Bachelor - Sinn und Zweck

Hallo,

diese Geschichtre könnte man als simples Bürokratenstory abtun:

http://www.spiegel.de/unispiegel/geld/0,1518,283047,…

Meines Ermessens zeigt sie aber zwei wichtige Schlussfolgerungen auf:

  1. Bachelor-Studiengänge werden höchstwahrscheinlich zum Bafög-Sparen (miss-) gebraucht.
    Zitat: „Der Bachelor sei ein berufsqualifizierender Abschluss und befähige ihn deshalb zu einem Job; Sven falle deshalb nach Paragraph 7, Absatz 2 nicht in die Bafög-Regelung.“

  2. Der Ruf des Bachelors in der Wirtschaft (selbst in den Staaten) danach ist anscheinend nicht so gut wie behauptet.
    Zitat:
    „Diesmal reicht er sogar ein Gutachten eines seiner US-Professoren ein. Der Dozent bestätigt, dass man selbst in den Vereinigten Staaten mit einem Bachelor keine Berufsaussichten habe.“

Dazu passt, dass in England BA’s, die Anwälte werden wollen, danach von den Firmen drei Jahren auf sog. Law-schols geschickt werden (Quelle: Zeit-Artikel vor ca. 2 Jahren). Wenn man jetzt rechnet: BA= 3 Jahre, law scholl= 3 Jahre (0& Jahre) und das mit dem dt. System vergleicht 5 (4*) Jahre bis zum 1. Staatsexamen + 2 Jahre bis zum 2. (=7/6* Jahre) erscheinen einem die dt. Regel-Studiendauern noch nicht mal so lang.

Kurz und gut: Ich denke, dass die Einführung des Bachelors v.a. zur einführung von Studiengebühren und Bafög-Kürzung durch die Hintertür führt, da man der Öffentlichkeit den Master als Sahnehäubchen verkauft, welches halt jeder selbst zu finanzieren hat.

Tschuess MArco.

*bei Nutzung der Freischussregelung, was m.W. in Sachsen, die überwiegende Mehrheit der Studis macht

Hallo,
geb ich mal meinen Senf dazu. Ich wohne in den USA, arbeite fuer eine Chemiefirma. Wir haben einige bachelors als Techniker angestellt, d.h. sie sollen selbstaendig Synthesen durchfuehren (die Rezepte bekommen sie) und Versuchsreihen auswerten. Vergesst es, Freunde! Jeder deutsche Student mit Vordiplom hat mehr Ahnung von Chemie als diese Leute! Ihre Mathekenntnisse sind Null, was in der Chemie gar nicht gut ist, sie sind nicht in der Lage ihre Kochrezepte anstaendig zu lesen und wenn man nicht staaendig hinter ihnen her ist, wird halt einfach ueberhaupt nicht gearbeitet. Von Freunden hier weiss ich, dass das in anderen Sparten mit bachelors nicht anders ist.
Moral? Ich warne davor, wie es z. Zt. in D ueblich ist, sich einen kleinen Teilaspekt aus Amerika (oder anderen Laendern) herauszupicken, und zu sagen „das ist prima, das muessen wir auch so machen“. Und die Warnung geht insbesondere an Politiker egal welcher Couleur.
Ralph

Hallo Marco,

letztendlich soll die Einführunge des Bachelors bzw. Masters dem deutschen Studierenden erlauben, auch im Ausland einen Job zu bekommen. Die da drau0en haben nämlich ein kleines Problem mit Diplom-…

Dass der Bachelor ein zweitklassiger Abschluss ist, liegt in der Natur der Sache und ist nicht zu bezweifeln. Ich denke auch, dass die Deutschen mit ihrer Trennung zwischen FH und Uni deutlich innovativer sind, als die Angelsachsen mit ihrem Bachelor/Master.
Da sich allerdings die FHs mittlerweile zu Kleinuniversitäten mausern (was in meinen Augen der absolut verfehlte Weg ist, da dadurch die sinnvolle Trennung zwischen theorielastiger, wissenschaftlicher Universität und praxisorientierter FH-Ausbildung verloren geht), erleben wir sowieso ein verwischen aller Möglichkeiten in einem großen, trüben Etwas. An jeder Ecke bekommt man Diplome, Master, Bachelors etc. „nachgeschmissen“, ich zumindest durchschaue den Wert einzelner Ausbildungsangebote nicht mehr…

Grüße
Jürgen

hi!

Dass der Bachelor ein zweitklassiger Abschluss ist, liegt in
der Natur der Sache und ist nicht zu bezweifeln. Ich denke
auch, dass die Deutschen mit ihrer Trennung zwischen FH und
Uni deutlich innovativer sind, als die Angelsachsen mit ihrem
Bachelor/Master.

hm, das ist aber sehr grob verglichen.
z.b.: wer den master gemacht hat, hat davor den bachelor gemacht… aber wer das uni-diplom gemacht hat, hat nicht das fh-diplom gemacht.
(beides auf den regefall bezogen, es gibt natuerlich variationen)

also, master baut auf bachelor auf. und fh-diplom + uni-diplom sind zweierlei abschluesse die sogar hin und wieder als gleichwertig betrachtet werden, wobei das uni-diplom durchschnittsweise natuerlich deutlich hoeherwertig ist.

und nach dem was man liest, hat man mit einem fh-diplom deutlich hoehere arbeitsfindungsmoeglichkeiten als mit einem bachelor-abschluss… oder muss mir da jemand widersprechen?

Da sich allerdings die FHs mittlerweile zu Kleinuniversitäten
mausern (was in meinen Augen der absolut verfehlte Weg ist, da
dadurch die sinnvolle Trennung zwischen theorielastiger,
wissenschaftlicher Universität und praxisorientierter
FH-Ausbildung verloren geht), erleben wir sowieso ein
verwischen aller Möglichkeiten in einem großen, trüben Etwas.

dir gefaellt wohl z.b. nicht, dass beim bachelor/master abschluss der „(FH)“ zusatz im titel nicht mehr integriert ist,… und dass sich diverse fachhochschulen „university of applied sciences“ nennen, ja?
das schafft eine art verdunklung bzw verschleierung. aber wieso sollte das schlecht sein? es laeuft wohl darauf hinaus, dass die diplome an FHs und UNIs durch bachelor/master abschluesse ersetzt werden, welche dann aber gleichwertig sind. (gleichwertig auf den hochschultyp bezogen)
es heisst, dass der bachelor dem fh-diplom entspricht, und zwischen dem fh-master und dem uni-master nicht differenziert wird.
wobei hinzuzufuegen ist, dass die briten den deutschen bachelor dem „ordinary bachelor“ und das fh-diplom mit dem „bachelor honours“ gleichsetzen.
letztendlich wird es bei uns darauf hinauslaufen dass der bachelor/master der fh, dem bachelor/master der uni gleichkommt. (dauert wohl noch jahre bzw. jahrzehnte)
also wird in der zukunft bachelor fuer die praxisorientierte ausbildung und master fuer die wissenschaftliche(re) ausbildung stehen (hochschultypunabhaengig). wem der master nicht reicht kann nach wie vor promovieren.

An jeder Ecke bekommt man Diplome, Master, Bachelors etc.
„nachgeschmissen“, ich zumindest durchschaue den Wert
einzelner Ausbildungsangebote nicht mehr…

du meinst mit „nachgeschmissen“ hoffentlich nichts anderes als „angeboten“… :smile:

konnte ich dir die wertigkeiten der abschluesse etwas verdeutlichen?

ich gebe keine quellen fuer das an was ich hier schreibe. es ist einfach eine zusammenfassung von dem was ich auf vielen uni- und fh-webpraesenzen, und ueber hochschulkonferenzen gelesen habe.

ich freue mich ueber alle einwaende und belehrungen!!

Hallo Ralf,

das deckt sich mit meinen Erfahrungen mit amerikanischen Kollegen.

Noch eine kleine Geschichte dazu:
Wir hatten mal einen Gastprof. aus USA, der sich sogar regelmäßig im Labor rumtrieb.
Dabei sah er Chemielaborantenlehrlinge, die sich auf ihre Zwischenprüfung(!) vorbereiteten.
Er schaute sich einige Fragen an und meinte, es wäre durchaus das Niveau, das bei ihm auf der Uni kurz vor vor dem Bachelor gebracht würde. Als er sich die Fragen für die Abschlußprüfungen anschaute, meinte er, daß Leute mit diesem Degree mindestens einen Bachelor in den USA kriegten.

Soweit zum Chemiestudium in den USA.

Gandalf

Hallo zusammen,

also ich mache gerade einen Bachelor - Studiengang (Projektingenieur für Elektro- und Informationstechnik)

Wie es mit den Berufsaussichten steht, kann ich ehrlichgesagt im Moment auch schlecht sagen.

Was die z.T. mangelhafte Ausbildung anbelangt folgendes:

Wir haben zwischenzeitlich genau die selbe Mathematik, wie die zukünftigen Elektroingenieure Dipl. Fh. (nachfolgend EI´ler)

Ich bin einer derer, die das 1. Semester nach Einführung des Studiengangs bildeten, also sozusagen der Prototyp. Wir hatten 2 SWS weniger Mathe als die EI´ler. Insofern muss ich recht geben, dass wir (die Prototypen)eine schlechtere mathematische Ausbildung haben. Dies begrenzt sich aber ledigl. auf Vektorrechnung. In anderen Fächern, bspw. haben wir die meisten Vorlesungen gemeinsam mit den EI´lern, was somit auch nicht zu einer Einbuße führt.

Das ist aber definitiv von der Hochschule abhängig.

Meines Erachtens sind sich die Hochschulen derzeit noch nicht einig, welche Anforderungen man an einen Bachlor stellen muss, damit dieser einen z.B. in USA, UK o.ä. gleichwertigen Abschluß hat. Erschwert wird dies auch, denke ich, durch Abstufungen wie „ordinary Bacheleor“ und „Bachelor honours“ in anderen Ländern. Wir Deutschen hängen diesbezüglich hinterher.

Was das Thema anbelangt warum sich FH´s „university of applied siences“ nennen kann ich folgendes dazu sagen:

In anderen Ländern gibt es keine FH´s. Wenn ein FH Studi ein Auslandssemester machen will, verstehen das die Unis in anderen Ländern eher, wenn sowas wie „UOAPS“
genannt wird. Man hat sich da irgendwie in D - Land darauf geeinigt. Scheint wohl das einzigste zu sein :wink:
Das wurde uns zumindest mal so von einem unserer Prof´s erklärt.

Alles in allem bin auch ich mir noch nicht ganz schlüssig, wo das hinführt. Dennoch werde ich erst mal weitermachen, denn im Großen und Ganzen bin ich mit den Vorlesungsinhalten, die wir auch weitestgehend selbst zusammenstellen können, sehr zufrieden.

Des weiteren bin ich der Meinung, dass ich durch mein Eigenengagement die vielleicht schlechtere Ausbildung wieder wett machen kann und damit nicht als „studierter Depp“ da stehe.

Also die Bachelor / Master Geschichte möchte ich nicht übermäßig loben, aber auch genausowenig mies machen.

Viele Grüße

Christian

Hallo,

würdet ihr mir daher grundsätzlich von einem Bachelor-Studiengang abraten? Ist der Master-Abschluss sinvoller?
Ich denke nämlich gerade darüber nach Informationswissenschaften zu studieren.
Allerdings habe ich nicht vor im Ausland zu arbeiten.

Gruß
Tato

Erläuterung
Hallo,

da ich zum Teil wohl etwas missverstanden wurde, folgende Ergänzung.

Es liegt mir absolut fern, irgendeine spezielle Ausbildung schlechtzuschreiben. Ich habe auch keinerlei Probleme damit, wenn FH-Absolventen ihren Titel ohne (FH) tragen, da sich für diesen Titel sowieso nach ein/zwei Jahren kein Mensch mehr interessiert…
Für mich ist ganz klar eine Trennung von wissenschaftlichem und praxisnahem Studium notwendig. Ob dies, wie bei den Angelsachsen über eine Bachelor/Master- Trennung erfolgt oder durch FH/Uni ist im Prinzip gleichgültig.

Zwei Dinge fallen mir aber derzeit auf:
Bachelor bzw. Master werden im Moment wie das Allheilmittel für die deutsche Studienlandschaft verkauft. Mein Eindruck dabei ist, dass die in meinen Augen sehr ausgereifte und gut funktionierende Trennung zwischen FH und Uni, die für mich die eigentlich bessere Alternative darstellt, aufgegeben wird. Für mich wäre das schade, da ich im Moment noch keine qualitativ ebenbürtige Gliederung erkenne.
Zum weiteren fällt mir auf, dass FHs im immer stärkeren Maße versuchen, eine akademische Konkurrenz zu den Unis zu werden. Ich denke, das liegt sicher an der erstgenannten Entwicklung, aber durchaus auch an einem gewissen (auch nachvollziehbaren) akademischen Profilierungsstreben der Professoren dort.

Beides führt dazu, dass die jetzigen Studenten zwar viele Möglichkeiten haben, aber einige der Möglichkeiten sind meines Erachtens keineswegs erprobt und vermutlich auch deshalb nicht zu Ende durchdacht. Wenn man bei Studierenden und Personalverantwortlichen für Verwirrung sorgen wollte, so ist dies derzeit sicher gelungen. Einfacher ist die Ausbildungslandschaft nicht geworden, aber das gehört zu einem Umnruch dazu. Nur, müssen immer die Angelsachsen 1 zu 1 abgekupfert werden?:wink:

Grüße
Jürgen

Master baut auf Bachelor auf
Hi Tato

würdet ihr mir daher grundsätzlich von einem
Bachelor-Studiengang abraten? Ist der Master-Abschluss
sinvoller?

Meines Erachtens ist es so, dass der Master auf den Bachelor aufbaut. das heißt, nur wenn du deinen Bachelor mit 2,7 (oder besser) bestanden hast, dann darfst du dich in ein Masterstudium einschreiben.

Ich denke nämlich gerade darüber nach
Informationswissenschaften zu studieren.
Allerdings habe ich nicht vor im Ausland zu arbeiten.

Hessen will bis 2007 zumindest anfangen alle Studiengänge (ausser Lehramt und Medizin und Jura?) auf Bsc/MSc umstellen. Ich gehe also davon aus, dass über kurz oder lang das Diplom weg ist. Willst du also noch eines machen, dann halt dich ran. :wink:

Grüssle

m.

Hallo,

ich denke schon, dass Deine Frage klar war.

Ich für meinen Teil meine, dass der Abschluss FH / Uni einem Bachelor / Master entspricht. Kann mich täuschen aber so sehe ich das mal.

Das Problem sehe ich darin, dass man versucht eine „ebenbürtige“ Titulierung zu finden aber deswegen Studieninhalte komplett über den Haufen wirft.

Die Bezeichnung des Titels soll eigentlich in gewisser Weise Aufschluss über die Qualfikation / Wissen geben.

Wenn man aber Studienínhalte von FH / Uni mit den Inhalten ausländischer Bc / Ma vergleicht, stellt man oft, nicht immer, fest dass beide eigentlich das Gleiche gelernt haben. Ich habe den Eindruck, dass es manchmal genügen würde, ein Zeugnis richtig zu übersetzen. Dann müssten bspw. die Briten oder USA o.a. nur begreifen, dass ein Dipl. FH = Bachelor (als Beispiel!!) ist.

Grüße von

Christian

hi!

naja christian. machst dus dir da nicht etwas zu einfach?

schliesslich kann man die bachelor/master studiengaenge auch an den FHs vorfinden.
8 semester fh studium mit diplom abschluss ist also genauso viel wert wie 6 semester mit bachelorabschluss an der fh?! das hast du nicht ausdruecklich so gesagt, aber du hast auch nicht differenziert.

und ich sags gerne nochmal… wer den master gemacht hat, hat davor den bachelor gemacht. aber wer das uni-diplom gemacht hat, hat davor kein fh-diplom gemacht! (im regelfall)
also vorsicht bei vergleichen…

adele

*zustimm*, schlecht erklärt. sorry! - owt. :wink:
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