Bäume - unsterblich?

Hallo,

hat jemand gute Quellen, oder kann Informationen (mit Quellenangaben) hier schreiben zu:

1 - Wenn Bäume nicht durch Wettereinflüsse beschädigt würden und nicht durch andere Faktoren gestört (Efeu, Holzwürmer usw.), würden diese dann unendlich groß werden können?

2 - Wie definiert man den Tod eines Baumes?

3 - Wenn Bäume gefällt werden und es bleibt noch ein Stumpf übrig, aus dem im nächsten Jahr neue Triebe kommen, ist das dann ein neuer Baum, oder keiner? Wie sind die Chancen für diese Triebe ein „richtiger“ Baum zu werden?

4 - Angenommen, ein Baum, der den natürlichen Vorgang im Herbst gemacht hat, ist im Winter eingeschneit. Wenn man diesen nun vorsichtig ausgräbt (irgendwie :wink:) und bei Minusgraden lagert, könnte man diesen Baum dann nach ca. 20 Jahren wieder einpflanzen und er kommt dann im Frühling normal raus (Wurzeln sind intakt, nicht beschädigt)?

Das ist keine Schulaufgabe o.ä., da ich Informatik studiere :wink:

Gruß & Danke für hilfreiche Antworten

Hallo,

hat jemand gute Quellen,

ich habe Deine Frage durchgelesen.
Informationen zum Höchstalter und dem Höchstwachstum von Bäumen findest Du in jedem Botaniklehrbuch und auf vielen Seiten im Internet, die sich mit Baumarten befassen.

unter „ältester Baum der Welt“ liefert google 426 Tsd Einträge. Versuche es mal

oder kann Informationen (mit
Quellenangaben)

siehe oben!

hier schreiben zu:

1 - Wenn Bäume nicht durch Wettereinflüsse beschädigt würden
und nicht durch andere Faktoren gestört (Efeu, Holzwürmer
usw.), würden diese dann unendlich groß werden können?

Gegenfrage: ist Dir bewusst, dass die Erdatmosphäre nicht bis an ihre äußerste Grenze genug Sauerstoff enthält, den Lebenwesen atmen könnten?
Abgesehen von Luftdruck, Temperatur etc.?

Könnten Bäume dagegen anwachsen, wüsstest Du es.
(frag Google nach „höchster Baum der Welt“)

2 - Wie definiert man den Tod eines Baumes?

wie bei jedem Lebenwesen. Wenn keine Lebensfunktionen mehr erkennbar sind. Bei Tieren: kein Herzschlag, keine Hirntätigkeit
bei Pflanzen: Sobald das wasserführende Gewebe optisch erkennbar zerstört ist.
Wenn ein Ast beim Abschneiden unter der Rinde keinen feinen grünen Ring mehr zeigt, ist er tot.

3 - Wenn Bäume gefällt werden und es bleibt noch ein Stumpf
übrig, aus dem im nächsten Jahr neue Triebe kommen, ist das
dann ein neuer Baum, oder keiner?

Wenn der neue Trieb von den Wurzeln des alten Baums ernährt wird, ist das immer noch derselbe Baum.

btw: Sämtliche Golden Delicious Apfelbäume dieser Welt sind Klone ein und desselben Sämlings, vermehrt über Jungtriebe und auf (auch wieder immer dieselbe geeignete ) Wildform des Apfels gepfropft.

Pflanzen vermehren sich niemals über Samenkörner sortenrein. Du kriegst auch bei Tieren nur identische, wenn Du zufällig eieige zwillinge hast (selbst die sind streng genommen nicht völlig identisch)

Wie sind die Chancen für
diese Triebe ein „richtiger“ Baum zu werden?

100% sofern kein Nadelbaum. eine gefällte Fichte bleibt Stumpf. Wächst da ein neuer Baum, hat sich ein Samenkorn eingenistet.
Bei Laubbäumen funktioniert das in der Natur in jedem Garten, wenn man den Wurzelstock nicht ausgräbt.
Oder sonstige Unfälle eintreten.

4 - Angenommen, ein Baum, der den natürlichen Vorgang im
Herbst gemacht hat, ist im Winter eingeschneit. Wenn man
diesen nun vorsichtig ausgräbt (irgendwie :wink:) und bei
Minusgraden lagert, könnte man diesen Baum dann nach ca. 20
Jahren wieder einpflanzen und er kommt dann im Frühling normal
raus (Wurzeln sind intakt, nicht beschädigt)?

Ein Baum in Winterruhe ist nicht tot. Auch ohne Blätter findet in geringem Maß Verdunstung statt. Vor allem arbeitet das Wurzelsystem weiter.
Bäume treiben nur deshalb nach Frost wieder aus, weil die Wurzeln nicht erfroren waren.
Die Idee, die Du hast, kann so nicht funktionieren.

btw - Baum-Samenbanken arbeiten zwar mit heftigen Minustemperaturen, aber eben mit Samen.
Man kann einzelne Zweige, z.B. von Obstbäumen Mitte des Winters schneiden, kühl und kontrolliert bis zum Frühjahr aufbewahren und diese Zweige dann nutzen, um die gewünschten Eigenschaften einem jungen Baum sozusagen einzuoperieren.
Siehe meine Bemerktung zu den Golden Delicious Äpfeln.
Doch sind das alles schon wieder von Menschen gemachte Sonderfälle.

viele Grüße
Geli

Hallo,

IMHO ist es das angeführte im Pflanzenbau weitverbreitete Veredeln, das eine Pflanze theoretisch unendlich lange leben läßt. Die Überlegung dazu: ein Edelreis hat die gesamte Erbinformation einer bestimmten individuellen Pflanze. Auf einer entsprechenden Unterlage wird es bis zum Ende der individuellen Lebensdauer (der eigenen oder der Unterlage) leben; wenn vorher ein Edelreis auf eine neue Unterlage veredelt wird, ist es noch immer die ursprüngliche Pflanze - und das theoretisch ad infinitum! Das führt dazu, dass z.B. heutzutage durchaus identische Exemplare von Rosen existieren, die im 18. oder 19. Jahrhundert durch Kreuzen gezüchtet und durch Veredeln vermehrt wurden, ebenso wie viele anderen (holzigen) Nutzpflanzen.

Es grüßt

Der Daimio

manche mehr, andere weniger
Hi!

Bäume haben durchaus unterschiedliche Lebenserwartungen: Pappeln z.B. beginnen ab ca. 40 Jahren Stück für Stück abzusterben. Deshalb würde ich mein Auto auch nie unter einer größeren Pappel parken, die werfen Totholz ab.

Linden oder Eichen sind ein Beispiel aus unseren Breiten, die werden viele Hundert Jahre alt.

Deine Frage hat beim zweiten Mal ansehen einen Haken: Theoretisch, wenn ein Mensch nicht krank werden würde, würde er ja auch ewig leben können… Er wird aber krank (oder schwach) und stirb irgendwann. So auch die Bäume. Manche können länger widerstehen, andere eben nicht.

Das mit dem Veredeln u.ä. geht ja noch viel einfacher: Beispiel Weide: Ein Zweig ins Wasser gestellt oder gleich in die Erde gesteckt und vegetativ vermehrt und das immer wieder: Unendliches Leben einer DNA.

Grüße
kernig

Hallo!

auch ich „muss“ da noch meinen Senf dazugeben :smile:)

ad 1. (Größe): erstensmal ist Efeu ein Epiphyt und kein Schmarotzer = der tötet weder Bäume noch Häuser (musste mal gesagt werden … :smile:)

nehmen wir mal an der Baum steht in optimalem Boden, alle Schädlinge sind ausgestorben und eine ewig tiefe (aber lichtmässig optimal ausgerichtete) Schlucht schützt den Kandidaten vor Stürmen etc, dann könnte ein Baum schon recht hoch werden…

ABER: so hoch, dass Gelis „Atmosphärenende“-Argument zieht wird er nicht, WEIL wieso sollte er??

Eine Buche im „Kleinengelein“ (Waldgebiet hier) wir 50m hoch, weil sie sonst überwachsen wird und an Lichtmangel eingeht… - eine Buche auf der freien Wiese wird nur 15-20 m hoch, alles andere ist ein irrer Aufwand, der DORT nicht nötig ist…

Ausserdem haben viele Baumarten irgendwo eine natürliche Höhengrenze, der Höhenzuwachs nimmt mit dem Alter ab (ist noch da, wird aber immer weniger…) -> schön zu sehen an Weisstannen, die deswegen ein sog. „Strochennest“ = in der Oberkrone immer enger stehende Äste haben…

ad 2. (Tod): ja das find ich ziemlich schwierig! (beim klonen praktisch nie…), ist eine Eibe tot, wenn 50%/90%/99,9% der ursprünglichen Masse schon weg sind oder erst, wenn die letzte Nadel verdorrt? das kann Jahrhunderte dauern!! gerade die ältesten Bäume sind oft nur noch Schatten ihrer selbst…

andererseits müsste hier auch die Frage geklärt werden, wo man einen Baum abgrenzt… - bei ner Fichte recht einfach (auch wenn die sich auch via Wurzeln verbinden können…), aber was ist mit den sog. „Uhrglasklonen“? (Aspen z.B. vermehren sich vegetativ und neben den inneren größeren stehen zum Rand hin immer kleinere = das ganze sieht wie ein gigantischer Wassertropfen oder eben ein mit der Rundung nach oben liegendes Uhrglas aus = ist das nicht alles EIN Baum im Sinne von genetischem Individuum???)

Und was ist mit Wurzelbrut (Zwetschge, Eissigbaum), Absenkern usw…

ziemlich klar ist wohl eine Hiebsmassnahme - WENN nicht… (sieh 3.)

ad 3. („Stumpf“): der Stumpf heisst normalerweise Stock und daher nennt man das Phänomen „Stockausschlag“. Bei einer Wirtschaftsweise, dem Niderwald war das Methode: alle 20 Jahre wurde alles „runtergerotzt“ und zu Brennholz verwerkelt und aus den Stöcken (Hasel, Hainbuche, Linde, Ahorn…) trieb fröhlich die nächste Generation aus = das sind alles die gleichen Bäume, bzw. dann halt meist „mehrköpfige“ Kandelaber…

zu Stecklingen, Veredelung etc. wurde schon einiges gesagt, wobei letzteres dann im Grundegenommen eine Symbiose aus ZWEI Bäumen ist!! (die Unterlage ist aus einem Samen gewachsen, die fruchttargenden Zweige oder die Blühtriebe der Rose hat so ein Blödel dann oben „draufgepappt“ - aus biologischer Sicht ist das für die Unterlage nix anderes als eine Mistel, die ein Vogel da an den Ast geschmiert hat und dann festgewachsen ist… :smile:)

ad 4. (ewiger Winter): nun ja, die natur zeigt ja über verschiedene Klimazonen, dass die Winterpause mal länge mal kürzer sein kann… - wie weit man das Gedankenexperiment treiben kann ist sicher mehr theoretisch aber doch nicht uninteressant…

klar wäre zu beachten, dass das „Innere“ (Wurzel) nicht komplett erfroren wird, aber dann bauen wir halt eine Mehrzonen-Kühlkammer :smile:

die nördlichen Breiten und höheren Gebirgslagen sind deswegen Fichtengegenden, weil die a) den harten Winterfrost aushält und b) Laubbäume im kurzen Sommer zuwenig Zeit/Licht/Kraft hat, neue Blätter und Knospen zu bilden…

im Gedankenexperiment könnte ein „Jahr“ aber vielleicht doch 8 Monate Sommer und 99 Monate Winter haben…

ich bin mal optimistisch und trauen das den Bäumen zu, die find ich sowieso phantastisch: können 1000 Jahre wo stehen und sich nie verstecken, ducken oder verkriechen, und halten soch alle Kälte, Nässe, Hitze und Knabbereien aus, warum nicht auch nen „etwas“ längeren Winter :smile:)

cu kai

Hallo Kai,

für diese ausführliche und für mich lesenswerte Antwort gibt es ein Sternchen.

Du hast nicht zufällig noch Links zu interessanten Beiträgen/Quellen (Print,TV,Radio…)? Du erscheinst mir schon sehr glaubhaft, aber ich möchte gerne zu der Thematik mehr erfahren :wink:

Gruß

Hallo!

Danke für’s Sternchen :smile:

Lit. hab ich keine zur Hand, aber google doch einfach weiter = klassisches Surfen: ein Stichwort gibt das nächste…

und/oder geh in ne Bibliothek/einen Buchladen und schau mal bei Dendrologie/Waldbau/Gartenbau/„Welcher Baum ist das?“/„Unsere Wald- und Parkbäume“ etc… das steht VIEL drin…

cu kai

Hallo !

Eine interessante Debatte aber keine Literaturstelle.
Ich habe wenigstens eine :

Alte Bäume ISBN 3-8289-1591-4 Buch anschauen

Das Leben von Bäumen wird begrenzt von physikalischen Einflüssen. Der Stamm ist nicht mehr stabil oder es dringen irgendwann Pilze ein und er verrottet von innen. Deshalb leben die ältesten Bäume in besonders unwirtlichen Gegenden, wo es jedes Jahr nur einen minimalen Zuwachs gibt, so sind etliche Tausend Jahre möglich.

Jochen

OWT: Danke für den Buchtipp
Grüße Roman