Bakterientötender Edelstahl

letzhin habe ich in einer Fernsehsendung die Behauptung gehört, Edelstahl sei bakterientötend, weswegen z.B. Klinken nicht besonders mit Bakterien belastet sind.

Stimmt das und wenn ja, warum ist das bei einem rostigen Nagel anders?

Vielen Dank!

Bernhard

Lieber Bernhard

letzhin habe ich in einer Fernsehsendung die Behauptung
gehört, Edelstahl sei bakterientötend, weswegen z.B. Klinken
nicht besonders mit Bakterien belastet sind.

Über echte bakteriostatische Wirkung (z.B. wegen der Präsenz bestimmter Ionen) weiß ich nichts. Aber: Bakterien benötigen eine bestimmte Umgebung zum Überleben bzw. zur Vermehrung. Und dazu gehört eben auch Nahrung und eine Oberfläche an der sie haften können.
Nun ist Edelstahl nicht allzu nahrhaft. An der meist sehr glatten Oberfläche haften weder die Bakterien selbst noch potentielle Nahrung (z.B. Staub) besonders gut. Daher werden sich Bakterien die durch Kontakt am Stahl kleben bleiben nicht wirklich gut entwickeln.

Stimmt das und wenn ja, warum ist das bei einem rostigen Nagel
anders?

Ein rostiger Nagel ist unter dem Mikroskop eine richtige Kraterlandschaft. Mithin genug LÖcher und Unebenheiten um sich darin niederzulassen. Rost ist chemisch ein Gemisch aus Eisen-III-oxid und -hydroxid, potentiell also schon mal feuchter als Stahl. Damit der Nagel rostet muß er eine ganze Weile mit Luft und Wasser in Berührung kommen, mithin hat er also reichlich Zeit schlichten Dreck an seiner Oberfläche zu sammeln - voila, ein Substrat auf dem bakterien gut siedeln können. Insbesondere dann, wenn der nagel zuvor im Erdboden odr Holz gesteckt hat, da bleibt genug leckere organische Chemie haften.

Gruß
Bernd

Hallo Bernhard,

Du hast recht, das kann man so nicht stehen lassen. Richtig ist, dass manche Metalle eine bakterizide Wirkung haben, aber das bedeutet nicht das sie frei von Organismen sind. Türgriffe in öffentlichen Bereichen sollten zum Beispiel aus Metall gefertigt werden als aus Kunststoff, da Plastik elektrostatisch wirkt und Keime anzieht. Gelöste Metalle und normale haben eine oligodynamische Wirkung. Vergl. Katadynverfahren. Dennoch können sich natürlich Biofilme auch auf Metallen bilden. Das gerade in Krankenhäusern weniger Keime sind, nur weil dort Edelstahl verbaut ist wage ich stark zu bezweifeln. Tatsache ist das sich Edelstahl besser reinigen lässt und widerstandsfähiger ist. Edelstahl hemmt zwar die Ansiedelung von Bakterien aber verhindert sie nicht.

Aber vielleicht gibt es noch andere Meinungen???

Oliver

Hallo,
man sollte in Ergänzung zu den vorhergehenden Antworten folgendes nicht vergessen:
Eine Keimvermehrung auf Metalloberflächen ist abhängig von Nährstoffen. Aber: Bakterien, die auf eine Metalloberfläche gelangen werden dort nicht notwendigerweise abgetötet sondern überleben u.U. verhältnismäßig lange Zeit (Bernd sprach von bakteriostatischem Effekt: dies bedeutet, dass die Bakterien sich nicht mehr teilen [vermehren], damit also im Wachstum gehemmt sind). Bakterien können jedoch sowohl ihre Vermehrungsfähigkeit an sich als auch ihre Virulenz über teilweise lange Zeiträume erhalten (man spricht von ‚Tenazität‘). Diese Tenazität kann sich je nach Erreger über mehr oder weniger lange Zeiträume ausdehnen und bis in den mehrmonatigen Bereich gehen.
Ansonsten ist mein Kenntnisstand der, dass Krankenhäuser eher ein Hort von Erregern ist. Edelstahloberflächen haben aber den Vorteil, dass sie leichter zu desinfizieren sind, so dass Edelstahloberflächen in Krankenhäusern deutlich geriner mit Keimen belastet sind als der nicht aus Edelstahl bestehende restliche Teil des Krankenhauses.
Viele Grüße,
Oliver