Hi Faten,
Aha. Ist nicht leicht, wenn man harmlose und
Gehirnwäschebetreibende auseinander halten möchte, oder?
Es ist noch schwieriger. Bei vielen religösen Organisationen, die man landläufig als Sekten bezeichnet, gibt es keinen spezifischen Führer/Prophet/Leiter. Die Mitglieder werden auch nicht ausgeplündert.
Das sehe ich anders. Ich denke, daß sie unter die erste
Beschreibung fallen zumindestens die Christen. Der Islam hat
KEINEN obersten Herrscher/Leiter o.ä., missionarischen Eifer,
hat keine dem Menschen und Gott zwischengestaltete
Institution, die Macht ausübt, sich der Gedanken und des
Geldes bemächtigt. Und ich denke, daß das in der Frühphase der
Christen, wo sie ja noch verfolgt wurden, auch nicht der Fall
war (diese Macht der Kirche).
Nachdem ich darüber nachgedacht habe, komme ich zum Schluß, daß der Islam in seiner Entstehungsphase wohl deshalb nicht als Sekte bezeichnet werden kann, weil er keine direkte Abspaltung einer bestehenden Religion war.
Das Christentum war zunächst eine jüdische Sekte (Apostelgeschichte 24:5 und 28:22).
Der Islam beruft sich zwar auf die gleichen Schriften, läßt sich aber nicht als Abspaltung des Judentums oder des Christentums einorden.
Was den missionarischen Eifer betrifft, so hat sich der Islam innerhalb einiger Jahrzehnte bis nach Afghanistan und über Nordafrika bis nach Spanien ausgebreitet.
Ein Kennzeichen der großen Weltreligionen heutzutage ist ja, daß sie ihr Terain abgesteckt haben. Eine Missionierung kann ja nur auf Kosten einer anderen Religion stattfinden. Allenfalls in einigen Drittwelt-Ländern, wo Naturreligionen vorherrschen gibt es beispielsweise Missionierungen durch evangelische Gruppierungen.
Bei mir war noch nie ein Moslem, der mich davon überzeugen wollte, Muhammad als den Größten der Propheten anzuerkennen und dem Weg der Unterwerfung zu folgen.
Dies ist der Hauptkritikpunkt, der eine Religionsform nach heutigen Maßstäben zur Sekte abstempelt. Wenn eine Religionsform sich nicht damit begnügt, daß ihre Mitglieder in Form von Kindern nachwachsen, sondern missioniert, so ist sie eine Sekte.
Schlimm wird da nicht der fromme oder streng
orthodoxe Moslem, sondern der Fundermentalist. Den ich
persönlich als irregeleitet und kriminell ansehe, da er denkt,
daß er nach dem Koran handelt und ihn aber für sich bequem
auslegt oder sogar mißdeutet.
Ich behaupte, daß die Personen, die man üblicherweise als islamische Fundamentalisten bezeichnet, sehr wenig Zeit damit verbracht haben, die eigene Religion zu studieren. Und mit den Geboten ihrer Religion nehmen sie es auch nicht so eng.
Aber vielleicht habe ich dich nur falsch verstanden und bin
ein wenig gereizt über diese Islamangst im Sinne von Islam sei
gleich Fundamentalismus, die hier in Deutschland immer schnell
hochschaukelt.
Da bin ich anderer Meinung. Die überwiegende Zahl der Moslems hat genauso wenig Ahnung vom Islam, wie die Christen vom Christentum. Moslems sind nur etwas enger an ihren Traditionen verhaftet.
Gruß
Carlos