Hallo Paul,
generell sind bei allen Obstbäumen flache Triebe eher Fruchtholz, und mit aufrechten Trieben, die nur Laub ausbilden, macht der Baum seine Krone dichter, d.h. sie hat dann im Inneren weniger Licht und trocknet bei Feuchtigkeit schlechter ab. Der Baum organisiert von sich aus eine ziemlich dichte Krone, die fast nur im äußersten Bereich mit Fruchtholz besetzt ist. Dem kann man entgegenwirken, ohne dass es dem Baum etwas ausmacht, indem man alles aus der Krone entfernt, das zueinander in Konkurrenz um Licht träte: Die lichte Krone, die man im Obstbau anstrebt, ist nicht unbedingt das, was der Baum selber von sich aus macht.
Man versucht, die Leittriebe möglichst flach zu halten - das geht bei den meisten Apfelbäumen ganz leicht, bei Birnen auch; bei Süßkirschen kommt man auf diese Weise zu einer Art staffelförmigem Verlauf der Leittriebe - das hast Du sicher schon im gewerblichen Anbau insbesondere bei größeren Bäumen gesehen. Bei Zwetschgen, Pflaumen, Mirabellen kann man den Verlauf der Leittriebe kaum beeinflussen: Da geht es beim Schnitt nur darum, die Krone licht zu halten.
Wenn Deine Bäume schon ziemlich ausgeformte Kronen haben, kannst Du nach diesem Schnitt jetzt zum Sommerschnitt Mitte Juli bis Mitte August übergehen: Dadurch wird das Wachstum des Baumes insgesamt weniger angeregt als beim Schnitt im Frühjahr, man bekommt eine „ruhige Krone“.
Wenn jetzt die Knospen schwellen, kannst Du Knospen mit Blüten und reine Blattknospen leicht unterscheiden: Dann lässt sich auch erkennen, welche Triebe Fruchtholz sind. Wenn sie nicht zu dicht stehen, auch Zweige an den Leittrieben lassen, die flach stehen und keine Blütenknospen zeigen: Das kann nächstes Jahr anders aussehen.
Dort, wo Fruchtholz eher lang wird, kann man es bis auf zwei Augen einkürzen: Blüten, die näher beim Leittrieb bzw. beim Stamm stehen, machen relativ größere Früchte.
Schöne Grüße
Dä Blumepeder