus). Die Mänaden sind ihrerseits ein Haufen orgiastischer, blutrünstiger, lorbeerfressender weiblicher Wesen, die der Göttin Daphoine (die „Blutige“, = Daphne?) zugeordnet sind. Der Kult hat folgende Elemente:
ein von einer göttlichen Macht (meist Dionysos) geschickter Wahnsinn, der zu
einem Kindesmord führt - und zwar tötet eine Mutter ihren eigenen Sohn (Pentheus-Agaue, Aktaion-Antonoe - Antonoe ist sogar eine Schwester der Agaue)
dieser Mord besteht darin, daß das Kind zerfleischt, zerrisen wird (sparagmos, das „disjecta membra“-Motiv)
dieser Mord wird lustvoll erlebt und insbesondere von den Mänaden goutiert - und auch forciert
die Mutter verzehrt den eigenen Sohn.
Das Opfer ist immer ein männliches Kleinkind oder ein junger Mann, der in Frauenkleidern auftritt. Das ist Dionysos selbst (Dionysos ist auch ein alter ego von Orpheus, der ja auch von einer Frauenhorde getötet wird) oder z.B. sein irdisches Pendent Pentheus, dessen Mutter Agaue ist.
Das Grundthema ist also (das in der Mythologie, insbesondere in der mythischen Kosmogonie, auch sonst allgemein verbreitete):
Ein männlicher Gott wird in seiner menschlichen (in weiblicher Maskerade erscheinder) Gestalt von Frauen (bzw. seiner Mutter) zerrisen und verspeist. Und das ganze ist in einen eindeutig sexuellen Kontext eingebettet.
Euripides hat mit seinen „Bakchantinnen“ eine Tragödie daraus gestaltet.
der erklärung zu den bacchanalien schliesse ich mich an. zur stelle im buch: es ist schon ein zeitl her, dass ich es gelesen habe, aber dass es „geklappt“ hat - das bezieht sich glaube ich auf den moerderischen teil der aktion, oder?
übrigens, doch ein super buch, oder? ich jedenfalls habs sehr sehr spannend gefunden.
viel spass noch beim lesen,
eliza
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Es gab einen Skandalprozess mit 7000 Angeklagten. Die meisten
wurden zum Tode verurteilt.
7000? Echt?? Also ich weiß nicht ob das so viele gewesen sein können, dann hätte das Ganze ja die Dimension der Spartacusaufstands-Kreuzigungen gehabt.
Gibt es eine Textstelle, wo ich das nachlesen kann?