Bahei, Sekte ?

Hallo!
Eine Freundin von mir hat einen netten jungen Mann kennen gelernt, den sie sehr nett findet.
Er scheint sehr religiös zu sein, ist aber aus der „normalen“ Kirche ausgetreten und nun in einer selbständigen Religion namens „Bahei“.
Er bestreitet, daß das eine Sekte sei, obwohl man dies angeblich leicht glauben könne (???)…

Naja, ein paar Freundinen haben Ihr nun geraten, lieber die Finger von ihm zu lassen…

Deshalb meine Frage:
Weiß jemand mehr über „Bahei“ und was dahinter steckt?

Bahá’í
Hallo Xanadu,

die Bahá’í-Religion hat si im 19. Jahrhunderd aus einem schiitischen Kontext (Islam) entwickelt. Ihre Stifter sind Báb und Báha’u’lláh, dann wurde Báha’u’lláh ältester Sohn und später sein Enkel sein Nachfrolger nach seinem Tod. Feiertage haben wohl viel mit den Lebensdaten der Stifter zu tun. Seit 1963 gibt es in Haifa das „Universale Haus der Gerechtigkeit“ als höchstes Leitungsgremium der Bahá’ís.

Die wichtigesten Lehren sind:

  • Einheit Gottes, Einheit der Religionen, Einheit der Menschen, Gleichwertigkeit von Mann und Frau
  • für kulturelle Vielfalt ohne Vereinheitlichung, gegen Vorurteile und für eine universale Erziehung, die gegen Armut ankämpft aber auch extremen reichtum ablehnt
  • Wahrheitssuche als legitimes Anliegen jedes Einzelnen
  • Ziel: Harmonie der Religionen und Wissenschaft, für eine internationale Verständigungsmöglichkeit und Einsetzung einer Weltregierung
  • Die Menschheit soll zur Reife in einem „erleuchteten“ Zeitalter heranwachsen

Die Bahá’í-Religion sthet allen Menschen offen (egal welcher Religion, Rasse, Stand, Nation…), es gibt kein Priesteramt und keine festen Rituale. Ihre Häuser sind Gebetshäuser, zur Meditation, Gesang, Lesungen etc. offen.

(Dies alles oberhalb dieses Satzes habe ich aus dem Buch „Die Feste der Weltreligionen“ Von R. Kirste u.a.)

Selbst ist mir nur einmal bewußt eine persische Familie, die den Bahá’í angehören, begegnet. In Gesprächen mit der Tochter, die mit mir in dieselbe Stufe ging, erfuhr ich, daß sie viele Texte ähnlich wie in Bibelkreisen mit Freunden lesen und diskutieren - aus allen Weltreligionen.

Sonst weiß ich nichts darüber.

Aber vielleicht helfen dir ja noch folgende Links beim Bilden einer eigenen Meinung.

http://www.bahai-expo2000.de/de/index.html
http://www.bahai.de/

Gruß, Faten

Hallo,

das es weder Ämter noch Rituale gibt spricht eher gegen eine Sekte. Oder irre ich mich da?

Gruß
Otis

Ab wann ist eine Gruppe eine Sekte?
Hi Otis,

ich denke, daß das eine wichtige Frage ist. Ich denke nicht, daß die Bahá’ís eine Sekte sind, obwohl sie ja echte Personen nämlich diese Stifter haben, die sie in Festen ehren.

Aber was ich denke und was nun stimmt, können ja zwei verschiedene Dinge sein. Außerdem heißt so ein lockerer Gruppenverband ja auch, daß es in der einen Gruppe anders zugehen kann als woanders. Aber wie gesagt, da bin ich unwissend.

Also, woran macht man eine Sekte aus.

So aus dem Bauch heraus würde ich sagen, daß eine Sekte versucht, seine Lehre anderen zu schulen, sich ihrer Gedankenwelt und ihres Lebens und Geldes zu bemächtigen, sie sich nutzbar zu machen und vom vertrauten Umfeld zu lösen. Sie sind im Grunde nie kritikfähig und lösen bei Kritik eine eigene Gruppendynamik aus. Nach diesen Punkten würde ich mir neue Gruppierungen prüfen. Wahrscheinlich kann die dabei aber ein Sektenbeauftragter besser weiterhelfen und wahrscheinlich gibt es irgendwelche offiziellen Richtlinien, nach denen man so etwas überprüfen kann.

das es weder Ämter noch Rituale gibt spricht eher gegen eine
Sekte. Oder irre ich mich da?

Das hatte ich jetzt aus dem Buch. Aber ob es im Alltag auch so aussieht, weiß ich nicht. Im Islam steht das Individuum ja auch Gott gegenüber ohne einen Menschen als Mittelsmann, und dennoch gibt es Imame, die auch mit ihren Interpretationen Menschen beeinflussen können.

Gruß, Faten

Hallo Faten,

die Definition, was eine Sekte ist, hat sich in den letzten drei Jahrzehnten geändert.

Der neue Brockhaus, 1938:
eine kleinere Gesinnungsgemeinschaft, bez. eine religiöse Partei, die sich wegen Verschiedenheit in Lehre, Kultus und Sitte von der großen Kirchengemeinschaft abgesondert hat.

Volkslexikon, 1968:
von der Kirchengemeinschaft getrennte Gruppe.

Nach dieser Definition wären auch Freikirchen oder Inititativen, wie z.B. Donum Vitae Sekten. Aber dieses Wort ist stark negativ besetzt, also ist man auf der suche nach einer neuen Definition.
Dies dürfte der neuen Definition ziemlich nahe kommen.

So aus dem Bauch heraus würde ich sagen, daß eine Sekte
versucht, seine Lehre anderen zu schulen, sich ihrer
Gedankenwelt und ihres Lebens und Geldes zu bemächtigen, sie
sich nutzbar zu machen und vom vertrauten Umfeld zu lösen. Sie
sind im Grunde nie kritikfähig und lösen bei Kritik eine
eigene Gruppendynamik aus. Nach diesen Punkten würde ich mir
neue Gruppierungen prüfen.

Nach diesem Maßstab waren auch das Christentum und der Islam in ihren Frühphasen Sekten mit hohem missionarischen Eifer.

Gruß
Carlos

Hi Carlos,

die Definition, was eine Sekte ist, hat sich in den letzten
drei Jahrzehnten geändert.

Der neue Brockhaus, 1938:
eine kleinere Gesinnungsgemeinschaft, bez. eine religiöse
Partei, die sich wegen Verschiedenheit in Lehre, Kultus und
Sitte von der großen Kirchengemeinschaft abgesondert hat.

Volkslexikon, 1968:
von der Kirchengemeinschaft getrennte Gruppe.

Nach dieser Definition wären auch Freikirchen oder
Inititativen, wie z.B. Donum Vitae Sekten. Aber dieses Wort
ist stark negativ besetzt, also ist man auf der suche nach
einer neuen Definition.

Aha. Ist nicht leicht, wenn man harmlose und Gehirnwäschebetreibende auseinander halten möchte, oder?

Dies dürfte der neuen Definition ziemlich nahe kommen.

So aus dem Bauch heraus würde ich sagen, daß eine Sekte
versucht, seine Lehre anderen zu schulen, sich ihrer
Gedankenwelt und ihres Lebens und Geldes zu bemächtigen, sie
sich nutzbar zu machen und vom vertrauten Umfeld zu lösen. Sie
sind im Grunde nie kritikfähig und lösen bei Kritik eine
eigene Gruppendynamik aus. Nach diesen Punkten würde ich mir
neue Gruppierungen prüfen.

Nach diesem Maßstab waren auch das Christentum und der Islam
in ihren Frühphasen Sekten mit hohem missionarischen Eifer.

Das sehe ich anders. Ich denke, daß sie unter die erste Beschreibung fallen zumindestens die Christen. Der Islam hat KEINEN obersten Herrscher/Leiter o.ä., missionarischen Eifer, hat keine dem Menschen und Gott zwischengestaltete Institution, die Macht ausübt, sich der Gedanken und des Geldes bemächtigt. Und ich denke, daß das in der Frühphase der Christen, wo sie ja noch verfolgt wurden, auch nicht der Fall war (diese Macht der Kirche). Da wo der Islam kritisch mit Macht verflochten ist, ist er meistens mit politischer Macht verbunden. Schlimm wird da nicht der fromme oder streng orthodoxe Moslem, sondern der Fundermentalist. Den ich persönlich als irregeleitet und kriminell ansehe, da er denkt, daß er nach dem Koran handelt und ihn aber für sich bequem auslegt oder sogar mißdeutet.

Aber vielleicht habe ich dich nur falsch verstanden und bin ein wenig gereizt über diese Islamangst im Sinne von Islam sei gleich Fundamentalismus, die hier in Deutschland immer schnell hochschaukelt. Ich denke, ich habe ein wenig konfus geschrieben, aber ich wollte dir noch schnell antworten, bevor ich weg muß.

Meld dich doch noch mal und drösel mir dein Denken zur Aussage deines letzten Satzes auf. Danke!

Gruß, Faten

Hi Faten,

Aha. Ist nicht leicht, wenn man harmlose und
Gehirnwäschebetreibende auseinander halten möchte, oder?

Es ist noch schwieriger. Bei vielen religösen Organisationen, die man landläufig als Sekten bezeichnet, gibt es keinen spezifischen Führer/Prophet/Leiter. Die Mitglieder werden auch nicht ausgeplündert.

Das sehe ich anders. Ich denke, daß sie unter die erste
Beschreibung fallen zumindestens die Christen. Der Islam hat
KEINEN obersten Herrscher/Leiter o.ä., missionarischen Eifer,
hat keine dem Menschen und Gott zwischengestaltete
Institution, die Macht ausübt, sich der Gedanken und des
Geldes bemächtigt. Und ich denke, daß das in der Frühphase der
Christen, wo sie ja noch verfolgt wurden, auch nicht der Fall
war (diese Macht der Kirche).

Nachdem ich darüber nachgedacht habe, komme ich zum Schluß, daß der Islam in seiner Entstehungsphase wohl deshalb nicht als Sekte bezeichnet werden kann, weil er keine direkte Abspaltung einer bestehenden Religion war.
Das Christentum war zunächst eine jüdische Sekte (Apostelgeschichte 24:5 und 28:22).
Der Islam beruft sich zwar auf die gleichen Schriften, läßt sich aber nicht als Abspaltung des Judentums oder des Christentums einorden.

Was den missionarischen Eifer betrifft, so hat sich der Islam innerhalb einiger Jahrzehnte bis nach Afghanistan und über Nordafrika bis nach Spanien ausgebreitet.

Ein Kennzeichen der großen Weltreligionen heutzutage ist ja, daß sie ihr Terain abgesteckt haben. Eine Missionierung kann ja nur auf Kosten einer anderen Religion stattfinden. Allenfalls in einigen Drittwelt-Ländern, wo Naturreligionen vorherrschen gibt es beispielsweise Missionierungen durch evangelische Gruppierungen.
Bei mir war noch nie ein Moslem, der mich davon überzeugen wollte, Muhammad als den Größten der Propheten anzuerkennen und dem Weg der Unterwerfung zu folgen.

Dies ist der Hauptkritikpunkt, der eine Religionsform nach heutigen Maßstäben zur Sekte abstempelt. Wenn eine Religionsform sich nicht damit begnügt, daß ihre Mitglieder in Form von Kindern nachwachsen, sondern missioniert, so ist sie eine Sekte.

Schlimm wird da nicht der fromme oder streng
orthodoxe Moslem, sondern der Fundermentalist. Den ich
persönlich als irregeleitet und kriminell ansehe, da er denkt,
daß er nach dem Koran handelt und ihn aber für sich bequem
auslegt oder sogar mißdeutet.

Ich behaupte, daß die Personen, die man üblicherweise als islamische Fundamentalisten bezeichnet, sehr wenig Zeit damit verbracht haben, die eigene Religion zu studieren. Und mit den Geboten ihrer Religion nehmen sie es auch nicht so eng.

Aber vielleicht habe ich dich nur falsch verstanden und bin
ein wenig gereizt über diese Islamangst im Sinne von Islam sei
gleich Fundamentalismus, die hier in Deutschland immer schnell
hochschaukelt.

Da bin ich anderer Meinung. Die überwiegende Zahl der Moslems hat genauso wenig Ahnung vom Islam, wie die Christen vom Christentum. Moslems sind nur etwas enger an ihren Traditionen verhaftet.

Gruß
Carlos

Die Baha’i sind keine Sekte, sondern eine monotheistische Religion, die viel vom Glaubensgut der anderen monotheistischen Religionen aufgenommen hat und insbesondere auch dem interreligiösen Dialog sehr aufgeschlossen gegenübersteht; so beteiligen sie sich zum Beispiel in dortmund seit Jahren an „Interreligiösen Gebeten“ gewmeinsam mit Juden, Muslimen und Christen.
In Deutschland gibt es nur ein paar tausend Baha’i.

Hi Otis,

ich denke, daß das eine wichtige Frage ist. Ich denke nicht,
daß die Bahá’ís eine Sekte sind, obwohl sie ja echte Personen
nämlich diese Stifter haben, die sie in Festen ehren.

Aber was ich denke und was nun stimmt, können ja zwei
verschiedene Dinge sein. Außerdem heißt so ein lockerer
Gruppenverband ja auch, daß es in der einen Gruppe anders
zugehen kann als woanders. Aber wie gesagt, da bin ich
unwissend.

Also, woran macht man eine Sekte aus.

lieber faten

ich würde sagen eine sekte ist die ,die menschen
überzeugt und verschiedene rituale feiert,
und den teufel, ufos oder sonst was verehrt!
ich hoffe ich konnte dir helfen.
liebe grüsse alexandra

So aus dem Bauch heraus würde ich sagen, daß eine Sekte
versucht, seine Lehre anderen zu schulen, sich ihrer
Gedankenwelt und ihres Lebens und Geldes zu bemächtigen, sie
sich nutzbar zu machen und vom vertrauten Umfeld zu lösen. Sie
sind im Grunde nie kritikfähig und lösen bei Kritik eine
eigene Gruppendynamik aus. Nach diesen Punkten würde ich mir
neue Gruppierungen prüfen. Wahrscheinlich kann die dabei aber
ein Sektenbeauftragter besser weiterhelfen und wahrscheinlich
gibt es irgendwelche offiziellen Richtlinien, nach denen man
so etwas überprüfen kann.

das es weder Ämter noch Rituale gibt spricht eher gegen eine
Sekte. Oder irre ich mich da?

Das hatte ich jetzt aus dem Buch. Aber ob es im Alltag auch so
aussieht, weiß ich nicht. Im Islam steht das Individuum ja
auch Gott gegenüber ohne einen Menschen als Mittelsmann, und
dennoch gibt es Imame, die auch mit ihren Interpretationen
Menschen beeinflussen können.

Gruß, Faten

Hallo Xanadu,
ich kann dir über die Religion nicht viel sagen, aber ich kenne einige Bahais, sowohl aus Deutschland, als auch aus Indien und Iran und kann dir sagen dass das lauter weltoffener, komunikationsfreudige und kritikfähige Menschen sind.
Ich denke nicht dass deine Freundin das Verhältniss zu diesen Mann religionsabhängig machen soll, sonder sich ein Bild von IHM selbst machen soll und dann entscheidet ob er *geeignet ist.

Gruss,
Maja

Genau das habe ich Ihr auch geraten… :wink:
Aber sie scheint in der Sache etwas seltsam zu sein…
Naja, mehr als Ihr zu sagen, was ich denke, kann ich ja eh nicht tun.