Hallo!
Könnte man zum derzeitigen Zeitpunkt mit
der Bank verhandeln und auf irgendein Entgegenkommen
hoffen…
Bei absehbar beendeten Problemen wird niemand gleich den Holzhammer zücken. Wenn es aber verwertbares Vermögen gibt, z. B. eine Immobilie, wird man mit dem Ansinnen auf Forderungsverzicht ganz sicher auf Granit beißen.
Ein weitgehender Forderungsverzicht ist nicht nur bei Banken, sondern bei allen Leuten, die in der Situation des Gläubigers sind, ein Mittel, eine unhaltbar gewordene Situation zu beenden und wenigstens noch einen kleinen Teil der Forderung zu realisieren. Kein Gläubiger findet es witzig, sich jahrelang mit aussichtslosen Sachen zu beschäftigen und immer neues Geld für die Verfolgung uneinbringlicher Forderungen zu bezahlen. Wenn sich Gläubiger bei ernsten Problemen nicht verhandlungsberreit zeigen, wird der Schuldner in die Insolvenz gehen und dann gibt es gar nichts mehr oder bestenfalls eine lächerlich geringe Quote. Vom in die Insolvenz getriebenen Schuldner hat also keiner mehr einen Nutzen und dann ist es billiger und schneller, auf Forderungen sehr weitgehend zu verzichten. Aber solange der Schuldner auf Vermögenswerten wie z. B. einer Immobilie hockt, wird eine Bank diesem vermögenden Kunden gewiß nicht die Schulden erlassen. Bei Liquiditätsproblemen kann man über veränderte Zahlungsmodalitäten, aber nicht über Forderungsverzicht reden.
Die gütliche Einigung mit Forderungsverzicht des Schuldners setzt voraus, daß die Gesprächsatmosphäre zuvor nicht vergiftet wurde und daß der Schuldner entweder sofort oder in zuverlässig zu zahlenden Raten ein glaubhaftes Zahlungsangebot macht. Die Höhe des Zahlungsangebotes ist eher nebensächlich, solange dem Gläubiger klar ist, daß die Annahme der Teilzahlung und der Forderungsverzicht das kleinere Übel ist.
Bei Vergleichsverhandlungen zur Vermeidung von Insolvenzen stellt sich regelmäßig heraus, daß es sich über namhafte Beträge am leichtesten reden läßt. Eine Mio. Verbindlichkeit kann dabei schon mal auf ein paar tausend zusammenschmelzen, wenn der Gläubiger genau weiß, daß er die Mio. nie bekommen wird. Über einen Vergleich bei wenigen tausend € kann man aber nur schwer reden, weil das Beträge sind, die jeder Normalsterbliche ohne weiteres abstottern kann. Mit erfahrenen Kaufleuten und Bankern mit Entscheidungsbefugnis kann man über alles reden. Am schwersten sind Gespräche mit privaten Gläubigern, weil die Chance groß ist, auf jemanden zu treffen, der keine Ahnung hat und nicht einsehen will, was er im Fall einer Insolvenz des Schuldners noch zu erwarten hat. Solche Leute zetern hartnäckig um jeden Groschen. Auch unangenehm sind manche Behörden, wenn dort Sturköpfe sitzen, denen völlig wurscht ist, daß es im Fall der Insolvenz der Schuldners nichts mehr gibt, während ein weitgehender Forderungsverzicht zwar Geld in die Kasse, aber auch jede Menge Rechtfertigungsbedarf bringt.
Gruß
Wolfgang