Ballett - angeregt vom Artikel über Musik

Talent
Hi Sprite,

Stand das zur Debatte?

Glaube ja. Stefan schrieb ja:

„Was kann es sein, dass ein Tanz solche Emotionen hervorrufen kann?“

Er wollte also wissen, woher so tiefe Emotionen bei dieser Kunstrichtung hervorgerufen werden. Weiter unten kamen wir dann auf die weitergehende Frage, wieso bei der einen Art von Kunst so sehr und bei anderen gar nicht.

Meiner Auffassung nach, hat der Konsument ein Minimum an
Talent mitzubringen, um Zugang zu einer Kunstform zu haben.
Genau wie ein Künstler eine bestimmte Sprache wählt, um
seine Türe zu öffen, wird auch der Konsument ohne besondere
Gabe in Hinblick auf ein künstlerisches Ausdrucksmittel
sein Türchen nicht entsperren können.

Das ist eine sehr spannende Theorie! Und ich glaube, grundsätzlich ist da was dran.

Persönlich erklärt es mir meine Unaufgeschlossenheit dem Ballett gegenüber nicht. Sicher ist mir Sprache meine Kunstform, aber Musik ist mir auch sehr nahe, und tanzen kann ich auch (wenn auch nicht bühnenreif). :wink:
Ich tippe da eher auf pubertäre Blockade, ich fand damals die Ballett-Mäuschen in unserer Klasse so BLÖD, damals war ich Gothic und die hatten alle Folgen von „Anna“ auf Video und hörten Sarah Brightman… Balett? Nie im Leben! :smile: Aber ich komme vom Thema ab…

Stell dir Talent wie eine Glastüre vor. Durch eine Türe
zu gehen, wird dir schwer fallen, wenn du nicht erkennen
kannst, was du auf der anderen Seite tun sollst.
Du willst auch nicht jeden Unbekannten hereinlassen,
wozu sollte man also die Türe öffnen. Wenn du schon von
weitem erkennst, was dich auf der anderen Seite erwartet,
findest du dich umgekehrt viel leichter zurecht(,
was nicht bedeutet, dass du sofort in Tränen ausbrechen musst).

Schon klar. :smile:

Aber bedeutet das In-Tränen-ausbrechen nicht ein viel tieferes Verlorensein?

Dir auch liebe Grüße,
Nike

Hallo Nike,

Aber bedeutet das In-Tränen-ausbrechen nicht ein viel tieferes
Verlorensein?

wenn du unbedingt weinen willst.

Es gibt literarische Werke, deren Höhepunkt in Form einer rührenden
Szene stattfindet, das muss aber nicht sein. Stell dir vor, die
Künstler würden sich kurz vor Schluss plötzlich alle weinend in die
Arme fallen, das würde mit Sicherheit zu Missverständnissen führen.
Auch ein Zuschauer kann sich der Kunst etwa durch sein Lachen
hingeben, ohne dabei gleich Tränen zu lachen, er kann ebenso gut
schwitzen, seufzen, aufschreien, manch einer stellt sich tot, während
dennoch gewaltige Stürme im Kopf ablaufen.

Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Du wirst von deinem
Partner wohl auch nicht erwarten, dass er dir mit Tränen in den Augen
seine Liebe gesteht, es gibt einfach verschiedene Mittel, um seine
tiefe Bewegtheit auszudrücken. Tränen sind in diesem Zusammenhang
einfach nur sehr beliebt, ebenso wie zitternde Hände, wackelnde
Kniescheiben und rote Wangen. Man sollte aber nicht annehmen, dass
jemand ohne diese äußeren Merkmale, oberflächlich liebt.

Ich kenne übrigens auch Menschen, die beim Lesen großer Literatur aus
anderen Gründen wie du sie beschrieben hast, in Tränen ausbrachen.
Ähnlich wie sich bei dir eine negative Assoziationskette durch Tüll
auslöst, haben andere Menschen schwere Erlebnisse aus der Schule zu
verkraften. Das Weinen kann auch Ausdruck von Frustration sein.
Vielleicht weinst du, weil immer die blöde Susi die schönen Stellen
vorlesen durfte und du nicht. Ich war nicht dabei.

Persönlich erklärt es mir meine Unaufgeschlossenheit dem
Ballett gegenüber nicht. Sicher ist mir Sprache meine
Kunstform, aber Musik ist mir auch sehr nahe, und tanzen kann
ich auch (wenn auch nicht bühnenreif). :wink:
Ich tippe da eher auf pubertäre Blockade, ich fand damals die
Ballett-Mäuschen in unserer Klasse so BLÖD, damals war ich
Gothic und die hatten alle Folgen von „Anna“ auf Video und
hörten Sarah Brightman… Balett? Nie im Leben! :smile: Aber ich
komme vom Thema ab…

Was meinst du, ob du deine pubertären Vorurteile inzwischen ablegen
kannst, vielleicht, wenn du als Ex-Goth einen getanzten Schauerroman
siehst, ganz ohne pastellfarbene Schleifchen dafür modern
choreographiert. Nach all der Zeit?

LG
Sprite

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Hallo es handelte sich um die Aufführung PUSH
mit Sylvie Guillem und Russel Maliphant im Heilbronner Stadttheater.

Hallo Rolf,

nein, das war es definitiv nicht!
Wie schon gesagt, ich gehe gerne ins Theater und habe mir daher mal ein Theater-Abo geleistet. Da war dann halt eine Ballett-Aufführung mit dabei. Ich hatte da eigentlich gar keine Lust drauf, da ich ziemlich abgeschafft war. Am liebsten wäre ich zu Hause geblieben, gerade auch weil ich Ballett mit Tütü, Anna und Homo assoziiert habe. Trotzdem bin ich gegangen, bin halt ä bissle Schwabe und was man bezahlt hat, … . Doch als es anfing, war ich vom ersten Moment an gefesselt. Irgendwann war ich wie gefangen vom Rausch der Gefühle, die das Gesamtkustwerk aus Licht, Schatten, Körper, Musik und Bewegung in mir auslösten. Ich war wie in Trance! Und dieses Gefühl hatte ich zuvor noch nie als Zuschauer von was auch immer auch! Meinem Sitznachbar muss es ähnlich gegangen sein, denn er hatte nach der Aufführung Tränen in den Augen und konnte kaum noch ruhig atmen.
Sowas spielt man nicht aus Geltungssucht!!!
LG
Stefan

Hallo,
ich habe mich auch mal mit einem Kollegen darüber unterhalten, der extrem viel Theater- und auch Ballett-Erfahrung hat. Der meinte, das ich halt auch saumäßiges Glück gehabt habe, so ein Weltklasse Stück zu sehen. Ballett sei nicht Ballett und da gäbe es Riesenunterschiede!
Mein Appell nach meinen Erfahrungen: Schau dir nochmal was richtig Gutes an und gib dieser Kunst eine Chance dein Inneres zu berühren!
LG
Stefan

Hallo Nina,

man
weint bei der gelegenheit viele ungeweinte tränen gleich mit.

das schreibe ich mir hinter die Ohren, da ist was dran!

Danke für diesen Satz (oder ist der geklaut? - (ich habe deine Vita gelesen))

LG
Stefan

Hallo Stefan

Ich weiß nicht, was ihr euch da angesehen habt, das die Tränen dabei flossen, etwas Modernes kann es sicher nicht gewesen sein, denn da kriegt man eher Bauchschmerzen :wink:

Wie immer auch. In der Menge, egal wo - auf dem Fußballfeld oder im Konzertsaal verliert man an Individualität und identifiziert sich leicht mit dem Ganzen. Das wird dann als (Freuden)Rausch empfunden und man lacht, klatscht, - weil alle lachen und klatschen oder meinetwegen auch heulen.

Das ist eine ungeschönte Darstellung und beim genauen Überlegen wirst du mir recht geben müssen.

gruß
rolf

hi stefan - ne, der ist nicht geklaut, ist sozusagen aus einer selbsterkenntnis entsprungen*g (dafür aber x-fach überprüft und von anderen bestätigt worden, also beobachtungen und selbstbeobachtungen - im grunde kann man das schon relativ leicht selbst merken - bei einem film z.b - beim balett oder anderen intensiven dingen finde ichs schwer - weil zuviel eindrücke um da noch gleichzeitig in die selbstbeobachtung zu gehen.

im grunde ists doch auch so, wenn du z.b mal gesehen hast wie ein kind leiden musste - wirst du evtl dein leben lang beim anblick ähnlicher dinge herzrasen bekommen und dich ggfs. engagieren - das alte spielt auch da mit hinein. - bei allem was wir tun, was wir schreiben, nicht tun - jeder atemzug würd ich meinen, jeder gedankengang, jedes gefühl -
sind ja keine unbeschriebenen blätter…

aber ich bin vom thema mal wieder abgekommen*g

LG
nina

Hallo Rolf,

Das ist eine ungeschönte Darstellung und beim genauen
Überlegen wirst du mir recht geben müssen.

nein, ich kann dir in diesem Punkt nicht Recht geben. Es gibt sicherlich die Massen-Phänomene, die du beschrieben hast. Die kenne ich! Sieht und hört man öfters auch nach Tokio-Hotel-Konzerten von kreischenden Mädchen. Aber das was ich erlebte war was anderes. Ich war gefangen. Das Klatschen kam nach den Gefühlen. Während der Aufführung war ich verloren. Vielleicht hätte ich nicht bis zum Anschlag applaudiert, wenn ich alleine gewesen wäre - da magst du Recht haben. Aber das war nicht das was mich mein Posting setzen ließ.
Grüße
Stefan
Ich kann gar nicht sagen, ob es modern war oder nicht. Es handelte sich um Push. Hier ein link:
http://www.tanznetz.de/kritiken.phtml?page=showthrea…

Grüße
Stefan

Hi Stefan,

Ich kann gar nicht sagen, ob es modern war oder nicht. Es

Es ist modern, denn sie tanzen nicht in Spitzenschuhen, sondern barfuß.

Grüße
Judith