Bandscheibenvorfall beim Hund oder nicht?

Hallo alle zusammen,
ich bin ziemlich hilf- bzw. ratlos.
Es fing alles vor ca. 6 Wochen an. Mein Hund Lucky (Rüde,7 J.) bekam Probleme beim Aufstehen, er knickte ziemlich oft mit den Hinterläufen weg. Beim „Pinkeln“, hob er sein Bein verlor das Gleichgewicht und fiel mit den Hinterläufen um. Auch Treppensteigen und Toben verlief ähnlich. Ich vermutete, dass es HD sei, da es bei Schäferhunden eine häufige Krankheit ist. Jedoch zeigte Lucky keine Anzeichen von Schmerzen, er tobte rum wie vorher und wollte immer spielen, so gut es halt ging. Als es immer schlimmer wurde, bin ich mit ihm zum Tierarzt gefahren.

Der Tierarzt machte Röntgenaufnahmen und sagte „Hm… Ja sieht nach einem Bandscheibenvorfall aus“ Als ich ihm dann von meiner Befürchtung erzählte, dass ich dachte es sei HD, guckte er sich nochmal die Bilder an und sagte „Ja stimmt, hier und hier sieht man leichte HD.“ Er behandelte ihn mit Medikamenten und sagte ich solle den Rücken viel wärmen.
Dies habe ich dann auch getan und Lucky ging es ein wenig besser, er verhielt sich wieder wie am Anfang, kippte ab und zu um etc. Doch weg ist es bis heute noch nicht. Er kippt immer noch um.

Mir persönlich hat der Tierarzt alles etwas „schwammig“ und unglaubwürdig rübergebracht und da ich mir hier im Forum die Beiträge zu „Bandscheibenvorfall beim Hund“ durchgelesen habe, und mein Hund diese typischen Anzeichen von einem Bandscheibenvorfall nicht zeigt, glaube ich der ganze Sache mit dem Bandscheibenvorfall nicht. Bis heute war ich nicht mehr bei einem Tierarzt.
Ich bin drauf und dran den Tierarzt zu wechseln und alles nochmal von
vorne begutachten zu lassen. Jedoch bin ich noch Schülerin und schwimme nicht grade im Geld, obwohl ich für meinen Hund alles machen würde.

Meine Angst liegt auch darin, dass wenn ich mit ihm erst zu einem Tierarzt gehe, wenn es schlimmer wird, dass der Tierarzt mir dann sagt „Wären Sie früher gekommen, hätten wir vllt. noch etwas machen können!“ Ich wollte mir erstmal hier Meinungen einholen und dann entscheiden.

Viele Liebe Grüße Sarah & Lucky

Hallo Sarah,

Der Tierarzt machte Röntgenaufnahmen und sagte „Hm… Ja sieht
nach einem Bandscheibenvorfall aus“

auf einer „normalen“ Röntgenaufnahme sieht man keinen Bandscheibenvorfall; außerdem wäre dieser sehr schmerzhaft.
Um einen Bandscheibenvorfall darzustellen, wären ein Computertomogramm oder eine Myelographie ideal.

Als ich ihm dann von
meiner Befürchtung erzählte, dass ich dachte es sei HD, guckte
er sich nochmal die Bilder an und sagte „Ja stimmt, hier und
hier sieht man leichte HD.“

Um eine HD auf dem Röntgenbild zu sehen, muss der Hund gerade auf dem Rücken liegen - beide Hintergliedmaßen genau parallel gestreckt bzw. gebeugt. Das geht i.d.R. nur in Vollnarkose. Bei einer derartigen Lagerung kann man allerdings Wirbelsäule und Bandscheiben nicht beurteilen.
Bei der klinischen Lahmheitsuntersuchung sind Beugeproben am Hüftgelenk schmerzhaft. Die klassische HD ist eine Erkrankung des jüngeren Hundes. Beschwerden treten normalerweise in den ersten Lebensjahren auf.

Er behandelte ihn mit Medikamenten
und sagte ich solle den Rücken viel wärmen.
Dies habe ich dann auch getan und Lucky ging es ein wenig
besser, er verhielt sich wieder wie am Anfang, kippte ab und
zu um etc. Doch weg ist es bis heute noch nicht. Er kippt
immer noch um.

Ohne ordentliche klinische Untersuchung und evtl. die geeigneten bildgebenden Verfahren kann man dazu aus der Ferne natürlich schwer was sagen.
Nach deiner Beschreibung - Unsicherheit in der Hinterhand, nicht schmerzhaft, Schäferhund - denkt man eigentlich weniger an Bandscheibe als an eine Verknöcherung der Rückenmarkshaut. Meist wird die Erkrankung (nicht ganz korrekt) „Pachymeningitis ossificans“ genannt. Unter diesem Begriff findest du aber am ersten etwas im Netz.
Medikamente sprechen bei dieser Erkrankung leider sehr schlecht an.

Meine Angst liegt auch darin, dass wenn ich mit ihm erst zu
einem Tierarzt gehe, wenn es schlimmer wird, dass der Tierarzt
mir dann sagt „Wären Sie früher gekommen, hätten wir vllt.
noch etwas machen können!“

Sollte sich mein Verdacht bestätigen, handelt es sich um eine degenerative Erkrankung, die sich weder durch Medikamente noch durch veränderte Haltung wesentlich beeinflussen lässt. Die Lähmungserscheinungen werden mit der Zeit immer stärker, die Patienten kommen hinten irgendwann nicht mehr hoch. Im fortgeschrittenen Stadium kommt meist noch eine Kot-Inkontinenz hinzu.

Mein Rat: Stell deinen Hund noch bei einem anderen Tierarzt vor. Wichtig ist v. a. eine gründliche klinische Untersuchung.

Alles Gute

Johnny

Zusatzfrage
Servus, Johnny,

Meist wird die Erkrankung (nicht ganz korrekt)
„Pachymeningitis ossificans“ genannt.

Einer meiner Setter hatte eine Dura Mater spinalis Verknöcherung.
Daran dachte ich bei der Symptombeschreibung von Sarah - wollte aber natürlich keine Ferndiagnose abgeben. Ist das ähnlich der Pachymeningitis ossificans?

Lieben Gruß, jenny

Hallo Jenny,

Einer meiner Setter hatte eine Dura Mater spinalis
Verknöcherung.

genau diesen Verdacht habe ich auch. Für dieses Krankheitsbild kursieren mehrere Bezeichnungen - Pachymeningitis ossificans ist eine davon.

Gruß

Johnny

Danke dir! owT
lgj.